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16.03.2015

Die Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin

TCM-Themenwoche
Um die Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin, wie Akupunktur, Qigong oder Tai Chi, verstehen zu können ist es von Vorteil, die dahinterliegenden Vorstellungen vom Leben und vom Körper zu kennen. Wir haben die wichtigsten Prinzipien und Denkmodelle aus der Lehre der TCM zusammengefasst.



Yin und yang
Wahrscheinlich durch Beobachtungen der Natur entwickelte sich die Vorstellung von zwei elementaren Grundprinzipien der Welt. Eines davon ist die yinyang-Lehre, nach der allem ein polares Prinzip innewohnt: Tag und Nacht, Licht und Schatten, Hitze und Kälte sind nur einige Beispiele aus denen ersichtlich wird, dass jedes Phänomen eines Gegensatzpaares vom anderen abhängig ist.

Übertragen auf die Medizin steht yin für alles Feste, Organische und yang für das Funktionelle, die Körperfunktionen. Beides ist voneinander abhängig, die yang-Kräfte wirken auf yin ein und yin ist gleichzeitig die Grundlage für die yang-Aktivität. Das dynamische Gleichgewicht beider Faktoren wird mit Gesundheit assoziiert, Ungleichgewicht ist hingegen die Ursache für Krankheit.

Wandlungsphasen (Wu xing)
Das zweite Grundprinzip stellt die Erkenntnis dar, dass alles in der Natur in Zyklen verläuft: Auf- und Untergang von Sonne und Mond, der Wechsel der Jahreszeiten, Ebbe und Flut. Dabei sind für die chinesische Medizin vier Wandlungsphasen von Bedeutung: gegenseitige Hervorbringung (xiang sheng) und gegenseitige Bändigung (xiang ke) beschreiben das gesunde Zusammenspiel der Elemente, Überwältigung (xiang cheng) und Tyrannei (xiang wu) hingegen einen krankhaften Zusammenhang.

Qi
Eine frühe Bedeutung des Schriftzeichens qi war "aufsteigender Dampf". Damit ist sowohl eine konkrete Materie als auch eine abstrakte Vorstellung beschrieben – denn Dampf ist gerade noch tast- und sichtbar, löst sich aber schnell auf. Qi ist die Basis aller Wirkzusam-
menhänge, kosmische Kraft und Manifestation zugleich. Übersetzungen wie "Lebenskraft" oder "Energie" erfassen daher nur Teilbereiche des Begriffes.

Beim qi des Organismus werden ein angeborener und ein erworbener Anteil unterschieden. Das angeborene Ursprungs-qi (yu-anqi) wird von den Eltern vererbt. Sämtliche Organfunktionen sind hiervon abhängig. Der erworbene Anteil entsteht aus einer Kombination von Klarem qi (qingqi) der eingeatmeten Luft und dem durch die Verdauung von Speisen gewonnenen Nahrungs-qi (yingqi). Klares qi und Nahrungs-qi vereinigen sich in der Brust zum Sammlungs-qi (zongqi), dessen Aufgabe in der Ernährung von Herz und Lunge besteht. Außerdem verfügt jedes Organ über ein spezifisches qi, das über Leitbahnen durch den Körper zirkuliert.

Xue
Xue ist die chinesische Bezeichnung für Blut und wird als "Mutter" des qi bezeichnet, da es das qi nährt. Qi wiederum gilt als "Meister" des xue, da es dessen Antriebsquelle ist, die Kraft, die es bewegt. Diese enge Wechselseitigkeit wird auch in der zusammengesetzten Bezeichnung qixue zum Ausdruck gebracht.

Essenz jing
Aus der von den Eltern vererbten vorgeburtlichen Essenz (xiantian zhi jing) entwickelt sich der Organismus. Diese vorgeburtliche Essenz wird jedoch im Laufe des Lebens aufgezehrt und bedarf daher einer ständigen Ernährung durch einen nachgeburtlichen Anteil (houtian zhi jing), der durch Magen und Milz aus der Nahrung gewonnen wird.

Flüssigkeiten jinye
In der chinesischen Medizin bezeichnet jinye die Flüssigkeiten des Körpers, die durch Magen und Milz aus der Nahrung produziert werden. Schweiß, Urin, Tränen, Speichel zählen dazu. Ihre Untersuchung ist vor allem für die Diagnose von Bedeutung.

Shen
Mit shen ist eine Substanz beschrieben, die allein dem Menschen angehört, am besten mit "Geist" übersetzt. Das Bewusstsein, die Fähigkeit zu denken, die Persönlichkeit – verweisen auf die Gegenwart von shen.



Leitbahnsystem (Jing-luo)
Jing bedeutet "durchgehen" und luo "Netz". Jing-luo lässt sich daher mit "Leitbahnen" übersetzen. Gemeint ist ein unsichtbares Netzwerk aus Kanälen oder Wegen – auch Meridiane genannt –, auf denen qi und xue im Körper befördert werden und so Nährstoffe und Kraft verbreiten. Alle Grundsubstanzen und Organe werden durch dieses Leitbahnsystem miteinander verknüpft. Da es alle Teile des Körpers vereint, stellt es eine Grundvoraussetzung für die Erhaltung eines harmonischen gesunden Gleichgewichtes dar.

Themenvorschau TCM-Woche:

Montag, 16.03. – Die Säulen der TCM
Dienstag, 17.03. – Die chinesische Organuhr
Mittwoch, 18.03. – Zungen- und Pulsdiagnostik
Donnerstag, 19.03. – Akupressur und Akupunktur
Freitag, 20.03. – Qigong und Tai Chi
 
Literatur
  1. Tao, Iven. 2007. Grundkonzepte der chinesischen Medizin. KVC Verlag. > Abstract
  2. Kaptchuk, Ted J. 2001. Das große Buch der chinesischen Medizin. Heyne. > Abstract
 
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Michèl Gehrke, M.A.
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