Studien kurz und knapp

Schmerz(mittel)-Reduktion nach Kniegelenksersatz mit nicht-medikamentösen Begleittherapien

Eine aktuelle Meta-Analyse überprüfte die Evidenz der fünf Therapieverfahren Passive Bewegung, Präoperative Bewegungstherapie, Kältetherapie, Elektrotherapie und Akupunktur.

Weltweit zählt die totale Knie-Arthroplastie zu den häufigsten operativen Eingriffen. In Deutschland werden pro Jahr über 150.000 künstliche Kniegelenke implantiert.

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Diese sollen den beispielsweise von starker Arthrose betroffenen Patienten zu einem Leben ohne Schmerzen und mit mehr Mobilität verhelfen. Postoperativ bringt der Eingriff jedoch zunächst starke Schmerzen mit sich, die konventionell mit Analgetika wie Opioiden und Nicht-steroidalen Entzündungshemmern (NSAID) behandelt werden. Aufgrund des Risikos von Nebenwirkungen und einer Medikamenten-Abhängigkeit, insbesondere von Opioiden, wird eine Minimierung und Verkürzung der Einnahme starker Schmerzmittel angestrebt. Als etabliertes Standardverfahren wird die physiotherapeutische Behandlung der operierten Patienten eingesetzt. Aber auch andere therapeutische Ansätze kommen zur Anwendung.

Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse überprüfte randomisierte klinische Studien, in denen insgesamt 2391 Patienten nach einer Knie-Arthroplastie zusätzlich zur Schmerzmedikation mit einem der unten stehenden Therapieverfahren behandelt wurden, auf deren Potential zur Herabsetzung der postoperativen Schmerzen und des Einsatzes von Schmerzmedikamenten. In den Publikationen wurde die Anwendung von:

  1. kontinuierlicher passiver Bewegung mithilfe einer Maschine, welche die Beweglichkeit erhöhen und den Schmerz reduzieren soll (18 Studien),
  2. präoperativen Bewegungsübungen, die den Patienten auf die operationsbedingten Belastungen vorbereiten und einen erleichterten Rehabilitationsprozess bewirken sollen (3 Studien),
  3. Kryotherapie, bei der durch eine Kältebehandlung mit Eis- oder Wasser den postoperativen Schwellungen und Schmerzen im Eingriffsbereich entgegengewirkt werden soll (12 Studien),
  4. Elektrotherapie in Form von Transkutaner Elektrischer Nervenstimulation (TENS) bzw. gepulste elektromagnetische Magnetfeldtherapie (4 Studien) und
  5. Akupunktur (Körper- bzw. Ohrakupunktur) zur Regulierung schmerzphysiologischer Prozesse (4 Studien)

im Vergleich entweder mit einer anderen nicht-medikamentösen Therapie oder keiner weiteren Behandlung zusätzlich zur Schmerzmedikation untersucht.

Elektrotherapie und Akupunktur zeigten statistisch signifikante Werte in Bezug auf die Schmerz- und Schmerzmittelreduktion bzw. im Falle der Akupunktur hinsichtlich einer Verzögerung der notwendigen Opioidmedikation. Auch mittels Kryotherapie ist eine Verringerung des Opioideinsatzes zu erzielen, wenn auch in geringerem Maße als mit den zuvor genannten Verfahren. Die passive Bewegung und die präoperativen Bewegungsübungen haben offenbar keinen Einfluss auf die postoperative Schmerzintensität und den Bedarf an Schmerzmitteln.

Einschätzung:

Akupunktur und Elektrotherapie sind gemäß der vorliegenden Übersichtsarbeit und Meta-Analyse diejenigen nicht-medikamentösen Verfahren, die postoperativ nach einem Kniegelenksersatz zur Linderung der Schmerzen und zu einer Reduktion des Einsatzes von starken Schmerzmitteln geeignet sind.
Doch auch wenn die drei anderen in dieser Studie überprüften Therapieansätze keine Evidenz erreichen konnten, können sie dennoch geeignet sein, in einem (multimodalen) Rehabilitationsprogramm positiv auf andere Parameter, wie Schwellung, Beweglichkeit und Mobilität einzuwirken und damit den Genesungsprozess zu begünstigen.

Literatur

Tedesco D, Gori D, Desai KR, Asch S, Carroll IR, Curtin C, McDonald KM, Fantini MP, Hernandez-Boussard T. Drug-free interventions to reduce pain or opioid consumption after total knee arthroplasty. A systematic review and meta-analysis. JAMA Surgery 2017; 152(10): e172872. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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