Grüner Tee gegen Alzheimer

Die Alzheimer-Erkrankung ist weltweit die häufigste Form der Demenzerkrankungen. Eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielen wahrscheinlich Ablagerungen kleiner, entarteter Eiweiß-Moleküle (Beta-Amyloid-Peptide) im Gehirn, sogenannter Plaques. Die Entartung dieser normalerweise ungefährlichen Eiweiß-Moleküle wird dabei wahrscheinlich durch aggressive chemische Verbindungen, den Radikalen, verursacht. Grünem Tee werden neuroprotektive Eigenschaften (also möglicherweise Schäden verhindernde oder mindernde Eigenschaften) nachgesagt.  Die vorliegende Studie [1] untersucht, inwieweit Inhaltsstoffe aus Grünem Tee die zellzerstörenden Auswirkungen von Radikalbildnern und Beta-Amyloid-Peptiden vermindern können.
 
Die beschriebenen Laborversuche wurden mit Tumorzellen aus der Nebennierenrinde von Ratten durchgeführt. Der Tee-Extrakt wurde vor der Anwendung einer künstlichen Verdauung zugeführt, um die realen Verhältnisse im menschlichen Körper besser simulieren zu können. Die Rattenzellen wurden mit dem „verdauten“ Grünen Tee-Extrakt vorbehandelt und anschließend mit einer Radikal-bildenden chemischen Verbindung vermischt. Dabei zeigte sich, dass der Grüne Tee-Extrakt konzentrationsabhängig die Überlebensfähigkeit der Zellen deutlich erhöhte. Zellen ohne Vorbehandlung starben überwiegend ab, nur etwa 15 Prozent der Zellen überlebten. Ähnliche Ergebnisse ergaben sich mit einem Beta-Amyloid-Peptid: Während ohne Vorbehandlung nur ca. 25 Prozentder Zellen überlebten, konnte der Grüne Tee-Extrakt die Überlebensfähigkeit mehr als verdoppeln.
 
Die positiven Effekte des Grünen Tee-Extrakts wurden dabei immer mit den niedrigeren Konzentrationen gefunden. Höhere Konzentrationen führten wieder zu einem vermehrten Zellsterben. Dies steht  in Einklang mit anderen Studien, die die Wirksamkeit Grünen Tees bei der Krebsbehandlung postulieren. [2,3]
Der Grüne Tee-Extrakt konnte also die direkte zellzerstörendeWirkung des Radikalbildners und des Beta-Amyloid-Peptids abschwächen. Über den Wirkmechanismus geben die Experimente dabei keine weiteren Aufschlüsse.

Einschätzung
Insgesamt reiht sich diese Veröffentlichung mit anderen Studien ein, die einen positiven Effekt von Grünem Tee bei der Alzheimer-Erkrankung nahelegen [4,5].

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Literatur
  1. Bastianetto S, Yao ZX, Papadopoulos V, Quirion R. Neuroprotective effects of green and black teas and their catechin gallate esters against beta-amyloid-induced toxicity. Eur J Neurosci. 2006 Jan; 23(1):55-64.
  2. Rezai-Zadeh K, Arendash GW, Hou H, Fernandez F, Jensen M, Runfeldt M, Shytle RD, Tan J. Green tea epigallocatechin-3-gallate (EGCG) reduces beta-amyloid mediated cognitive impairment and modulates tau pathology in Alzheimer transgenic mice. Brain Res. 2008 Jun 12; 1214:177-87.
  3. Johnson JJ, Bailey HH, Mukhtar H. Green tea polyphenols for prostate cancer chemoprevention: a translational perspective. Phytomedicine. 2010 Jan; 17(1):3-13.
  4. Wang ZY, Huang MT, Ferraro T, Wong CQ, Lou YR, Reuhl K, Iatropoulos M, Yang CS, Conney AH. Inhibitory effect of green tea in the drinking water on tumorigenesis by ultraviolet light and 12-O-tetradecanoylphorbol-13-acetate in the skin of SKH-1 mice. Cancer Res. 1992 Mar 1; 52(5):1162-70.
  5. Okello EJ, McDougall GJ, Kumar S, Seal CJ. In vitro protective effects of colon-available extract of Camellia sinensis (tea) against hydrogen peroxide and beta-amyloid (Aβ(1-42)) induced cytotoxicity in differentiated PC12 cells. Phytomedicine. 2010 Dec 21.
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Dr. Jürgen Clausen
Fachbereich Wissenschaftliche Recherche und Forschung
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