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          Wissenschaft und Forschung zu Naturheilkunde und Homöopathie

Karl und Veronica Carstens-Stiftung - Fördergemeinschaft: Natur und Medizin

   
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Notizen aus der Wissenschaft
In den «Notizen aus der Wissenschaft» fassen wir die zentralen Aussagen aktueller Studien aus dem gesamten Spektrum der Komplemetärmedizin kurz, allgemeinverständlich und kompakt für Sie zusammen.

Bitte beachten Sie: Eine Weiterverarbeitung der Artikel ist erlaubt, wenn auf die Quelle verwiesen wird.

Sauerstofftherapie hilft Patienten mit Cluster-Kopfschmerz
— vom 23.02.2010 —
Schon in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wird die Sauerstofftherapie zur Behandlung des Clusterkopfschmerzes, einer besonders qualvollen Art von Kopfschmerz, empfohlen (Leitlinien der DGN 2008). Nun wurde eine Studie (Cohen et al., JAMA 2009; 302(22): 2451-2457) veröffentlicht, die mit ihren Erkenntnissen diese Empfehlung unterstützt. Bei der Sauerstofftherapie handelt es sich um die Aufnahme von reinem Sauerstoff via Atemmasken über die Atemwege, die gern auch mit anderen Verfahren kombiniert wird. Die Probanden der Studie atmeten, sobald sie bemerkten, dass eine Kopfschmerzattacke begann, für 15 Minuten Sauerstoff oder normale Atemluft über eine Atemmaske ein, und zwar für insgesamt 4 Kopfschmerzattacken in Folge. In punkto Schmerzfreiheit war die Sauerstoff-Behandlung in 78% aller Fälle erfolgreich, in der Placebo-Gruppe liegt die Erfolgsquote nur bei 20%.
Pfefferminztee: Senkt er wirklich den Androgenspiegel beim Polyzystischen Ovarialsyndrom?
— vom 23.02.2010 —
Das Polyzystische Ovarialsyndrom führt zu einer vermehrten Produktion von männlichen Sexualhormonen (Androgenen) im Körper der Frau - eine dementsprechend maskuline Körperbehaarung (Hirsutismus) ist die Folge. In einer vergleichenden randomisierten Doppelcenter-Studie aus Großbritannien (Grant et al., Phytother Res 2010; 24(2): 186-188) wurde der Effekt von Tee aus der Pfefferminze (Mentha Spicata Labiatae) auf den Androgen-Spiegel von an Polyzystischem Ovarialsyndrom erkrankten Frauen getestet. Insgesamt 42 Probandinnen tranken nach dem Zufallsprinzip über einen Zeitraum von 30 Tagen zweimal am Tag entweder Pfefferminztee oder aber einen Placebo-Kräutertee. Obwohl ein Rückgang des Androgen-Spiegels beobachtet werden konnte (allerdings zu gleichen Teilen in der Verum- und in der Placebo-Gruppe), wirkte sich dies nicht auf den Grad der Körperbehaarung aus. Die Autoren erklären dies mit der zu kurzen Dauer der Studie, in der die Zeit für beobachtbare Effekte hinsichtlich des Haarwuchses zu kurz sei, und raten zur Durchführung von Studien mit einer längeren Beobachtungszeit.
Lavendel vertreibt Angst
— vom 23.02.2010 —
Patienten mit generalsierten Angststörungen können statt der Standardsubstanz Lorazepam (Tavor®) auch ein standardisiertes Lavendelöl verwenden, um ihre Krankheit in den Griff zu kriegen. Das berichten deutsche Forscher der W. Schwabe AG, die das Medikament Silexan® herstellt (Woelk et al. Phytomedicine 2010).

In der randomisierten doppelblinden Therapiestudie erhielten 77 Patienten über 6 Wochen entweder täglich 1×1 Kapsel Lavendelöl oder Lorazepam (wobei die Lavendelöl-Gruppe noch ein Lorazepam-Placebo und die Lorazepam-Gruppe ein Lavendelöl-Placebo erhielt). In beiden Gruppen verringerte sich die Krankheit nahezu identisch, nach Behandlungsende galten 53% der Lavendelöl- und 41% der Lorazepam-Patienten als Therapieresponder.

In diesen «Notizen aus der Wissenschaft» finden Sie zahlreiche weitere Artikel zum Thema Angst. Sie können die Seite mit [Strg + F] durchsuchen. Geben Sie dann den gewünschten Suchbegriff «Angst» ein.
Weniger Hitzewallungen durch Traubensilberkerze
— vom 23.02.2010 —
Frauen, die unter postmenopausalen Beschwerden - also z.B. Hitzewallungen, Schweißausbrüche - leiden, kann geholfen werden, und zwar durch Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa). Diese Erkenntnis ist nicht neu, wurde aber kürzlich in einer systematischen Übersichtsarbeit bestätigt (Shams et al. Altern Ther 2010). Die Forscher bewerteten insgesamt 9 randomisierte Studien mit über 1300 PatientInnen, in denen Cimicifuga-Präparate mit einem Placebo bei Postmenopausalsyndrom verglichen wurde, wobei solche ausgeschlossen waren, in denen Brustkrebspatientinnen behandelt wurden. Allen Studien wurde eine relativ hohe methodische Qualität zugebilligt. Ihre Ergebnisse variierten aber beträchtlich: Sieben Studien zeigten zum Teil deutliche Effekte der Cimicifuga-Präparate, zwei Studien konnten keinen Vorteil erkennen. Insgesamt, so schätzen die Forscher, kann die Beschwerderate unter Traubensilberkerze im Vergleich mit einem Placebo um ein Viertel reduziert werden. Das ist auch deshalb erstaunlich, weil schon die Placebogabe allein oft deutliche Effekte aufweist.

In ihrer Methodik folgt die Arbeit internationalen Kriterien, könnte also eigentlich als beweiskräftig gelten, wenn es nicht eine Ausnahme gäbe: es wurden nur englischsprachig veröffentlichte Studien eingeschlossen. Dieses schränkt die Aussagekraft deutlich ein, da bekanntermaßen Studien mit positivem Ergebnis häufiger englisch veröffentlicht werden als solche mit negativem Ausgang.

Weitere Informationen zur Traubensilberkerze finden Sie in dem KoKo 28.
Zum Thema Hitzewallungen während der Wechseljahre erfahren Sie Näheres in dem Patientenratgeber Nr. 31 «Wechseljahresbeschwerden».
Schlamm aus dem Urmia-See wirksam bei Kniearthrose?
— vom 08.02.2010 —
Der im Nordwesten Irans gelegene Urmia-See ist der zweitgrößte Salzwassersee der Erde. Sein mineral- und salzhaltiger Schlamm wurden regional schon des Öfteren zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. In einer aktuellen Studie (Mahboob et al., J Altern Complement Med, 2009, 15(11): 1239-1242) ist die Wirksamkeit nun an Patienten mit Kniearthose getestet worden. Wegen seines unangenehmen Geruchs wurde der Schlamm in Form einer Salbe verabreicht, die wohlriechende Düfte enthält, um die Patienten nicht zu verschrecken. Eine Gruppe erhielt die Salbe mit dem Schlamm, die andere eine Placebo-Salbe ohne Schlammzusatz, wobei sich in beiden Gruppen die Patienten täglich 50 mg der Salbenzubereitungen auf beide Knie auftrugen und dort 20 Minuten einwirken ließen. Nach 30 Tagen war in der Placebo-Gruppe nur eine Verbesserung der Gelenkfunktionalität festzustellen, während die Patienten in der Verum-Gruppe hinsichtlich der Schmerzintensität, de Morgensteifigkeit und der Beweglichkeit profitierten.

Es ist noch hinzuzufügen, dass der Schlamm aus dem Urmia-See sicherlich eine charakteristische Zusammensetzung aufweist und somit neben der angenehmen thermischen Wirkung auch eine spezifische biochemische Wirkung entfaltet, die sich besonders in der Besserung entzündlicher Prozesse niederschlägt. Es ist aber anzunehmen, dass dieser Schlamm sich sicherlich kaum von therapeutisch verwendetem Schlamm aus anderen Seen unterscheidet — ein Herausstellungsmerkmal haben die Autoren in dieser Studie jedenfalls nicht ausgearbeitet. Zweifelhaft ist möglicherweise allerdings die Richtigkeit der von den Autoren postulierten p-Werte, da man bei der Durchführung einfacher t-Tests zu anderen Werten käme…

Zur weiteren Lektüre bei Interesse an Behandlungsmöglichkeiten der Arthrose lesen Sie bitte den KoKo 60: Teufelskralle bei Rheuma oder den KoKo spezial: Rheuma. Innerhalb dieser «Notizen aus der Wissenschaft» finden Sie zahlreiche weitere Beiträge zum Thema Arthrose. Sie können über die Suchleiste auf Carstens-Stiftung.de recherchieren oder, wenn Sie nur diese Seite durchsuchen möchten, [Strg + F] drücken und den gewünschten Suchbegriff «Arthrose» eingeben.
Magneten bei Arthrose nutzlos
— vom 08.02.2010 —
Es ist eine in der Komplementärmedizin nicht selten gehörte Behauptung: Magnetfelder sind in der Lage, Arthroseschmerzen zu lindern. Englische Forscher haben diese These nun nicht bestätigen können (Richmond et al. Compl Ther Med 2009). Sie baten insgesamt 45 Arthrosepatienten (Knie, Hüfte oder Handgelenke) in einer randomisierten doppelblinden, Cross-Over-Studie nacheinander 4 verschiedene, unterschiedlich stark magnetisierte Armbänder über jeweils 4 Wochen zu tragen. Nach dem jeweiligen Ende der Behandlungszeit wurden Schmerzen, Steifheit und Funktionsfähigkeit der Gelenke abgefragt. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Armbändern konnten in den meisten Parametern nicht nachgewiesen werden, lediglich in der Schmerzsensibilität gab es Unterschiede. Aufgrund der vielen gemessenen Zielgrößen wurde das aber als Zufallsabweichung und nicht als tatsächlicher Effekt gewertet.
Hagebutte hilft bei Rheuma ein bisschen
— vom 08.02.2010 —
Standardisierte Hagebuttenextrakte sind in der Lage, die Krankheitsaktivität einer rheumatoiden Arthritis zu senken und Einschränkungen im täglichen Leben zu mindern. Dieses haben deutsche und dänische Wissenschaftler in einer randomisierten, placebo-kontrollierten Doppelblindstudie an 89 Patienten gezeigt (Willich et al. Phytomedicine 2010). Die Patienten erhielten täglich 2×5 Kapseln eines in Dänemark erhältlichen Präparats (Litozin/i-flex) oder ein Placebo über einen Zeitraum von 6 Monaten. Obwohl statistisch signifikant, waren die Gruppenunterschiede allerdings relativ klein, so dass die klinische Relevanz der Effekte fraglich ist. Zumal sich bei den Schmerzen leider kein Effekt nachweisen ließ.
Ist Ingwer in der Schwangerschaft gefährlich?
— vom 08.02.2010 —
Ingwer ist ein potentes Mittel, um Übelkeit und Erbrechen zu bekämpfen, z.B. nach Operationen oder in der Schwangerschaft. Finnische Behörden haben jetzt aber vor der Einnahme von Ingwertees oder ingwerhaltigen Medikamenten während der Schwangerschaft gewarnt, weil in-vitro Daten darauf hinweisen, dass einige Inhaltsstoffe toxisch sein könnten. Natural Medicines, eine wissenschaftsorientierte Datenbank zur Komplementärmedizin, rät Schwangeren, nicht mehr als 1 Gramm Ingwer täglich zu konsumieren und evtl. auf Vitamin B6 auszuweichen.
Moxibustion dreht keine Embryos
— vom 08.02.2010 —
Es gehört eigentlich zum Standardrepertoire einer jeden Hebamme: Falls sich das ungeborene Kind kurz vor dem errechneten Geburtstermin in einer Beckenendlage befindet, so kann man es durch Moxibustion noch drehen und so eine “normale” Geburt herbeiführen. Schweizer Forscher haben dieses “Wissen” nun infrage gestellt (Guittier et al. Obstet Gynecol 2009). In einer randomisierten Therapiestudie behandelten sie 212 Frauen der 34. bis 36. Schwangerschaftswoche entweder zweimal täglich über zwei Wochen mit einer Moxibustion am Akupunkturpunkt BL67 oder einer Routinebehandlung. Tatsächlich drehten sich nach der Moxibustion 18% aller Kinder noch vor der Geburt, in der Kontrollgruppe waren es mit 16% allerdings nur geringfügig weniger. Die Zahl der Kaiserschnitte war in der Moxibusitionsgruppe sogar höher als in der Verlgeichsgruppe.

Die Carstens-Stiftung hat verschiedene Projekte im Bereich TCM/Akupunktur gefördert. Eine Übersicht und Details zu den Studienergebnissen finden Sie hier.
Seekieferborken-Extrakt lindert Hämorrhoidenleiden
— vom 08.02.2010 —
Akuten Beschwerden, die mit der Volkskrankheit Hämorrhoiden einhergehen, wie z.B. Blutungen und Schmerzen im Dammbereich, soll laut einer aktuellen Studie (Belcaro et al., Phytother Res, doi: 10.1002/ptr.3021) mit Hilfe eines Extrakts aus der Borke der an der Atlantikküste Frankreichs beheimateten Seekiefer (Pinus maritima) mit dem Namen Pycnogenol der Garaus gemacht werden. In der randomisierten Studie (Patientenzahl = 84) profitierten die Patienten, die den Seekieferborken-Extrakt entweder innerlich (in Tablettenform) bzw. innerlich plus äußerlich (in Salbenform) anwenden mussten, deutlich gegenüber den Patienten der Placebo-Gruppe, die im Gegensatz zu der Verum-Gruppe in der zwei Wochen andauernden Nachbeobachtungszeit noch Blutungen aufwiesen. Die Schmerzen ließen sich am besten durch die Kombination Tabletten und Salbe lindern.
Hibiskus senkt den Blutdruck
— vom 08.02.2010 —
Es gibt keine wissenschaftlich zuverlässigen Daten, die be- oder widerlegen könnten, dass Extrakte aus Hibiskus sabdariffa (Roselle, Afrikanische Malve) Blutdruck senkend wirken. Das haben arabische Wissenschaftler aus einer Übersichtsarbeit über 4 randomisierte Therapiestudien geschlossen (Wahabi et al. Phytomedicine 2010).

Zwei dieser Studien konnten zeigen, dass die Wirkungen der Hibiskusextrakte über die eines schwarzen Tees hinausgehen, zwei andere befanden, dass die Blutdrucksenkung geringer ausfalle als bei konventioneller Standardmedikation. Alle Studien litten allerdings unter zum Teil gravierenden Mängeln, so dass diese Ergebnisse als nicht zuverlässig eingestuft wurden. Hinzu kommt, dass in den Einzelstudien jeweils völlig unterschiedliche Konzentrationen, Dosierungen und Zubereitungen verwendet wurden.

Zu dem Themenkomplex Bluthochdruck finden Sie wertvolle Informationen in dem Kompass Komplementärmedizin (KoKo 16: Bluthochdruck).
Cystus-Extrakt vs. Grüntee: Was hilft besser bei Infektionen der oberen Atemwege?
— vom 01.02.2010 —
War bislang der grüne Tee für seinen hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen wie z.B. Polyphenolen bekannt, so bekommt er nun Konkurrenz durch das (wiederentdeckte) Kraut Cystus incanus (Zistrose). In einer aktuellen Studie (Kalus et al., Phytother Res 24 (2010): 96-100) wurde der Effekt beider Kräuter - Cystus-Extrakt gegen Grüntee-Aufguss - bei 277 Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege miteinander verglichen. Die Patienten, die Cystuskrautextrakt in Form von CYSTUS 052 einnahmen, profitierten deutlich gegenüber der Grüntee-Gruppe bzgl. der Besserung ihrer Beschwerden und der Gesamtlänge der Erkrankung. Die Autoren vermuten hinter diesem Phänomen Unterschiede in Konzentration und Zusammensetzung der aktiven phenolischen Komponenten in beiden Auszügen. Eine klare Aussage ließe sich aber nur nach weiteren Studien dieser Art machen, so die Autoren.

Der Kompass Komplementärmedizin (KoKo, Nr. 62) widmet sich zur Gänze dem Thema Zistrose.
Polyphenole aus dem Granatapfel sind antiviral
— vom 28.01.2010 —
Polyphenolgemische, zum Beispiel Extrakte aus Zistrose oder grünem Tee, könnten sich zu einer echten naturheilkundlichen Alternative bei Viruserkrankungen entwickeln. Amerikanische Forscher haben nun auch bei einem polyphenolhaltigem Extrakt aus Granatäpfeln antivirale Effekte gefunden (Haidari et al. Phytomedicine 2009): In verschiedenen Labormodellen hemmen diese die Virusreplikation von Influenza-A-Viren und könnten können sogar die Wirkungen von Tamiflu (R) verstärken. Als für die Wirkung hauptverantwortlich wurde das Polyphenol Punicalagin identifiziert.
Beugt grüner Tee Mundkrebs vor?
— vom 22.12.2009 —
Das Risiko auf einen bösartigen Tumor im Mundraum sinkt deutlich mit der getrunkenen Menge an grünem Tee. Das berichten amerikanische Forscher (Tsao et al. Cancer Prev Res 2009), die 39 Hochrisikopatienten in einer randomisierten Studie über 12 Wochen drei verschiedene Dosierungen eines Grünteeextrakts oder Placebo gegeben hatten. Es zeigte sich ein klarer Dosis-Wirkungseffekt, so dass bei mehr als 50% aller Patienten, die die höchsten Dosierungen einnahmen, positive Ergebnisse gefunden wurden, unter Placebo aber nur bei unter 20%. Gemessen wurde allerdings nur die Veränderung bestimmter Biomarker und nicht das tatsächliche Auftreten von Tumoren.

Auf der Homepage unseres Fördervereins finden Sie in der Rubrik «Naturheilkunde auf dem Prüfstand» den Artikel: Prävention mit grünem Tee.
Mittelmeerdiät schützt vor Depressionen
— vom 22.12.2009 —
Wer sich eng an die Gewohnheiten einer mediterranen Ernährung hält, trägt ein deutlich reduziertes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Dieses berichten spanische Forscher aus einer Kohortenstudie an über 10.000 zunächst gesunden Probanden, die mittlerweile bis zu 10 Jahre beobachtet wurden (Sanchez-Villegeas et al. Arch Gen Psychiatry 2009). Im Vergleich zu Probanden, die den entsprechenden Ernährungsempfehlungen nicht folgen, haben Probanden, die sich in aller Regel mediterran ernähren, nur ein etwa halb so großes Risiko, eine Depression zu entwickeln. Bei Probanden, die sich nicht ganz so strikt an die Regeln halten, ist das Risiko immer noch um ein Viertel bis ein Drittel erniedrigt.

Zu diesem Thema ist ein Kompass Komplementärmedizin (KoKo, Nr. 15) erschienen.
Yoga verbessert die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen
— vom 22.12.2009 —
Frauen mit Mammakarzinom erhöhen ihre Lebensqualität, wenn sie zusätzlich zu ihrer Bestrahlungstherapie Yogastunden bekommen. Das schließen indische Forscher aus einer randomisierten Studie mit 88 Brutskrebspatientinnen, von denen die Hälfte über 6 Wochen mindestens dreimal wöchentlich eine Yoga-Therapie bekamen (Vadiraja et al. Complem Ther Med 2009). Die Pateintinnen der Kontrollgruppe erhielten dagegen nur wenige allgemeine Beratungsgespräche. Nach 6 Wochen erzielten die Yoga-Patientinnen in fast allen Parametern der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der emotionalen Affektivität bessere Werte.

Getrübt werden diese Ergebnisse nur durch die etwas schlampige Berichterstattung in dem Artikel: es wird nicht ganz klar, wie viele Patientinnen eigentlich eingeschlossen wurden und ob sich alle berichteten Effekte tatsächlich auf den Vergleich zwischen beiden Behandlungsgruppen und nicht auf Veränderungen innerhalb der Yoga-Gruppe beziehen.

Mehr zum Thema Krebsbehandlung finden Sie in dem Tageber aus dem KVC Verlag: Was tun bei Nebenwirkungen einer Krebstherapie.
Mehr zum Thema Yoga finden Sie in der Ratgeberreihe Kompass Komplementärmedizin (KoKo Nr. 38) unseres Fördervereins Natur und Medizin.
Schokolade oder Wasser? Beide sind erfolgreiche Analgetika!
— vom 22.12.2009 —
Eigentlich haben wir es schon immer gewusst: Schokolade kann nur gut sein, nicht nur für die Seele, sondern auch, wie ein aktuelles Laborexperiment mit Ratten nun zeigt, um die Schmerzwahrnehmung positiv zu verändern (Foo 2009, J Neuroscience, 29(41); 13053-13062). Überraschend war aber auch die Erkenntnis, dass Wasser den gleichen Effekt hat. Im Rahmen des Experiments wurden Ratten in einem Käfig, während sie mit dem Verzehr von Schokolade, einer Zuckerlösung oder Wasser beschäftigt waren, mit einem sich erhitzenden Käfigboden unter ihren Füßen konfrontiert. Es zeigte sich, dass die Tiere, die die Schokolade oder das Wasser verzehrten, eine verzögerte Schmerzreaktion zeigten, gleich, ob sie hungrig oder satt waren. Die Forscher nehmen an, dass dieser Mechanismus in der Tierwelt den Sinn hat, die Aufnahme von Nahrung möglichst ungestört ablaufen zu lassen, um genügend Energie aufnehmen zu können. Heutzutage ist diese inhibitorische Funktion bezüglich des Schmerzempfindens in Verbindung mit köstlichem Essen allerdings ein zweischneidiges Schwert: Zum einen erklärt sie das Unvermögen, mit dem Essen aufzuhören, wenn es mal besonders gut schmeckt, zum anderen dürfte diese ja unfreiwillige Maßlosikeit in heutigen Zeiten eher auf die Hüften gehen, anstatt uns vor dem Hungertod zu retten. Unklar bleibt, ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind.
Mit Tai-Chi gegen den Schmerz im Knie
— vom 15.12.2009 —
Gerade übergewichtige Arthrose-Patienten haben Probleme, starken Gelenkschmerzen vorzubeugen und somit die Beweglichkeit ihrer Gelenke zu erhalten. Bostoner Forscher untersuchten nun in einer randomisierten Studie (Wang 2009, Arthr Care Res, DOI 10.02/art.24832), inwiefern meditative Bewegungstherapien wie die chinesische Form des Schattenboxens Tai-Chi für Patienten mit Knie-Arthrose von Vorteil sein könnten. Nach 12-wöchigem Training unter Anleitung, an dem die Probanden zweimal wöchentlich teilnahmen, konnte eine signifikante Besserung von 2,15cm, gemessen auf der VAS, gegenüber der Kontrollgruppe, die lediglich Ratschläge für eine gesündere Lebensweise sowie Diätberatung erhielten, festgestellt werden. Die Forscher konstatieren, dass Tai-Chi Knie-Arthrose-Betroffenen zur Schmerzlinderung und somit zu verbesserter Beweglichkeit, erhöhter Lebensqualität und weniger depressiven Verstimmungen verhelfen kann.

Weitere Informationen zur Behandlung von Arthrose finden Sie im KoKo 33 Blutegel sowie im KoKo 60 Teuefelskralle.
Opiumentzug mit Johanniskraut
— vom 15.12.2009 —
Opiumabhängige Ratten entwickeln weniger Entzugssymptome, wenn sie mit Hypericum perforatum (Johanniskraut) behandelt werden (Feily et al. Phythother Res 2009). Geringe Dosierungen (0,4ml je 200g Körpergewicht) von Johanniskraut waren dabei einer Standardbehandlung mit Clonidin unterlegen, hohen Dosen (1,2ml) aber überlegen.

Sie finden auf dieser Seite zahlreiche weitere Artikel zu dem Thema Johanniskraut. Suchtipp: Steuerung + F drücken und das Browserfenster nach «Johanniskraut» durchsuchen lassen.
Muschelproteine unterstützen Chemotherapie
— vom 15.12.2009 —
Haishengsu, ein proteinreicher Extrakt aus der Malayischen Herzmuschel, hat sich in zwei randomisierten Pilotstudien derselben chinesischen Arbeitsgruppe als vielversprechende Krebsbehandlung erwiesen. Wenn Haishengsu zusätzlich zu einer konventionellen Chemotherapie gegeben wurde, dann stieg die Erfolgsrate dieser Chemotherapie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom von 39% auf 62% an (Li et al. Complement Ther Med 2009). Ähnliche Ergebnisse fanden sich bei fortgeschrittenem Nierenkarzinom: hier betrugen die Erfolgsraten unter Haishengsu 52%, in der Kontrollgruppe aber nur 21% (Liu et al. j Altern Complement Med 2009).

Insgesamt allerdings ist der Pilotcharakter der Studien zu betonen. Denn beide wurden mit relativ wenigen Patienten durchgeführt. Auch lassen die vorliegenden Artikel aus wissenschaftlicher Sicht noch viele Fragen ungeklärt, z.B., ob eventuell zusätzliche Interventionen vorgenommen wurden, oder ob die erhobenen Zielparameter mit der notwendigen Genauigkeit und Unvoreingenommenheit erhoben wurden.

Zur Buchempfehlung aus dem KVC-Verlag: Was tun bei Nebenwirkungen einer Krebstherapie.
Störfelder in neuem Gewand
— vom 15.12.2009 —
Die Universtität Halle-Wittenberg hat eine Studie begonnen, die einen Zusammenhang zwischen Zahn- und Herzerkrankungen nachweisen will (zur Pressemitteilung). Gesucht wird zwar vor allem nach chronischen Infektionen im Mundraum und Zahnhalteapparat und nicht nach Narben, Plomben oder gezogenen Nerven, dennoch drängt sich natürlich eine Assoziation auf: Hier kommt die alte naturheilkundliche Hypothese der Störfelder ins Spiel und erscheint in neuem Gewand. Die Ergebnisse der Studie werden erst in ein paar Jahren erwartet, da 1000 herzkranke Patienten eingeschlossen und über zwei Jahre nachverfolgt werden sollen.
Potenzierte Substanzen strahlen anders
— vom 15.12.2009 —
Schweizer Forscher haben in einem randomisierten, verblindeten Experiment gezeigt, dass mittlere Potenzen (C11 bis C30) von Kupfersulfat weniger UV-Licht abstrahlen als entsprechende Verdünnungen, die in einem einzigen Schritt erstellt und nicht verschüttelt wurden (Wolf et al. eCAM 2009). Für Siliziumoxid (C11-C30) und Sulfur (D11-D30) waren die Ergebnisse ähnlich, erreichten aber nicht die statistische Signifikanzgrenze. Der mittlere Effekt war allerdings sehr klein: bei CuSO4 wurde durchschnittlich 0,0544% weniger Licht emittiert als in der Kontrolle. Zudem wurde unter den potenzierten Substanzen eine deutlich erhöhte Variabilität der Messwerte festgestellt.

Solche Experimente sagen natürlich nichts über die Wirksamkeit einer potenzierten Substanz aus (und schon gar nicht einer homöopathischen Arznei). Sie können aber Ideen dazu liefern, wie homöopathische Arzneien grundsätzlich wirken könnten, also den Wirkmechanismus aufklären. Außerdem helfen sie bei der Beantwortung der Frage, ob hochverdünnte, potenzierte Substanzen beschreibbare Eigenschaften besitzen, die sie von reinen Verdünnungen oder reinem Wasser unterscheiden.

Ein ausführliches Werk zum Thema finden Sie in dem Shop des KVC-Verlags: Physikalische Untersuchung homöopathischer Hochpotenzen.
Bei Hepatitis C: Kaffee statt Alkohol
— vom 07.12.2009 —
Patienten, die unter einer fortgeschrittenen Hepatitis C leiden, sollten vermehrt Kaffee trinken. Dieses legen Daten einer unkontrollierten Kohortenstudie an 766 Patienten nahe (Freedman et al. Hepatology 2009). Demnach sinkt das Risiko einer deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands um den Faktor 0,70 bei einem Kaffeekonsum von 1-2 Tassen pro Tag. Bei drei oder mehr Tassen beträgt das Risiko sogar nur noch 0,47, ist also etwa halbiert.

Die Daten sind auch deshalb glaubwürdig, weil epidemiologische Forschung gezeigt hat, dass das Risiko, ein Leberzellkarzinom zu entwickeln, mit dem Kaffeekonsum sinkt (Bravi et al. Hepatology 2007).
Chinesische Giftpflanze wirksam bei rheumatoider Arthritis?
— vom 07.12.2009 —
Eine hochgradig giftige Pflanze, die sich als wirksam in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis erweist? Zunächst klingt es nach einem schlechten Witz, aber genau diese Feststellung wurde in einer randomisierten Studie an Patienten mit rheumatoider Arthritis gemacht. Allerdings sei hinzugefügt, dass die hier erprobte Pflanze, Tripterygium wilfordii Hook F (Wilfords Dreiflügelfrucht), in geringer Dosierung zum Einsatz kam; deshalb vorab die Warnung: Auf keinen Fall sollte diese Pflanze verzehrt und auch nicht als Tee getrunken werden! An der vorliegenden Studie (Goldbach-Mansky R., Ann Intern Med 2009; 151: 229-240) nahmen 121 Probanden teil. Diese nahmen die in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendete Heilpflanze über einen Zeitraum von 24 Wochen dreimal täglich als Extrakt oder aber einmal täglich das Standardmedikament Sulfasalazin ein. Am Ende profitierten 65% der Patienten, die den Pflanzenextrakt einnahmen, deutlich gegenüber der Sulfasalazin-Gruppe (33%), indem sie eine Verbesserung ihrer Beschwerden um mindestens 20% erreichten. Gemessen wurde unter Verwendung der Kriterien des American College of Rheumatology (ACR 20).

Bei Natur und Medizin finden Sie zu dem Thema Rheuma unter anderem einen Patientenratgeber oder auch einen KoKo-Spezial.
Akupressur könnte Diabetesentwicklung verlangsamen
— vom 07.12.2009 —
Chinesische Forscher haben in einer randomisierten Studie an 80 Typ-2-Diabetikern nachgewiesen, dass eine Akupressurtherapie langfristig die Progression der Erkrankung hemmen kann (Chen et al. J Altern Complement Med 2009). Der Aufwand hierfür ist allerdings recht hoch: die Patienten wurden 6mal pro Woche über jeweils 1 1/2 Stunden akupressiert, und zwar über einen Zeitraum von 3 Jahren. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die lediglich die übliche Routinebehandlung bekam, waren bei den Akupressurpatienten sowohl die Parameter des Lipidstoffwechsels verbessert als auch Nervenleitgeschwindigkeit erhöht.

Drei Fakten lassen den Leser allerdings stutzen: 1.) nach 3 Jahren wurden nur noch 64 Patienten ausgewertet, die Studie folgte also nicht dem intention-to-treat-Prinzip, 2.) es werden keine Ergebnisse zu den eigentlichen Diabetesparametern, etwa HbA1c, berichtet, 3.) es ist unklar, welche Begleitinterventionen die Patienten außerhalb des Protokolls erhalten haben.

Weitere Informationen finden Sie in dem KoKo Nr. 9, «Diabetische Neuropathie».
Placebo-Schmerzverarbeitung beginnt schon im Rückenmark
— vom 07.12.2009 —
Es ist seit längerem bekannt, dass Schmerzen durchaus auch mit Placebos gut bekämpft werden können. Die Signalverarbeitung von Placebosignalen entspricht im Großhirn dabei weitgehend derjenigen von pharmakologisch definierten Analgetika. Hamburger Forscher gehen nun einen Schritt weiter und behaupten, dass die analgetische Wirkung von Placebo bereits im Rückenmark ablesbar sei (Eippert et al. Science 2009), also in einer extrem frühen Phase der Schmerzverarbeitung. Dieses zeigten Auswertungen von hochauflösenden Kernspinaufnahmen, in denen die Aktivität bestimmter Rückenmarksneuronen deutlich gemindert sei.

Brauchen wir ein neues Placebo? Lesen Sie bitte hier eine Stellungnahme der Carstens-Stiftung zur Placebo-Forschung.
Senkt die weiße Maulbeere den Blutzuckerspiegel?
— vom 07.12.2009 —
Die Experten der Natural Medicine Datenbank haben ihre Bewertung der weißen Maulbeere heraufgesetzt. Sie stufen Extrakte aus Blättern des weißen Maulbeerbaums nun als vielversprechend (”promising”) zur Behandlung von Diabetes ein, insbesondere zur Senkung von Blutzuckerspitzen. Allerdings mahnen sie auch weitere Forschungen zur Langzeiteffektivität und Arzneimittelsicherheit an.

Auf der Homepage unserer Fördergemeinschaft Natur und Medizin finden Sie in der Rubrik «Naturheilkunde auf dem Prüfstand» weitere Artikel zu diesem Thema, beispielsweise "Die Behandlung koronarer Herzkrankheiten (KHK) durch Yoga-Therapie".
Neurodermitis-Wundermittel
— vom 16.11.2009 —
Vor noch nicht einmal einem Monat lief im Fernsehen eine Reportage über das Präparat Regividerm, eine aus Avocadoöl und Vitamin B12 hergestellte Creme, die bei Neurodermitis und Psoriasis wahre Wunder bewirken soll. Von der Pharmaindustrie wurde sie aber aus kommerziellem Interesse zurückgehalten. Das Arzneitelegramm (11/09) warnt nun: derzeit lägen lediglich drei randomisierte Studien mittlerer Qualität mit geringen Fallzahlen vor. Weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit seien damit belegt. Zudem erscheine die Vermarktung der Creme als Medizinprodukt unzulässig, da eindeutig ein pharmakologischer Wirkmechanismus angenommen werden müsse.

Weitere Informationen zu therapie von Neurodermitits entnehmen Sie bitte dem KoKo Nr. 17, «Neurodermitis bei Kindern» sowie dem KoKo Nr. 48, «Psoriasis - Schuppenflechte».
Echinacea kann Männern helfen
— vom 16.11.2009 —
Echinacea-Extrakte werden vor allem bei Erkältungen eingesetzt, hier ist ihre Wirksamkeit auch weitestgehend bewiesen (Wölkart et al. Planta Med 2008). Litauische Forscher sind nun weiteren Wirkungen des Sonnenhuts auf der Spur. Im Rattenmodell konnten sie zeigen, dass Echinacea-Extrakte die Entwicklung einer benignen Prostatahyperplasie verhindern (Skaudickas et al. Phytother Res 2009).

Weitere Informationen lesen Sie bitte nach in dem KoKo Nr. 27, «Prostata».
Rizinusöl führt auch Schmerzen ab
— vom 16.11.2009 —
Wer über 4 Wochen dreimal täglich eine Kapsel Rizinusöl (0,9 ml) einnimmt, kann seine Gonarthrose-Schmerzen genauso gut lindern wie mit Diclofenac (50mg). Das zeigt eine indische Studie an 100 Patienten, von denen jeweils die Hälfte randomisiert eine der beiden Therapien erhielt (Medhi et al. Phytother Res 2009).

Die Arthrose des Kniegelenks scheint grundsätzlich eine Indikation zu sein, die auf verschiedene komplementärmedizinische Schmerztherapien gut anspricht, unter anderem auf Akupunktur (Witt et al. Lancet 2005), Elektroakupunktur (Ahsin et al. Pain 2009), Teufelskralle (Vlachojannis et al. Phytother Res 2008) oder auch Blutegel (Michalsen et al. Ann Int Medicine 2003).

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Berichterstattung über unser Förderprojekt «Traditionelle Heilverfahren bei Gelenkarthrosen und chronifizierten Schmerzsyndromen - Ausleitende Verfahren in der klinischen Medizin: Evaluation der Wirksamkeit».
Verblüffende Effekte der Elektroakupunktur bei Kniegelenksarthrose
— vom 16.11.2009 —
Die Schmerzen einer Kniegelenksarthrose lassen sich äußerst effektiv mit einer Elektroakupunkturbehandlung lindern. Dieses folgern pakistanische Forscher aus den Ergebnissen einer kontrollierten Studie an 84 randomisierten Patienten, die entweder eine 10-tägige Elektroakupunkturbehandlung an definierten Akupunkturpunkten des Knies oder eine Sham-Akupunktur bekamen (Ahsin et al. Pain 2009). Demnach verbesserten sich ausnahmslos alle Elektroakupunkturpatienten, wobei die Schmerzen im Median um 75% zurückgingen. Die Schmerzreduktion ging mit einem Anstieg der ß-Endorphin- und einem Abfall der Cortisol-Konzentration einher. In der Kontrollgruppe waren nahezu keine Effekte erkennbar.

Wirklich glaubhaft sind die Ergebnisse aber nicht, was an einer Reihe von Unklarheiten, Ungereimtheiten und Fehlern der Autoren liegt. Hierzu zählen u.a.: Die Studie wird zwar an einigen Textstellen als randomisiert bezeichnet, ist sie aber gemäß Methodik-Teil nicht; es wurden extrem viele Patienten aus der Auswertung ausgeschlossen; die berichteten Patientenzahlen sind widersprüchlich, ebenso die Ergebnisse (der Anstieg der ß-Endorphine wird z.B. mit 1,7%, 70% und 170% angegeben); die Schmerzen zu Baseline waren wesentlich höher als bei vergleichbaren Studien (z.B. mit Akupunktur oder Blutegeln); Angaben zu konventionellen Begleitmedikation fehlen völlig.
Erhöhtes Diabetes-Risiko durch Vitaminpräparate
— vom 16.11.2009 —
Wie bereits in früheren Beiträgen (Vitaminpillen in den Müll? und Vitamine - die Enttäuschungen reißen nicht ab) nachzulesen ist, verfehlen die Vitamine in Pillenform immer mehr ihr Ziel, durch ihre Einnahme Schutz vor Erkrankungen zu gewähren. Im Gegenteil, die Einnahme unter bestimmten Bedingungen erhöht sogar das Risiko, an bestimmten Leiden zu erkranken, so eine aktuelle Studie (Ristow M et al., Proc Natl Acad Sci 2009; 106(21): 8665–8670) der Universität Jena. Die Ernährungswissenschaftler untersuchten die Auswirkung der Einnahme von Vitamin E- und Vitamin C-Präparaten auf Männer, die ein tägliches Bewegungstraining an 5 Tagen pro Woche über 4 Wochen absolvierten, welches den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen soll und somit vor Diabetes schützen kann. Leider wurden die Erwartungen der Wissenschaftler sogar widerlegt, denn die Probanden, die zusätzlich zum Training die Vitaminsupplemente nahmen, entwickelten eine geringere Insulinsensivität, was möglicherweise das Risiko, an Diabetes zu erkranken erhöht, zumal die Einnahme der Vitaminpräparate sich auf die günstigen Wirkungen des Trainings eher negativ auswirkte.

Weitere Informationen über den (Un)sinn von Vitaminpräparaten kann man im KoKo 58, «Vitaminüberdosierung» nachlesen.
Olivenöl als Mittel gegen Alzheimer?
— vom 05.11.2009 —
Olivenöl ist ein wahres Universaltalent: Die in hochwertigem Olivenöl enthaltenen Substanzen weisen wohl nicht nur cholesterin- und blutdrucksenkende Eigenschaften sowie eine krebsvorbeugende Wirkung auf. Einer der Inhaltsstoffe des Olivenöls, das sogenannte Oleocanthal, soll laut einer aktuellen Studie (Pitt J et al., Toxicol Appl Pharmacol 2009; 240: 189-197) sogar den Prozess der Alzheimer-Erkrankung aufhalten. Wie die Wissenschaftler in dem Laborversuch feststellten, zeigte Oleocanthal gleich zweifache positive Wirkung: Die Substanz verändert zum einen jene Proteinfragmente, die für den Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung verantwortlich sind, so dass sie nicht mehr an Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen andocken können. Zum anderen verbessert Oleocanthal die Immunreaktion der Zellen, indem sie die alzheimerversursachenden Molekülstrukturen besser aufspürt, so dass diese dann von Antikörpern beseitigt werden können.
Weitere Experimente und Studien stehen allerdings noch aus, um dieses Ergebnis zu bestätigen.
Komplementär oder alternativ? Egal!
— vom 05.11.2009 —
Australische Forscher haben in einer Fragebogenaktion untersucht, ob es einen Unterschied macht, von Komplementär- oder Alternativmedizin zu sprechen (Wilkinson. J Compl Integr Med 2009). Ihr (beruhigendes) Ergebnis: es macht keinen Unterschied, die Angaben zum Gebrauch von und zur Einstellung zu CAM sind unabhängig von der Wortwahl.
Homöopathisch orientierte Eltern impfen ihre Kinder später gegen Masern
— vom 12.10.2009 —
Nur etwa die Hälfte aller Kinder in Deutschland erhält die Masernimpfung bis zum empfohlenen Impfalter von 15 Monaten. Das berichten Epidemiologen von der LMU München (Schönberger et al. Bundesgesundheitsblatt 2009) anhand einer Kohorte von über 2000 Kindern. Folgende Faktoren führen demnach dazu, dass die Kindern verspätet oder gar nicht geimpft werden: die generelle Einschätzung der Eltern, dass die Masernimpfung unwichtig sei, Zweit- oder später Geborene, Alter des Vaters über 33 oder unter 28, sowie Eltern, die vor allem Rat bei einem Heilpraktiker, Naturheilkundler oder Homöopathen suchen.

Diese Daten passen zu denen von P. Lehrke, der — gefördert von der Carstens-Stiftung — in seiner Dissertation zeigen konnte, dass homöopathische Ärzte zwar nicht generell impfkritischer sind als konventionelle, bei einzelnen Imfpungen aber doch deutlich zurückhaltender sind, unter anderem bei der Masernimpfung. Leider sind diese Erkenntnisse schon mehr als 10 Jahre alt. Neue Daten sind aber zu erwarten, und zwar aus der Dissertation von J. Schmidt, die ebenfalls von der Carstens-Stiftung gefördert wurde.

Lesen Sie zu diesem Thema bitte auch den Patientenratgeber Nr. 16: «Impfen im Kindes- und Erwachsenenalter».
Zum Schlaf gedrückt
— vom 12.10.2009 —
Akupressur ist eine wirksame Methode, Schlafstörungen zu beheben. Dieses schließen iranische Wissenschaftler aus einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie an 77 älteren Patienten (Reza et al. Complem Ther Clin Pract 2009). Diese wurden in drei Gruppen randomisiert: Die Verumgruppe erhielt über vier Wochen dreimal die Woche eine Akupressur an 6 definierten Akupunkturpunkten, die Sham-Akupressurgruppe wurde stattdessen an Nicht-Akupressurpunkten behandelt, die Kontrollgruppe blieb unbehandelt. Während die Schlafqualität in der Kontrollgruppe auf dem Anfangsniveau verharrte, stieg sie in der Akupressurgruppe stetig und deutlich an, der Unterschied zur Kontrollgruppe war statistisch signifikant. In der Sham-Akupressurgruppe war ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen, der aber etwas geringer als in der Verumgruppe ausfiel und sich nicht signifikant von der Kontrollgruppe abhob, aber auch nicht signifikant schlechter als in der Verumgruppe war. Es bleibt also dabei: die Wahl der Kontrollgruppe in Akupunktur- oder Akupressurstudien ist schwierig. Augenscheinlich hat jede Sham-Behandlung durchaus nachweisbare Effekte, die erst bei wirklich großen Fallzahlen von den Effekten an den “wahren” Akupunkturpunkten getrennt werden kann.
PS: Neben dem Ergebnis hat mir auch gefallen, dass zur Auswertung der “willkakson sign-rank test” verwendet wurde, eine iranische Version des Wilxocon signed-rank Tests?

Hier gelangen Sie zur Übersicht der von der Carstens-Stiftung geförderten Projekte im Bereich Akupunktur und TCM.
Eigenbluttherapie nicht so erfolgreich wie erhofft
— vom 12.10.2009 —
Viele Komplementärmediziner in Deutschland schwören auf die Eigenbluttherapie zur Behandlung von Infektionskrankheiten. Allein, wissenschaftlich gesichterte Daten hierzu gibt es nicht. Gefördert von der Carstens-Stiftung haben daher Forscher vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt die Wirksamkeit von 3 Injektionen Eigenblut pro Woche bei einer normalen Erkältung untersucht und im Rahmen einer doppelblinden randomisierten Studie mit einem Placebo verglichen (Hensler et al. Compl Ther Med 2009). Es fand sich kein Unterschied zwischen beiden Therapien, die Erkältung dauerte durchschnittlich 7 Tage, egal ob unter Eigenblut oder unter Placebo. Die Studiendurchführung gestaltete sich allerdings weitaus schwieriger als gedacht: von 1400 gefragten Patienten waren nur 139 bereit, sich randomisieren zu lassen, von diesen brachen noch einmal 25 die Studie vorzeitig ab.
Eine neue Indikation fürs Heilfasten?
— vom 05.10.2009 —
Labormäuse der Linie MMTV-TGF-alpha, die sich ungebremst sattessen können, entwickeln zu 71% ein Mammakarzinom. Setzt man sie dauerhaft auf eine kalorienreduzierte Diät, so halbiert sich diese Rate auf 35,4%. Richtig erfolreich ist es aber (für die Mäuse), im 3-Wochen-Rhythmus abwechselnd wenig und dann wieder normal zu essen. In diesem Fall bekommen nur 9,1% einen Tumor (Rogozina et al. Cancer Prev Res 2009). Naturheilkundler könnten darin einen Ansatz sehen, auch Mammakarzinompatientinnen in regelmäßigen Abständen eine Heilfastenkur zu verordnen.

«Diagnose und Therapie von Krebs», hier geht es zu dem Patientenratgeber von Natur und Medizin.
Zweifel beseitigt: Flohsamen hilft bei Reizdarm
— vom 05.10.2009 —
Wer unter einem Reizdarmsyndrom leidet, sollte unbedingt sein morgendliches Frühstücksmüsli mit indischem Flohsamen anreichern. Das legen die Ergebnisse einer holländischen Studie nahe (Bijkerk et al. BMJ 2009), in der 275 Reizdarmpatienten randomisiert mit Flohsamen, Kleie oder einem Placebo behandelt wurden. Die Patienten mussten dazu über 12 Wochen täglich zweimal 5g indischen Flohsamen unter einen Joghurt rühren und verspeisen. Nach einmonatiger Behandlung wurden 57% der Flohsamenpatienten als deutlich gebessert eingestuft, wesentlich mehr als in der Placebogruppe (35%) und in der Kleiegruppe (40%). Die Wirksamkeit des indischen Flohsamens bei Reizdarm kann damit als bewiesen angesehen werden. Irritierend an den Ergebnissen ist lediglich, dass die Erfolgsraten in der Flohsamengruppe langsam zurückgingen (auf 46% nach drei Monaten), während sie in der Kleiegruppe anstiegen (57%).

In der kompakten Ratgeberreihe «Was tun bei...», erschienen im KVC Verlag, widmet sich die Ausgabe «Was tun bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn» den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Sollen schwarze Frauen mehr Sport treiben als weiße Männer?
— vom 05.10.2009 —
Dass Sport gesund ist, weiß mittlerweile jeder. Augenscheinlich ist er aber nicht gleich gesund für alle. Amerikanische Epidemiologen haben anhand von fast 9.000 Patienten in einer prospektiven Studie untersucht, welche Einflussfaktoren eine Rolle spielen, wenn durch moderaten Sport die Cholesterin- und Triglyceridwerte beeinflusst werden sollen (Monda et al. J Lipid Res 2009).

Grundsätzlich erhöhte schon eine Stunde leichten wöchentlichen Trainings den HDL-Cholesterinspiegel. Zu einer gleichzeitigen Senkung des LDL-Cholesterinspiegels kam es aber nur bei Frauen. Wenn diese dann auch noch schwarzhäutig waren, sank auch der Gesamtspiegel. Bei Weißen (Männer und Frauen) wurde außerdem noch eine Senkung des Triglyceridspiegels beobachtet.

Und was sagt uns das nun? Nun, eigentlich nicht viel, da die Untersuchung an zwei wesentlichen Merkmalen krankt:
1.) Die Erfassung, wer wann wie viel Sport getrieben hat, war relativ ungenau, es ist daher möglich, dass die Effekte nur Artefakte aufgrund unterschiedlichen Antwortverhaltens der Studienteilnehmer sind.
2.) Eine Senkung oder Erhöhung von Blutfettwerten beantwortet leider nicht die Frage, ob es auch unterschiedlich häufig zu Arteriosklerose oder gar zu Herzinfarkten gekommen ist.

Wer vollwertig isst, senkt den Blutdruck
— vom 24.09.2009 —
Vollwerternährung ist blutdrucksenkend. Das wurde erneut in einer großen amerikanischen Studie bestätigt (Flint et al. Am J Clin Nutr 2009). In dieser Studie, der Health Professionals Follow-Up Study, wurden über 50.000 Männer seit 1986 regelmäßig nach ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrer Gesundheit befragt. Bei denen, die besonders viele Vollkornprodukte zu sich nahmen, war das Risiko, eine Hypertonie zu entwickeln, um ein Fünftel gegenüber denjenigen gesenkt, die sich nur selten vollwertig ernährten. Diese Ergebnisse sind natürlich um andere Risikofaktoren bereinigt. Verantwortlich für den Effekt sind vermutlich unverdauliche Ballaststoffe.

Jüngst als Patientenratgeber bei Natur und Medizin ist erschienen: «Vegetarisch vollwertig kochen».
Mit Mistelpräparaten zu mehr Lebensqualität
— vom 24.09.2009 —
Supportiv verabreichte Mistelpräparate erhöhen vermutlich die Lebensqualität von Krebspatienten. Zu diesem Schluss kommen Schweizer Forscher in einer systematischen Übersichtsarbeit über 18 vergleichende (nicht notwendigerweise randomisierte) Therapiestudien (Melzer et al. Forsch Komplementärmed 2009). Die Autoren betonen jedoch, dass die Qualität der einzelnen Studie in aller Regel eher mäßig war und sich die Ergebnisse von Studie zu Studie sehr unterschieden. Sie mahnen daher weitere randomisierte placebokontrollierte Studien an.

Gespannt darf man sein, ob diese Schlussfolgerung auch von deutschen Autoren geteilt wird, die eine ähnliche Übersichtsarbeit angekündigt haben, sich aber auf ein einzelnes Mistelpräparat beschränkten. Eine Veröffentlichung steht unmittelbar bevor.

Seit mittlerweile 15 Jahren fördert die Carstens-Stiftung die Erforschung der Mistel und deren Bedeutung für die Tumortherapie.
Vitaminpillen in den Müll?
— vom 24.09.2009 —
Unser Körper braucht Vitamine. Die bekommt man, indem man viel Obst und Gemüse ist, oder indem man zu Vitamintabletten greift. Letzteres ist eigentlich viel praktischer, dummerweise auch viel weniger hilfreich. Dieses behauptet zumindest eine französische Arbeitsgruppe auf der Basis einer randomisierten Therapiestudie (Czernichow et al. Am J Clin Nutr 2009), in der über 5.000 Patienten entweder Nahrungsergänzungsmittel (Vitamine C und E, Beta-Carotin, Selen, Zink) oder ein Placebo einnahmen. Nach über 7 Jahren Behandlung hatten beide Gruppen ein nahezu identisches Risiko, ein metabolisches Syndrom (also eine Kombination aus Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck) zu entwickeln. Auf der anderen Seite aber gab es durchaus Faktoren, die dieses Risiko senkten, unter ihnen hohe Blutkonzentrationen an Antioxidantien zu Studienbeginn. Die Autoren vermuten, dass diese Blutkonzentrationen die Ernährungsgewohnheiten der Patienten widerspiegeln, hohe Antioxidantienkonzentrationen also für einen hohen Obst- und Gemüseverzehr sprechen. Was dann nichts anderes hieße, als dass Vitamine in Pillen nicht helfen, eine vitaminreiche Ernährung aber schon.
Erfahren Sie zu diesem Thema mehr in dem Kompass Komplementärmedizin (Koko, Nr. 58), Titel: «Vitaminüberdosierung».
Cholesterin senken mit Walnüssen - ohne Gewichtszunahme
— vom 17.09.2009 —
Die Tatsache, dass Walnüsse gut für die Herzgesundheit sind, dürfte nichts Neues sein. Die Widerlegung der allgemein herrschenden Annahme, Walnüsse führten bei regelmäßigem Verzehr zur Gewichtszunahme, dürfte allerdings erfreulich sein. Eine aktuelle Meta-Analyse (Banel, D.K. et al, Am J Clin Nutr 90: 56-63, 2009) zeigt unter Berücksichtigung von 13 Studien mit insgesamt 365 Probanden auf, dass zumindest innerhalb Diäten von kurzer Dauer (zwischen 4-24 Wochen) Walnüsse signifikant das “böse” LDL-Cholesterin senken, aber nicht zur Gewichtzunahme führen. Langzeitstudien wären jedoch wünschenswert, um dieses Phänomen zu konsolidieren.

Wer mehr zur herzgesunden Ernährung und therapeutischen Ansätzen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wissen möchte, dem sei das im KVC Verlag erscheinende Buch Natürlich herzgesund ans Herz gelegt. Außerdem erhält man im KoKo 52 Nüsse - besser als ihr Ruf ausführliche Informationen über Nüsse als gesunde Knabberei.
Ölziehen reduziert plaque-induzierte Zahnfleischentzündungen
— vom 17.09.2009 —
Die Praxis des Ölziehens, seit 1991 dank eines Artikels aus der Feder von Frau Dr. Carstens einem breiten Publikum bekannt, wird in der ayurvedischen Volksmedizin seit langer Zeit zur Hygiene von Rachen und Mundraum angewandt - allerdings unter ausschließlicher Verwendung des Sesamöls. In einer randomisierten Studie (Asokan et al., Indian J Dent Res. 2009;20(1):47-51) praktizierten die 10 an Gingivitis erkrankten Probanden in der Verumgruppe einmal am Tag das Ölziehen mit Sesamöl, während die Kontrollgruppe mit einer Chlorhexidin-haltigen Standardlösung spülten. Nach zehn Tagen ergaben die Messungen hinsichtlich des Plaque-Indexes und Gingivitis-Scores, dass die Ölzieh-Gruppe eindeutig von dieser Behandlung profitierte. Dieses Ergebnis lässt hoffen, dass Wissenschaftler ermutigt werden, auch für andere Anwendungsgebiete des Ölziehens Untersuchungen durchzuführen.

Tipps zur praktischen Anwendung des Ölziehens bietet der Natur und Medizin-Patientenratgeber Nr. 14 Sonnenblumenöl. Wer mehr über die gesundheitsfördernden Wirkungen von anderen Ölsorten wissen möchte, sollte in : den KoKo Nr. 44 Heilsame Öle hineinschauen.
Neue Allensbach-Studie belegt Beliebtheit homöopathischer Arzneimittel
— vom 17.09.2009 —
Neun Jahre nach der letzten Erhebung zur Bekanntheit und Verwendung von Naturheilmitteln wurde nun eine neue Umfrage vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt, die sich ausschließlich mit der Bekanntheit, Verwendung und dem Image von homöopathischen Arzneimitteln in der Bevölkerung beschäftigt (Dokumente zur Allensbachstudie 2009). Demnach hat die Mehrheit der gesamten BRD-Bevölkerung schon von homöopathischen Arzneimitteln gehört, wobei die Zahl für den Westen Deutschlands geringfügig höher ist als für den Osten (West: 94%, Ost: 85%). Seit 1975, als 76% aller Befragten die Existenz homöopathischer Arzneimittel bezeugten, hat sich der Bekanntheitsgrad um 18 Prozentpunkte gesteigert - ein beträchtliche Steigerung über einen Zeitraum von 34 Jahren. Mehr als die Hälfte der Deutschen (53%) hat schon einmal homöopathische Medikamente eingenommen, offen bleibt jedoch die Frage, welchen Anteil homöopathische Kombinationsmittel dabei einnehmen.

Weitere interessante Aspekte dieser Umfrage sind zum einen, dass explizit die Homöopathie herausgegriffen wurde, zum anderen, dass die ärztliche Verschreibung bzw. Konsultation im Hinblick auf die Einnahme homöopathischer Arzneimittel nur eine geringe Rolle spielt, denn nur gut ein Viertel der Befragten (26%) erachtet eine Verschreibung durch einen Arzt oder Heilpraktiker als notwendig. Im Gegenteil, hier scheint die “Mund-zu-Mund-Propaganda” eine bedeutende Rolle zu spielen, da mehr als die Hälfte der Bevölkerung (54%) auf Empfehlung von Bekannten mit homöopathischen Medikamenten in Berührung kam. Die Verordnung durch ihren Arzt haben nur 22% aller Befragten in Anspruch genommen. Erstaunlich bleibt jedoch die Unwissenheit über homöopathische Arzneimittel, denn 65% glauben, dass Homöopathika keine Nebenwirkungen hätten. Festzuhalten bleibt allerdings: Der Trend zugunsten der Homöopathie geht eindeutig nach oben!
Auch Akupunktur wirkt antidepressiv
— vom 31.08.2009 —
Nicht nur die klassische Homöopathie (siehe vorherigen Eintrag), auch eine Akupunkturbehandlung hat antidepressive Wirkungen. Dieses zeigt eine randomisierte chinesische Studie (Zhang et al. J Alt Compl Med 2009) an 80 depressiven Pateinten, die entweder eine hohe Dosis des Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmers Fluoxetin und eine Scheinakupunktur erhielten oder eine niedrige Fluoxetin-Dosis und eine Verumakupunktur (5 Sitzungen pro Woche über 6 Wochen). Nach Ende der Behandlungszeit waren die Erfolgsraten in beiden Gruppen nahezu identisch (80.0% und 77.5%), was die Autoren zu der Schlussfolgerung veranlasste, dass bereits eine niedrige Flouxetin-Dosis zur Behandlung einer Depression ausreicht, wenn man diese durch eine Akupunkturbehandlung unterstützt.
Klassische Homöopathie ist antidepressiv
— vom 31.08.2009 —
Eine klassisch homöopathische Behandlung mit aufsteigenden Q-Potenzen ist zur Behandlung mittelschwerer Depressionen nicht schlechter als eine Therapie mit Flouxetin, einem Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Das berichten brasilianische Forscher, die beide Therapien in einer randomisierten Studie miteinander verglichen haben (Adler et al. eCAM 2009). In beiden Therapiegruppen ging die Schwere der Depression deutlich zurück, in der Homöopathiegruppe sogar noch etwas stärker. Eine ausführliche kritische Bewertung der Studie lesen Sie bitte demnächst in «Forschung kommentiert».
Homöopathie bei Aphten erfolgreich
— vom 31.08.2009 —
Aphten sind schmerzhafte Veränderungen der Mundschleimhaut (weiße Flecken mit rotem Rand), an denen jeder Fünfte mehr oder weniger häufig leidet. Iranische Wissenschaftler haben jetzt gezeigt, dass eine individuelle homöopathische Behandlung (eimalige Gabe einer C6) in der Behandlung der Aphten wirksam ist (Mousavi et al. Homeopathy 2009). Im Vergleich mit einer Placebobehandlung verringerten sich sowohl die Größe der Aphten als auch die empfundenen Schmerzen. Eine detaillierte kritische Bewertung der Studie wird demnächst in «Forschung aktuell» erscheinen.
Warum Yoga schlank hält!
— vom 31.08.2009 —
Wer regelmäßig Yoga betreibt, dem fällt es leichter sein Gewicht zu halten. Das haben amerikanische Wissenschaftler bereits vor vier Jahren aus den Ergebnissen einer Kohortenstudie mit über 15.000 Erwachsenen geschlossen (Kristal et al. Alt Ther Health Med 2005). Demnach nehmen Normalgewichtige, die über 4 Jahre regelmäßig Yoga praktizieren, in diesem Zeitraum nur um durchschnittlich 4,3 kg zu, 1,2 kg weniger als Personen, die ohne Yoga auskamen. Bei Übergewichtigen ging das Gewicht der Yoga-Betreibenden sogar um 2,3 kg zurück, während es bei den Kontrollpersonen um 6,1 kg stieg.

Die Erklärung erschien zunächst einfach: wer sich mehr bewegt, hat auch weniger Gewichtsprobleme. Die neuesten Erkenntnisse der amerikanischen Forscher legen eine andere Interpretation nahe: wer Yoga betreibt, entwickelt ein anderes Körpergefühl und nimmt seinen Körper auch bewusster wahr, insbesondere auch Hunger- und Sättigungsgefühle. Das führt dazu, dass Yoga-Betreibende bewusster essen und daher seltener mit einer Gewichtszunahme zu kämpfen haben. In der aktuellen Studie, einer Querschnittsbefragung von 300 Patienten, war der BMI umso geringer, je bewusster eine Person aß. Die Bewusstheit des Essens wiederum war mit der Häufigkeit von Yoga-Übungen korreliert, nicht aber mit der Häufigkeit von Spaziergängen oder sportlichen Aktivitäten (Framson et al. J Am Diet Assoc 2009).
Alkohol gegen das Vergessen
— vom 31.08.2009 —
Was für Herz und Kreislauf gilt, gilt vermutlich auch für das Gehirn: Wer mäßig Wein (bzw. überhaupt Alkohol trinkt), ist gesünder. Das ist das Fazit von Prof. Sink aus den USA, die kürzlich auf einer internationalen Tagung neue Daten zu den Risikofaktoren für Alzheimer-Demenz vorstellte (siehe den veröffentlichten Bericht des NIH). Demnach konnte in einer prospektiven Kohortenstudie an über 3000 Männern und Frauen nachgewiesen werden, dass ein regelmäßiger Alkoholkonsum von 1 bis 2 Gläsern täglich das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um etwa ein Drittel (37%) senkt. Wer bereits an Alzheimer leidet, sollte dagegen auf Alkohol verzichten: Prof. Sink zufolge nehmen die kognitiven Fähigkeiten umso stärker ab, je mehr Alkohol getrunken wird.
Phyto-Östrogene gegen Prostatakrebs?
— vom 23.07.2009 —
Die Deutsche Krebshilfe hat in einer Pressemitteilung auf Göttinger Forscher aufmerksam gemacht, die einen pflanzlichen Wirkstoff auf seine Wirksamkeit gegen Prostatakrebs untersuchen. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um das Isoflavon (Phyto-Östrogen) Tectorigenin, das aus dem Belamcanda chinensis gewonnen wird - einem aus der TCM bekannten Liliengewächs.

Zwei Dinge fallen auf: zum einen verweist die Deutsche Krebshilfe nicht auf wissenschaftliche Publikationen, sondern lediglich auf Aussagen der Forscher, dass sie in mehreren Laborexperimenten schon gute Erfolge erzielt hätten. PubMed gelistete Publikationen dieser Forschergruppe zum Thema gibt es (nach einer zugegebenermaßen nur oberflächlichen Recherche) lediglich zwei, beide sind nicht besonders neu. Es ist demnach nicht auszuschließen, dass es sich hierbei um eine der vielen üblichen Presseerklärungen handelt, die in der Onkologie immer wieder gestreut werden, um den Durchbruch in der Onkologie zu verkünden und weitere Forschungsgelder zu requirieren. Zum anderen ist nicht genau klar, ob es sich bei dem Pflanzenwirkstoff um einen Extrakt oder um eine Monosubstanz handelt (was wahrscheinlicher ist). Letzteres hätte dann nur relativ wenig mit der ursprünglichen Phytotherapie zu tun.

Dass Phyto-Östrogene sowohl bei der Entstehung von Brust- als auch bei Prostatakrebs eine entscheidende Rolle spielen, scheint mittlerweile wissenschaftlich akzeptiert. Erst vor zwei Wochen sprachen Forscher aus dem AKH Wien von den nachgewiesenen protektiven Wirkungen einer isoflavonreichen Ernährung in Asien (vor allem Sojaprodukte).
Strümpfe aus
— vom 23.07.2009 —
Bettlägerige Patienten müssen in Krankenhäusern Kompressionsstrümpfe tragen, um Thrombosen und Lungenembolien vorzubeugen. Besonders groß ist diese Gefahr bei Schlaganfallpatienten mit einer halbseitigen Lähmung, da hier die regelmäßigen Muskelkontraktionen fehlen, die den Blutfluss in Schwung halten. Eine jetzt veröffentlichte internationale Studie hat nun aber ergeben, dass gerade bei Schlaganfallpatienten die Kompressionsstrümpfe nicht helfen: die Komplikationsraten waren mit und ohne Strumpf nahezu identisch (Dennis et al. Lancet 2009). Vor dem Hintergrund, dass auch Kompressionsstrümpfe Nebenwirkungen haben können - Hautabschürfungen, Druckgeschwüre - empfehlen Mediziner, die Therapie jetzt neu zu überdenken, insbesondere nach Schlaganfällen. Neben der medizinischen Lehre sind zwei Dinge interessant:
1. Nicht immer bestätigt sich die Wirksamkeit einer für jedermann logisch klingenden Therapieoption in Studien - was gerade auch Erfahrungsmedizinern zu denken geben sollte,
2. augenscheinlich werden manchmal auch dann Studien ernst genommen, wenn sie nicht doppelblind durchgeführt werden (konnten).
Niederschmetterndes Urteil für Bachblüten
— vom 23.07.2009 —
Studien zur Wirksamkeit der Bachblütentherapie haben ein hohes Bias-Risiko und in keinem einzelnen Fall positive Ergebnisse erbracht. Dieses ist das niederschmetternde Urteil österreichischer Forscher, die insgesamt 4 randomisierte Therapiestudien und 2 kontrollierte Kohortenstudien in einem systematischen Review zusammengefasst haben (Thaler et al. BMC Compl Altern Medic 2009). Die meisten Studien behandelten die Frage, ob Rescue-Tropfen bei Prüfungsangst helfen. Die Gruppenunterschiede in den Studien verfehlten dabei nicht nur das Signifikanzkriterium, sie waren auch in keinem Fall klinisch relevant. Das hohe Bias-Risiko begründete sich in hohen Drop-Out-Raten oder fehlerhaften Randomisierungen.

Ganz frei von Bias-Risiko ist allerdings auch die Studie selbst nicht (es ist allerdings gering): Augenscheinlich wurden einige Studien ausgeschlossen, weil sie die “falschen” Zielkriterien wählten, nur als Abstract publiziert waren, oder nicht genügend Daten für die Qualitätsbeurteilung vorlagen.
Magnettherapie: den zweiten Schritt zuerst gemacht
— vom 23.07.2009 —
Amerikanische Forscher bemängeln, dass die derzeit vorgelegten klinischen Studien zur (statischen) Magnettherapie viel zu früh in Angriff genommen worden sind (Colbert et al. eCAM 2009). Statt zunächst einmal sich intensiv damit zu beschäftigen, welche Dosis (d.h. Feldstärke) an welchem Ort wie lange in welchem Abstand zum Gewebe mit welcher Häufigkeit appliziert werden sollte, um optimale Ergebnisse zu erreichen, habe man den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. Dieses sei ein möglicher Erklärungsversuch, warum so viele Studien zum Thema negativ ausgingen.
Neurofeedback bei ADHS evidenzbasiert
— vom 23.07.2009 —
Die Diagnose “Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssyndrom” (ADHS) wird heutzutage immer häufiger gestellt, die Behandlung beschränkt sich meist neben einer psychologisch/pädagogischen Betreuung auf eine medikamentöse Therapie mit Ritalin, das nicht nur in komplementärmedizinischen Kreisen aber eher als Teufelsdroge denn als Heilsbringer betrachtet wird. Zu Ritalin sind eine Reihe naturheilkundlicher Alternativen vorgeschlagen worden, unter anderem eine homöopathische Einzelmittelbehandlung, die sich in einer randomierten Therapiestudie einem Placebo überlegen erwiesen hat (Frei et al. Eur J Pediatr 2005).

Auch Neurofeedbackverfahren werden verschiedentlich, aber nicht immer, der Komplementärmedzin zugeordnet. Ziel des Neurofeedbacks ist, Patienten lernen zu lassen, wie sie bestimmte Aktivitäten ihres Gehirns unterdrücken oder initiieren können, die mit der Pathophysiologie ihrer Erkrankung einhergehen. Hierzu wird ihnen in Echtzeit die mit einem EEG (oder anderen Verfahren) gemessene Hirnaktivität rückgemeldet. Die Patienten können dann beobachten, wie sich bestimmte Verhaltensweisen auf das EEG auswirken und lernen so, schädliches Verhalten zu unterdrücken und nützliches einzusetzen.

Holländische Wissenschaflter haben nun in einer Meta-Analyse über nicht-randomiserte und randomisierte Therapiestudien nachweisen können, dass Neurofeedback bei ADHS wirksam ist. Die Autoren sprechen sogar von einer spezifischen Wirksamkeit mit großem Effekt auf Unaufmerksamkeit und Impulsivität (Arns et al. J Clin EEG & Neuroscience 2009).
Liste der Ernährungsrisiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
— vom 21.07.2009 —
Es ist ja schon lange bekannt: Wer sich gesund ernährt, trägt ein geringeres Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden. Kanadische Forscher haben jetzt so etwas wie eine wissenschaftliche Hitliste erstellt, für welche Risikofaktoren es die beste Evidenz für einen Zusammenhang mit einer koronaren Herzerkrankung gibt (Mente et al. Arch Intern Med 2009). Sie lautet:

1. (sehr starke Beweislast): Mittelmeerdiät (verringert das KHK-Risiko)

2. (starke Beweislast): Gemüse, Nüsse, einfach ungesättigte Fettsäuren (verringert jeweils das KHK-Risiko), trans-Fettsäuren, Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index (erhöht jeweils das KHK-Risiko)

3. (gute Beweislast): Fisch, Omega-3-Fettsäuren, Folsäure, Vollkornprodukte, natürliches Vitamin E und C, natürliches Beta-Karotin (verringert jeweils das KHK-Risiko)

4. (mäßige Beweislast): Vitamin E und C - Nahrungsergänzungsmittel, mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit Ausnahme von Alpha-Linolensäure, Milch (verringert jeweils das KHK-Risiko), Alpha-Linolensäure, Fleisch, Eier, gesättigte Fettsäuren, Produkte mit hohem Gesamtfettgehalt (erhöht jeweils das KHK-Risiko)
Bei Mittelohrentzündung auf Antibiotika verzichten
— vom 16.07.2009 —
Dass Antibiotika bei einer Otitis media oft nur relativ geringe klinische Effekte haben und daher vorsichtig eingesetzt werden sollten, ist seit mehreren Jahren bekannt (Damoiseaux et al. BMJ 2000). Holländische Wissenschaflter konnten jetzt zeigen: auf lange Sicht ist der Antibiotikaeinsatz sogar kontraproduktiv (Bezakova et al. BMJ 2009). Die Wissenschaftler befragten 168 Kinder drei Jahre nachdem diese an einer placebokontrollierten randomisierten Therapiestudie zur Behandlug der akuten Mittelohrentzündung mit Amoxicillin teilgenommen hatten. In dieser Zeit bekamen 63% der mit Antibiotika, aber nur 43% der mit Placebo behandelten Kinder erneut eine Mittelohrentzündung. Korrigiert man diese Werte bezüglich etwas unterschiedlicher Ausgangsbedingungen, so ergibt das ein etwa 2 ½-fach erhöhtes Risiko, nach einer Amocillinbehandlung ein Rezidiv zu erleiden.

Ganz stimmig sind die Daten der holländischen Studie aber leider nicht: die Zahl der Kinder, die wegen ihrer Mittelohrentzündung erneut einen Arzt aufgesucht haben, ist in beiden Gruppen identisch, die Zahl der HNO-Operationen war in der Amocillingruppe sogar etwas geringer.
Verschweigen ist Silber...
— vom 16.07.2009 —
Drei von fünf Schwangeren in England verwenden pflanzliche Medikamente und Produkte (in erster Linie Ingwer, Cranberry und Himbeerblätter) während der Schwangerschaft, aber nur jede vierte spricht darüber auch mit ihrem Gynäkologen oder ihrer Hebamme (Holst et al. J Altern Complem Ther Med 2009). Englische und norwegische Wissenschaftler schließen darus, dass Wechselwirkungen mit ärztlich verordneten Medikamenten eine potenzielle Gefahr darstellen, der sich die Mediziner und Hebammen zunehmend stellen sollten.
Hoher Blutdruck: Schokolade, Tomaten oder keines von beidem?
— vom 16.07.2009 —
Zartbitterschokolade mit ihrem hohen Anteil and Flavanolen oder Lycopen-reiche Tomaten genießen den Ruf, blutdrucksenkend zu wirken. Australische Wissenschaftler haben nun beide Ernährungstherapien miteinander verglichen, mit ernüchterndem Ergebnis: keine der beiden Therapien hat bei den 36 Patienten eine signifikante Blutdrucksenkung bewirkt (Ried et al. BMC Complem Altern Med 2009). Es wurden allerdings auch nur Patienten mit sehr milder Hypertonie von durchschnittlich etwa 135/85 mmHg eingeschlossen, so dass sich die Frage stellt: war da überhaupt etwas zu therapieren?

Den meisten Probanden fiel es übrigens sehr schwer, täglich 50g dunkler Schokolade zu essen.
Kein Zufall
— vom 16.07.2009 —
In China ist nicht überall, wo “Randomisation” draufsteht, auch tatsächlich Randomisation drin. Das ist umgangssprachlich die erschütternde Erkenntnis chinesischer Forscher (Wu et al. 16. Cochrane Collaboration Kolloqium 2008). Diese hatten ihre Landsleute zu etwa 3000 randomisierten Therapiestudien interviewt und genau nachgefragt, wie sie die Zuteilung zu den Therapiegruppen vorgenommen hatten. Letztendlich waren nur 207 Studien (das ist weniger als jede zehnte) tatsächlich randomisiert. Unterschiede zwischen Studien zur TCM oder westlicher Medizin gab es dabei nicht. Die Autoren schließen, dass viele chinesische Forscher nicht wirklich wissen, was Randomisation eigentlich bedeutet, insbesondere wenn die Studien an nicht-universitären Kliniken durchgeführt wurden.
Lakritze zur Prävention postoperativer Rachenentzündung
— vom 14.07.2009 —
Sollten diese schwarzen Leckereien etwa auch noch gesundheitliche Vorteile haben? Dies haben nun indische Anästhesiologen in einer randomisierten Studie (Agarwal, A. et al., Anesth Analg 2009; 109:77-81) beweisen können. 20 der 40 Patienten, die sich einer Operation unterziehen sollten, wurden kurz vor der Intubationsnarkose gebeten, fünf Minuten lang mit einer Lakritzlösung zu gurgeln. Die andere Gruppe gurgelte lediglich mit einer Wasserlösung. Tatsächlich traten in den ersten 24 Stunden nach der OP in der Lakritzgruppe weniger bzw. milder verlaufende Rachenentzündungen auf als in der Kontrollgruppe. Leider konnte die Studie wegen des verräterischen Lakritzgeruchs der Patienten nach dem Gurgeln nicht doppelblind durchgeführt werden.
Ein Traum: Im Schlaf abnehmen
— vom 14.07.2009 —
Wie wichtig genügend Schlaf ist, haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche Studien bewiesen (siehe u. a.: Ausreichend Schlaf ist wichtig für das Immunsystem). Was uns “Schlank im Schlaf” und andere Diäten schon immer suggerierten, wurde nun wissenschaftlich untermauert. In einer australischen Studie (unpubl. Bericht vom SLEEP 2009, the 23rd Annual Meeting of the Associated Professional Sleep Societies) reduzierte ein Mangel an Schlaf bei den 100 Probanden zwar den Appetit und ließ sie weniger essen, führte jedoch nach elf Tagen reduzierten Schlafes zu einer Erhöhung des Körpergewichts von durchschnittlich 1,30 Kilogramm. Wer also ernsthaft abnehmen möchte, sollte gesunde Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf kombinieren.
Was macht die Mittelmeerdiät so gesund?
— vom 07.07.2009 —
Wer sich mediterran ernährt, lebt gesund und länger, das ist allgemein bekannt. Was aber genau an dieser Ernährungsform ist verantwortlich für diesen Effekt? Dieser Frage haben sich griechische Forscher gestellt und in einer Langzeit-Kohortenstudie herausgefunden (Trichopoulou et al. BMJ 2009), dass es vor allem der moderate Alkoholgenuss (macht 23% des Effekts aus), der geringe Verzehr von Fleisch- und Wurstwaren (17%), der hohe Anteil an Gemüse (16%), Früchten/Nüssen (11%) oder einfach gesättigten Fettsäuren (11%) und die vielen Hülsenfrüchte (10%) sind, denen die Griechen ihre hohe Gesundheit verdanken. Demnach tragen Getreideprodukte, Fisch und Meeresfrüchte kaum oder gar nicht zu einer Lebensverlängerung bei.
Antibiotischer Honig
— vom 07.07.2009 —
Medizinischer Honig vom Teebaum konnte im Laborversuch erstaunliche antibiotische Wirkungen entfalten. Australische Forscher berichten, der Honig töte acht verschiedene Keime zuverlässig ab, die typischerweise in oberflächlichen Wunden zu finden sind; unter ihnen auch Stämme, die bereits eine hohe Antibiotikaresistenz entwickelt haben (Blair et al. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2009).

Der Wirkmechanismus des Honigs scheint sich deutlich von dem chemischer Antibiotika zu unterscheiden. Die Forscher empfehlen den Honig (nach weiteren Versuchen) zur Behandlung oberflächlicher Wunden. Ganz neu sind die Erkenntnisse nicht, die antibiotische Wirkung von Honig ist schon mehrfach erforscht worden, sowohl bei der Wundheilung als auch bei bakteriellen Erkrankungen wie chronischer Sinusitis.
Was lässt wirklich die Pfunde purzeln?
— vom 07.07.2009 —
Komplementär- und alternativmedizinische Therapiemethoden zur Gewichtsreduktion im Vergleich: Mitarbeiter der Medical University of South Carolina haben die Ergebnisse verschiedener Studien zusammengetragen, in denen die Wirksamkeit der gängigsten Mittel und Therapien zum Abnehmen untersucht wurde (Steyer et al. Prim Care 2009).

Als wirksame Nahrungsergänzungsmittel haben sich erwiesen: Koffein/Ephedrin/Ephedrin-Alkaloid (nicht empfehlenswert bei Patienten mit chronischen kardiovaskulären oder psychiatrischen Erkrankungen aufgrund möglicher Nebenwirkungen), Chrom (auch hier wurden jedoch Nebenwirkungen wie Nierenfunktionsstörungen beobachtet), Diacylglycerol und Fettblocker wie der Gartenbohnenextrakt.

An alternativmedizinischen Behandlungsmethoden wurden Akupunktur, Homöopathie und Hypnose untersucht, hier konnten nur Akupunktur und Hypnose eindeutig positive Ergebnisse liefern.
Leberentzündung durch Traubensilberkerze
— vom 09.06.2009 —
Auch wenn eine italienische Kohortenstudie kürzlich ein positives Gesamtfazit gezogen hat (Firenzuoli et al. eCAM 2008), die Warnung der EMEA (European Medicines Agency) vor möglicher Lebertoxizität von Extrakten der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) besteht weiter und wird durch einen neuen Fall bestätigt: italienische Mediziner berichten von einer ansonsten völlig gesunden 37-jährigen Frau, die nach langfristiger Einnahme von Cimicifuga-Präparaten über Übelkeit und unerträgliches Jucken am ganzen Körper klagte (Vannacci et al. Altern Ther Health Medicine 2009). Als Ursache stellte sich eine Leberentzündung heraus, virale und andere Ursachen konnten ausgeschlossen werden. Nach Absetzen des Cimicifugaextrakts erholte die Patientin sich recht schnell.
Schmerzheilung aus der Ferne
— vom 09.06.2009 —
Japanische Forscher haben in einer randomisierten Studie belegt, dass ein japanischer Wunderheiler die Schmerzen amerikanischer Patienten per Fernheilung lindern kann (Tsubono et al. Alt Ther Health Medicine 2009). Hierzu bekam der Wunderheiler zunächst einmal alle 16 chronischen Schmerzpatienten zu Gesicht und ging dann zurück nach Japan. Dort versuchte er die eine Hälfte der Patienten zu heilen, was ihm zum Teil gelang: die Schmerzen gingen stärker zurück als in der Kontrollgruppe. Allerdings konnte dieser Behandlungserfolg (aufgrund der geringen Fallzahl?) nicht in allen Zielkriterien statistisch abgesichert werden.
Homöopathie und Fibromyalgie - eine Erfolgsstory
— vom 18.05.2009 —
In der Homöopathieforschung sind bisher nur wenige Krankheiten mehrmals Gegenstand randomisierter Therapiestudien gewesen und wenn, dann oft mit wechselndem Erfolg oder gar sich widersprechenden Ergebnissen. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Eine dieser Ausnahmen ist die Fibromyalgie, die sich bereits dreimal in sehr unterschiedlichen Studien als einem Placebo überlegen gezeigt hat. In der neuesten Studie zum Thema haben englische Forscher eine zusätzliche homöopathische Einzelmittelbehandlung mit einer ausschließlich konventionellen Routineversorgung verglichen (Relton et al. Homeopathy 2009).

Die Studie war randomisiert und naturgemäß nicht verblindet. 47 Patienten wurden eingeschlossen und behandelt. 22 Wochen nach Therapiebeginn hatten die Schmerzen, der Behinderungsgrad und die Fatigue-Symptomatik in der Homöopathiegruppe signifikant stärker abgenommen als in der Kontrollgruppe.

Die Autoren fordern nun eine konfirmative Studie ein, die neben der Effektivität der homöopathischen Behandlung auch das Kosten/Nutzen-Verhältnis untersuchen sollte.
Placebo-Responder identifiziert
— vom 18.05.2009 —
Wenn man vorhersagen könnte, wer auf Placebogabe besonders stark und wer überhaupt nicht reagiert, dann würden klinische Forscher ihre Studien völlig anders planen und nur noch solche Patienten einschließen, von denen keine Placeboresponse zu erwarten ist. Bisher gab es aber keinerlei Hinweise, dass eine solche Gruppe von Placeboresistenten existiert.

Kanadische Wissenschaftler haben nun erstmals Persönlichkeitsmerkmale eines Patienten mit seiner Placeboantwort auf Schmerzreize in Verbindung setzen können (Schweinhardt et al. J Neurosci. 2009). Bei Risikofreudigen wirkt eine Placebocreme deutlich schmerzlindernder als bei Feiglingen. Gleiches gilt für Personen mit viel grauer Hirnsubstanz in verschiedenen Regionen. Erklärt wird das über das körpereigene Belohnungssystem, das mit der Ausbildung von Hirnsubstanz und der Ausschüttung von Dopamin korreliert.
Yoga-Studie gescheitert - war´s die Rekrutierung?
— vom 18.05.2009 —
Englische Forscher um die renommierte EBM-Autorin T. Greenalgh sind bei dem Versuch gescheitert, die Wirksamkeit einer Yoga-Therapie bei Typ-II-Diabetes nachzuweisen (Skoro-Kondza et al. BMC Complement Altern Medicine 2009).

Schon bei der Rekrutierung gab es erhebliche Schwierigkeiten: von 60 angefragten Praxen nahmen nur 12 teil, und nur 3 erreichten relevante Patientenzahlen. Zwei Drittel aller angesprochenen Patienten erfüllten nicht die Ein- und Ausschlusskriterien, und vom letzten Drittel waren 90% nicht bereit, an einer randomisierten Studie teilzunehmen. Es blieben noch 29 Yoga-Patienten (und gleich viele Kontrollpatienten), die allerdings recht unregelmäßig zu den Yogastunden erschienen (die Teilnahmerate lag bei 50%). Kein einziger Teilnehmer übte auch zu Hause.

Die Schlussfolgerung: eine Aussage über die Wirksamkeit von Yoga bei Diabetes lässt sich nicht treffen, es ist aber stark zu bezweifeln, dass Yoga überhaupt für den Großteil westlicher Diabetes-Patienten als reale Therapieoption in Frage kommen kann.
Akupunktur lindert chronische Rhinitis
— vom 18.05.2009 —
In einer randomisierten placebokontrollierten Studie haben deutsche Forscher gezeigt, dass eine Nadelakupunktur einer Placeboakupunktur (mit deaktiviertem Softlaser) bei der Behandlung der chronischen, nicht-allergischen Rhinitis überlegen ist (Fleckenstein et al. J Altern Complement Medicine 2009). In der Akupunkturgruppe ging die Schwere der Erkrankung um mehr als 50% zurück, in der Kontrollgruppe nur um gut 30%.
Hände weg vom Handy
— vom 18.05.2009 —
Australische Epidemiologen halten es mittlerweile für erwiesen, dass häufiges Telefonieren mit dem Handy zu Hirntumoren führen kann (Hardell et al. Surg Neurol 2009). Die Forscher haben insgesamt 11 epidemiologische Langzeituntersuchungen neu bewertet und sind in einer Meta-Analyse zu dem Schluss gekommen, dass Personen, die seit mehr als 10 Jahren mit dem Handy telefonieren, ein doppelt so hohes Risiko haben, einen Hirntumor zu bekommen, wie solche, die nicht mobil telefonieren.
Zwei Wege, den Antibiotikakonsum bei Husten zu beschränken
— vom 18.05.2009 —
Holländische Forscher haben in einer randomisierten Therapiestudie verschiedene Strategien miteinander verglichen, wie man die meist unnütze Verschreibung von Antibiotika bei Erkältungen reduzieren kann (Cals et al. BMJ 2009). Zwei Strategien erwiesen sich als erfolgreich. Zum einen ein spezielles Kommunikationstraining für Ärzte, zum anderen der Einsatz eines Labortests (auf C-reaktives Protein), der als guter prognostischer Faktor gilt, ob eine Lungenentzündung wahrscheinlich ist oder nicht.

Mit beiden Strategien konnte die Häufigkeit von Antibiotikaverschreibungen fast halbiert werden (von über 50% aller Patienten auf etwa 30%). Eine Kombination beider Strategien senkte diesen Wert tendenziell noch etwas weiter. Auf die Schwere der Erkrankung hatte das keinen Einfluss, sie klang in allen Gruppen gleich schnell ab.
Wein lindert Bestrahlungsschäden
— vom 18.05.2009 —
Brustkrebspatientinnen mit einem moderaten Alkoholkonsum erleiden seltener Hautschäden nach einer Bestrahlungstherapie. Das ist das überraschende Nebenergebnis einer italienischen Studie zu Bestrahlungsschäden einer Radiotherapie (Morganti et al. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2009). Es stellte sich nämlich heraus, dass 38,4% aller Alkohol abstinenten Frauen Hautprobleme hatten. Tranken Sie dagegen Alkohol in geringen Mengen (etwa ein halbes Glas Wein am Tag), so fiel die Rate auf 31,8%, bei einem Glas Wein täglich sogar auf 13,6%. Höhere Alkoholmengen bieten dagegen keinen Schutz, denn schon bei zwei Gläsern Wein täglich liegt die Schädigungsrate wieder bei 35,0%. Die Forscher fordern nun Studien, ob Wein tatsächlich teure Medikamente zum Schutz vor Bestrahlungsschäden ersetzen kann.
Tai Chi verbessert den Gleichgewichtssinn nach einem Schlaganfall
— vom 18.05.2009 —
Tai Chi verhilft Patienten mit Schlaganfall zu einem besseren Gleichgewichtsgefühl, so berichten chinesische Forscher (Au-Yeung et al. Neurorehabi Neural Repair 2009). Nachdem vorangegangene Studien gezeigt hatten, dass Tai Chi das Standgleichgewicht gesunder Senioren verbessert, wurde nun untersucht, ob dies auch für Schlaganfallpatienten zutrifft.

Die 136 Studienteilnehmer hatten vor über 6 Monaten einen Schlaganfall erlitten. Die Versuchsgruppe, die regelmäßig unter Anleitung und auch selbstständig Tai Chi in einer Kurzform praktizierte, erzielte nach 12 Wochen deutlich bessere Ergebnisse als die Kontrollgruppe, die allgemein übliche Bewegungsübungen praktizierte. Beurteilt wurden unter anderem das dynamische Standgleichgewicht sowie das Standgleichgewicht in sensorisch anspruchsvollen Stellungen.
Mariendistel bewährt sich bei akuter Hepatitis
— vom 18.05.2009 —
Ein Mariendistelextrakt ist, wenn er in der empfohlenen Dosierung verabreicht wird, sicher und möglicherweise wirksam bei der Behandlung einer akuten Hepatitis. Dieses schließen amerikanische und ägyptische Forscher aus einer randomisierten Doppelblindstudie an 105 Patienten (El-Kamary et al. Phytomedicine 2009). Diese erhielten entweder 3×140mg Mariendistel oder ein Vitaminpräparat über einen Zeitraum von 4 Wochen. Nach der Behandlung nahm die Funktionsfähigkeit der Leber in der Mariendistelgruppe stärker zu, die Indikatoren für die Stärke der Leberschädigung unterschieden sich nicht. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
Homöopathie zur Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie
— vom 28.04.2009 —
Homöopathische Medikamente haben das Potenzial, die Nebenwirkungen einer onkologischen Radio- oder Chemotherapie zu lindern. Das ist die Schlussfolgerung englischer Forscher aus einer systematischen Übersichtsarbeit über 7 placebokontrollierte, randomisierten klinischen Studien (Kassab et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009). Als erfolgversprechend wird vor allem die Therapie einer Entzündung der Mund- und Rachenschleimhaut mit dem Kombinationspräparat Traumeel S® eingestuft, die besonders nach Chemotherapien häufig auftritt; außerdem die vorbeugende Behandlung von durch Bestrahlung hervorgerufenen Hautekzemen und –entzündungen mit einer Calendula haltigen Pflegesalbe. Durchgeführt wurde die Arbeit nach den Richtlinien der Cochrane-Collaboration, also dem höchsten Standard in diesem Bereich. Formal ist die Studie daher methodisch als hochwertig einzustufen, inhaltlich gibt es aber erhebliche Zweifel: aus der Originalveröffentlichung der Calendula-Studie ist nämlich nicht zu entnehmen, dass es sich hierbei um ein homöopathisches Arzneimittel handelt, die Salbe ist wohl eher der Phytotherapie zuzurechnen.
Musik ist gut für’s Herz, aber nicht für die (depressive) Seele
— vom 21.04.2009 —
Musik als Stimmungsmacher, Musik, die aufwühlt oder beruhigt: zweifellos beeinflussen musikalische Klänge unser Befinden. Dies behaupten zumindest Forscher von der Temple University in Philadelphia, die im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit (Bradt J et al. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 2, 2009) 23 Studien mit insgesamt 1461 Probanden zum Thema “Psychologische und physiologische Effekte des Musikhörens auf Patienten mit koronaren Herzerkrankungen” auswerteten. Allerdings geht es in dieser Arbeit mehr um die beruhigenden Auswirkungen des Musikhörens auf das Angst- und Stressempfinden, denn negativer Stress stellt einen besonders entscheidenden Risiko-Parameter für Herzpatienten dar. Die untersuchten Studien zeichnen sich aber nicht durch durchschlagende Resultate aus, wie die Forscher herausgefunden haben. Auf der psychologischen Ebene sind moderate Effekte auf das Angstempfinden bei Patienten mit koronaren Herzerkrankungen und Myokardinfarkpatienten zu verzeichnen. Auch die Ergebnisse zur Beeinflussung des Stressempfindens durch Musikhören der 4 vorliegenden Studien bewegen sich eher im nicht-signifikanten Bereich. Keine Auswirkungen wurden in Studien zur Beeinflussung von Depressionen festgestellt. Auf der physiologischen Ebene konnten signifikante Effekte des Musikhörens auf Blutdruck und Schmerzempfinden der Patienten beobachtet werden. Die Studienergebnisse zur Beeinflussung der Herzrate bleiben für die Forscher eher inkonsistent, da sich die 14 untersuchten Studien darin unterscheiden, dass zum Teil Musik gehört worden ist, die von den Patienten selbst ausgewählt wurde, während zum Teil aber auch von den Therapeuten ausgewählte Musik angehört worden ist. Die Autoren weisen darauf hin, dass “sedative” Musik schwierig zu definieren ist und es daher unklar bleiben muss, welche Art von Musik sich nun für die oben untersuchten Zwecke eignet. In zukünftigen Studien, so die Forscher, sollten diese Aspekte mehr berücksichtigt werden.
Zu heiß
— vom 07.04.2009 —
Wer seinen schwarzen Tee sehr heiß trinkt, der muss mit einem erhöhten Risiko leben, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Das haben jetzt iranische Forscher herausgefunden (Islami et al. BMJ 2009). Demzufolge ist das Krebsrisiko von Heißteetrinkern (über 65°C) gegenüber Lauwarmtrinkern (unter 60°C) um den Faktor 8 erhöht, auch Teetemperaturen von 60-65°C erhöhen das Risiko schon um den Faktor 2. Unklar ist noch, ob die Ergebnisse auch auf andere Heißgetränke übertragbar sind.
Was verstehen Laien unter CAM?
— vom 07.04.2009 —
Wer weiß schon, was Komplementärmedizin ist? Oder welche Therapieverfahren dazu gehören? Wahrscheinlich kann jeder, der beruflich mit CAM zu tun hat, Geschichten darüber erzählen, wie Laien Homöopathie und Phytotherapie verwechseln, Kinesiologie als Schulmedizin begreifen oder neue Chemotherapien zur Komplementärmedizin zählen. Amerikanische Forscher haben nun 109 Studenten nach ihrer Definition von CAM gefragt (Fennell et al. Compl Ther Medicine 2009). 16 von Ihnen antworteten, noch nie etwas davon gehört zu haben, weitere 33 beantworteten die Frage gar nicht. 39 Studenten definierten CAM darüber, außerhalb der Norm bzw. des Mainstreams zu liegen, z. B. von Laienheilern verordnet zu werden (12), ohne Medikamente auszukommen (10), wissenschaftlich nicht geprüft zu sein (3), oder nicht „westlich“ zu sein (2). Nur wenige begriffen CAM als Entität: 2 Studenten definierten CAM über die Tradition, 2 verwendeten den Begriff der „Ganzheitlichkeit“ und 13 versuchten, CAM positiv über die Gesunderhaltung (im Gegensatz zur Krankheitsheilung der Schulmedizin) zu beschreiben. Interessant ist auch, welche Verfahren in freier Nennung zur Komplementärmedizin gezählt wurden. Die ersten Plätze belegten Akupunktur (35%), Kräuter (28%), Massagen (19%) und Yoga (14%), Vitamine landen mit nur 7% auf Platz 5. Das bedeutet, dass selbst klassische CAM-Verfahren eher selten mit dem Begriff frei assoziiert wurden. Und: Homöopathie, Mineralien und Osteopathie wurden so selten genannt, dass sie gar nicht aufgeführt wurden.
Naturheilmittel bei Rheuma meist ohne Wirkung?
— vom 31.03.2009 —
In einem aktuellen Bericht der Arthritis Research Campaign, der die wissenschaftliche Evidenz sowie die Sicherheit einzelner komplementärmedizinischer Präparate (zur oralen Einnahme oder zum Auftragen auf die Haut) bei rheumatischen Erkrankungen wie Arthritis, Arthrose und Fibromyalgie aufzeigt, werden Präparate von A wie Anthocyanidine bis W wie Weidenrinde hinsichtlich ihrer klinisch geprüften Wirksamkeit beurteilt. Unter den untersuchten Präparaten sind Substanzen und Mittel wie Leinsamenöl, Grünlippmuschelextrakt, Brennessel, Teufelskralle, Hagebuttenextrakt, Capsaicin, Weihrauch, Fischöl, Glukosamin und verschiedene Kräutermischungen wie Reumalex und Phytodolor zu finden. Zwei Drittel dieser natürlichen Heilmittel sind laut Beurteilung durch die Autoren entweder gar nicht oder nur geringfügig wirksam. Auch homöopathische Arzneimittel gehören in diese Kategorie; obwohl die Autoren einräumen, dass hinsichtlich der homöopathischen Behandlung der Fibromyalgie positive Ergebnisse dokumentiert sind, reichen die vorliegenden Daten zu anderen rheumatischen Erkrankungen wie Arthritis und Arthrose nicht für eine annähernd positive Bewertung hinsichtlich der Wirksamkeit.
Für Präparate und Substanzen wie Aloe vera, Artrosilium, Basilikum, Emu-Öl und weitere mehr konnte keine den von den Autoren vorgegebenen Maßstäben entsprechende kontrollierte Studie aufgefunden werden.
In ihrem nächsten Bericht beabsichtigen die Wissenschaftler der Forschungsgruppe komplementäre Methoden wie Akupunktur, Massage und andere im Rahmen dieser Berichtreihe zu bewerten.
Regelschmerzen? - Ingwer!
— vom 24.03.2009 —
Frauen mit Regelschmerzen können, statt nach Ibuprofen zu greifen, auch Ingwerextrakte einnehmen. Das folgern iranische Wissenschaftler aus den Ergebnissen einer randomisierten Doppelblindstudie an 150 Studentinnen (Ozgoli et al. J Complem Altern Medicine 2009). Diese wurden in drei Gruppen eingeteilt: 4×3 Kapseln mit 250mg Ingwerextrakt, 4×3 Kapseln mit 400mg Ibuprofen und 4×3 Kapseln mit Mefenaminsäure (ist in Deutschland nicht zugelassen). Nach drei Monaten war die Schmerzlinderung in allen drei Gruppen statistisch nicht voneinander zu unterscheiden.

Man beachte aber: Dass sich drei Gruppen statistisch nicht voneinander unterscheiden, heißt nicht, dass sie tatsächlich therapeutisch äquivalent sind — statistisch sind das zwei völlig verschiedene Aussagen.
Medizinstudierende aus Gießen und Ärzte aus Norddeutschland haben wenig Ahnung von Komplementärmedizin (CAM)
— vom 24.03.2009 —
Gießener Medizinstudenten des 7. Semesters wurden zu ihrer Einstellung und ihren Kenntnissen über komplementärmedizinische Verfahren befragt (Münstedt et al. eCAM 2008). Parallel dazu erhielten Allgemeinärzte und Gynäkologen aus sieben Städten in Norddeutschland einen Fragebogen. Insgesamt wurden 550 Bögen ausgeteilt: davon konnten 219 (von 280) von Ärzten und 217 (von 270) von Studierenden ausgewertet werden. Das Spannende an den Ergebnissen ist, dass sich immerhin fast drei Viertel (73,8%) der Ärzte und knapp die Hälfte der Studierenden (40%) mit CAM beschäftigten, aber beide Gruppen nicht wirklich das Gefühl haben, sich mit den Verfahren auszukennen. Dabei geben die Ärzte an, am ehesten noch etwas mit den Themen Ernährung, Autogenes Training und Misteltherapie anfangen zu können. Die Studierenden führen an, sich ebenfalls mit autogenem Training beschäftigt zu haben, aber auch mit Hypnose und der Homöopathie! Irisdiagnostik, Dunkelfeldmikroskopie, Geopathie und das Heilerwesen gehörten dagegen zu den Verfahren, von denen beide Gruppen eher nichts wissen wollten. Ärzte halten den Einsatz der Komplementärmedizin für am sinnvollsten in der Allgemeinmedizin, Onkologie, Pädiatrie, Dermatologie und Rheumatologie (zur Erinnerung: die befragten Ärzte arbeiteten auch in diesem Bereich). Die Studierenden hingegen gaben neben Allgemeinmedizin vor allem Dermatologie, Psychiatrie und Rheumatologie als sinnvolle Bereiche an. Die meisten Ärzte (70,5%) und Studierenden (66,2%), die geantwortet haben, wollen sich bereits im Studium mit der Komplementärmedizin auseinander setzen. Dabei ging die Meinung über die Bedeutung dieser Lehre für die spätere Praxis in beiden Gruppen aber weit auseinander. Während über die Hälfte der Ärzte (62,6%) der Meinung waren, dass dieses Studium den Arzt besser auf seine Aufgaben in der Praxis vorbereiten, glaubt dieses nur einer von vier Studierenden (25,9%).
Aber sowohl Studierende als auch Ärzte waren sich einig, dass die Arbeit der Ärzte letztendlich stark von der pharmazeutischen Industrie beeinflusst wird.
Ob die Ergebnisse allerdings generell auf deutsche Verhältnisse übertragen werden können, ist fraglich.
Yoga ist gut in allen Lebenslagen
— vom 12.03.2009 —
Ob in der adjuvanten Krebstherapie, als begleitende Maßnahme bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einfach nur zur Entspannung im Alltag, Yoga ist in aller Munde, zumal es eine Maßnahme ist, die man selbst auch einfach zu Hause durchführen kann. Aktuell wird dies durch zwei Studien bestätigt, in denen die jeweiligen Probanden zusätzlich zur Basistherapie regelmäßig Yogaübungen absolvierten. In der einen Studie, der Vorstudie zu einer größeren Untersuchung (Badsha, H. et al., Rheumatol Int, publ. online 31. Jan. 2009), profitierten 26 Patienten mit Rheumatoider Arthritis deutlich von den zwei Mal wöchentlich über einen Zeitraum von sechs Wochen durchgeführten Übungen - dies machte sich insbesondere in der Besserung der Alltagsfunktionen bemerkbar. Die Wissenschaftler erwarten jedoch noch eindeutigere Ergebnisse durch die Erweiterung des Übungszeitraums. Auch bei Brustkrebspatientinnen in der anderen Studie (Raghavendra, R.M. et al. Integr Cancer Ther 2009, 8(1);37-46), die im Gegensatz zu den Kontrollpatienten begleitend zur Strahlentherapie ein Yoga-Programm absolvierten, konnten psychische Faktoren wie Angst, Depression und Stresswahrnehmung sowie der Kortisolspiegel (erhöhter Kortisolspiegel = Stress) positiv beeinflusst werden. Eine detaillierte Übersicht über die Studienlage und das Indikationsspektrum bietet das Koko “Yoga” (Nr. 38).
Zwei Meta-Analysen - zwei Meinungen
— vom 02.03.2009 —
Folsäure ist ein Vitamin (B9) mit nachgewiesenen Effekten auf die Endothelfunktion. Das dies nicht unbedingt eine Risikoreduktion bedeutet, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken oder zu sterben, hat eine Meta-Analyse über 12 Studien gezeigt (Bazzano et al. JAMA 2006), in denen eine tägliche Folsäure-Nahrungsergänzung mit einem Placebo verglichen wurde.

Dieser Meinung widerspricht nun eine andere Arbeit, wiederum eine Meta-Analyse placebokontrollierter Studien (MCRae et al. J Chiropractic Med 2009). In dieser wurde gezeigt, dass sich mit einer Folsäuresupplementaton der Blutdruck zwar nur leicht senken lässt, die Endothelfunktion sich aber deutlich verbessert. Der Autor rechnet hoch, dass sich damit etwa 5 bis 10% aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern lassen dürften...

Man sieht wieder einmal, Forschung in der Medizin ist bei weitem nicht eindeutig. Die Meta-Analyse gilt als schärfstes Mittel des Erkenntnisgewinns in der therapeutischen Forschung. Dennoch gilt: nur ein kleiner Wechsel des Blickwinkels führt zu komplett konträren Ergebnissen.

Im Übrigen gibt es natürlich auch Erklärungsversuche für die widersprüchlichen Ergebnisse. Der Autor der neuesten Studie nimmt an, dass sich die gesundheitsrelevanten Effekte der Folsäuresupplementation erst bei hohen Dosierungen einstellen (über 5.000 µg/Tag). Vielleicht sind aber auch die Modelle, anhand derer von der Endothelfunktion auf die Mortalitätsrate hochgerechnet wird, falsch.
Süßholz gegen Sucht
— vom 02.03.2009 —
Südkoreanische Wissenschaftler haben erfolgreich versucht, die Kokainsucht von Ratten mit einem Naturstoff zu bekämpfen (Jeon et al. J Proteome Research 2009) - und zwar mit Isoliquiritigenin, einem Bestandteil von Glycyrrhiza glabra, die im Volksmund unter Lakritze bzw. Süßholz bekannt ist. Die Ratten, die Isoliquiritigenin gespritzt bekamen, zeigten nach einer Kokaininjektion deutlich weniger Verhaltensauffälligkeiten (Unruhezustände) als diejenigen, die lediglich ein Placebo bekamen. Die Unterschiede zwischen den Gruppen ließen sich auch im Eiweißstoffwechsel des Gehirns nachweisen.
Eine neue Chance für Kava-Kava?
— vom 02.03.2009 —
Kava-Kava (oft auch nur kurz Kava) ist eine Pfefferart, deren Extrakte angstlösend wirken. Sie musste allerdings vor 7 Jahren vom Markt genommen werden, nachdem eine Reihe von Fällen mit starken Leberschädigungen (incl. Todesfällen) nach Kava-Kava-Einnahme bekannt geworden waren. Die Entscheidung des BfArM stieß damals auf heftigen Widerspruch bekannter Phytotherapeuten und Wissenschaftler, die die Entscheidung als überzogen und nicht durch Fakten belegt ansahen.

Australische Wissenschaflter wollen dennoch einen neuen Anlauf wagen und die Wirksamkeit und Sicherheit von Kava-Kava bei Angst und Depressionen belegen (Sarris et al. Compl Ther Medicine 2009). Und zwar mit dem expliziten Ziel einer Wiedereinführung der Produkte in Europa, Großbritannien (ja, die Australier scheinen da zu unterscheiden) und den USA.

Die Australier führen damit ein Forschungsprojekt fort, in dem sie bereits bewiesen haben, dass eine Kombination von Kava-Kava und Johanniskraut bei Depressionen wirksam ist (Sarris et al. Hum Psychopharmacol 2009).
Auf die Ergebnisse der jetzt angekündigten Studie kann man gespannt sein.
Positive CAM-Einführung in Nordirland
— vom 23.02.2009 —
Ein Pilotprojekt der nordirischen Gesundheitsbehörden zur Einführung von CAM in die Regelversorgung ist durchgängig positiv verlaufen (McDade 2008). In zwei Bezirken Nordirlands war es den Hausärzten möglich, Patienten mit orthopädischen oder psychiatrischen Erkrankungen an komplementärmedizinisch arbeitende Therapeuten zu überweisen. Insgesamt 713 Patienten nahmen diese zusätzliche Hilfe in Anspruch. 80% von ihnen berichteten von Verbesserungen im Gesundheitszustand, die Rate der Patienten, die regelmäßig Medikamente einnahmen, sank von 75% auf 61%.

Die überweisenden Hausärzte bestätigten Gesundheitsverbesserungen bei 65% aller Patienten, ihre Einstellung zur Komplementärmedizin wurde deutlich positiv verändert, so dass sie in nahezu allen Fällen entsprechende Überweisungen noch einmal vornehmen würden.
Schmerzlinderung durch Meditationstraining
— vom 19.02.2009 —
Wer regelmäßig meditiert, empfindet Schmerzen weniger stark. Zu diesem Resultat kommt eine aktuelle Studie an der Universität Montreal (Grant J et al., Psychosomatic Med 71(2009): 106-114). 13 erfahrene, gesunde Zen-Lehrer, die sich regelmäßig in der Zen-Meditation üben, einer Meditationsform, in der Atemtechniken eine wichtige Rolle spielen, wurden Schmerzreizen durch Hitze ausgesetzt, genau wie die Probanden einer gleich großen Gruppe ohne Meditationserfahrung. Die in der Meditation erfahrenen Probanden ertrugen anstandslos bis zu 49,9 °C an der Wade mit einem Heizgerät appliziert, während in der Kontrollgruppe schon bei niedrigeren Temperaturen (höchstens 48,2 °C) Laute des Schmerzes zu vernehmen waren. Die Forscher vermuten, dass durch die Meditation eine Stressreduzierung erfolgt, mit der eine Verminderung des Schmerzempfindens einhergeht. Weitere Untersuchungen müssen jedoch noch durchgeführt werden, um diese Annahme wissenschaftlich untermauern zu können.
Jede 15. Kalorie aus Omega-6-Fettsäuren
— vom 19.02.2009 —
Eine Expertenkommission der Amerikanischen Herzgesellschaft hat neue Empfehlungen zum Verzehr mehrfach ungesättigter Omega-6-Fettsäuren veröffentlicht (Harris et al. J Americ Heart Assoz 2009). Demnach sollten 5% bis 10% des Gesamtenergiebedarfs durch ebendiese Fettsäuren gedeckt werden. Dieses verspricht ein deutlich reduziertes Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln. Omega-6-Fettsäuren finden sich vor allem in Pflanzenölen und Nüssen. (Siehe dazu auch das Koko Nüsse.)
Salbei und Tragant gegen chronische Erschöpfung
— vom 19.02.2009 —
Südkoreanische Wissenschaftler haben in einer randomisierten placebokontrollierten Studie an 36 Patienten nachgewiesen, dass pflanzliche Extrakte aus Salbei (radix salviae) und Tragant (radix astragali) die Symptome eines chronischen Erschöpfungssyndroms lindern können (Cho et al. Complement Ther Medicine 2009): Während die Symptomatik in der Placebogruppe nur um etwa 10% zurückging, betrug die Linderung in den beiden Verumgruppen (verschiedene Dosierungen des Extrakts) etwa 30%. Eine entsprechende Veränderung in relevanten Laborparametern (Zytokine) konnte nicht beobachtet werden.

Tragant und Salbei werden in der TCM traditionell zur Tonisierung (Qi-Stärkung) gegeben.
Sham-Akupunktur wirkt wie echte Akpunktur, nur der Weg ist ein anderer
— vom 12.02.2009 —
Akupunktur ist schmerzlindernd, Sham-Akupunktur auch, soviel ist bekannt. Bekannt ist auch, dass die schmerzlindernde Wirkung gesteigert werden kann, wenn man die Erwartungen an die Wirksamkeit der (Sham-)Akupunktur möglichst hoch hält. Eine neue Studie legt jedoch die Vermutung nahe, dass sich der Wirkmechanismus der echten Akupunktur von dem der Sham-Akupunktur unterscheidet, selbst wenn hohe Erwartungen an die Wirksamkeit der Therapie geweckt werden: Im fMRI zeigten die relevanten Gehirnregionen eine jeweils unterschiedliche Aktivität (Kong et al. Neuroimage 2008).

Die Carstens-Stiftung hat sich schon vor vielen Jahren erstmals damit beschäftigt, ob die sich Wirkungen der Akupunktur im fMRI nachweisen lassen, Isabel Gareus war Stipendiatin der Stiftung und gilt heute als eine der Expertinnen schlechthin auf diesem Gebiet. Gleiches gilt für Frauke Musial, Forschungsleiterin der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde in Essen und bereits seit vielen Jahren von der Carstens-Stiftung gefördert.
Vitamine - die Enttäuschungen reißen nicht ab
— vom 12.02.2009 —
Eine tägliche Nahrungsergänzung mit Multivitaminpillen hat keine relevanten gesundheitlichen Effekte. Dieses ist die ernüchternde Nachricht einer aktuellen Publikation aus den Studien der Womens Health Initiative (Neuhouser et al. Ann Int Medicine 2009). Hierbei handelt es sich um randomisierte und beobachtende Studien an insgesamt über 160.000 Frauen. Demnach bleibt das Risiko, Krebs zu bekommen, völlig unbeeinflusst davon, ob die Frauen Multivitaminpräparate eingenommen haben oder nicht. Auch vor einzelnen Krebsarten schützen die Vitamine offenbar nicht (Brustkrebs, Magen-Darm-Krebs, Leberkrebs). Gleichzeitig war auch nicht nachzuweisen, dass Multivitaminpräparate Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose) vorbeugen können. Die Gesamtsterblichkeit war bei Frauen, die Vitaminpräparate einnahmen, um den Faktor 1,02 höher als bei denen, die dieses nicht taten, war also quasi identisch.

Die Ergebnisse kommen gerade zu dem Zeitpunkt, da das neue Koko zum Thema “Vitaminüberdosierungen” bereits geschrieben, aber noch nicht gedruckt ist. Hintergrund für das Koko waren Meta-Analysen aus dem letzten Jahr, die ebenfalls keinerlei positiven Effekte von vitaminreichen Nahrungsergänzungen auf Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen gefunden haben, ja tendenziell sogar eher von negativen Effekten sprachen.
Auf den Vergleich kommt es an
— vom 05.02.2009 —
Hilft die Akupunktur bei Schmerzsyndromen? Das ist die Frage, die in der Komplementärmedizin derzeit wissenschaftlich am heftigsten diskutiert wird. Die Antwort darauf hängt überwiegend vom Blickwinkel ab. Eine Arbeitsgruppe um K. Linde (München) kommt z.B. in einer Meta-Analyse der Cochrane-Collaboration zu der Auffassung, dass die Akupunktur eine wertvolle nicht-pharmakologische Intervention bei der Behandlung häufiger oder chronischer Spannungskopfschmerzen sein könne (Linde et al. Cochrane Database Syst Rev 2009). Und zwar deswegen, weil sich die Akupunktur gegenüber einem Routinevorgehen ohne Akupunktur als effektiv erwiesen habe, obwohl die Vorteile gegenüber einer Scheinakupunktur nur gering (wenn auch signifikant) seien.

Die Arbeitsgruppe um M. Madsen vom Nordischen Cochrane-Zentrum in Kopenhagen dagegen spricht der Akupunktur dagegen in ihrer Meta-Analyse eine klinisch relevante Wirkung bei Schmerzsyndromen ab, und zwar deswegen, weil sich gegenüber einer Scheinakupunktur nur geringe Vorteile (wenn auch signifikant) ergeben, obwohl moderate Effekte gegenüber der Routinebehandlung nachzuweisen waren (Madsen et al. BMJ 2009).

Man sieht: es kommt allein auf den Blickwinkel an. Und so lange das von Walach propagierte “Wirksamkeitsparadoxon” der Komplementärmedizin (Walach. Forsch Komplementärmed 2001) nicht adäquat beforscht wird (werden kann), wird sich die Frage nach der Wirksamkeit der Akupunktur nicht lösen lassen und sich die Diskussion im Kreise drehen. Was sie seit Jahren tut!
Hibiscustee hilft, den Blutdruck zu senken
— vom 05.02.2009 —
Gleich zwei aktuelle Doppelblind-Studien bestätigen die blutdrucksenkende Wirkung eines Tees aus Blüten der Malvenart Hibiscus sabdariffa (Roselle). Der Tee ist besonders im Nordosten und Westen Afrikas unter dem Namen Karkadeh oder Bissap bekannt und gilt zumindest im Senegal als Nationalgetränk. Auch in westlichen Ländern genossene Früchtetees enthalten Blüten dieser Malvenart. In der US-amerikanischen Studie (McKay D. et al., Circulation 2008; 18:1123), die an der Tufts-Universität Boston durchgeführt wurde, konnten die systolischen Blutdruckwerte der Patienten durch das Trinken von drei Tassen Hibiscus-Tee über einen Zeitraum von sechs Wochen um durchschnittlich 7,2 mmHg gesenkt werden, während die Placebo-Kontrolle lediglich eine Senkung um 1,3 mmHg bewirkte. Ein ähnlich positives Ergebnis wurde In einer kürzlich publizierten iranischen Studie erzielt (Mozaffari-Khosravi H et al., J Human Hypertension 2009, 23:48-54), in der 60 Patienten mit Diabetes Typ II über einen Monat entweder zwei Tassen Hibiscus- oder schwarzen Tee pro Tag tranken. Auch in dieser Studie profitierte die Verumgruppe (Hibiscustee) deutlich von den blutdrucksenkenden Eigenschaften dieser Pflanze. Ähnlich wie Rotwein oder schwarzer bzw. grüner Tee enthält Hibiscusblütenextrakt Anthocyane, die die Gefäße schützen, und andere Antioxidantien, die sich positiv auf die Cholesterinwerte auswirken. Er könnte daher in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Bedeutung sein.
Gegen Erkältungssymptome helfen Heißgetränke besser
— vom 26.01.2009 —
Winterzeit, Erkältungszeit: Schon die Beachtung einfacher Grundregeln kann den Verlauf der Erkältung positiv beeinflussen. So bestätigt eine aktuelle Studie, was eigentlich schon viele von ihrer Großmutter wissen: Ein heißer Tee oder ein anderes heißes Erkältungsgetränk beseitigt die ungeliebten Symptome schneller und anhaltender als ein kalt zu sich genommenes Getränk. In der Untersuchung (Sanu et al. 46; 2008: 271-275) bekamen 30 an grippalem Infekt erkrankte Probanden Apfel-Johannisbeer-Saft entweder in zimmerwarmer oder heißer Form verabreicht. Objektive Messungen des Effekts auf die Nasenatmung ergaben keinen großen Unterschied zwischen beiden Verabreichungsformen, die Patienten selbst berichteten jedoch von einer deutlichen Besserung hinsichtlich solcher Symptome wie laufender Nase, Husten, Niesen, Halsschmerz, Frösteln und Abgeschlagenheit. Möglicherweise - so die Autoren - seien Placebo-Effekte oder aber physiologische Effekte auf Speichelfluss und Sekretbildung verantwortlich für dieses Ergebnis
Ausreichend Schlaf ist wichtig für das Immunsystem
— vom 15.01.2009 —
Gute Nachricht für Schlafmützen: Menschen, die nachts regelmäßig sieben oder mehr Stunden schlafen, leiden seltener an Erkältungen. Insgesamt 153 gesunde Männer und Frauen wurden im Rahmen einer aktuellen Studie über einen Zeitraum von 2 Wochen bezüglich ihres Schlafverhaltens beobachtet. Anschließend wurden sie vorübergehend isoliert, mit einem Rhinovirus infiziert und für den Zeitraum von 5 Tagen auf Entwicklung einer Erkältung überprüft. Die Wahrscheinlichkeit, dass Probanden mit weniger als 7 Stunden Schlaf eine Erkältung bekamen, war knapp drei Mal höher als bei Probanden, die 8 Stunden oder mehr geschlafen hatten. Unruhig Schlafende profitieren wahrscheinlich eher nicht, da auch die Schlafqualität für den Faktor “Immunstatus” entscheidend ist.
Scheideninfektionen mit pflanzlichen Mitteln behandeln
— vom 15.01.2009 —
Infektionen der Scheide mit verschiedenen Bakterienstämmen können zu erhöhten Abortraten führen. Sie werden daher standardmäßig mit dem Breitbandantibiotikum Metronidazol (als Gel) behandelt. Iranische Forscher haben nun in einer randomisierten Studie gezeigt, dass Extrakte aus Zataria multiflora, einer im Iran beheimateten Thymianart, vergleichbare Effekte haben (Simbar et al. Phytomedicine 2008): Die Erfolgsraten beider Substanzen waren ähnlich gut (93% bzw. 95%). Während es bei Metronidazol häufiger zu vaginalem Brennen und Jucken kam, gab es beim pflanzlichen Präparat etwas häufiger Schwindel- und Übelkeitssymptome.
CAM-Nutzung in den USA ungebrochen hoch
— vom 12.01.2009 —
38% aller erwachsenen US-Amerikaner und 12% aller Kinder in den USA haben 2007 komplementärmedizinische Verfahren genutzt (Barnes et al. NIH 2008). Das ist ein etwas höherer Anteil als 2002 und ein deutlich höherer Anteil als 1993. Besonders häufig genutzt wurden “natural products”, also frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Medikamente (Omega-3-Fettsäuren, Glucosamine, Echinacea, Leinsamen), gefolgt von definierten Atemtechniken (”Deep Breathing”), Meditationen und Chiropraktik/Osteo-pathie. Akupunktur ist nicht unter den TOP 10-Therapien zu finden, die Homöopathie ist mit einer Nutzungshäufigkeit von 1,8% ebenfalls nicht auf den vorderen Plätzen. Yoga gehört zu den Maßnahmen mit den höchsten Zuwachsraten.
Analgetische Wirkung des Schröpfen bestätigt
— vom 12.01.2009 —
Blutiges Schröpfen hilft, die Schmerzen bei chronischen Schmerzsyndromen zu reduzieren. Das haben iranische Wissenschaftler jetzt am Beispiel der chronischen Rückenschmerzen in einer randomisierten Therapiestudie belegen können (Farhadi et al. Complement Ther Medicine 2009). Die Schröpftherapie (3-maliges blutiges Schröpfen innerhalb einer Woche) führte im Vergleich zur Routinebehandlung zu verringerten Schmerzen, verbesserter Funktionalität und geringerem Schmerzmittelkonsum. Diese Studie bestätigt indirekt auch Ergebnisse einer randomisierten Studie zum blutigen Schröpfen bei nächtlicher Brachialgie (Lüdtke et al. Complement Ther Medicine 2006), die von der Carstens-Stiftung gefördert wurde.
Äufwärmen beugt Verletzungen vor
— vom 12.01.2009 —
Alle, die in ihrer Jugend Sport betrieben haben, lernten auch, dass man sich lang und ausgiebig aufwärmen muss. In den letzten Jahren ist das Aufwärmen allerdings ein wenig aus der Mode gekommen. Von verschiedenen Seiten wurde die Vermutung geäußert, dass Muskelfaserrisse völlig unabhängig davon entstehen, ob und welche Übungen vor dem eigentlichen Sport praktiziert wurden. Mit diesem Vorurteil hat nun eine große norwegische Studie aufgeräumt (Soligard et al. BMJ 2008). Fußballerinnen, die sich vor Spielbeginn einem angeleiteten und umfassenden Aufwärmprogramm unterzogen, verletzten sich seltener als solche, die sich nach Belieben aufwärmten (oder auch nicht). Insbesondere das Risiko für schwere Verletzungen reduzierte sich deutlich, und zwar um fast 50%.
Unklar ist - zumindest aus wissenschaftlicher Sicht - ob das auch für männliche Fußballer gilt.
Weihrauch getestet und für gut befunden
— vom 12.01.2009 —
Indischer Weihrauch (Boswellia serrata) ist als entzündungs-hemmendes Mittel bekannt, das insbesondere bei chronischen Entzündungen eingesetzt wird. Eine kürzlich von E. Ernst veröffentlichte Übersichtsarbeit (Ernst. BMJ 2008) hat nun die Evidenz zum Weihrauch aus sieben kontrollierten randomisierten Studien zusammengetragen (u.a. bei Asthma, rheumatoider Arthritis und M. Crohn). Sie schloss mit den Worten: die Evidenz zur Wirksamkeit ist vielversprechend, aber nicht überwältigend. Eine Wortwahl, die Herr Ernst nicht gerade oft bemüht. Vielleicht liegt es daran, dass dieser Artikel in der Weihnachtsausgabe des BMJ erschienen ist…
Wer mehr über indischen Weihrauch lesen will, sollte in den KoKo von Natur und Medizin (Nr. 4) schauen.
Tai chi und Qigong hilfreich für Demenzpatienten?
— vom 15.12.2008 —
Eine aktuelle randomisierte Untersuchung (Burgener, Am J Alzh Dis 23, 2008) an insgesamt 43 Probanden mit beginnender Demenz zeigt, dass der physische und psychische Zustand der Patienten durch den multimodalen Behandlungsansatz, bestehend aus kognitiver Verhaltenstherapie sowie Tai chi- und Qigongübungen, verbessert und der mentale Abbau verzögert werden kann. Die Gruppe der 24 Patienten, die das Kombinationsprogramm über den gesamten Zeitraum von 40 Wochen durchführten, profitierte deutlich gegenüber der Kontrollgruppe (19 Patienten), die an diesen Maßnahmen nur die letzten 20 Wochen teilnahmen. Neben der Besserung motorischer Fähigkeiten waren unter den Einzelresultaten besonders auch gesteigertes Selbstbewusstsein und vermehrtes Glücksempfinden bei den Patienten zu verzeichnen. Ein weiteres Einsatzgebiet der Qigong-Therapie sollte im Rahmen einer von der Carstens-Stiftung geförderten Studie (Wiedemann, Forsch Komplementärmed 15, 2008) gefunden werden. Leider ergab die Studie, dass ältere Patienten mit Beschwerden der Halswirbelsäule gegenüber der Kontrolle (Wartelistengruppe) weder von der Qigong- noch von der physiotherapeutischen Standardtherapie (Nackenübungen) profitierten.
Helfen Cistus-Bonbons bei der Abwehr von Infekten?
— vom 15.12.2008 —
Die Zistrose (Cistus incanus) wurde schon in der Antike zur Bekämpfung von Magen- und Darmerkrankungen eingesetzt. Die im Mittelmeerraum heimische Pflanze, die reich an Polyphenolen ist, steht nun auch im Verdacht, das Immunsystem zu stärken und so vor Infekten zu schützen. Bisher wurde die Zistrose nur experimentell erforscht. Nun steht die Publikation einer an der Charité Berlin unter der Leitung von Herrn Dr. Dr. Kiesewetter durchgeführten Studie bevor, die die Wirkung von Cystus052 Infektblocker® Tabletten bei Atemwegsinfekten untersucht. Leider sind derzeit noch keine Ergebnisse für die Öffentlichkeit abrufbar. In einer im Jahr 2002 publizierten Studie untersuchte Herr Dr. Dr. Kiesewetter bereits den Effekt eines Suds aus der Zistrose bei Tonsillopharyngitis, bei der eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erreicht werden konnte (Kiesewetter H, Cystus Sud zur lokalen Behandlung der Tonsillopharyngitis. Erfahrunsheilk 51(11), 2002: 792-793). Weitere Infos unter www.multimedvision.de.
Ein Deja Vu?
— vom 04.12.2008 —
Die Krankheiten ändern sich, die Ergebnisse sind erstaunlich konstant: in Studien zeigt sich immer wieder, dass es Patienten massiv besser geht, wenn sie akupunktiert werden. In der Regel ist der Effekt der Akupunktur wesentlich größer als man unter den derzeit besten schulmedizinischen Therapien erwarten kann, hebt sich aber nicht von einer internen Vergleichsgruppe, also einer Placeboakupunktur (Akupunktur an anderen Punkten, Verwendung einer Placebonadel, u.s.w.) ab.

Die neueste Replikation dieser Ergebnisse gelang jetzt einer schwedischen Arbeitsgruppe. Diese untersuchten 215 Krebspatienten, die aufgrund einer Strahlenbehandlung an Übelkeit litten. Bei 95% aller Patienten konnte diese gelindert werden, ein Wert, der auch von einer Placebobehandlung mit einer Streitberger-Nadel (diese sticht nicht, sondern schiebt sich teleskopartig zusammen) erzielt wurde. Eigentlich müsste man dieses Ergebnis als Negativergebnis verbuchen, wäre da nicht die Tatsache, dass konventionelle Medikamente die Übelkeit nur in etwa 25% aller Fälle wirksam ist.

So sagt es zumindest die vor wenigen Tagen verbreitete Pressemeldung aus Linköping, Schweden, die unter anderem von der Ärzte Zeitung aufgenommen wurde (”Akupunktur wirkt auch ohne Zustechen gegen Übelkeit nach Bestrahlung”). Irritierend dabei ist, dass es eine ähnliche Meldung bereits vor einem Jahr gab (“Acupuncture Does Not Reduce Radiotherapy-induced Nausea, But Patients Believe It Does”), mit den gleichen Patientenzahlen aber anderen Erfolgsquoten. Vielleicht sollte man die wissenschaftliche Veröffentlichung abwarten...
Tai Chi bei M. Bechterew erfolgreich
— vom 04.12.2008 —
Koreanische Forscher haben in einer kontrollierten Studie festgestellt, dass Tai Chi die Krankeitsaktivität bei Patienten mit Spondylitis ancylosans (M. Bechterew) verringern und die Beweglichkeit des Rückens (beim Rumpfbeugen) verbessern kann (Lee et al. eCAM 2008). Die Depressivität konnte dagegen nicht signifikant beeinflusst werden. An der Studie nahmen insgesamt 20 Patienten über 2 Monate zweimal wöchentlich an angeleiteten Tai-Chi Stunden teil und wiederholten das Gelernte täglich. Gleichzeitig erhielten sie, wie die 20 Patienten der Wartelisten-Kontrollguppe auch, ihre Standardmedikation über den gesamten Studienzeitraum weiter. Das Problem: Die Studie war nicht randomisiert und augenscheinlich wählten vor allem schwerer Erkrankte die Tai-Chi Behandlung, Auch wenn die Unterschiede zur Kontrollgruppe (wegen der kleinen Fallzahl) nicht signifikant waren, waren sowohl Krankheitsaktivität als auch Steifheit und Depressivität in der Tai-Chi Gruppe deutlich erhöht. Nach Therapieende zeigten sich beide Gruppen dann etwa gleich stark betroffen, was letztendlich bedeutet, dass die bebachteten Effekte reine Normalisierungseffekte sein können, die keinerlei Bezug zur Therapie haben.
Akupunktur bei Kinderwunsch - neue Verwirrungen
— vom 04.12.2008 —
Bislang galt es als gesicherterte Erkenntnis, dass eine Akupunkturbehandlung In-vitro-Fertilisationen (IVF) wirkungsvoll unterstützen kann und zu deutlich erhöhten Schwangerschaftsraten führt. Diese auf zwei Meta-Analysen basierende Erkenntnis (Ng et al. Fertil Steril 2008; Manheimer et al. Brit Medic J 2008) muss möglicherweise revidiert werden: In einer randomisierten chinesischen Studie zeigten sich statistisch signifikant erhöhte Schwangerschaftsraten unter einer Placeboakupunktur (mit einer Streitberger-Nadel) im Vergleich zu einer Verumakupunktur an den gleichen Punkten (So et al. Human Reprod 2008). Während in der Verumakupunktur “nur” 44% aller 185 Patientinnen schwanger wurden, waren es unter Placebo stolze 55%. Das Spannende: alle Erfahrungen mit IVF belegen relativ stabile Schwangerschaftsraten von 20-25%. Was nichts anderes heißt, als dass auch die schlechtere der beiden Akupunkturgruppen eine fast doppelt so hohe Erfolgsquote aufwies als bei einer unwirksamen Behandlung zu erwarten wäre.
Meta-Analyse zur Homöopathie in Frage gestellt
— vom 20.11.2008 —
Es ist etwa drei Jahre her, dass Schweizerische Forscher in einer Meta-Analyse über randomisierte placebokontrollierte Studien keinen Vorteil homöopatischer Arzneimittel über Placebo entdecken konnten (Shang et al. Lancet 2005). Ein Ergebnis, das als das “Ende der Homöopathie” interpretiert wurde. Ein deutsch-niederländisches Wissenschaftlerteam hat diese Interpretation nun in Frage gestellt und die Daten einer Reanalyse unterzogen (Lüdtke et al. J Clin Epidemiol 2008). Demnach hängt die Beantwortung der Frage, ob homöopathische Arzneimittel mehr als ein Placebo sind oder nicht, massiv davon ab, welche Studien letztendlich analysiert werden. Analysiert man nur große, hochqualitative Studien, dann gibt es keinen Unterschied. Nimmt man allerdings mittelgroße, hochqualitative Studien hinzu, dann schon. Außerdem kommt es darauf an, ob man Studien zur Prävention von Krankheiten (Erkältungen, Muskelkater) oder nur solche zur Therapie berücksichtigt.
Durch Akupunktur zum Nichtraucher
— vom 14.11.2008 —
Noch vor Kurzem haben wir an dieser Stelle über eine Studie berichtet, in der eine Ohrakupunktur keine über Placebo hinausgehenden Erfolge bei der Raucherentwöhnung zeigen konnte (Wu et al. J Chin Med Assoc 2007). Eine kanadische Studie kommt nun zu einer gegenteiligen Auffassung (Collet et al. J Compl Integrat Medic 2008). In dieser Studie wurden 210 Raucher mit einer Laserakupunktur behandelt, nach einem Jahr betrug der Anteil der Nichtraucher immerhin noch 40%, lag also deutlich über dem, was man in anderen Studien beobachten konnte. Da es in dieser Studie keine Kontrollgruppe gab, sollten die Schlussfolgerungen allerdings sehr vorsichtig ausfallen.
Joghurt, Dickmilch und Co. zur Vorbeugung von Blasenkrebs
— vom 06.11.2008 —
Wer regelmäßig Produkte mit Milchsäurebakterien wie Joghurt, Dickmilch, Kefir oder Buttermilch verzehrt, erkrankt möglicherweise nicht nur seltener an Infekten, sondern kann nach einer aktuellen Studie sogar dem Blasenkrebs vorbeugen (Larsson et al., Am J Clin Nutr, 88(4); 2008). In einer prospektiven Studie wurde bei einer Population von 82002 schwedischen Frauen und Männern zuerst eine Untersuchung auf Erkrankung an Blasenkrebs durchgeführt, die jedoch bei keinem der Studienteilnehmer diagnostiziert worden ist, um nach einem Follow-up von 9,4 Jahren festzustellen, dass bei 485 Patienten der Population eine Neuerkrankung an Blasenkarzinom aufgetreten war. Je mehr Portionen Joghurt oder andere milchsäurehaltige (fermentierte) Produkte die Studienteilnehmer zu sich genommen hatten, desto niedriger war das Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Dieses signifikante Ergebnis konnte allerdings für nicht milchsäurebakterienhaltige Produkte wie Milch oder Käse hinsichtlich der Vorbeugung dieser Krebsart nicht festgestellt werden.
Akupunktur hat nur selten Nebenwirkungen
— vom 29.10.2008 —
Zu den Nebenwirkungen einer Therapie lässt sich oft nur wenig sagen, gerade seltene Ereignisse werden in Studien zur Wirksamkeit oft übersehen. Das liegt vor allem daran, dass in der Regel riesige Patientenzahlen notwendig sind, um eine tatsächliche Nebenwirkung vom Grundrauschen zu unterscheiden. Für die Akupunktur ist es daher ein Glücksfall, dass die Krankenkassen vor einigen Jahren große Forschungsprogramme (Modellvorhaben) aufsetzen mussten, um Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens zu beurteilen: Hier sind nämlich riesige Datenmengen angefallen, deren Ergebnisse jetzt nach und nach veröffentlicht werden. Im Modellvorhaben der Ersatzkassen (Barmer, DAK und mehrere andere) wurden insgesamt eine halbe Million Patienten in fast 8 Millionen Sitzungen mit Akupunktur behandelt (Weidenhammer, Deutsch Ztschr Akupunkt 2008). Bei etwa 6% aller Behandelten kam es zu unerwünschten Wirkungen, die in der Regel die Patienten aber nicht wesentlich beeinträchtigten. Nur 0,5% aller Patienten sprachen von wesentlichen Beeinträchtigungen, die zum Teil auch die therapeutische Wirksamkeit überwogen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Blutungen, Nadelschmerz und Hämatome an den Einstichstellen. Allergische Reaktionen (0,01%), Angstzustände (0,02%), Kopfschmerzen (0,03%) und Kreislaufprobleme (0,41%) traten nur selten auf. Bei 17 Patienten kam es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, inklusive 5 Pneumothoraces und 6 schweren Kreislaufstörungen.
Besonders krebskranke Kinder mit schlechter Prognose verwenden CAM
— vom 24.10.2008 —
Etwa jedes dritte Kind mit einer Krebserkrankung (genauer gesagt 35%) wird in Deutschland zusätzlich mit komplementären Bethoden behandelt, vor allem mit Homöopathie, Vitaminen und Mineralstoffen, Mistel und Ernährungsumstellungen. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Studie an über 1000 betroffenen Familien (Längler et al. Eur J Cancer 2008). Dabei wurde um so häufiger auf CAM-Methoden zurückgegriffen, je schlechter die Prognose war. Falls die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit über 70% lag, nutzten 30% der Kinder komplementäre Verfahren, bei unter 70% waren es 47%. Bei der Nutzung der CAM-Methoden wurden die Eltern von den betreuenden Allgemeinmedizinern überwiegend unterstützt, während die Pädiater eher indifferent waren und die Onkologen auch öfter abrieten.
Fisch ist gesund – auch für Säuglinge
— vom 24.10.2008 —
Säuglinge, denen schon bald nach dem Abstillen Fisch gefüttert wird, haben ein um 25% verringertes Risiko, innerhalb des ersten Lebensjahres eine Neurodermitits zu entwickeln. Das ist die Hauptschlussfolgerung einer jetzt veröffentlichten großen schwedischen Kohortenstudie (Alm et al. Arch Dis Child 2008). Als Hauptrisikofaktoren wurde eine familiäre Belastung (Geschwister, Mutter) identifiziert. Dagegen machte es keinen Unterschied, ob die Kinder über einen langen oder kurzen Zeitraum gestillt wurden, oder ob sie mit Milch oder Eiern gefüttert wurden. Es gibt übrigens einen weiteren Faktor, der das Neurodermitisrisiko vermindert (und zwar sogar um zwei Drittel): einen Vogel als Haustier zu haben. Es muss allerdings ein Vogel sein, Katzen und Hunde helfen nicht.
Hühnchenschenkel zur Senkung von Bluthochdruck?
— vom 15.10.2008 —
Ein altes Hausmittel, die Hühnersuppe, könnte auch für Bluthochdruckpatienten an Bedeutung gewinnen. So fand ein japanisches Forscherteam in einem kürzlich publizierten Tierexperiment (Saiga et al. 2008, J Agricul Food Chem) heraus, dass in Hühnchenfleisch enthaltene kollagenartige Eiweiße eine ähnliche Wirkung wie die blutdrucksenkenden ACE-Hemmer entfalten. Sechs Stunden, nachdem die Versuchsratten ein Kollagenextrakt aus den Hühnerbeinen, die besonders reich an Proteinen sind, erhalten hatten, konnten die Wissenschaftler eine signifikante Senkung des Blutdrucks bei den Tieren beobachten. Allerdings sind die Ergebnisse dieses Experiments mit Vorsicht zu genießen, denn Ai Saga, der federführende Wissenschaftler, führte diese Untersuchung im Auftrag eines japanischen Lebensmittelkonzerns durch, der unter anderem auch „Functional Food“ herstellt. Außerdem müssen klinische Untersuchungen an Menschen erst noch beweisen, ob der regelmäßige Verzehr von Hühnersuppe aus den Beinen des Federviehs wirklich eine blutdrucksenkende Wirkung zeigt oder nur ein synthetisches, hochkonzentriertes Produkt, das nichts mehr mit dem Hausmittel Hühnersuppe zu tun hat, vermarktet werden soll.
Empfinden religiöse Menschen weniger Schmerz?
— vom 08.10.2008 —
Um es vorweg zu sagen: Um religiöse Selbstkasteiung bzw. Geißelung, wie an dieser Stelle vielleicht vermutet, geht es hier nicht, obwohl die Forscher der Studie, die aktuell in der Zeitschrift Pain erschienen ist, nicht minder grausame Methoden zur Schmerzverursachung anwenden. In diesem Experiment wurden je 12 Katholiken und Atheisten Elektroschocks gleicher Intensität ausgesetzt, während sie ein Bild der Jungfrau Maria und ein nicht mit Religion assoziiertes, aber in seiner Ästhetik ähnliches Gemälde von Leonardo da Vinci betrachteten. Währenddessen wurden die Hirnfunktionen der Teilnehmer mittels einer funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRI) gemessen. In der religiösen Gruppe bezeugten die befragten Probanden im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich geringere Schmerzen und favorisierten das Marienbild, während die Nicht-Gläubigen da Vincis Gemälde bevorzugten. Ausgehend von diesen Ergebnissen vermuten die Forscher, dass der religiöse Glaube eine direkte Auswirkung auf Hirnareale habe, die für die Schmerztoleranz zuständig sind. Offensichtlich stimuliert hier das religiöse Motiv mehr noch als ein nicht-religiöses die Tendenz zur sogenannten „kognitiven Neubewertung“ von (Schmerz-)Stimuli (Aktivierung eines Hirnareals, das zur Reduktion von negativen Empfindungen führt). Weitere Forschung – so die Forscher – vielleicht auch im Hinblick auf andere Kulturen oder Religionen, sei zur Untermalung der erzielten Resultate allerdings vonnöten.
Süße Medizin: Honig wirksam bei chronischer Sinusitis
— vom 30.09.2008 —
Klebrig, süß und offenbar ein vielseitiges Heilmittel: Die antibiotische Wirkung des leckeren Bienenprodukts scheint sich nicht nur in der Wundheilung zu bewähren. Nun zeigt eine auf dem kürzlich in Ottawa abgehaltenen Kongress amerikanischer HNO-Spezialisten vorgestellte Studie (Science Daily, 23.09.08), dass Honig die Anzahl jener Bakterien (Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa) reduzieren kann, die eine chronische Rhinosinusitis verursachen können. Im Vergleich mit dem Naturprodukt konnten Antibiotika, die als Kontrolle eingesetzt wurden, wesentlich weniger Bakterien dieser Art eliminieren. Die Frage ist, ob die Herkunft des Honigs in diesem Kontext nicht auch eine Rolle spielen könnte. Zum Einsatz kamen Honigsorten, die aus dem in Neuseeland beheimateten Manuka- und dem Sidr-Strauch gewonnen worden waren. Ein Wermutstropfen bleibt: Nicht zur innerlichen, aber zur äußerlichen Anwendung soll der Honig verwendet werden.
Hülsenfrüchte helfen Schlaganfallpatienten bei der Genesung
— vom 28.09.2008 —
Wie eine jüngst publizierte Studie (Tse et al. 2008) offenbart, haben die besonders in Kichererbsen und Sojabohnen enthaltenen Isoflavone durch ihre entzündungshemmende Wirkung einen positiven Einfluss auf die Funktionsweise der Endothelzellen von Schlaganfallpatienten. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen erhielt eine Gruppe von 50 Probanden, die einen Schlaganfall erlitten hatten, 80 mg Isoflavonoide in Form eines Nahrungsergänzungsmittels. Den 52 Patienten in der Kontrollgruppe wurde ein Placebo verabreicht. Die Patienten in der Verumgruppe profitierten deutlich von der Therapie, was sich im Rückgang der CRP-Serumspiegel äußerte. Allerdings ist eine ausgewogene Ernährung, reich an Isoflavonoiden, der Zuführung hochdosierter Ergänzungsmittel vorzuziehen, zumal noch keine Erkenntnisse aus Langzeitbeobachtungen zum Wirkmechanismus von Isoflavonoiden vorliegen.
Raucherentwöhnung mit Ohrakupunktur – kaum Erfolge
— vom 17.09.2008 —
Akupunktur wird als eine der Wundermethoden vermarktet, die Rauchern die Nikotinabhängigkeit austreiben soll. Wissenschaftlich ist das umstritten, ein systematischer Review listet positive und negative Studien (White et al. Cochrane Database 2006).

Auch eine randomisierte taiwanesische Studie, in der 131 Raucher mit echter oder scheinbarer Ohrkupunktur behandelt wurden, brachte keine Klarheit (Wu et al. J Chin Med Assoc 2007). Nach 8-wöchiger Therapie griffen 27% der Akupunktur- und 20% der Kontrollpatienten nicht mehr zum Glimmstängel. 6 Monate später fielen diese Raten auf 17% und 12%. Statistisch signifikant waren die Unterschiede zu keinem Zeitpunkt, die Schlussfolgerung der Autoren fiel demzufolge eher negativ aus.
Yoga, das AUM-Mantra und die Herzfrequenz-variabilität
— vom 11.09.2008 —
Yoga löst Stress, das ist bekannt, unter anderem auch durch die Forschung von PD Dr. A. Michalsen, die mit Unterstützung der Carstens-Stiftung durchgeführt wurde (Michalsen et al. Med Sci Monit 2005). Die neuesten Yoga-Forschungen versuchen sich den Mechanismen zu nähern, wie es zu der Stressreduktion kommt. Indische Forscher haben nun in einer kleinen Studie untersucht, ob Yoga (genauer gesagt Praktiken des IshaYoga) die Herzfrequenz-variabilität positiv beeinflussen kann. Letztere ist ein Indikator für Gesundheit und wird derzeit sogar als ein Maß geführt, mit dem sich die Lebenszeit eines Menschen prognostizieren lässt.

Und tatsächlich verändert sich die Herzfrequenzvariabilität zum Positiven, nicht nur während der Yoga-Übungen, sondern auch während des begleitenden Absingens des AUM (nicht OHM)-Mantras (Selvaraj et al. J Complem Integr Medic 2008). Klarzustellen ist allerdings, dass es sich dabei nur um Kurzzeiteffekte handelt, zu welchen langfristigen Veränderungen es kommen kann, wurde nicht untersucht.
Mönchspfeffer lindert Brustschmerzen
— vom 08.09.2008 —
Mehr als die Hälfte aller Frauen kennt zyklusunabhängige Brustschmerzen. Eine Möglichkeit, sie zu bekämpfen, sind Extrakte aus Vitex Agnus castus, dem Mönchspfeffer. Englische Forscher haben die Wirksamkeit des Mönchspfeffers bei Brustschmerzen in einer Übersichtsarbeit erneut betont (Carmichael. ECAM 2008). In zwei Kohortenstudien und drei randomisierten Therapiestudien (zwei gegen Placebo, eine gegen Standardmedikation) konnte eine durchschnittliche Schmerzreduktion von etwa 60% erzielt werden. Nebenwirkungen wurden bei 1 bis 10% aller Patientinnen beobachtet.
Ayurveda-Medikamente schwermetallbelastet
— vom 08.09.2008 —
Medikamente aus der Ayurvedischen Medizin sind zum Teil hochgradig mit Schwermetallen wie Blei, Quecksilber und Arsen belastet. Amerikanische Forscher haben 230 ayurvedische Medikamente im Internet gekauft und bei jedem 5. Medikament Schwermetalle nachweisen können (Saper et al. JAMA 2008). Bei jedem 10. Medikament überstiegen die Konzentrationen die empfohlenen Grenzwerte.
Auch Osteopathie hilft bei Nackenschmerzen
— vom 02.09.2008 —
Nackenschmerzen haben oft chronische Verläufe und sind schwer behandelbar. Komplementärmedizinische Methoden haben bei Nackenschmerzen schon öfter ihren Wert bewiesen, auch in kontrollierten, randomisierten Studien. Nun auch die Osteopathie (Schwerla et al. Forsch Komplementärmedizin 2008): 41 Patienten erhielten über 10 Wochen lang wöchentlich eine Ultraschallbehandlung, 24 von ihnen wurden zusätzlich individuell osteopathisch behandelt. Bei letztgenannten Patienten besserten sich die Schmerzen um mehr als 50%, und damit signifikant (p=0,02) mehr als in der Kotrollgruppe (17% Besserung).
CAM bei Reizdarmpatienten beliebt, bei Herzpatienten nicht
— vom 02.09.2008 —
Komplementärmedizinische Verfahren – vor allem Ingwer, Massage und Yoga – sind bei amerikanischen Patienten mit einem Reizdarmsyndrom recht beliebt: etwa jeder dritte berichtete davon, mindestens eines dieser Verfahren in Anspruch zu nehmen (van Tilburg et al. BMC Complem Altern Medic 2008). Amerikanische Patienten mit koronaren Herzkrankheiten greifen dagegen nur selten auf CAM-Verfahren zurück. Zwar berichteten 9% davon, CAM einzusetzen, in der Regel aber für andere Erkrankungen (Greenfield et al. BMC Complem Altern Medic 2008).
Neues, Altbekanntes zu Johanniskraut
— vom 29.08.2008 —
Johanniskraut ist ein Paradebeispiel der Phytotherapie, denn lange Zeit galt seine Wirksamkeit bei milden und mittelschweren Depression als belegt. Erst nachdem die Wirksamkeit konventioneller Medikamente (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer SSRI) durch englische Forscher (Kirsch et al. PloS Medicine 2008) in Frage gestellt wurde, ist auch die Diskussion um Johanniskraut entfacht.

In der neuesten Studie konnte die Wirksamkeit eines Johanniskrautextrakts nun erneut nachgewiesen werden (Gastpar et al. Pharmacopsychiatry 2006). Der Extrakt erwies sich bei mittelschweren Depressionen als nahezu exakt gleich wirksam wie Citalopram (auch ein SSRI) und deutlich wirksamer als ein Placebo. Die Responderraten betrugen 54% unter Johanniskraut, 56% unter Citalopram und 39% unter Placebo.
Vorbeugender Cranberry-Saft
— vom 26.08.2008 —
Deutsche Forscher haben in einem Übersichtsartikel den hohen Wert von Cranberry-Saft (2×200 ml täglich) zur Prophylaxe von Harnblasen- oder Harnwegsinfektionen betont (Nowack und Schmitt. Phytomedicine 2008). Es gebe nicht nur eine positive Evidenz aus klinischen Studien, sondern auch gut belegte Daten aus der Grundlagenforschung zum Wirkmechanismus. Überdies sei die Intervention sicher und habe möglicherweise sogar erwünschte Nebenwirkungen, wie die Senkung des Cholesterinspiegels.
Regelmäßig Fisch auf dem Tisch erhält die Gesundheit
— vom 19.08.2008 —
Gleich in mehreren klinischen Studien wurden die protektiven Eigenschaften fetten Fischs bestätigt. So schützen die in hohem Maße besonders in Fischsorten wie Lachs, Makrelen, Hering, Sardinen, Sardellen und Thunfisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren nicht nur die Gefäße, sondern spielen auch bei der Prävention von Schlaganfällen und Gedächtnisverlust eine Rolle. Die 3.660 Probanden einer finnischen Studie (Virtanen et al. 2008, Neurology) aßen durchschnittlich dreimal pro Woche Fisch. Gegenüber den übrigen Probanden hatten sie ein 25 Prozent niedrigeres Risiko, stumme Hirnläsionen zu entwickeln.

Auch vor feuchter altersbedingter Makuladegeneration (AMD) schützt der regelmäßige Konsum fettreicher Fischarten (Augood et al. 2008, Am J Clin Nutrition). Personen, die häufiger Omega-3-Fettsäuren über ihren Fischkonsum aufnahmen, hatten ein proportional niedrigeres Risiko, an einer AMD zu erkranken als solche mit niedrigem oder gar keinem Fischkonsum.

Offensichtlich spielt jedoch die Zubereitungsart des Fisches eine Rolle: Die beobachteten protektiven Effekte waren nur in Verbindung mit gebackenem, aber nicht mit gebratenem oder gegrilltem Fisch festzustellen. Vermutlich werden die Omega-3-Fettsäuren bei höheren Temperaturen zerstört.
Akupunktur und Osteopathie vielleicht auch bei Karpaltunnelsyndrom hilfreich
— vom 19.08.2008 —
Amerikanische Forscher haben 17 Patienten mit Karpaltunnelsyndrom mit einer standardisierten Akupunktur behandelt (Punkte Pe6, Pe7, 3e5, Baxie1 und 2) und berichten bei 12 von ihnen von guten Ergebnissen, d.h. einem deutlichen oder vollständigen Rückgang der Symptome (Schulman et al. Med Acupunct 2008). Eine Kontrollgruppe wurde nicht mitgeführt. Außerdem erhielten fast alle Patienten zusätzlich eine osteopathische Behandlung, so dass nicht klar wurde, welche Behandlung zum Therapieerfolg geführt hat.

Zur Erinnerung: In einer randomisierten Therapiestudie konnte U. Albrecht, ein Doktorand der Carstens-Stiftung, zeigen, dass blutiges Schröpfen die Symptome einer Brachialgie (Zeichen eines Karpaltunnelsyndroms) lindert (veröffentlicht von Lüdtke et al., Compl Ther Med 2006).
Johanniskraut und ADHS – das passt nicht
— vom 15.08.2008 —
Johanniskrautextrakte sind nicht besser als ein Placebo bei der Behandlung hyperaktiver Kinder (ADH Syndrom). Dieses ist das Fazit einer randomisierten Doppelblindstudie aus Amerika, in der 54 Kinder dreimal täglich über 8 Wochen behandelt wurden (Weber et al. JAMA 2008). Unter Placebo waren die Ergebnisse sogar leicht besser.
Die Studie reiht sich damit nahtlos in eine ganze Phalanx von negativen Studien zur Phytotherapie ein. Augenscheinlich wirken Pflanzen in Amerika nicht...
Sollte man hochdosiertes Vitamin C doch noch nicht abschreiben?
— vom 15.08.2008 —
Nobelpreisträger Linus Pauling war davon überzeugt: Hochdosierte Vitamine (insbesondere Vitamin C) verhindern und bekämpfen Krebs. In Deutschland wirbt Matthias Rath für Hochdosis-Vitamintherapien, insbesondere auch im naturheilkundlichen Umfeld. Überzeugende wissenschaftliche Ergebnisse hierzu hat er allerdings nie vorlegen können, die Vitamin-Hypothese galt als unbelegt, wenn nicht als falsch. Im Mausexperiment haben jetzt aber amerikanische Forscher einen Effekt von Vitamin C auf Tumorzellen (Ovarialkarzinom, Pankreaskarzinom, Glioblastom) zeigen können: das Tumorwachstum verlangsamte sich signifikant um bis zu 50% (Chen et al. PNAS 2008). Die Forscher betonen, dass hierzu eine intravenöse Gabe notwendig sei, Vitamintabletten hälfen nicht.
Artischocken senken den Cholesterinspiegel – aber ist das relevant?
— vom 15.08.2008 —
Wenn man über zwölf Wochen einen handelsüblichen Artischocken(blätter)extrakt einnimmt, dann kann man den Cholesterinspiegel um etwa 5% senken. Darauf haben englische Forscher hingewiesen (Bundy et al. Phytomedicine 2008), die den Pflanzenextrakt mit einem Placebo verglichen (hier stieg der Cholesterinspiegel um 2%). Das Problem: eine Cholesterinsenkung um 5% ist nicht besonders groß, zumal der positive Effekt der Artischockenblätter nur für das Gesamtcholesterin nachgewiesen werden konnte, nicht aber für LDL- oder HDL-Cholesterin.
Ein Pflanzenmix bei Reizmagen
— vom 15.08.2008 —
Ein pflanzliches Kombinationspräparat aus Bitterer Schlefenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmel, Schöllkraut, Mariendistel, Melisse, Süßholz und Pfefferminze ist einer Placebobehandlung bei funktioneller Dyspepsie (Reizmagen) überlegen. Das haben deutsche Wissenschaftler in einer randomisierten doppelblinden Multizenterstudie bei 315 Patienten gezeigt (von Arnim et al. Am J Gastroenterol 2007). Die Behandlungsdauer betrug 8 Wochen, erste Effekte waren aber schon nach zwei Wochen zu sehen.
Neues zur Sägepalme
— vom 15.08.2008 —
Lange Zeit galten die Früchte der Sägepalme (Saball serrulata bzw. Sernoa repens) als ein Beispiel aus der Phytotherapie schlechthin, denn für sie war eine Wirksamkeit wissenschaftlich eindeutig belegt (für die benigne Prostatahyperplasie BPH), bis eine große amerikanische Studie das Gegenteil behauptete (Bent et al. NEJM 2006).
Eine türkische Studie (n=60) hat nun gezeigt, dass Sägepalmenfrüchte bei der symptomatischen Behandlung der BPH nicht schlechter sind als die Standardmedikation Tamsulosin (Hizli et al. Int Urol Nephrol 2007). Eine Kombination beider Medikamente brachte allerdings keinen Zusatznutzen.
Weihrauch bei Darmentzündungen
— vom 15.08.2008 —
Extrakte aus Weihrauch (Boswellia serrata) sind seit etwa 15 Jahren in Deutschland ein Geheimtipp zur Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Den Schritt zur etablierten Therapie haben sie aber wegen fehlender oder mangelhafter Studien nie wirklich geschafft. Auch die neueste Studie zur Behandlung der kollagenen Colitis mit Weihrauch (Madisch et al. Int J Colorectal Dis 2007) ist relativ klein (31 randomisierte, 26 ausgewertete Patienten) und fand signifikante Ergebnisse nur in der per-protocol-, nicht aber in der intention-to-treat-Analyse. Immerhin waren in der Weihrauchgruppe 44%, in der Placebogruppe aber nur 27% der Patienten nach 6-wöchiger Behandlung in Remission.
Haben Kaffeetrinker ein gesünderes Herz?
— vom 23.07.2008 —
Kürzlich durften wir erfahren, dass Kaffee das Brustkrebsrisiko bei Frauen nicht erhöht (siehe Beitrag vom 24.06.2008). Mehr noch, das Kaffeetrinken eignet sich offensichtlich sogar zur Prävention von Gicht, da Kaffee erwiesenermaßen den Harnsäurespiegel senkt (Choi et al. Arthritis Rheum 2007). Es ließen sich noch einige weitere Beispiele zur positiven Wirkung des Kaffees auf die Gesundheit aufzählen.
In zwei großangelegten Kohortenstudien (Lopez-Garcia et al. Ann Intern Med 2008) wurde nun über einen Zeitraum von 18 (männliche Probanden) bzw. 24 Jahren (weibliche Probanden) an einer Patientenpopulation von fast 90.000 Frauen und 40.000 Männern die gesundheitliche Beeinflussung durch regelmäßigen Kaffeegenuss untersucht. Unter anderem konnte ein leicht positiver Effekt hinsichtlich der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen durch regelmäßigen Kaffeekonsum (sechs oder mehr Tassen pro Tag) beobachtet werden – die Endothelfunktion werde verbessert. Das vermutlich eher schädliche Koffein sei jedoch nicht die Ursache für dieses Ergebnis, sondern eher die im Kaffee enthaltenen Inhaltsstoffe. Fazit: Koffeinfreier Kaffee tut es offensichtlich auch.
Kaffee trinken ohne Krebsrisiko
— vom 24.06.2008 —
Immer wieder wurde gemutmaßt, dass ein erhöhter Kaffeekonsum mit einem erhöhten Risiko einhergehen könnte, an Brustkrebs zu erkranken. Eine Reanalyse der Daten aus der Nurses Health Study gibt jetzt Entwarnung: auch mehr als 4 Tassen Kaffee pro Tag führen nicht zu vermehrtem Brustkrebs (Ganmaa et al. Int J Cancer 2008). Das Risiko der Kaffeetrinkerinnen lag sogar leicht unter dem der Nicht-Trinkerinnen (RR=0.92).
Mit viel Eiweiß gegen Übelkeit
— vom 23.06.2008 —
Ingwer ist ein bekanntes und potentes Antiemetikum, kann also Übelkeit vorbeugen, z.B. bei Seekrankheit. Bei chemotherapiebedingter Übelkeit ist Ingwer ebenfalls eine mögliche Therapieoption, vor allem wenn er mit einer stark eiweißhaltigen Kost kombiniert wird. Das haben amerikanische Forscher in einer randomisierten Therapiestudie zeigen können, obwohl die Fallzahlen (n=28 in drei Gruppen) extrem klein waren (Levine et al, J Altern Complem Med 2008).
Heilschlamm wirkt nicht nur durch Wärme
— vom 23.06.2008 —
Die positiven Wirkungen einer Schlammpackung bei Kniegelenksarthrose sind nicht nur auf Wärmeeinwirkungen zurückzuführen, sondern werden auch chemisch durch die Inhaltsstoffe des Schlamms vermittelt. Dieses ist die Schlussfolgerung einer türkischen Studie, in der eine direkt auf die Haut aufgetragene Schlammpackung verglichen wurde mit einer, die in eine Plastiktüte eingewickelt war. (Odabasi et al. J Altern Complem Med 2008).
Akupunktur bei Depressionen – schlechte Daten, gute Ergebnisse
— vom 23.06.2008 —
Eine chinesische Meta-Analyse aller 8 bekannten kontrollierten Studien hat die Wirksamkeit der Akupunktur zur Behandlung depressiver Störungen gezeigt. Die Forscher schränken allerdings ein, dass die einzelnen Studien von relativ schlechter Qualität seien und nur wenige Patienten eingeschlossen wurden (Wang et al. J Affect Disord 2008).
Wirksamkeit von Blutegeln bestätigt
— vom 14.06.2008 —
Aachener Forscher haben vor kurzem in einer randomisierten Studie bestätigt, dass eine einmalige Blutegelbehandlung bei Gonarthrose die Schmerzen über mittelfristige Zeiträume (1/2 Jahr) senken und die Funktionsfähigkeit des Knies erhöhen kann (Andereya et al. Acta Orthop 2008). Die Effekte waren zwar nicht so stark wie in der von der Carstens-Stiftung geförderten ersten Studie zum Thema (Michalsen et al. Ann Intern Med 2003), konnten aber gesteigert werden, wenn nach 4 Wochen eine zweite Blutegelbehandlung folgte.
Sägepalme – eine sichere, aber wirkungslose Arznei?
— vom 09.06.2008 —
Die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit von Sägepalmextrakten bei benigner Prostatahyperplasie ist äußerst unklar. Die meisten randomisierten Studien zeigen über Placebo hinausgehende Effekte, die größte Studie scheiterte allerdings. Die Autoren der letztgenannten Studie haben jetzt die Daten aus ihrer Studie zur Arzneimittelsicherheit veröffentlicht und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen oder relevante Veränderungen von Laborwerten feststellen können (Avins et al. Complem Ther Med 2008).
Homöopathie ja, Akupunktur nein
— vom 09.06.2008 —
Postoperativer Ileus, also eine (vorübergehende) Darmlähmung nach einer OP, ist eine der wenigen Erkrankungen, in der es eine positive Meta-Analyse zur Wirksamkeit homöopathischer Medikamente gibt (eingesetzt werden vor allem Raphanus und Opium). Erste Versuche, die Wirksamkeit einer Akupunkturbehandlung bei dieser Indikation nachzuweisen, sind jetzt gescheitert. Wie amerikanische Forscher berichteten, betrug die Zeit von der OP bis zu den ersten nachweisbaren Darmbewegungen durchschnittlich 59 Stunden, egal ob die Patienten akupunktiert wurden oder nicht (Garcia et al. Med Acupunct 2008).
Life-Style-Änderungen: jetzt gibt es Zahlen
— vom 05.06.2008 —
Es ist schon lange bekannt: Wer sich mindestens eine halbe Stunde am Tag bewegt, nicht raucht, täglich mindestens fünfmal Obst oder Gemüse isst, und mäßig Alkohol trinkt (mindestens 1 aber maximal 14 Gläser Wein, Bier o.ä. pro Woche) lebt gesünder. Neu ist: jetzt kann man die Gesundheit auch in genauen Zahlen fassen. Wenn man eines dieser obigen Merkmale erfüllt, dann sinkt das Sterberisiko um 20 bis 40%. Und die Risiken addieren sich: Menschen, die alle vier Merkmale erfüllen, tragen ein um 75% reduziertes Risiko. Oder mit anderen Worten: wer im obigen Sinne gesund lebt, hat eine vierfache Chance, die nächsten Jahre zu überleben. Das gilt für beide Geschlechter und alle sozialen Klassen (Khaw et al. PLoS Medicine 2008).
Mit Akupunktur gegen Spannungskopfschmerzen
— vom 03.06.2008 —
Eine (halb-)individualisierte Akupunkturbehandlung hilft Patienten mit Spannungskopfschmerzen besser als eine Scheinakupunktur, zumindest wenn man den mittelfristigen Therapieerfolg bewertet. Das konnten amerikanische Forscher in einer systematischen Übersichtsarbeit über 5 randomisierte Studien zeigen. Demnach können akupunktierte Patienten 5 Monate nach der Behandlung mit fast 2 Kopfschmerztagen pro Monat weniger rechnen als scheinakupunktierte Patienten (Davis et al. J Pain 2008).
Herzgesünder nach 8 Wochen Yoga
— vom 03.06.2008 —
Herzkranke Patienten (NYHA I-III), die neben der Standardmedikation einen 8-wöchigen Yoga-Kurs belegen, zeigen deutlich bessere Laborwerte und eine erhöhte Leistungsfähigkeit als standard-therapierte Patienten. Dieses zeigt eine kleine (N=17) randomisierte Studie aus Amerika (Pullen et al. J Card Fail 2008).
Vitamin C hilft ein wenig das Cholesterin zu senken
— vom 03.06.2008 —
Es ist bekannt, dass eine tägliche Einnahme von Vitamin C (500 mg/Tag) den Cholesterinspiegel senkt. Amerikanische Forscher haben jetzt in einer Übersichtsarbeit über 13 Studien genauer hingeschaut: Tägliches Vitamin C senkt den LDL-Cholesterinwert bei Hyperchol-esterinämie-Patienten um etwa 8 mg/dl, erhöht den HDL-Wert aber kaum (1 mg/dl, nicht signifikant). Triglyzeride können um 20 mg/dl gesenkt werden (McRae. J Chiropract Med 2008).
Neues zur südafrikanischen Kapland-Pelargonie
— vom 26.05.2008 —
Wikipedia, heutzutage das Nachschlagewerk schlechthin, um schnell an aktuelle Informationen zu kommen, formuliert es so: „Verlässliche Studien, die eine medizinische Wirksamkeit beim Menschen belegen, existieren nicht“. Gemeint sind Pelargonienwurzelextrakte, die unter dem Namen Umckaloabo vermarktet werden. Nun muss dieser Text wohl umgeschrieben werden. Die neuste Ausgabe von Phytomedicine veröffentlichte eine systematische Übersichtsarbeit, in der Umckaloabo eine „vielversprechende Evidenz“ und hochsignifikante Überlegenheit gegenüber Placebo bei der Behandlung der akuten Bronchitis zugesprochen wird (Agbabiaka et al. Phythomedicine 2008). Ob Umckaloabo auch bei akuter Tonsillitis oder Sinusitis hilft, wurde nicht untersucht.
Warum Komplementärmedizin?
— vom 16.05.2008 —
Warum zieht es Patienten zur Komplementärmedizin? Weil sie so effektiv und menschennah ist? Weil die Schulmedizin so ineffektiv und nebenwirkungsreich ist? Kanadische Forscher glauben einen Wechsel in der Motivation festgestellt zu haben (Sirois. BMC Altern Compl Med 2008): in den letzten 10 Jahren seien mehr und mehr Gründe in den Vordergrund getreten, die auf der Attraktivität der Komplementärmedizin beruhen (anziehende Faktoren). Die Unattraktivität der konventionellen Medizin (abschreckende Faktoren) spiele eine immer geringere Rolle.
Doch lieber Schäfchen zählen?
— vom 16.05.2008 —
Wer unter Schlaflosigkeit litt, hat bisher gern zu Baldrian gegriffen. Eine neue amerikanische Studie zieht jetzt die Wirksamkeit dieses uralten Hausmittels in Zweifel. Die Schlafqualität von 16 älteren Patientinnen besserte sich nicht nur unter Baldrian, sondern auch unter Placebo, der Unterschied zwischen beiden war statistisch nicht signifikant (Tabi et al. Sleep Med 2008).
Diabetiker: bewegt Euch!
— vom 16.05.2008 —
Vor einer medikamentösen Behandlung eines Typ II Diabetes sollte immer eine Veränderung der Lebensgewohnheiten stehen. Jamaikanische Forscher haben gerade wieder bestätigt, dass ein angeleitetes sportliches Training die Blutzuckerwerte um mehr als 25% verringern kann, und das bei Patienten, die bereits ihre Ernährung umgestellt hatten. Gleichzeitig wurden weitere Blutwerte (Fettwerte, oxidativer Stress) verbessert. Doch es muss nicht immer Joggen oder Aerobic sein: nahezu identische Effekte wurden mit Hatha-Yoga erzielt, also einer von körperlichen Übungen geprägten Form des Yoga (Gordon et al. BMC Complement Altern Med 2008).
Akupunktur bei Heuschnupfen – die Situation ist ungeklärt
— vom 02.05.2008 —
Sieben Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur bei Heuschnupfen gibt es, doch eine befriedigende Antwort darauf, ob diese nun hilft oder nicht, können sie noch nicht geben. Das ist das Fazit einer britischen Forschergruppe, die neue, besser geplante, Studien anmahnen (Roberts et al. BMC Complement Alternat Med 2008). Eine solche wird derzeit von der DFG gefördert und läuft gerade in Berlin an. Erste Ergebnisse sind allerdings erst in drei Jahren zu erwarten.
Viel Placebo kostet viel
— vom 02.05.2008 —
Wer den Placeboeffekt seiner Behandlung noch ein wenig optimieren will, der muss seinen Patienten nur sagen, dass diese viel kostet. Das ist, sehr vereinfacht gesagt, das Ergebnis einer amerikanischen Studie an 82 gesunden Probanden (Waber et al. JAMA 2008). Diese wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, von der die eine ein „neues Opiodid“ bekam, das nach Angaben der Studienleiter 2,50 $ kostete, während der anderen Gruppe ein Preis von 0,10 $ genannt wurde. In Wahrheit erhielten alle ein Placebo. Doch das „teure“ Placebo wirkte bei 85% der Probanden, das „billige“ nur bei 61%.
Kaffee in der Schwangerschaft
— vom 24.04.2008 —
Die meisten Ärzte empfehlen Frauen, auf Kaffee oder schwarzen Tee während der Schwangerschaft zu verzichten. Neueste Studien zeigen jetzt ein differenziertes Bild: maximal zwei Tassen Kaffee bzw. schwarzer Tee (gilt übrigens auch für grünen Tee) haben keine nachweisbaren Nebenwirkungen. Wer darüber hinaus Coffein zu sich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten (Savitz, Epidemiology 2008; Weng Am J Obstet Gynecol 2008).
Akupunktur bei unerfülltem Kinderwunsch - die Geschichte geht weiter
— vom 01.04.2008 —
Kaum hat eine Meta-Analyse die Wirksamkeit einer ergänzenden Akupunktur zur In-vitro-Fertilisation bei unerfülltem Kinderwunsch im Wesentlichen nachgewiesen (Manheimer et al. BMJ 2008), so müssen diese Ergebnisse auch schon wieder bezweifelt werden. Die neueste Studie konnte keine Unterschiede zwischen einer begleitenden Akupunkturbehandlung und Nichtstun festellen, weder in der Zahl der erfolgreichen Schwangerschaften noch in der Zahl der Lebendgeburten (Domar et al. Ferility and Sterility 2008).
Sind Europäer Homöopathie-Muffel? Laut einer weltweiten Umfrage schon
— vom 01.04.2008 —
In einer aktuellen, weltweiten Befragung - durchgeführt von einem international operierenden Marktforschungsinstitut - wurde das Verhältnis von Menschen in 13 Ländern zur Homöopathie untersucht (kompletter Bericht). In Indien vertrauen 62% aller Befragten der homöopathischen Behandlungsweise. Die Homöopathie ist fest im Gesundheitssystem Indiens verankert, somit ist das Ergebnis nicht überraschend. Auch in Brasilien, Saudi-Arabien und Chile scheint sich ein hoher Anteil der Bevölkerung der homöopathischen Medizin anzuvertrauen bzw. anvertrauen zu wollen. Während also auf anderen Kontinenten Homöopathie noch ein relativ hohes Ansehen in der Bevölkerung genießt, spielt sie in den meisten europäischen Ländern (Ausnahme: Frankreich) laut Befragungsergebnis keine große Rolle mehr. Noch nicht einmal ein Drittel der Deutschen und lediglich 15% der Briten, das Schlusslicht in der Befragung, können sich vorstellen, dass ihnen Homöopathie hilft. Leider war dem Bericht nicht zu entnehmen, wie hoch die Gesamtzahl der Befragten war.
Mit Akupunktur gegen Kinderlosigkeit
— vom 31.03.2008 —
Mittlerweile ist in der westlichen Welt jedes 10. Paar von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Eine in-vitro-Fertilisation ist oft der letzte Ausweg, die Erfolgsraten sind allerdings nur mäßig, können mit einer zusätzlichen Akupunkturbehandlung aber gesteigert werden. Amerikanische Forscher schätzen, dass man 9 Frauen mit Akupunktur behandeln muss, um ein zusätzliches Baby auf die Welt zu bringen (Manheimer et al. BMJ 2008).
Blutdrucksenkende Wirkung von nitratreichen Nahrungsmitteln
— vom 28.03.2008 —
Nach Umwandlung in Stickoxid soll Nitrat aus Nahrungsmitteln Hypertoniepatienten helfen, den Blutdruck zu senken. Lebensmittel, die große Mengen Nitrat enthalten, sind z. B. Rote Beete, Salat, Spinat, Rettich usw. In einer Studie (Hypertension. 2008;51:784-790) konnte beobachtet werden, dass schon drei Stunden nach Genuss eines halben Liters Rote Beete-Saft bei gesunden Probanden der systolische Blutdruck um 10,4 mm Hg und der diastolische Blutdruck um 8 mm Hg gesunken war. Auch zur Gefäßerweiterung (Vasodilatation) kann der Konsum von Nahrungsmitteln mit hohem Nitratgehalt beitragen. Allerdings funktioniert die Umwandlung von Nitrat in Stickoxid nur unter Beteiligung des körpereigenen Speichels; bei den Probanden, die den Speichel nicht herunter schluckten, war keine blutdrucksenkende Wirkung des Rote Beete-Safts festzustellen.
Zimt ist wieder in der Diskussion
— vom 28.02.2008 —
Bisher galt es als gesichertes Wissen, dass Zimt den Blutzucker senken kann. Diese Haltung muss eventuell wieder überdacht werden: nach einer Meta-Analyse amerikanischer Forscher senken Zimt-Produkte weder den Blutzuckerspiegel noch ändert sich etwas am Lipidhaushalt (Baker et al.).
Sind CAM-Patienten Impfgegner?
— vom 28.02.2008 —
Das Vorurteil hält sich hartnäckig, obwohl es zumindest in Teilen schon lange widerlegt ist: Menschen, die sich komplementärmedizinisch behandeln lassen, sind überwiegend Impfgegner. Für E. Ernst ist das sogar eines der Hauptargumente gegen die Homöopathie (weil dann der Besuch beim Homöopathen nicht nur nichts nützt, sondern sogar schadet). US-amerikanische Forscher haben jetzt eine völlig neue Note in die Diskussion eingebracht. Nach ihren Untersuchungen sind erwachsene CAM-Patienten (es geht nicht um Kinder) sogar signifikant häufiger gegen Grippe, Pneumokokken und Hepatitis B geimpft als konventionelle Patienten (Stokley et al.). Der Rat der Forscher: Um die Durchimpfungsraten zu steigern, sollte man darüber nachdenken mit CAM-Ärzten zusammen zu arbeiten...
Honig lässt hustengeplagte Kinder schlafen
— vom 25.01.2008 —
Kinder mit Husten profitieren von einem Löffel Honig vor dem Schlafengehen ebenso sehr, wie wenn sie ein konventionelles hustenstillendes Mittel mit dem Wirkstoff Dextromethorphan nehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Schlafqualität von 105 Kindern mit akutem Husten und deren durch die nächtlichen Störungen ebenso betroffenen Eltern überprüfte. In der Studie wurde den Kindern vor der Bettruhe nach dem Randomisierungsverfahren entweder ein Löffel Buchweizenhonig oder aber eine Dosis Dextromethorphanhaltiges Hustenmittel mit Honiggeschmack verabreicht. Auch wenn die Studie keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Interventionen zeigte: Sollte sich dieses Ergebnis in der Praxis bewähren, könnte man mit einem einfachen Hausmittel den gleichen Effekt erzielen wie mit einem Hustenlöser. Dessen Substanz Dextrometorphan kann bei Missbrauch suchtartige Zustände erzeugen – was weder bei Erwachsenen noch bei Kindern wünschenswert wäre. Achtung: Honig ist wegen der Gefahr bakterieller Kontaminierung nicht für Kleinkinder und Säuglinge geeignet!

Paul IM, Beiler J, McMonagle A, Shaffer ML, Duda L, Berlin CM, Jr.: Effect of honey, dextromethorphan, and no treatment on nocturnal cough and sleep quality for coughing children and their parents. Arch Pediatr Adolesc Med 2007;161(12):1140-1146.
Gewichtsreduktion mit Medikamenten
— vom 07.12.2007 —
Langandauernde (mind. 1 Jahr) medikamentöse Behandlungen reduzieren das Gewicht von Übergewichtigen und können außerdem zur Senkung des Blutdrucks oder Cholesterins beitragen. Als Nebenwirkungen wurden gehäuft Magen- und Darmbeschwerden und Stimmungsschwankungen, aber auch Blutdrucksteigerungen beobachtet. Leider berichten die kanadischen Forscher nicht, ob man das Gewicht nicht auch genauso erfolgreich durch eine Ernährungsumstellung und Veränderungen des Lebensstils (Bewegung) reduzieren könnte.

Rucker D, Padwal R, Li SK, Curioni C, Lau DC: Long term pharmacotherapy for obesity and overweight: updated meta-analysis. Bmj 2007.
Galphimia glauca kann Angst-Patienten helfen
— vom 02.10.2007 —
Die Pflanze Galphimia glauca wurde schon in der traditionellen mexikanischen Medizin als Beruhigungsmittel eingesetzt. Bisher brachte man sie nur mit der Behandlung von Heuschnupfen in Verbindung. Nun zeigt eine randomisierte Studie mit 152 Patienten an einer Klinik in Mexiko, dass Galphimia glauca in die Reihe der pflanzlichen Psychopharmaka (Kava kava sowie die als Baldrian bekannte Pflanze Valeriana officinalis) aufgenommen werden könnte. Der Galphimia-Extrakt hat bei den an Angsterkrankungen leidenden Patienten einen ebenso guten Effekt wie der konventionell eingesetzte Wirkstoff Lorazepam. Im Gegensatz zu diesem wirkt der Pflanzenextrakt jedoch bereits in der ersten Woche und nicht erst - wie bei Lorazepam - ab der dritten oder vierten Woche. Zudem spricht für Galphimia die gute Verträglichkeit über längere Zeit der Einnahme.

Herrera-Arellano A, Jimenez-Ferrer E, Zamilpa A, Morales-Valdez M, Garcia-Valencia CE, Tortoriello J: Efficacy and tolerability of a standardized herbal product from Galphimia glauca on generalized anxiety disorder. A randomized, double-blind clinical trial controlled with lorazepam. Planta Med 2007;73(8):713-717.
Handarthrose: Arnika-Gel ist nicht-steroidalen Rheumamitteln ebenbürtig
— vom 06.08.2007 —
Arnica montana (Bergwohlverleih) ist schon seit längerer Zeit als wirksame Pflanze in der Behandlung traumatischer Verletzungen bekannt. Nun wurde eine randomisierte, doppelblinde Studie in einer Schweizerischen Rheumaklinik durchgeführt, die den Effekt eines Gels aus der Arnika-Pflanze auf Schmerz und Bewegungsfunktionen bei Patienten mit Handarthrose testen soll. Insgesamt 204 Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip über einen Zeitraum von drei Wochen entweder mit Arnika-Gel oder aber einer häufig verschriebenen nicht-steroidalen Rheumasalbe behandelt. Zumindest für eine Kurzzeitbehandlung bis zu höchstens drei Wochen wäre das Arnika-Gel ebenso wirksam in der Schmerzreduktion und Verbesserung der Bewegungsfunktionen wie die in der Studie verwendete nicht-steroidale Rheumasalbe. Hinsichtlich des chronischen Verlaufs arthrotischer Erkrankungen ist ein Wirksamkeitstest des Arnika-Gels über einen längeren Zeitraum sicherlich von Interesse.

Widrig R, Suter A, Saller R, Melzer J: Choosing between NSAID and arnica for topical treatment of hand osteoarthritis in a randomised, double-blind study. Rheumatol Int 2007;27(6):585-591.
Kann der Ginkgo-Extrakt zukünftig zur Prävention der Arteriosklerose eingesetzt werden?
— vom 26.07.2007 —
In Zukunft könnten Medikamente, die den Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 enthalten, nicht nur bei Demenzerkrankungen und Durchblutungsstörungen eingesetzt, sondern auch zur Prävention von Arteriosklerose und somit von zahlreichen Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verwendet werden. In einer Pilotstudie mit 9 Patienten am Institut für Physiologie der Charité Berlin konnten die Wissenschaftler beobachten, dass eine tägliche Einnahme von 2 x 120 mg eines Ginkgo-Präparats über einen Zeitraum von zwei Monaten eine Reduzierung der Plaque-Neubildung bewirkt. Allen Patienten wurde nach einer Bypass-Operation am Herzen neben den üblichen blutdrucksenkenden Medikamenten sowie Acetylsalicylsäure zur Gerinnungshemmung statt der normalerweise zusätzlichen Gabe von Statinen das Ginkgo-Präparat verabreicht. Der Studienleiter Günter Siegel erklärt die Wirkungsweise des Pflanzen-Extrakts dadurch, dass die im Extrakt nachweisbaren sekundären Pflanzenstoffe (z.B. Flavonoide) maßgeblich zur Anti-Oxidation der Blutfette beitragen. Inwiefern auch eine präventive Wirkung des Ginkgo-Extrakts auf die Arteriosklerose-Entwicklung bei gesunden Patienten zu erwarten ist, müsste laut Aussage der Studiengruppe mit Hilfe weiterer, größerer Studien geklärt werden.

Rodriguez M, Ringstad L, Schafer P, Just S, Hofer HW, Malmsten M, Siegel G: Reduction of atherosclerotic nanoplaque formation and size by Ginkgo biloba (EGb 761) in cardiovascular high-risk patients. Atherosclerosis 2007;192(2):438-444.
Akupunktur hilft bei Bluthochdruck
— vom 20.06.2007 —
Eine kürzlich publizierte randomisierte Studie mit insgesamt 160 Bluthochdruck-Patienten konnte zeigen, dass Akupunktur nach der Traditionellen Chinesischen Medizin erhöhten Blutdruck deutlich senken kann. Alle Patienten wurden von Experten aus China behandelt, die in Kooperation mit den Initiatoren der Studie, einer Forschergruppe aus Erlangen, handelten. Gegenüber der Kontrollgruppe, deren Teilnehmer mit Scheinakupunktur behandelt worden waren, konnte der Blutdruck per ambulanter 24-Stunden-Blutdruckmessung über einen Behandlungszeitraum von 6 Wochen um 6,4 mm Hg und 3,7 mm Hg, allerdings unter begleitender Einnahme von Antihypertensiva, gesenkt werden. Die erneuten Messungen in der Follow-up-Phase nach drei und sechs Monaten zeigten einen Rückgang des positiven Effekts auf den Ursprungsstatus.

Flachskampf FA, Gallasch J, Gefeller O, Gan J, Mao J, Pfahlberg AB, Wortmann A, Klinghammer L, Pflederer W, Daniel WG: Randomized trial of acupuncture to lower blood pressure. Circulation 2007;115(24):3121-3129.
Der Einfluss von Amaranthöl auf den Cholesterinspiegel
— vom 04.05.2007 —
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie konnten an 125 Patienten, die an Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit leiden, positive Effekte vorangegangener Tierversuche auf den Cholesterinspiegel bestätigt werden. Im Rahmen einer salzarmen und anti-atherogenen Diät wurden den Patienten nach dem Zufallsprinzip entweder Amaranthöl (in unterschiedlich hoher Dosierung) oder aber ein Placebo (hier in Form von Sonnenblumenöl) verabreicht. In der Verumgruppe konnte eine Senkung des Gesamtcholesterinspiegels um 14% (niedrige Dosierung), 17% (mittlere Dosierung) und 20% (höchste Dosierung) gegenüber 12% in der Placebogruppe beobachtet werden. Die Studie ergibt, dass eine Tagesdosis von 18 ml Amaranthöl das beste Ergebnis in der Cholesterinsenkung erzielt.

Martirosyan DM, Miroshnichenko LA, Kulakova SN, Pogojeva AV, Zoloedov VI: Amaranth oil application for coronary heart disease and hypertension. Lipids Health Dis 2007; 6:1.
Probiotika entgiften
— vom 04.04.2007 —
Nahrungsmittelvergiftungen mit Salmonellen können erfolgreich mit Probiotika, also mit gesundheitsfördernden Mikroorganismen wie z.B. Milchsäurebakterien, bekämpft werden. Dieses gilt zumindest bei Schweinen: In einer irischen Studie nahmen Schweine, die an einer Salmonellenvergiftung litten, deutlich mehr an Gewicht zu und bekamen seltener und weniger schwere Durchfälle, wenn sie mit Probiotika statt mit Magermilch behandelt wurden.

Casey PG, Gardiner GE, Casey G, Bradshaw B, Lawlor PG, Lynch PB, Leonard FC, Stanton C, Ross RP, Fitzgerald GF, Hill C: A five-strain probiotic combination reduces pathogen shedding and alleviates disease signs in pigs challenged with Salmonella enterica Serovar Typhimurium. Appl Environ Microbiol 2007;73(6):1858-1863.
Grüner Tee — einfach gesund!
— vom 26.03.2007 —
Australische Forscher haben jetzt eine einfache und klare Schlussfolgerung aus ihren umfassenden Recherchen gezogen: Grüner Tee ist günstig, nebenwirkungsarm und hat das Potenzial, Schlaganfälle vermeiden zu helfen.

Gardner CD, Kiazand A, Alhassan S, Kim S, Stafford RS, Balise RR, Kraemer HC, King AC: Comparison of the Atkins, Zone, Ornish, and LEARN diets for change in weight and related risk factors among overweight premenopausal women: the A TO Z Weight Loss Study: a randomized trial. JAMA 2007;297(9):969-977.
Diät — Welche ist die beste?
— vom 26.03.2007 —
Die Atkins-Diät hat sich in einer randomisierten Studie bei übergewichtigen amerikanischen Frauen als diejenige herausgestellt, die am ehesten einen nachhaltigen Gewichtsverlust erreichen kann. Die Diät zeichnet sich durch einen hohen Fettanteil, aber wenige Kohlenhydrate aus. Nach einer 12-monatigen Atkins-Diät wogen die Frauen fast 5 Kilogramm weniger als zu Beginn.

Gardner CD, Kiazand A, Alhassan S, Kim S, Stafford RS, Balise RR, Kraemer HC, King AC: Comparison of the Atkins, Zone, Ornish, and LEARN diets for change in weight and related risk factors among overweight premenopausal women: the A TO Z Weight Loss Study: a randomized trial. JAMA 2007;297(9):969-977.
Ist Knoblauch wirklich so gesund wie bisher gedacht?
— vom 26.03.2007 —
Knoblauch gilt als das pflanzliche Arzneimittel schlechthin, um erhöhte Cholesterinwerte zu senken (und damit auch das Herzinfarktrisiko). Diese Auffassung muss nach den neuesten Erkenntnissen amerikanischer Forscher bezweifelt werden: weder roher Knoblauch noch zwei in Amerika erhältliche Knoblauchpräparate konnten die Konzentrationen von LDL- oder HDL-Cholesterinen bzw. Triglyzeriden wesentlich beeinflussen.

Gardner CD, Lawson LD, Block E, Chatterjee LM, Kiazand A, Balise RR, Kraemer HC: Effect of raw garlic vs commercial garlic supplements on plasma lipid concentrations in adults with moderate hypercholesterolemia: a randomized clinical trial. Arch Intern Med 2007;167(4):346-353.
Omega-3-Fettsäuren vertreiben die Schmerzen
— vom 26.03.2007 —
Mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren sind schmerzlindernd, und zwar bei so unterschiedlichen Erkrankungen wie rheumabedingten Gelenkentzündungen, entzündlichen Darmerkrankungen oder Menstruationsschmerzen. Dieses haben amerikanische Forscher in einer Arbeit bestätigt, in der sie alle bisherigen Studien zu diesem Thema systematisch zusammengetragen haben.

Goldberg RJ, Katz J: A meta-analysis of the analgesic effects of omega-3 polyunsaturated fatty acid supplementation for inflammatory joint pain. Pain 2007.
Bei Erkältungskrankheiten ist die Homöopathie eine echte Alternative
— vom 26.03.2007 —
Patienten mit Halsschmerzen, laufenden Nasen, Ohrenschmerzen oder Husten werden homöopathisch genauso gut behandelt wie konventionell. Wie eine internationale Studie zeigen konnte, waren die Heilungsraten nach zwei Wochen Behandlung nahezu identisch, nach einer einwöchigen Behandlung zeigten sich sogar leichte Vorteile für die homöopathisch behandelten Patienten. Nebenwirkungen gab es häufiger in der schulmedizinisch behandelten Gruppe.

Haidvogl M, Riley DS, Heger M, Brien S, Jong M, Fischer M, Lewith GT, Jansen G, Thurneysen AE: Homeopathic and conventional treatment for acute respiratory and ear complaints: A comparative study on outcome in the primary care setting. BMC Complement Altern Med 2007;7:7.
Sibirischer Rhabarber könnte Hormone ersetzen
— vom 21.03.2007 —
Von der Hormonersatztherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden ist bekannt, dass sie zu einem erhöhten Risiko führt, an Brustkrebs zu erkranken. Die Suche nach alternativen Behandlungsformen ist daher in vollem Gang. Deutsche und ukrainische Forscher bringen nun den sibirischen Rhabarber ins Spiel. In einer Studie konnten sie nachweisen, dass die Beschwerden unter einem Rhabarberextrakt deutlich besser zurückgingen als unter Placebo.

Heger M, Ventskovskiy BM, Borzenko I, Kneis KC, Rettenberger R, Kaszkin-Bettag M, Heger PW: Efficacy and safety of a special extract of Rheum rhaponticum (ERr 731) in perimenopausal women with climacteric complaints: a 12-week randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Menopause 2006;13(5):744-759.
Durchfall besser mit individueller Homöopathie behandeln
— vom 21.03.2007 —
Aus mehreren Studien der amerikanischen Forscherin J. Jacobs ist bekannt, dass eine individuelle homöopathische Therapie Kindern mit Durchfall besser hilft als ein Placebo. In ihrer neuesten Studie konnte sie diese positiven Ergebnisse nicht bestätigen, wenn statt der individuellen Homöopathie ein homöopathisches Komplexmittel verabreicht wird. Das dämpft die Hoffnungen, ein einfaches, billiges und wirksames homöopathisches Medikament entwickeln zu können, das auch in weniger entwickelten Ländern einsetzbar ist.

Jacobs J, Guthrie BL, Montes GA, Jacobs LE, Mickey-Colman N, Wilson AR, DiGiacomo R: Homeopathic combination remedy in the treatment of acute childhood diarrhea in Honduras. J Altern Complement Med 2006;12(8):723-732.
Ein Kaktus als Appetitzügler
— vom 20.03.2007 —
Caralluma fimbriata ist ein Kaktus, dessen Extrakte in Indien genutzt werden, um Hungergefühle zu unterdrücken. Er ist möglicherweise auch als Arzneimittel zur Gewichtsreduktion einsetzbar: Einer indischen Studie zufolge gelang es dem Caralluma-Extrakt, den Appetit stärker zu zügeln, bei Übergewichtigen die Gewichtsabnahme zu beschleunigen und den Bauchumfang stärker zu reduzieren als ein Placebo, doch überzeugten die Ergebnisse aus statistischer Sicht nicht vollständig.

Kuriyan R, Raj T, Srinivas SK, Vaz M, Rajendran R, Kurpad AV: Effect of Caralluma Fimbriata extract on appetite, food intake and anthropometry in adult Indian men and women. Appetite 2006.
Diabetiker können auf Mariendistel hoffen
— vom 07.03.2007 —
Extrakte der Mariendistel haben sich in einer iranischen Studie als wirksam erwiesen, die Blutzuckerwerte (inklusive HbA1c) bei Diabetikern zu senken. Im Vergleich mit einer Placebogruppe wurden auch die Blutfettwerte durch die 4-monatige Einnahme des Mariendistelextrakts positiv beeinflusst.

Huseini HF, Larijani B, Heshmat R, Fakhrzadeh H, Radjabipour B, Toliat T, Raza M: The efficacy of Silybum marianum (L.) Gaertn. (silymarin) in the treatment of type II diabetes: a randomized, double-blind, placebo-controlled, clinical trial. Phytother Res 2006;20(12):1036-1039.
Salbei lindert Halsschmerzen
— vom 07.03.2007 —
Ein Spray aus Salbeiextrakten hilft, die Schmerzen einer viral bedingten Rachenentzündung zu lindern. Der Effekt tritt bereits 2 Stunden nach der ersten Behandlung ein. Allerdings scheint die richtige Dosierung problematisch zu sein: in einer von deutschen Forschern publizierten Studie an fast 300 Patienten war nicht das Spray mit der höchsten, sondern das mit der zweithöchsten Dosierung am wirksamsten.

Hubbert M, Sievers H, Lehnfeld R, Kehrl W: Efficacy and tolerability of a spray with Salvia officinalis in the treatment of acute pharyngitis - a randomised, double-blind, placebo-controlled study with adaptive design and interim analysis. Eur J Med Res 2006;11(1):20-26.
Capsicum wirkt besonders an Akupunkturpunkten
— vom 06.03.2007 —
Frauen, denen ein capsaicinhaltiges (Capsaicin = Wirkstoff der Pfefferschote und der Paprika) Pflaster am Akupunkturpunkt Ma36 (ZuSanLi, neben dem Schienbein unterhalb des Knies) aufgelegt wurde, benötigten nach einer Hysterektomie deutlich weniger Schmerzmittel als solche, die ein Placebo oder ein Capsaicinpflaster auf Nicht-Akupunkturpunkten bekamen. Gleichzeitig wurde die Rate an postoperativen Komplikationen deutlich gesenkt. Damit bestätigen koreanische Forscher ähnliche Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe, in denen ein Capsaicinpflaster bei Kindern nach einer Leistenbruch-OP ebenfalls besonders wirksam war, wenn es bei Ma36 aufgeklebt wurde.

Kim KS, Nam YM: The analgesic effects of capsicum plaster at the Zusanli point after abdominal hysterectomy. Anesth Analg 2006;103(3):709-713.
Tomatensauce bei Prostatakrebs unwirksam?
— vom 02.03.2007 —
Der rote Farbstoff in Tomaten, Lycopin, hat sich in mehreren Studien als Erfolg versprechend in der Behandlung des Prostatakrebses gezeigt. Die Hoffnungen, mit der Tomate eine naturheilkundliche Alternative zu (oft wenig wirksamen) Chemotherapien bei fortgeschrittenem (angrogenunabhängigem) Prostatakarzinom anbieten zu können, haben nun einen Dämpfer erhalten. Amerikanische Forscher "behandelten" 46 Patienten mit Tomatensaft oder Tomatensauce: der Erfolg war mäßig. Die Forscher betonen allerdings, dass diese Ergebnisse keine Rückschlüsse auf die Behandlung anderer Prostatakarzinome oder gar auf die Möglichkeit der Prävention zuließen.

Jatoi A, Burch P, Hillman D, Vanyo JM, Dakhil S, Nikcevich D, Rowland K, Morton R, Flynn PJ, Young C, Tan W: A tomato-based, lycopene-containing intervention for androgen-independent prostate cancer: results of a Phase II study from the North Central Cancer Treatment Group. Urology 2007;69(2):289-294.
Lieber frisches Obst und Gemüse als Vitamine in Pillenform
— vom 02.03.2007 —
Die Vermutung, dass Werbeversprechen von Herstellern diverser Vitaminpräparate zuweilen nicht nur leere Phrasen, sondern auch manchmal (lebens-)gefährlich sein können, zeigt nun eine dänische Meta-Analyse zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Vitaminpräparaten, insbesondere den Vitaminen A, E, C und Betacaroten sowie dem Spurenelement Selen. Auf der Grundlage qualitativ hochwertiger Studien fanden die Wissenschaftler heraus, dass die regelmäßige, hochdosierte Einnahme von Betacaroten, Vitamin A und Vitamin E mit einem höheren Sterberisiko verbunden ist und auch Vitamin C als gepriesenes Mittel zur Vorbeugung verschiedener Krankheiten mehr Schaden als Nutzen anrichten kann. Welche Auswirkung Vitamin C und auch Selen aber nun genau auf die Sterblichkeit hat, müsse in weiteren Studien geklärt werden, so die Autoren. Sie nehmen an, dass — statt den menschlichen Organismus vor antioxidativen Schäden und damit schweren Erkrankungen zu schützen — die zusätzliche Einnahme von Vitaminen den natürlichen Abwehrmechanismus des Körpers sogar stört. Fazit: Wer sich ohnehin schon ausgewogen ernährt, muss sich um seinen Vitaminhaushalt keine Gedanken machen — und kann viel Geld sparen.

Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C: Mortality in Randomized Trials of Antioxidant Supplements for Primary and Secondary Prevention: Systematic Review and Meta-analysis. Jama 2007;297(8):842-857.
Warnung vor unangemessener Antibiotikaverschreibung durch Studienergebnisse bestätigt
— vom 26.02.2007 —
Erstmals wurde ein direkter Zusammenhang zwischen Antibiotikaresistenz und -einnahme in einer Doppelblindstudie in einem Universitätskrankenhaus in Antwerpen an gesunden Studienteilnehmern nachgewiesen. In der Studie konnte gezeigt werden, dass die beiden Makrolidantibiotika Clarithromycin und Azimythromycin, die von Ärzten häufig bei Atemwegserkrankungen verschrieben werden, die Anzahl der resistenten Streptokokken erhöhten und somit im Fall einer möglicherweise gefährlichen Infektion den eindringenden Keimen nahezu freie Bahn gewährten. Auf Basis dieser Ergebnisse fordern die Autoren im Interesse der Patienten eine umsichtigere Verordnung von Antibiotika.

Malhotra-Kumar S, Lammens C, Coenen S, Van Herck K, Goossens H: Effect of azithromycin and clarithromycin therapy on pharyngeal carriage of macrolide-resistant streptococci in healthy volunteers: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Lancet 2007;369(9560):482-490.
Schwangere müssen nicht auf den täglichen Kaffee verzichten
— vom 23.02.2007 —
Wie eine dänische Studie zeigt, verändert sich das Geburtsgewicht der Säuglinge nicht oder nur minimal, wenn die werdenden Mütter in der zweiten Schwangerschaftshälfte statt koffeinhaltigen entkoffeinierten Kaffee trinken.

Bech BH, Obel C, Henriksen TB, Olsen J: Effect of reducing caffeine intake on birth weight and length of gestation: randomised controlled trial. Bmj 2007.
Aderlass in der Diskussion
— vom 22.02.2007 —
Eine randomisierte Therapiestudie zur Wirksamkeit des Aderlasses bei Patienten mit peripherer Verschlusskrankheit wird derzeit äußerst kontrovers diskutiert. Ein Teil der Diskutanden verweist darauf, dass es zwischen der Aderlass- und der Kontrollgruppe keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Sterblichkeit gebe. Damit sei die "Rückkehr einer mittelalterlichen Therapie" ausgeschlossen (Ärztezeitung). Die Gegenseite zitiert eine Untergruppe von unter 61-jährigen Aderlass-Patienten, in der eine geringere Rate an schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen statistisch nachweisbar war. Damit scheine der Aderlass zu "einer verbesserten Gefäßgesundheit beizutragen" (der Autor der Studie in einem Interview mit Reuters).

Zacharski LR, Chow BK, Howes PS, Shamayeva G, Baron JA, Dalman RL, Malenka DJ, Ozaki CK, Lavori PW: Reduction of iron stores and cardiovascular outcomes in patients with peripheral arterial disease: a randomized controlled trial. Jama 2007;297(6):603-610.
Gibt es eine Grundlage für die Irisdiagnostik?
— vom 21.02.2007 —
Irisdiagnostik gilt aus wissenschaftlicher Sicht bisher als ungeprüftes, esoterisches Verfahren. Schwedische Wissenschaftler haben nun erstmals einen direkten Bezug zwischen Verhaltensmerkmalen eines Patienten (positive Einstellung, Vertrauensfähigkeit, Impulsivität) und seiner Iris (Krypten, Furchen) hergestellt. Zurückgeführt wird diese Assoziation auf das Gen Pax6, das Gewebeveränderungen in der Iris und der Hirnrinde verursacht.

Larsson M, Pedersen NL, Stattin H: Associations between iris characteristics and personality in adulthood. Biological Psychology 2007:doi:10.1016/j.biopsycho.2007.1001.1007.
Tierexperimentelle Ergebnisse sind nicht immer auf den Menschen übertragbar
— vom 20.02.2007 —
Die Wirksamkeit eines Medikaments lässt sich in der Regel nicht unbedingt aus Tierversuchen ableiten. Es gibt Medikamente, die im Tierversuch wirksam und beim Menschen unwirksam sind (z.B. Kortikosteroide bei Kopfverletzungen). Andererseits gibt es auch Medikamente, die beim Menschen eindeutig hilfreich sind, obwohl die tierexperimentellen Daten keine eindeutige Wirksamkeit vermuten lassen (z.B. Antifibrinolytica bei Blutungen). Die britischen Forscher vermuten, dass viele Tiermodelle die Gegebenheiten beim Menschen nicht hinreichend genau widerspiegeln.

Perel P, Roberts I, Sena E, Wheble P, Briscoe C, Sandercock P, Macleod M, Mignini LE, Jayaram P, Khan KS: Comparison of treatment effects between animal experiments and clinical trials: systematic review. Bmj 2007;334(7586):197.
Hohe Erwartungen an die Akupunktur lindern den Schmerz
— vom 20.02.2007 —
Deutsche Forscher haben erneut eindrucksvoll bestätigt, dass Patienten, die mit hohen positiven Erwartungen eine Schmerzbehandlung mit Akupunktur beginnen, auch deutlich bessere Therapieerfolge haben als solche, die der Akupunktur und ihrer Wirksamkeit eher skeptisch gegenüber eingestellt sind. Diese Effekte sind besonders ausgeprägt, wenn es sich um eine umfassende Akupunkturbehandlung handelt, und weniger stark, wenn nur eine Minimalakupunktur angeboten wird.

Linde K, Witt CM, Streng A, Weidenhammer W, Wagenpfeil S, Brinkhaus B, Willich SN, Melchart D: The impact of patient expectations on outcomes in four randomized controlled trials of acupuncture in patients with chronic pain. Pain 2007:doi:10.1016/j.pain.2006.1012.1006.
Ergebnisse aus Therapiestudien zur Akupunktur sind verallgemeinerbar
— vom 20.02.2007 —
Deutsche Forscher haben zeigen können, dass sich die Therapieerfolge der Akupunktur bei Migränepatienten nicht unterscheiden, ja nachdem ob die Patienten im Rahmen einer Routinebehandlung oder einer randomisierten Therapiestudie behandelt wurden. Dieses zeigt zum einen, dass die Ergebnisse randomisierter Therapiestudien auch auf die Routineversorgung übertragen werden können, legt aber auch die Schlussfolgerung nahe, dass Routinedaten in einigen Bereichen durchaus für die Beurteilung der Wirksamkeit von Therapien herangezogen werden können.

Linde K, Streng A, Hoppe A, Weidenhammer W, Wagenpfeil S, Melchart D: Randomized trial vs. observational study of acupuncture for migraine found that patient characteristics differed but outcomes were similar. J Clin Epidemiol 2007;60(3):280-287.
Nahrungsergänzung mit Folsäure
— vom 19.02.2007 —
Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren, die ihren täglichen Bedarf an Folsäure nicht über die Nahrung decken, sollten diese ergänzend zu sich nehmen. Niederländische Wissenschaftler fanden in einer randomisierten, placebokontrollierten Therapiestudie heraus, dass die Nahrungsergänzung mit Folsäure (800 µg pro Tag) das altersbedingte Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten deutlich verbessert.

Durga J, van Boxtel MP, Schouten EG, Kok FJ, Jolles J, Katan MB, Verhoef P: Effect of 3-year folic acid supplementation on cognitive function in older adults in the FACIT trial: a randomised, double blind, controlled trial. Lancet 2007;369(9557):208-216.
Ein Verzicht auf Antidiabetika kann sinnvoll sein
— vom 13.02.2007 —
Patienten, die unter einer Glukoseintoleranz leiden, sollten primär ihren Lebensstil ändern (also die Ernährung umstellen und mehr Sport treiben), um die Entwicklung eines manifesten Diabetes zu vermeiden oder zu verzögern. Britische Forscher haben in einer systematischen Übersichtsarbeit herausgefunden, dass Änderungen des Lebensstils mindestens ebenso wirksam sind wie die Behandlung mit handelsüblichen Medikamenten und vermutlich weniger Nebenwirkungen haben.

Gillies CL, Abrams KR, Lambert PC, Cooper NJ, Sutton AJ, Hsu RT, Khunti K: Pharmacological and lifestyle interventions to prevent or delay type 2 diabetes in people with impaired glucose tolerance: systematic review and meta-analysis. BMJ 2007;334(7588):299.
Olivenöl ist ein potentes Antibiotikum
— vom 12.02.2007 —
Italienische Forscher haben in Laborexperimenten gezeigt, dass natives Olivenöl antibakterielle Eigenschaften hat, insbesondere gegen verschiedene Stämme von Helicobakter pylori, einem Bakterium, das mit Magengeschwüren und Magenkrebs in Verbindung gebracht wird. Die Forscher betonten weiterhin, dass die Inhaltsstoffe des Olivenöls die sauren Magenbedingungen über mehrere Stunden unbeschadet überstehen.

Romero C, Medina E, Vargas J, Brenes M, Castro AD: In Vitro Activity of Olive Oil Polyphenols against Helicobacter pylori. J Agric Food Chem 2007;55(3):680-686.
Blutdruck ohne Medikamente senken
— vom 09.02.2007 —
Amerikanische Forscher haben noch einmal betont, dass die ersten Maßnahmen bei moderatem Bluthochdruck nicht in Medikamenten liegen sollten, sondern in einer Änderung des Lebensstils. Eine Gewichtsabnahme um 5 kg, eine an Obst und Gemüse reiche Ernährung, eine Einschränkung des Salzkonsums, viermal die Woche ein halbstündiges Training und der Verzicht auf mehr als zwei Gläser Alkohol am Tag können den Blutdruck erheblich senken. Gleichzeitig betonen sie allerdings, dass es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, ob diese Blutdrucksenkungen auch zu einem verringerten Risiko führen, an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben.

Wexler R: Nonpharmacologic Strategies for Managing Hypertension. Am J Physician 2007;73(11):1953-1956.
Akupunktur und Hypnose erleichtern die Geburt
— vom 09.02.2007 —
In einer systematischen Übersichtsarbeit haben australische Forscher festgestellt, dass Akupunktur und vor allem Hypnose die Schmerzen bei der Geburt senken bzw. die notwendigen Schmerzmedikamente verringern können. Nach Ansicht der Autoren lassen die wenigen verfügbaren Studien allerdings noch keine definitiven Schlüsse zu. Aromatherapie und Musiktherapie konnten bisher ihre Wirksamkeit nicht beweisen.

Smith CA, Collins CT, Cyna AM, Crowther CA: Complementary and alternative therapies for pain management in labour. Cochrane Database Syst Rev 2006(4):CD003521.
Ist die Photosensitivität von Johanniskraut eine Mär?
— vom 09.02.2007 —
Immer wieder wird davor gewarnt, dass Patienten, die mit Johanniskrautextrakten behandelt werden, überempfindlich auf Licht reagieren könnten (Photosensitivität). Weder Freiburger noch Bad Schwartauer Forscher konnten dieses belegen, eine generell erhöhte Photosensibilität besteht augenscheinlich nicht (siehe auch). Was allerdings nicht zwingend heißt, dass nicht einzelne Patienten genau solch eine Nebenwirkung doch erleiden.

Schulz HU, Schurer M, Bassler D, Weiser D: Investigation of the effect on photosensitivity following multiple oral dosing of two different hypericum extracts in healthy men. Arzneimittelforschung 2006;56(3):212-221.
Haben Kaffeetrinker seltener Krebs?
— vom 09.02.2007 —
Verschiedene Studien haben bisher vermuten lassen, dass Kaffeekonsum das Risiko verringert, an Darmkrebs zu erkranken. Zumindest für japanische Frauen und Männer konnte dieses jetzt nicht bestätigt werden: Nach über 10 Jahren erkrankten etwa gleich viele Kaffeetrinker und -abstinenzler.

Naganuma T, Kuriyama S, Akhter M, Kakizaki M, Nakaya N, Matsuda-Ohmori K, Shimazu T, Fukao A, Tsuji I: Coffee consumption and the risk of colorectal cancer: A prospective cohort study in Japan. Int J Cancer 2007;120(7):1542-1547.
Gute Nacht!
— vom 08.12.2006 —
Baldrian ist im mitteleuropäischen Sprachraum das vielleicht meist angewandte Naturheilverfahren überhaupt. Baldrian gilt in Deutschland als das Einschlafmittel schlechthin. Amerikanische Forscher haben seine Wirksamkeit bei Einschlafstörungen nun im Wesentlichen bestätigt. In einer systematischen Übersichtsarbeit über 16 Therapiestudien fanden sie einen signifikanten Effekt. Dennoch formulierten die Wissenschaftler ihre Schlussfolgerungen vorsichtig: die Wirkung des Baldrians sei aufgrund vieler methodischer Mängel der Studien nicht eindeutig.

Bent S, Padula A, Moore D, Patterson M, Mehling W. Valerian for Sleep: A Systematic Review and Meta-Analysis. The American Journal of Medicine 2006; 119(12):1005-1012.
Sonnenhut, Wind und Kälte
— vom 23.10.2006 —
Nachdem im letzten Jahr eine große randomisierte Studie nicht die Wirksamkeit von Extrakten des roten Sonnenhuts (Echinacea) bei Erkältungen nachweisen konnte, ziehen nun deutsche Forscher in einer Übersichtsarbeit ein gemischtes Fazit aus der bisherigen Forschung: eine vorbeugende Wirkung von Echinacea konnte bisher nicht gezeigt werden, bei der Behandlung der Erkältung scheinen insbesondere die oberirdischen Teile der Species Echinacea purpurea Erfolg versprechend.

Turner RB, Bauer R, Woelkart K, Hulsey TC, Gangemi JD. An evaluation of Echinacea angustifolia in experimental rhinovirus infections. N Engl J Med 2005. 353(4):341-348.
Linde K, Barrett B, Wolkart K, Bauer R, Melchart D. Echinacea for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2006.
Es lohnt sich, mit dem Rauchen aufzuhören
— vom 23.10.2006 —
Raucher haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Personen, die das Rauchen aufgeben, können dieses Risiko deutlich verringern. Wie italienische Forscher in einer Arbeit zum Stand der Forschung berichten, müssen sie aber selbst zehn Jahre danach mit einem doppelt so hohen Risiko leben wie Personen, die niemals geraucht haben.

Bosetti C, Gallus S, Garavello W,La Vecchia C. Smoking cessation and the risk of oesophageal cancer: An overview of published studies. Oral Oncology 2006. 42(10):957-964.
Fieberdiskussion neu entfacht
— vom 16.10.2006 —
Ein amerikanischer Forscher hat nun eine alte, naturheilkundlichen Beobachtungen entsprungene These erneut zur Diskussion gestellt. Nach seinen Überlegungen ist es durchaus wahrscheinlich, dass mehrfache Virus- und bakterielle Infektionen dem Körper dabei helfen, gezielter und effizienter gegen Krebszellen vorzugehen und so einen natürlichen Schutz zu bieten.

A. Post. Environmental exposure to bacteria and viruses may provide oncolytic protection against cancers, and declining exposure to infections may contribute to a rising incidence of cancer. Medical Hypotheses 2006; doi:10.1016/j.mehy.2006.02.058
Lieber nicht Abwarten!
— vom 12.10.2006 —
In einer großen Studie haben deutsche Forscher nachweisen können, dass es sich nicht lohnt, bei Nackenschmerzen abzuwarten und zu hoffen, dass die Schmerzen vorübergehen. Stattdessen ist eine dreimonatige Akupunkturbehandlung anzuraten: sie mindert die Schmerzen und ist auch aus Kosten-Nutzen-Überlegungen sinnvoll.

Witt C et al. Acupuncture for patients with chronic neck pain Pain 2006; 125(1-2):98-106. Willich SN et al. Cost-effectiveness of acupuncture treatment in patients with chronic neck pain. Pain 2006; 125(1-2):107-113.
Depressionen durch Fettsäuren lindern
— vom 28.09.2006 —
Amerikanische Forscher haben kürzlich den Forschungsstand zur Behandlung von Depressionen mit Omega-3-Fettsäuren zusammengefasst. Ihr Urteil ist vorsichtig positiv: die Ergebnisse seien vielversprechend, für eine endgültige positive Bewertung fehlten aber insbesondere noch Studien, die die wirksamste Dosis herausfilterten.

Williams AL et al. Do essential fatty acids have a role in the treatment of depression? Journal of Affective Disorders 2006;9(1-3);117-123.
Mit Akupressur gegen die Wurzel allen Übels?
— vom 25.09.2006 —
Die Frage, ob man durch gezielte Akupressur Übelkeit vorbeugen kann, ist nicht so leicht zu beantworten. Während chinesische Forscher vermuten, dass die bisherigen Ergebnisse zur Wirksamkeit der Akupressur nach Operationen möglicherweise überoptimistisch sind, empfehlen amerikanische Wissenschaftler die Akupressur zur Vorbeugung von Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen.

Helmreich RJ, Shiao SPK, Dune LS. Meta-analysis of Acustimulation Effects on Nausea and Vomiting in Pregnant Women. Explore 2006; 2(5):412-421.
Lee A et al. Publication bias affected the estimate of postoperative nausea in an acupoint stimulation systematic review. J Clin Epidem 2006;59(9):980-983.
Granatapfel für Männer
— vom 20.09.2006 —
Die Erkenntnis ist noch schwach und auch nicht bestätigt, aber es gibt jetzt erste Hinweise, dass ein Saft aus Granatäpfeln den Verlauf eines Prostatakrebses verlangsamen kann. Amerikanische Forscher behandelten jetzt 7 Patienten mit etwa einem Viertel Liter Granatapfelsaft täglich und beobachteten ein deutlich verzögertes Ansteigen des Tumormarkers PSA.

Pantuck AJ et al. Phase II study of pomegranate juice for men with rising prostate-specific antigen following surgery or radiation for prostate cancer. Clin Cancer Res 2006;12:4018-26.
Geistig rege auch ohne Vitamine
— vom 14.09.2006 —
Neuseeländische Forscher haben keinen Beleg dafür gefunden, dass die tägliche Gabe von Vitaminen (B6, B12 und Folsäure) helfen kann, die geistigen (kognitiven) Fähigkeiten von alten Menschen länger als üblich zu erhalten. Dieser Befund wird von niederländischen Forschern bestätigt.

McMahon JA et al. A controlled trial of homocysteine lowering and cognitive performance.N Engl J Med 2006;354(26):2764-72.
Eussen SJ et al. Effect of oral vitamin B-12 with or without folic acid on cognitive function in older people with mild vitamin B-12 deficiency: a randomized, placebo-controlled trial. Am J Clin Nutr 2006;84(2):361-70.
Doch wieder Sonnenbaden?
— vom 05.09.2006 —
Sonnenbaden ist in den letzten Jahren immer wieder verdammt worden, vor allem weil das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, mit jedem Sonnenbad steigt. In einer Neuanalyse bisheriger Studien haben holländische Forscher jetzt aber gezeigt, dass viel Sonnenlicht bei anderen Krebsarten (Prostata-, Brust-, Gebärmutter- und Darmkrebs) eher vorbeugend wirkt. Vorsichtiges Sonnenbaden (ohne Sonnenbrand) scheint also nicht nur angenehm, sondern auch gesundheitsfördernd zu sein.

Quelle: van der Rhee HJ, de Vries E, Coebergh JWW. Does sunlight prevent cancer? A systematic review. Eur J Cancer 2006; 42(14): 2222-2232.
Vitamin K festigt die Knochen
— vom 01.09.2006 —
Osteoporosepatienten leiden oft an einem Vitamin K-Mangel. Englische Forscher haben nun bestätigt, dass eine tägliche (sehr hohe) Gabe von Vitamin K(2) die Knochendichte erhöhen und das Risiko von Knochenbrüchen verringern kann.

Quelle: Cockayne S et al. Vitamin K and the prevention of fractures: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Arch Intern Med 2006;166(12):1256-61.
Bier und Wein - sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel
— vom 30.08.2006 —
Nachdem in den letzten Jahrzehnten mehrfach bestätigt worden ist, dass Rotwein (ein Gläschen täglich) vor Herzinfarkten bewahren kann, rückt nun das Bier in den Mittelpunkt der Forschung. Untersucht wird die Hypothese, ob die im Bier enthaltenen Hopfenextrakte vor Prostatakrebs schützen können. Erste Daten hierzu sind ermutigend.

Quelle: Colgate EC et al. Xanthohumol, a prenylflavonoid derived from hops induces apoptosis and inhibits NF-kappaB activation in prostate epithelial cells. Cancer Lett 2006. [Epub]
Tabak ist schädlich - egal in welcher Form
— vom 25.08.2006 —
Dass Raucher ein erhöhtes Risiko tragen, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist seit langem bekannt. Kanadische Forscher haben jetzt ein weit verbreitetes Vorurteil auf diesem Gebiet ausgeräumt: Das Risiko eines Herzinfarktes trägt jeder, der Tabak genießt, egal ob als Zigarette oder Zigarre, als Kautabak oder mit einer Wasserpfeife.

Quelle: Teo KK et al. Tobacco use and risk of myocardial infarction in 52 countries in the INTERHEART study: a case-control study. Lancet. 2006;368(9536):647-58.
Zimt und Zucker
— vom 22.08.2006 —
Deutsche Forscher weisen darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme eines wässrigen Zimtextrakts helfen kann, den Blutzuckerspiegel bei Zuckerkranken (Altersdiabetes) zu senken. Sie widersprechen dabei holländischen Forschern, denen ein entsprechender Nachweis nicht gelungen war. Daher ist derzeit auch unklar, ob jeder Zimtextrakt bei Diabetes hilfreich ist, oder ob spezielle Extrakte wirksamer sind als andere.

Mang B et al., Effects of a cinnamon extract on plasma glucose, HbA1c, and serum lipids in diabetes mellitus type 2. Eur J Clin Invest 2006. 36: 340-344.
Vanschoonbeek K et al., Cinnamon supplementation does not improve glycemic control in postmenopausal type 2 diabetes patients. J Nutr. 2006; 136:977-980.
Schokolade weitet die Gefäße
— vom 16.08.2006 —
Amerikanische und deutsche Forscher haben die Schokolade ins Visier ihrer Forschungen genommen. Sie konnten zeigen, dass der Verzehr von Kakaoprodukten die Gefäßfunktionen positiv beeinflusst und z.B. die Durchblutung des Gehirns verstärkt. Die Schokolade muss reich an sog. Flavanolen sein. Die Effekte sind besonders bei älteren Menschen zu beobachten, auch Raucher profitieren.

Quelle: Fisher ND, Hollenberg NK. Aging and vascular responses to flavanol-rich cocoa. Hypertens 2006;24(8):1575-1580.
Heiss C et al. Acute consumption of flavanol-rich cocoa and the reversal of endothelial dysfunction in smokers. J Am Coll Cardiol 2005;46(7):1276-83.
Mit Achtsamkeit gegen Stress
— vom 08.08.2006 —
Chronisch Kranke und stressgeplagte Mitbürger können ihre Lebensqualität und Gesundheit verbessern, indem sie eine besondere Form der Meditation betreiben, die sog. Achtsamkeitsmeditation. Wie norwegische Forscher berichten, hilft bereits ein achtwöchiger Kurs.

Quelle: de Vibe M, Moum T. [Training in mindfulness for patients with stress and chronic illness]. Tidsskr Nor Laegeforen 2006;126(15):1898-902.

   
       
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