Studien kurz und knapp

Auf den Leib zugeschnitten – Erfolgreiche Gewichtsreduktion mit einem individuellen Lebensstilprogramm

Ein einjähriges, eng begleitetes und auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmtes Gesundheitsprogramm für Übergewichtige ließ deutlich mehr Pfunde purzeln als die ärztlichen Standardempfehlungen gemäß der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Übergewicht und Fettleibigkeit erhöhen das Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes, koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, degenerative Gelenkerkrankungen etc. und können sowohl die Lebensqualität als auch die Lebenserwartung senken, während in gleichem Zuge die Behandlungskosten steigen. Das Angebot an verschiedensten Diäten und Fitnessprogrammen ist mannigfaltig. Eine nachhaltige Gewichtsreduktion lässt sich letztlich jedoch nur durch eine konsequente Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten erzielen, was den Betroffenen oft ein hohes Maß an Disziplin abverlangt.

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Eine deutsch-schweizer Forschergruppe hat ein umfassendes Gesundheitsprogramm entwickelt, das neben der Ernährung und körperlichen Aktivität auch die Selbstwirksamkeit der Patienten, ihre soziale Unterstützung und gesundheitliche Schulung einschließt. In einer randomisierten Studie verglichen sie dieses Programm mit der Standardbehandlung hinsichtlich der Gewichtsreduktion an insgesamt 166 Frauen und Männern mit einem anfänglichen Body-Mass-Index (BMI) zwischen 28 und 35. Zusätzlich zum Gewicht als primären Zielparameter wurden Bauchumfang, BMI, Körperfettanteil, Blutdruck, Herzfrequenz, Blutzucker- und Blutfettwerte innerhalb eines Jahres an fünf Kontrolluntersuchungen im Abstand von drei Monaten gemessen. Während die Kontrollgruppe in Anlehnung an den Praxisalltag eine standardisierte Information über gesunde Ernährung und körperliche Aktivität gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ausgehändigt bekam, nahm die Interventionsgruppe über die gesamten 12 Monate an einem individuellen Gesundheitsmanagement-Programm teil. Dieses bestand aus zwei Phasen:

1. Reduktionsphase (3 Monate) mit drei kompletten Einführungstagen inklusive Selbst-Monitoring plus zehn wöchentlich stattfindenden, doppelstündigen Trainingseinheiten.
2. Erhaltungsphase (9 Monate) mit eigenständiger Lebensstilmodifikation begleitet durch eine Beratung per Telefon oder E-Mail.

Alle 3 Monate kamen die Teilnehmer der Interventionsgruppe zu einer ganztägigen Auffrischungsschulung ins Studienzentrum. Die Schulungen fanden zum Teil in Gruppen oder in Einzelberatung statt. Darüber hinaus wurden den Teilnehmern auf einem Internetportal Informationen zu Ernährung, Bewegung und Entspannungsverfahren sowie ein personalisierter Feedback- und Kontrollbereich zur Nachverfolgung ihres jeweiligen Fortschrittes (schriftlich und graphisch) zur Verfügung gestellt.
Hinsichtlich der Ernährungsumstellung konnten die Teilnehmer der Interventionsgruppe zwischen drei Strategien wählen:

1. Kalorienreduzierte Ernährung (pro Woche ein normaler Tag, fünf Verzicht-Tage, ein Tag mit < 900 kcal und ein Fastentag mit < 500 kcal)
2. Intermittierendes Fasten (pro Woche fünf normale Tage, zwei Fastentage mit < 600 kcal für Männer und < 500 kcal für Frauen)
3. Mahlzeiten-Ersatz (pro Woche ein normaler Tag, fünf Verzicht-Tage und ein Verzicht-Tag mit Mahlzeiten-Ersatz < 900 kcal)

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Am Ende der 12-monatigen Studienphase hatten bei der Intention-to-treat-Analyse (Auswertung aller eingeschlossenen Personen) die Teilnehmer der Interventionsgruppe mit durchschnittlich 8,7 kg gut doppelt so viel an Gewicht verloren wie die Kontrollgruppe mit 4,2 kg. Bei separater Auswertung ausschließlich der Personen, die sich strikt an das vorgegebene Studienprotokoll gehalten haben (Per-protocol-Analyse) lag der Wert für das durchschnittlich verlorene Gewicht in der Interventionsgruppe bei 10,1 kg und in der Kontrollgruppe bei 3 kg, was einer prozentualen Gewichtsreduktion innerhalb der 12 Monate von 11 % bzw. 2,7 % entspricht.
Am Studienende hatten 66,0 % der Teilnehmer in der Interventionsgruppe mindestens 7,5 % ihres Gewichtes verloren, in der Kontrollgruppe waren es nur 13,3 %.
Während in der Interventionsgruppe am Studienende bis auf den Gesamt-Cholesterin-Wert alle sekundären Zielparameter signifikant verbessert waren, konnten in der Kontrollgruppe nur für den Bauchumfang, den BMI und die Körperfettmessungen statistisch signifikante Veränderungen dokumentiert werden.

Bei der Ernährungsumstellung wählten die meisten Teilnehmer in der Interventionsgruppe das Intermittierende Fasten (37 %) gefolgt von der Kalorienreduzierten Ernährung (34 %); somit entfielen 14 % auf die Ernährung mit Mahlzeiten-Ersatz. Die durch die verschiedenen Ansätze erzielte Gewichtsreduktion variierte mit Durchschnittswerten von 10,3 kg, 10,9 kg und 9,3 kg nur unwesentlich. 15 % der Teilnehmer wechselten während der Studiendauer die Ernährungsstrategie. Als unerwünschte Ereignisse während Interventionsphase traten Kopfschmerzen, Störungen der Wärmeregulation während der Fasteneinheiten, Panikattacken, Gelenkschmerzen, Hauttrockenheit und Haarausfall auf, die jedoch zum Studienende hin verschwanden. Derartige Symptome zeigten 35,6 % der Teilnehmer in der Interventionsgruppe, in der Kontrollgruppe klagten 19,6 % der Teilnehmer über unerwünschte Ereignisse.

Einschätzung:

Die in der vorliegenden Studie eingesetzte individuell zugeschnittene Lebensstil-Selbstmanagement-Intervention zur Gewichtsreduktion liefert überzeugende Ergebnisse. Ob eine längere Nachhaltigkeit über den gewählten Zeitraum von 12 Monaten hinaus aufrechterhalten werden kann und ob dieses Programm anderen ganzheitlich aufgebauten Konzepten überlegen ist, bleibt zunächst offen. Festzuhalten ist jedoch, dass das hinsichtlich der Ernährungsstrategie individuell auf die Vorlieben bzw. Lebenssituation abgestimmte Programm mit der Möglichkeit des Wechsels zu einem der anderen Diätpläne den Teilnehmern mehr Flexibilität und eigenverantwortliches Agieren ermöglicht. In Kombination mit der engen Begleitung sowohl persönlich durch Betreuer in 1-zu-1-Gesprächen und Gruppenarbeit sowie auch durch die Bereitstellung von Informationen und Werkzeugen zur individuellen Erfolgskontrolle kann die Motivation zum Durchhalten einer Lebensstilanpassung gesteigert werden, selbst wenn zwischenzeitlich unerwünschte Symptome auftreten.

Betrachtet man den (Zeit-)aufwand dieses Lebensstil-Programms, so erscheint er zunächst recht hoch, ist es jedoch erst verinnerlicht, so können Ernährungs- und Bewegungsprogramme zu Gewohnheiten, also tatsächlich zum eigenen Lebensstil werden. Der Lohn für diese Selbstdisziplin sind ein verbesserter Gesundheitszustand und durch Herabsetzung von Risikofaktoren für Komorbiditäten eine längere Lebenszeit mit mehr Lebensqualität.

Literatur

Melchart D, Löw P, Wühr E, Kehl V, Weidenhammer W. Effects of a tailored lifestyle self-management intervention (TALENT) study on weight reduction: a randomized controlled trial. Diabetes Metab Syndr Obes 2017; 10: 235-245. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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