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          Wissenschaft und Forschung zu Naturheilkunde und Homöopathie

Karl und Veronica Carstens-Stiftung - Fördergemeinschaft: Natur und Medizin

   
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Brauchen wir ein neues Placebo?

Edzard Ernst, Professor für Komplementärmedizin an der Universität in Exeter, Großbritannien, hat kürzlich im "Stern" seine Sichtweise auf die Homöopathie erneut bekräftigt. Er spricht ihr ausschließlich Placeboeffekte zu: "Die von vielen Patienten angegebenen Wirkungen der Homöopathie sind mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf Placeboeffekte zurückzuführen." Obwohl diese Sichtweise wissenschaftlich umstritten ist, hat Herr Ernst sicherlich gute Gründe für seine Haltung.

Völlig unverständlich dagegen ist die Schlussfolgerung, die er zieht. Nach einem Bekenntnis zu den durchaus segensreichen Wirkungen eines Placebos schreibt Herr Ernst: "Vergessen wird, dass auch Mittel, die pharmakologische Wirkung aufweisen, in der Lage sind, Placeboeffekte zu erzeugen. Mit anderen Worten: Wir brauchen kein Placebo, um von einem Placeboeffekt zu profitieren."

Eine solche Schlussfolgerung ist nur dann haltbar, wenn alle Medikamente (schulmedizinische wie homöopathische) tatsächlich immer die gleichen Placeboeffekte hervorrufen können. Nach allem was man über Placebos weiß (und das ist relativ wenig), ist diese Annahme aber völliger Humbug. Die Größe eines Placeboeffekts hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, entscheidend beteiligt ist dabei die Erwartungshaltung des Patienten, die unter anderem auch durch die Beziehung zwischen Arzt und Patient beeinflusst wird, aber auch die Ritualisierung der Therapie, die zu einer Konditionierung des Patienten und damit zu überraschenden Heilerfolgen führen kann. Neurologen wissen, dass man allein dadurch, dass man die Erwartungen der Patienten verstärkt oder verringert, ein Placebo als hochpotentes Schmerzmittel einsetzen oder aber die Wirkung eines schulmedizinisch geprüften Analgetikums ausschalten kann. Immunologen haben gezeigt, dass man durch eine geeignete Konditionierung mit einem Placebo immunsuppressive Wirkungen erzielen kann.

Mit anderen Worten: Wir brauchen noch viele Placebos, um ihre Effekte zu maximieren.

Dipl.-Stat. Rainer Lüdtke,
Biometriker der Karl und Veronica Carstens-Stiftung

   
       
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