Studien kurz und knapp

Naturheilkunde bei Nebenhöhlen-Entzündung

An der Kinderklinik der Universität Tübingen

Studie zur Wirksamkeit homöopathischer und naturheilkundlicher Therapie bei Nebenhöhlen-Entzündung. Hervorgegangen aus dem Modellprojekt "Homöopathie in der Pädiatrie".

Projekt
Studie zur Wirksamkeit homöopathischer und naturheilkundlicher Therapie bei Nebenhöhlen-Entzündung. Hervorgegangen aus dem Modellprojekt "Homöopathie in der Pädiatrie".

Zur Sache
Die Sinusitis stellt eine Entzündung der Nasennebenhöhlen dar, d.h. der Kieferhöhlen und der Stirnhöhlen. Die eingeatmete Luft strömt nicht, wie man denken könnte, durch einen „Schlauch“ von der Nase in die Luftröhre, sondern durch ein kompliziertes Hohlraumsystem im Gesichtsbereich. Zu diesem Hohlraumsystem gehören im Wesentlichen die Kieferhöhlen und die Stirnhöhlen.

Die Kieferhöhlen liegen links und rechts neben der Nase und sind durch eine Öffnung mit dem Inneren der Nase, dem so genannten Nasengang, verbunden. Diese Öffnung befindet sich am Oberrand der Höhle, so dass Sekrete nur schlecht abfließen können.
Die Stirnhöhlen liegen über der Nasenwurzel und verlaufen bis unter die Augenbrauen. Eine kleine knöcherne Scheidewand trennt die linke von der rechten Stirnhöhle. Ihre Öffnungen zum Nasengang liegen am Unterrand der Höhlen, sodass Sekret hieraus leichter abfließen kann.

Alle Nebenhöhlen sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die zwei Besonderheiten aufweist: Das Vorkommen sogenannter Becherzellen und Zilienzellen. Becherzellen produzieren ein Sekret, das die Atemluft anfeuchtet. Zilienzellen besitzen winzige Haarfortsätze, die dieses Sekret wie auf einem Förderband nach außen – also in Richtung der Öffnungen – abtransportieren. Der Lufttransport der Einatemluft durch die Nasennebenhöhlen bewirkt, dass die eingeatmete Luft angefeuchtet, erwärmt und gesäubert in die Lungen strömt.

Die akute Nasennebenhöhlen-Entzündung (Sinusitis), bei der es zu einer Entzündung der Schleimhäute kommt, gehört zu den häufigsten Erkrankungen der oberen Atemwege. Sie zeigt sich in dumpfen Kopfschmerzen, einem Druck im Kopf, evtl. Mittelohrschwerhörigkeit und schleimig-eitrigem Sekretabfluss. Hinzu kommt eine Behinderung der Nasenatmung. Außerdem treten oft Husten, Heiserkeit und eine Geruchsminderung auf. Die Beschwerden verschlimmern sich typischerweise beim Bücken. Oft hat der Patient auch Fieber und fühlt sich abgeschlagen. Sinusitiden können bei unsachgemäßer Behandlung schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen.

Eine Sinusitis kann viele Ursachen haben. Meist entsteht sie als Folge einer akuten, viral bedingten Erkältung. Als verstärkende Faktoren sind Rauchen und eine zu geringe Trinkmenge zu nennen, aber auch chronische Infektionsherde an Zähnen oder Mandeln.

Anfangs handelt es sich dabei oft um eine katarrhalische Begleitsinusitis, aus der jedoch sekundär eine bakterielle Sinusitis als Superinfektion entstehen kann. Während eine akute Sinusitis bis zu drei Wochen dauert, besteht die chronische Sinusitis länger als drei Monate.

Die konventionelle Therapie und ihre Probleme
Ungeachtet der ursprünglich viralen Ursache wurden früher üblicherweise Antibiotika bei einer Sinusitis verordnet. Neuere Lehrbücher sehen die Anwendung einer Antibiotikatherapie differenzierter und empfehlen sie nur noch bei einer eitrigen Nebenhöhlenentzündung. Die Nebenwirkungen von Antibiotika, wie z.B. Überempfindlichkeitsreaktionen, Allergien und Störungen im Verdauungstrakt mit Veränderung der physiologischen Darmflora sowie die zunehmende Resistenzentwicklung bringen vielfach therapeutische Probleme mit sich. Daneben werden häufig vorübergehend Medikamente wie Nasensprays und schleimlösende Mittel verordnet. Auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Substanzen gehören zur Standardtherapie.

Zentrale Fragestellung
Da die Antibiotikatherapie umstritten und nebenwirkungsreich ist, stellt sich die Frage, ob eine rein naturheilkundliche Therapie die konventionelle Therapie ersetzen oder zumindest ihre Anwendung auf weniger Fälle beschränken kann.

Zur Studie
In einer Pilotstudie wurde bei einer akuten Sinusitis bzw. einer akuten Verschlimmerung (Exazerbation) einer chronischen Sinusitis ein naturheilkundlicher Therapieansatz mit der konventionellen Therapie verglichen. Dabei handelte es sich um eine multizentrische, prospektive, nicht randomisierte, kontrollierte Studie mit insgesamt 68 Patienten. 30 von ihnen wurden naturheilkundlich, 38 konventionell behandelt. Die Beobachtungsdauer betrug 28 Tage, Kontrolluntersuchungen erfolgten nach 7, 14 und 28 Tagen.

Design
Die konventionelle Therapie basierte auf abschwellend wirkenden Nasentropfen, Sekretolytika, Antibiotika und evtl. Schmerzmitteln.
Die naturheilkundliche Therapie basierte auf der Anwendung eines homöopathischen Einzelmittels (vornehmlich Cinnabaris D3) sowie eines pflanzlichen Arzneimittels (das Präparat kombiniert die Wirkstoffe verschiedener Heilpflanzen, z.B. der Schlüsselblume und der Holunderblüten).

Ergebnisse
Innerhalb der Pilotstudie zeigte sich kein statistisch auffälliger Unterschied zwischen den beiden Therapiegruppen, weder im Hinblick auf die Wirksamkeit noch auf die Arzneimittelsicherheit.

Projektleiter:
> Uwe J. Weber
> Prof. Dr. Hans Moeller

Förderzeitraum:
> 1998 - 1999

Fördervolumen:
> 6.136 Euro


Weber, Uwe: Naturheilkunde bei Sinusitis? Eine kontrollierte Beobachtungsstudie zum Vergleich von Naturheilkunde und konventioneller Therapie, Essen: KVC 2002

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(Veronica Carstens)