Carstens-Stiftung: Ai Chi für Parkinson-Patienten

Studien kurz und knapp

Ai Chi für Parkinson-Patienten

Studienergebnisse sprechen für eine Verbesserung der Parkinson-Symptome durch ein Tai Chi/Qi Gong-Trainingsprogramm im Wasser.

Die mit einer Parkinsonerkrankung einhergehenden motorischen Störungen beeinträchtigen die Betroffenen in ihrer normalen Lebensführung, erhöhen das Verletzungsrisiko, zum Beispiel durch Stürze, und mindern somit die Lebensqualität. Verschiedene bewegungstherapeutische Ansätze, wie Physiotherapie, Kraft- und Ausdauertraining, zielen darauf ab, diesen motorischen Beeinträchtigungen entgegenzuwirken oder zumindest ihre Verschlechterung mit Fortschreiten der neurodegenerativen Erkrankung aufzuhalten.

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Seit einigen Jahren testet der spanische Wissenschaftler Sagrario Pérez-de la Cruz den Einsatz des zum Ende des letzten Jahrtausends in Japan entwickelten Ai Chi [1-3]. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Tai Chi- und Qi Gong-Übungen, die stehend in etwa hüft- bis brusthohem, 30 °C warmem Wasser ausgeführt werden. Aufbauend auf einer ersten Machbarkeitsstudie ohne Kontrollgruppe [3] folgten zwei randomisierte Studien, in denen die jeweilige Kontrollgruppe in der gleichen Häufigkeit und Dauer wie die Ai Chi-Gruppe, i.e. zweimal wöchentlich 45 Minuten über einen Zeitraum von zehn bzw. elf Wochen, bewegungstherapeutische Übungen an Land ausführte [1,2]. Eingeschlossen in die Studien wurden Parkinsonpatienten mit einem Schweregrad von 1-3 auf der Hoehn & Yahr Skala, gemessen nach zwölf Stunden ohne Medikation (Off-Phase). Zu Studienbeginn, nach Abschluss der Therapiephase und nach einem weiteren Monat wurden zusätzlich zu den motorischen Parametern (statische und dynamische Balance) die Schmerzintensität, die emotionale Verfassung sowie die Lebensqualität der Patienten jeweils in der Off-Phase untersucht.

Von dem mehrwöchigen Ai Chi-Training profitierten die Patienten sowohl in Bezug auf eine Schmerzreduktion als auch auf eine Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und erzielten signifikant bessere Werte als die Teilnehmer der Kontrollgruppen. Diese positiven Therapieeffekte waren zum Teil noch nach der einmonatigen Follow-up-Phase erkennbar. Auf die subjektiv empfundene Lebensqualität wirkte sich das Ai Chi-Training allerdings nur geringfügig aus.

Einschätzung:

Ai Chi ist gemäß der vorliegenden Studienergebnisse ein möglicher therapeutischer Ansatz, die mit einer Parkinsonerkrankung verbundenen motorischen Probleme zu lindern. Der Vorteil eines Bewegungstrainings im Wasser besteht unter anderem darin, dass durch den Auftrieb die Gelenke und Muskeln entlastet werden, das warme Wasser gleichzeitig zu einer Herabsetzung des Muskeltonus und einer allgemeinen Entspannung führt und dadurch die Bewegungsfähigkeit erhöht wird. Eine Aussage darüber, inwieweit die speziellen Tai Chi- und Qi Gong-Übungen einen Einfluss auf die Symptomatik haben, ließe sich allerdings nur durch einen Vergleich mit einem anderen, aber ebenfalls im Wasser durchgeführten Übungsprogramm erzielen.

Literatur

1) Pérez-de la Cruz S. A bicentric controlled study on the effects of aquatic Ai Chi in Parkinson disease. Complement Ther Med 2018; 36: 147-153. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
2) Pérez-de la Cruz S. Effectiveness of aquatic therapy for the control of pain and increased functionality in people with Parkinson’s disease: a randomized clinical trial. Eur J Phys Rehabil Med 2017; 53(6): 825-832. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
3) Pérez-de la Cruz S, García-Luengo AV, Lambeck J. Effects of an Ai Chi fall prevention programme for patients with Parkinson’s disease. Neurología 2016; 31(3): 176-182. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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