17.08.2011

Homöopathie bei Heuschnupfen

Galphimia glauca mindestens gleichwertig zu konventionellen Heuschnupfen-Mitteln
Jeden Frühling aufs Neue gibt es eine Vielzahl von Menschen, die dem Blühen und Grünen nicht mit Freude entgegensehen, sondern mit der Sorge von gereizten und geschwollenen Augen. Während man sich jedoch bei anderen Allergien – z.B. einer Katzenallergie – gegen die Allergene schützen kann, ist dies bei den Heuschnupfen auslösenden Blüten- und Gräserpollen kaum möglich.

Zur Sache
Die verbreitetste allergische Erkrankung ist die Pollenallergie, auch bekannt als Heuschnupfen (Rhinitis allergica = allergische Nasenschleimhautentzündung): 12-15% der deutschen Bevölkerung sind von dem Leiden betroffen. Zwischen Frühjahr und Spätsommer rufen vor allem die Pollen windbestäubender Bäume und Pflanzen in Nase und Augen allergische Reaktionen hervor: Nasenjucken, Niesreiz, Schnupfen, verstopfte Nase sowie rote, juckende und brennende Augen, Müdigkeit sowie gelegentlich erhöhte Temperaturen (Heufieber). Gefürchtet ist der so genannte „Etagenwechsel“: Bei 30% der Pollenallergiker entwickelt sich im Laufe der Zeit zusätzlich ein allergisches Asthma. Die Erkrankung „wandert in die Lungen-Etage“. Außerdem kann es zu so genannten „Kreuzallergien“ kommen: Dies bedeutet, dass sich die allergische Reaktion auf ähnlich gebaute Stoffe ausdehnt.

Die konventionelle Therapie
Die Heuschnupfentherapie ist mühselig und häufig frustrierend. Sie beruht auf drei Grundprinzipien.

1. Die allergieauslösenden Pollen zu meiden

2. Die allergischen Beschwerden durch Medikamente zu lindern
Die konventionelle Medizin verwendet dazu Tropfen oder Nasensprays mit den anti-allergischen Wirkstoffen Antihistaminika, Cromoglycinsaure oder Kortison sowie Schleimhaut abschwellende Nasentropfen. Bei ausgeprägten Beschwerden werden auch Antihistaminika-Tabletten verwendet. Zur Erläuterung: Histamin ist ein Gewebshormon, das in Blut- und Gewebsmastzellen gespeichert wird und bei entzündlichen und allergischen Reaktionen eine Rolle spielt. Die Antihistaminika blockieren die Histamin-Rezeptoren im Organismus, der Wirkstoff Cromoglycinsäure hemmt die Histamin-Freisetzung.

3. Eine Gewöhnung an die Allergie auslösenden Pollen herbeizuführen
(Hyposensibilisierung/ spezifische Immuntherapie)

Unter einer Hypo- oder Desensibilisierung wird dabei die Schwächung bis Aufhebung der allergischen Reaktionsbereitschaft verstanden. Sie wird durch die langzeitige Verabreichung geringer Dosen des spezifischen Antigens in steigender Dosierung durchgefuhrt, mit dem Ziel eine Unter- oder Unempfindlichkeit auf das Antigen zu erreichen.

Zu den Studien
Um die Wirksamkeit der homöopathischen Therapie zur Linderung und Vorbeugung von Heuschnupfen zu überprüfen, hat die Carstens-Stiftung zwischen 1980 und 1989 sieben placebokontrollierte Doppelblindstudien und vier nicht-placebokontrollierte Studien mit insgesamt 1038 Heuschnupfen-Patienten (752 Patienten placebokontrolliert) einer Forschergruppe unter der Leitung von Dr. med. Markus Wiesenauer gefördert.

Untersucht wurde die Heuschnupfen lindernde Wirkung des homöopathischen Arzneimittels Galphimia glauca in verschiedenen Potenzen (C4, D6, C2, C4, LM4). Dabei wurde vor allem der Einfluss des Mittels auf die Augensymptomatik berücksichtigt. Die Patienten sollten einschätzen, ob die Symptome durch Mittelgabe gar nicht, wenig, deutlich oder sogar vollständig gebessert wurden. Als Nebenkriterium wurde der Einfluss auf die Nasensymptomatik bewertet.

In jeder Studie wurden die Patienten nach einer Beobachtungszeit von 4 Wochen eingestellt und der Therapieerfolg anhand der Verbesserung der Augensymptome gemessen. Dabei galt die Therapie als erfolgreich, wenn der Patient eine deutliche Verbesserung zeigte oder die Symptome vollständig verschwanden. Wenn keine oder nur leichte Verbesserungen zu erkennen waren, wurde die Therapie als nicht erfolgreich eingestuft.

Weltweit gibt es keine vergleichbaren oder ähnliche Studien. Das Besondere an dem Studiendesign ist zudem, dass hier homöopathische Studien mehrfach reproduziert wurden und mehrheitlich zu einem übereinstimmenden Ergebnis kamen.
Projektleiter:
> Dr. Markus Wiesenauer

Förderzeitraum:
> 1985 - 1988

Fördervolumen:
> 96.379 Euro


Ergebnisse
Eine abschließende statische Auswertung aller Heuschnupfenprojekte – dies wird als Metaanalyse bezeichnet – zeigte, dass die Wirkung von Galphimia glauca den konventionellen Medikamenten gleichwertig ist. Die allgemeine Erfolgsrate lag für die Augensymptome in der Verumgruppe etwa 1,25-mal höher als in der Placebogruppe. Sie wurde in der Verumgruppe mit 79,3% geschätzt. Dies bedeutet, dass etwa 4 von 5 Patienten von einer Behandlung mit Galphimia glauca profitierten.

Ähnlich waren die Ergebnisse im Hinblick auf die Nasensymptome: Wiederum war die Verumbehandlung der Placebobehandlung signifikant überlegen. Unerwünschte Ereignisse wurden in keiner der Studien dokumentiert.

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Potenzen waren interessanterweise im Vergleich zum Unterschied zwischen Verum und Placebo klein. Die hohen Placeboeffekte, die in der Studie auftraten, sind in diesem Forschungsbereich nichts Ungewöhnliches, in Studien zur Hypersensibilisierung werden oft Erfolgsraten von etwa 50% angegeben.

Fazit
Als Fazit lässt sich festhalten: Die Verumeffekte von Galphimia glauca sind mit denen konventioneller Antihistaminika und anderer antiallergischer Substanzen vergleichbar. Dabei kann die niedrige Rate unerwünschter Arzneimittelwirkungen als Hauptvorteil von Galphimia glauca betrachtet werden: Im Gegensatz zu Antihistaminika treten keine sedativen (beruhigenden) Effekte auf. Im Vergleich zu Hypersensibilisierungen erscheint die unproblematische Anwendungsform (perorale Applikation = Einnahme) der Arznei vorteilhaft. Jedem Heuschnupfen-Patienten ist daher ein Therapieversuch mit diesem Mittel sehr zu empfehlen.
 
Literatur
  1. Lüdtke R, Wiesenauer M. Eine Meta-Analyse der homöopathischen Behandlung der Pollinosis mit Galphimia glauca. Wiener Med Wochenschr 1997; 14: 323-327. > Abstract
 
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