Lohnt sich Homöopathie für Krankenkassen und Versicherte?

Rubrik: Studien kurz und knapp

Lohnt sich Homöopathie für Krankenkassen und Versicherte?

Im September 2020 erschienen gleich zwei Forschungsarbeiten, die sich mit der Frage auseinandersetzen, ob es für Krankenkassen einen Unterschied macht, wenn Patienten sich vorwiegend homöopathisch behandeln lassen.

In den Blick genommen haben Statistiker im Auftrag der Techniker- und der Securvita-Krankenkasse hierbei einerseits eher wirtschaftliche Faktoren, wie etwa die Kosten für Arzneimittel und Krankenfehltage. Andererseits wurden auch direkte und indirekte Daten zur therapeutischen Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung erhoben. Beide Studien bieten interessante Einsichten zur Bedeutung der Homöopathie im deutschen Gesundheitssystem.

Die Studie der Securvita 

Die Gesundheitsforen Leipzig, ein auf Versorgungsforschung im Gesundheitswesen spezialisiertes Analyse-Institut, wertete die Daten von 15.700 Versicherten der Securvita aus, die mindestens drei Jahre lang regelmäßig bei Kassenärzten mit homöopathischer Zusatzqualifikation in Behandlung waren [1]. Als Kontrolle diente eine gleich große und in den wesentlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht etc.) übereinstimmende Vergleichsgruppe von Patienten, die während der Studiendauer keine homöopathische Behandlung erhielten.

Auffällige Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zeigten sich beispielsweise hinsichtlich der Verordnung von Antibiotika: Ab der Geburt verringerte sich bei Kindern in der Homöopathiegruppe die Zahl der Antibiotika-Behandlungen im dreijährigen Untersuchungszeitraum um 17%, während sie in der Vergleichsgruppe um 74% stieg (absoluter Unterschied: 91% weniger Antibiotika mit Homöopathie). Ein detaillierter Vergleich anhand von Diagnosegruppen förderte überdies zutage, dass Kleinkinder mit Allergien, Neurodermitis und Asthma im Hinblick auf verschiedene gesundheitlich relevante Kennzahlen besonders von der homöopathischen Behandlung profitierten.
 

Quelle: https://tinyurl.com/y5eus38g
Antibiotika-Behandlung bei Kindern und Kleinkindern

 

Ähnliches zeigte sich für Erwachsene: Bei der Versorgung von Patienten mit Depressionen, Krebs und mehrfachen schweren Krankheiten zeigten sich deutliche Vorteile für die Homöopathiegruppe in Bezug Krankenhauseinweisungen, die Dauer von Klinikaufenthalten und Krankenfehltage. Für die Wirtschaft und das Gesundheitswesen sind Arbeitszeitverluste ein besonders relevanter Faktor. Im Laufe der Studie sank beispielsweise die Zahl der Krankschreibungstage mit homöopathischer Behandlung um 16,8 %, ohne Homöopathie stieg sie um 17,3 % (absoluter Unterschied: 34,1% weniger Fehltage durch Depressionen mit Homöopathie).  

Die Wissenschaftler der Gesundheitsforen Leipzig resümieren: Im Untersuchungszeitraum  „zeigte sich bei fast allen untersuchten Indikationen und Gruppen eine positive Entwicklung im Sinne von sinkender Morbidität und abnehmender Inanspruchnahme von Krankenversicherungsleistungen“ für die (zusätzlich) homöopathisch behandelten Patienten.

Die Studie der Techniker-Krankenkasse 

Für diese Untersuchung werteten unter anderem Wissenschaftler der Berliner Charité die Daten von 2.524 Versicherten aus [2]. Etwa die Hälfte von ihnen hatte zu Beginn der Studie einen Zusatzvertrag für homöopathische Behandlungen abgeschlossen. Die andere Hälfte wurde durch eine Vergleichsgruppe ohne Zusatzvertrag gebildet. Die beiden Gruppen waren bezüglich diverser relevanter Kennzahlen, die Aufschluss über den Gesundheitszustand und die Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen geben, zu Studienbeginn einander ähnlich. Untersucht wurden folgende Diagnosegruppen über zwölf Monate: Migräne oder Kopfschmerzen, Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis und Depressionen. Der Untersuchungsgegenstand war hierbei die Kosteneffektivität der homöopathischen Therapie, die sich in die Frage übersetzen lässt, wie sich die Behandlungsergebnisse in der Homöopathiegruppe zu den eingesetzten Geldern verhalten.

Die Auswertung ergab, dass die Patienten in der Homöopathiegruppe im Vergleich zur Kontrolle zwar höhere Kosten bei Migräne, Asthma und Depressionen verursachten. Allerdings ergab sich unter Einrechnung des Therapieerfolgs, die kosteneffektive Überlegenheit der homöopathischen Behandlung für Migräne, Neurodermitis und Depressionen, während sich in Bezug auf Heuschnupfen und Asthma keine statistisch signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe zeigten.

Die Autoren der Studie kommen zu der Schlussfolgerung, dass aus versicherungstechnischer Sicht „die Behandlung […] für Teilnehmer mit Migräne oder Kopfschmerzen, Neurodermitis und Depression kosteneffektiv zu sein scheint, nicht jedoch für Teilnehmer mit allergischer Rhinitis und Asthma.“

Einschätzung:

Im Rahmen der vorliegenden zwei Krankenkassen-Studien zeigten sich bei diversen Erkrankungen relevante Vorteile für Patienten in homöopathischer (Zusatz-)Behandlung. Dies gilt hinsichtlich des Therapieerfolgs und/oder der Kosteneffektivität. Die gemessenen Effekte bilden sich in so unterschiedlichen Dimensionen wie Arzneimittelverbrauch, Krankenhausaufenthalte oder auch zugewonnene Lebensqualität ab. Im Wesentlichen bestätigen diese Untersuchungen somit die in älteren Arbeiten erhobenen Daten [3].

Literatur

[1] tinyurl.com/y5eus38g
[2] https://link.springer.com/article/10.1186/s12913-020-05706-4
[3] Viksveen P, Dymitr Z, Simoens S. (2014): Economic evaluations of homeopathy: a review. In: European Journal of Health Economics 2014; 15(2): 157-174. Abstract

Dr. Jens Behnke, Carstens-Stiftung : Natur und Medizin

Dr. Jens Behnke

Programmleitung Integrative Medizin

Telefon: 0201 56 305 13 und 0178 5594 308
E-Mail: j.behnke@carstens-stiftung.de


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(Veronica Carstens)

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