Homöopathie: Wirksam, aber teuer?

Homöopathie und konventionelle Medizin gleich gut bei Neurodermitis
Jedes fünfte Kind mit Neurodermitis (synonym: atopisches Ekzem) sucht einen homöopathischen Arzt auf. Laut der Erfahrungsberichte der Eltern zeigt die homöopathische Behandlung Erfolge. In klinischen Studien liegen konventionelle Medizin und klassische Homöopathie hinsichtlich der Wirksamkeit gleichauf. Bisher wurde allerdings noch keine kontrollierte Studie über einen längeren Zeitraum als ein Jahr durchgeführt. Bei chronischen Krankheiten wäre ein langer Beobachtungszeitraum wichtig für die Beurteilung des Therapieerfolgs.

2009 wurde von der Berliner Charité bereits eine prospektive Vergleichsstudie veröffentlicht [1], die den Nutzen, die Kosten und die Sicherheit der homöopathischen Behandlung bei kindlicher Neurodermitis untersuchte.

Damals standen Daten aus einem Zeitraum von 2006 bis 2009 von insgesamt 135 Kindern zur Verfügung, die bei 26 Ärzten (10 Homöopathen und 16 schulmedizinischen Ärzten) in Behandlung waren. Einbezogen wurden nur homöopathische Ärzte, die Einzelmittel verordneten. Die Wissenschaftler werteten im Rahmen dieser Studie nur die Daten nach sechs bzw. zwölf Monaten aus. Die Grundlage bildeten zwei Symptom-Scores (SCORAD, SCORing-Atopic-Dermatitis). Zu beiden Zeitpunkten war die homöopathische der konventionellen Behandlung  nicht überlegen, erwies sich jedoch im Vergleich als kostenintensiver.

Nun publizierten die Wissenschaftler die ausgewerteten Daten der gesamten drei Jahre. [2]

Für die Analyse standen jetzt allerdings nur noch die Daten von 99 Kindern zur Verfügung (Homöopathie: 39 Patienten, Konventionelle Medizin: 61 Patienten). Zwar wirkte die homöopathische Therapie genauso gut wie die konventionelle Behandlung, allerdings war sie in der sensitiven Gesamtkosten-Analyse auch um die Hälfte teurer. Die Kosten setzten sich im Wesentlichen aus den Ausgaben für Arzneimittel sowie die Visiten durch den Arzt bzw. den Kontakt zwischen Arzt und Patient zusammen.

Auch hinsichtlich unerwünschter Wirkungen konnte die Homöopathie nicht überzeugen. In beiden Vergleichsgruppen war die Rate der Nebenwirkungen ungefähr gleich hoch.

Einschätzung:
Eine Lesart dieser Studie ist: Homöopathie ist in der Behandlung des kindlichen atopischen Ekzems der konventionellen Therapie ebenbürtig. Auf der Grundlage der langen Follow-up-Phase von drei Jahren erscheinen die erhaltenen Resultate aussagekräftig. Allerdings mit Einschränkung: Die Berliner Wissenschaftler betonen, dass das verwendete nicht-randomisierte Studiendesign dieser Vergleichsstudie ein methodisches Defizit ist. Dafür wurden die Präferenzen der Patienten bzw. der Eltern der erkrankten Kinder in der Auswertung mit berücksichtigt.

Unterschiede zwischen beiden Gruppen bestanden zu Studienbeginn hinsichtlich des Schweregrads der Erkrankung, der in der Homöopathie-Gruppe vergleichsweise höher war. Auch dies könnte die Ergebnisse verzerren.

Eine etwas andere Lesart der Studie lautet: Homöopathie hilft so gut, wie eine konventionelle Therapie, gemessen am Nebenwirkungsprofil und den Kosten ist sie aber nicht überlegen bzw. sogar unterlegen.

In zukünftigen Kosten-Nutzen-Analysen sollte nicht nur ein geeigneteres Design, sondern auch eine höhere Studienpopulation gewählt werden.

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Literatur
  1. Witt CM, Brinkhaus B, Pach D, Reinhold T, Wruck K et al. Homoeopathic versus conventional therapy for atopic eczema in children: medical and economic results. Dermatology 2009; 219: 329-340 > Abstract
  2. Roll S, Reihnhold T, Pach D, Brinkhaus B, Icke K, Staab D, Jäckel T, Wegscheider K, Willich SN, Witt CM. Comparative effectiveness of homoeopathic vs. Conventional therapy in usual care of atopic eczema in children: long-term medical and ecnonomic outcomes. PLOS one 2013; 8(1): e54973 > Abstract
 
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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