Studien kurz und knapp

Arthrose im Knie – wie wär’s mit Tai Chi?

Zum ersten Mal wurde in einer klinischen Studie die Ausübung indikationsbezogener Bewegungsübungen des Tai Chi mit einer physiotherapeutischen Behandlung der Kniegelenksarthrose verglichen.

Viele Menschen leiden altersbedingt unter Arthrose in den Kniegelenken, häufig gepaart mit einem  zu hohen Körpergewicht, das den Gelenkverschleiß und die Immobilität zusätzlich fördert. Mangels kurativer Möglichkeiten ist das Behandlungsspektrum auf eine Linderung der Symptome beschränkt. Physiotherapie ist ein nicht-medikamentöses, schmerzlinderndes Element in der Standardbehandlung dieser rheumatischen Erkrankung. Tai Chi Chuan ist ursprünglich eine meditative Kampfkunst, die sowohl Körper als auch Geist beweglich hält und sowohl präventiv als auch therapeutisch eingesetzt werden kann. Bei der Behandlung von rheumatischen Patienten erwies sich Tai Chi in früheren Studien sowohl hinsichtlich der Schmerzreduktion als auch der Steigerung des physischen und psychischen Wohlbefindens als wirksam.

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Die vorliegende Studie [1] vergleicht nun erstmals Tai Chi und Physiotherapie direkt miteinander. 204 Patienten mit Kniegelenksarthrose wurden nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Behandlungsformen zugeteilt. Die Probanden der Tai Chi-Gruppe trainierten über einen Zeitraum von 12 Wochen zweimal wöchentlich eine Stunde unter Anleitung von Tai Chi-Lehrern. Sie wurden dazu aufgefordert, zusätzlich zu den Trainingseinheiten und im Anschluss an die 12 Wochen eigenständig zu üben. Die Physiotherapie-Gruppe erhielt 6 Wochen lang zweimal wöchentlich 30-minütige Behandlungen bestehend aus manuellen Anwendungen und Bewegungsübungen; letztere sollten parallel zu der Behandlungsphase und im Anschluss daran viermal wöchentlich zu Hause ausgeübt werden. Die Schmerzintensität, Gelenkfunktion, Beweglichkeit und die psychische Verfassung der Probanden wurde zu Beginn der Studie und nach 12, 24 und 52 Wochen mittels verschiedener Bewertungsverfahren ermittelt.

Beide Therapieformen reduzierten die Gelenkschmerzen gleichermaßen. Hinsichtlich weiterer Untersuchungsparameter (Gelenkfunktion, Selbstwirksamkeit, Gehtest, psychische Faktoren, etc.) deutete sich eine tendenziell bessere Wirksamkeit des Tai Chi an. Eine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber der physiotherapeutischen Behandlung wurde für den SF-36 Physical Component Score (Messung der Lebensqualität) und den Beck Depression Inventory-II Score (Messung depressiver Symptomatik) berechnet. Gravierende unerwünschte Nebenwirkungen traten in keiner der beiden Gruppen auf. Die Therapietreue der Probanden war gleichermaßen hoch, ebenso wie ihre Erwartung an den Erfolg der jeweiligen Behandlung.

Einschätzung:

Tai Chi Chuan stellt eine ganzheitliche Therapieoption für Patienten mit Kniegelenksarthrose dar, da es seine positive Wirkung nicht nur auf physischer sondern zusätzlich auch auf psychischer Ebene entfaltet. Darüber hinaus hat die traditionelle chinesische Bewegungskunst weiteres therapeutisches Potenzial, wie zum Beispiel zur Sturzprävention [2], Herz-Kreislauf-Erkrankungen [3], Schlafstörungen [4] und anderen gesundheitlichen Einschränkungen, die oftmals als Komorbiditäten bei älteren Menschen auftreten.

Literatur

1) Wang C, Schmid CH, Iversen, MD, Harvey WF, Fielding RA, Driban JB, Price LL, Wong JB, Reid KF, Rones R, McAlindon T. Comparative effectiveness of Tai Chi versus physical therapy for knee osteoarthritis. A randomized trial. Ann Inter Med 2016; 165(2): 77-86. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
2) Hwang HF, Chen SJ, Lee-Hsieh J, et al. Effects of home-based tai chi and lower extremity training and self-practice on falls and functional outcomes in older fallers from the emergency department: a randomized controlled trial. J Am Geriatr Soc 2016; 64(3): 518-525. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
3) Wang XQ, Pi YL, Chen PJ, et al. Traditional Chinese exercise for cardiovascular diseases: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Am Heart Assoc 2016; 5: e002562. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
4) Wang F, Eun-Kyoung Lee O, Feng F, et al. The effect of meditative movement on sleep quality: a systematic review. Sleep Med Rev 2015; 30: 43-52. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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