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In den «Notizen aus der Wissenschaft» fassen wir die zentralen
Aussagen aktueller Studien aus dem gesamten Spektrum der Komplemetärmedizin kurz, allgemeinverständlich und kompakt
für Sie zusammen.
Bitte beachten Sie: Eine Weiterverarbeitung der Artikel ist erlaubt, wenn auf die Quelle verwiesen wird.
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Sauerstofftherapie hilft Patienten mit Cluster-Kopfschmerz vom 23.02.2010 |
| Schon in den Leitlinien der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie wird die Sauerstofftherapie zur
Behandlung des Clusterkopfschmerzes, einer besonders qualvollen
Art von Kopfschmerz, empfohlen (Leitlinien
der DGN 2008). Nun wurde eine Studie (Cohen
et al., JAMA 2009; 302(22): 2451-2457) veröffentlicht, die
mit ihren Erkenntnissen diese Empfehlung unterstützt. Bei der
Sauerstofftherapie handelt es sich um die Aufnahme von reinem
Sauerstoff via Atemmasken über die Atemwege, die gern auch mit
anderen Verfahren kombiniert wird. Die Probanden der Studie
atmeten, sobald sie bemerkten, dass eine Kopfschmerzattacke
begann, für 15 Minuten Sauerstoff oder normale Atemluft über
eine Atemmaske ein, und zwar für insgesamt 4 Kopfschmerzattacken
in Folge. In punkto Schmerzfreiheit war die Sauerstoff-Behandlung
in 78% aller Fälle erfolgreich, in der Placebo-Gruppe liegt
die Erfolgsquote nur bei 20%. |
Pfefferminztee: Senkt er wirklich den Androgenspiegel beim Polyzystischen Ovarialsyndrom? vom 23.02.2010 |
| Das Polyzystische Ovarialsyndrom
führt zu einer vermehrten Produktion von männlichen Sexualhormonen
(Androgenen) im Körper der Frau - eine dementsprechend maskuline
Körperbehaarung (Hirsutismus) ist die Folge. In einer vergleichenden
randomisierten Doppelcenter-Studie aus Großbritannien (Grant
et al., Phytother Res 2010; 24(2): 186-188) wurde der Effekt
von Tee aus der Pfefferminze (Mentha Spicata Labiatae) auf den
Androgen-Spiegel von an Polyzystischem Ovarialsyndrom erkrankten
Frauen getestet. Insgesamt 42 Probandinnen tranken nach dem
Zufallsprinzip über einen Zeitraum von 30 Tagen zweimal am Tag
entweder Pfefferminztee oder aber einen Placebo-Kräutertee.
Obwohl ein Rückgang des Androgen-Spiegels beobachtet werden
konnte (allerdings zu gleichen Teilen in der Verum- und in der
Placebo-Gruppe), wirkte sich dies nicht auf den Grad der Körperbehaarung
aus. Die Autoren erklären dies mit der zu kurzen Dauer der Studie,
in der die Zeit für beobachtbare Effekte hinsichtlich des Haarwuchses
zu kurz sei, und raten zur Durchführung von Studien mit einer
längeren Beobachtungszeit. |
Lavendel vertreibt Angst vom 23.02.2010 |
Patienten mit generalsierten Angststörungen können statt der
Standardsubstanz Lorazepam (Tavor®) auch ein standardisiertes
Lavendelöl verwenden, um ihre Krankheit in den Griff zu kriegen.
Das berichten deutsche Forscher der W. Schwabe AG, die das Medikament
Silexan® herstellt (Woelk
et al. Phytomedicine 2010).
In der randomisierten doppelblinden Therapiestudie erhielten 77 Patienten über 6 Wochen entweder täglich 1×1 Kapsel Lavendelöl oder Lorazepam (wobei die Lavendelöl-Gruppe noch ein Lorazepam-Placebo und die Lorazepam-Gruppe ein Lavendelöl-Placebo erhielt). In beiden Gruppen verringerte sich die Krankheit nahezu identisch, nach Behandlungsende galten 53% der Lavendelöl- und 41% der Lorazepam-Patienten als Therapieresponder.
In diesen «Notizen aus der Wissenschaft» finden Sie zahlreiche weitere Artikel zum Thema Angst. Sie können die Seite mit [Strg + F] durchsuchen. Geben Sie dann den gewünschten Suchbegriff «Angst» ein. |
Weniger Hitzewallungen durch Traubensilberkerze vom 23.02.2010 |
Frauen, die unter postmenopausalen
Beschwerden - also z.B. Hitzewallungen, Schweißausbrüche - leiden,
kann geholfen werden, und zwar durch Extrakte der Traubensilberkerze
(Cimicifuga racemosa). Diese Erkenntnis ist nicht neu, wurde
aber kürzlich in einer systematischen Übersichtsarbeit bestätigt
(Shams
et al. Altern Ther 2010). Die Forscher bewerteten insgesamt
9 randomisierte Studien mit über 1300 PatientInnen, in denen
Cimicifuga-Präparate mit einem Placebo bei Postmenopausalsyndrom
verglichen wurde, wobei solche ausgeschlossen waren, in denen
Brustkrebspatientinnen behandelt wurden. Allen Studien wurde
eine relativ hohe methodische Qualität zugebilligt. Ihre Ergebnisse
variierten aber beträchtlich: Sieben Studien zeigten zum Teil
deutliche Effekte der Cimicifuga-Präparate, zwei Studien konnten
keinen Vorteil erkennen. Insgesamt, so schätzen die Forscher,
kann die Beschwerderate unter Traubensilberkerze im Vergleich
mit einem Placebo um ein Viertel reduziert werden. Das ist auch
deshalb erstaunlich, weil schon die Placebogabe allein oft deutliche
Effekte aufweist.
In ihrer Methodik folgt die Arbeit internationalen Kriterien, könnte also eigentlich als beweiskräftig gelten, wenn es nicht eine Ausnahme gäbe: es wurden nur englischsprachig veröffentlichte Studien eingeschlossen. Dieses schränkt die Aussagekraft deutlich ein, da bekanntermaßen Studien mit positivem Ergebnis häufiger englisch veröffentlicht werden als solche mit negativem Ausgang.
Weitere Informationen zur Traubensilberkerze finden Sie in dem
KoKo
28.
Zum Thema Hitzewallungen während der Wechseljahre erfahren Sie
Näheres in
dem Patientenratgeber Nr. 31 «Wechseljahresbeschwerden». |
Schlamm aus dem Urmia-See wirksam bei Kniearthrose? vom 08.02.2010 |
Der im Nordwesten Irans gelegene
Urmia-See ist der zweitgrößte Salzwassersee der Erde. Sein mineral- und salzhaltiger Schlamm wurden regional schon des Öfteren
zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. In einer aktuellen
Studie (Mahboob
et al., J Altern Complement Med, 2009, 15(11): 1239-1242)
ist die Wirksamkeit nun an Patienten mit Kniearthose getestet worden.
Wegen seines unangenehmen Geruchs wurde der Schlamm in Form
einer Salbe verabreicht, die wohlriechende Düfte enthält, um
die Patienten nicht zu verschrecken. Eine Gruppe erhielt
die Salbe mit dem Schlamm, die andere eine Placebo-Salbe ohne
Schlammzusatz, wobei sich in beiden Gruppen die Patienten täglich
50 mg der Salbenzubereitungen auf beide Knie auftrugen und dort
20 Minuten einwirken ließen. Nach 30 Tagen war in der Placebo-Gruppe
nur eine Verbesserung der Gelenkfunktionalität festzustellen,
während die Patienten in der Verum-Gruppe hinsichtlich der
Schmerzintensität, de Morgensteifigkeit und der Beweglichkeit profitierten.
Es ist noch hinzuzufügen, dass der Schlamm aus dem Urmia-See
sicherlich eine charakteristische Zusammensetzung aufweist und
somit neben der angenehmen thermischen Wirkung auch eine spezifische
biochemische Wirkung entfaltet, die sich besonders in der Besserung
entzündlicher Prozesse niederschlägt. Es ist aber anzunehmen,
dass dieser Schlamm sich sicherlich kaum von therapeutisch verwendetem
Schlamm aus anderen Seen unterscheidet ein Herausstellungsmerkmal
haben die Autoren in dieser Studie jedenfalls nicht ausgearbeitet.
Zweifelhaft ist möglicherweise allerdings die Richtigkeit der
von den Autoren postulierten p-Werte, da man bei der Durchführung
einfacher t-Tests zu anderen Werten käme…
Zur weiteren Lektüre bei Interesse an Behandlungsmöglichkeiten
der Arthrose lesen Sie bitte den KoKo 60: Teufelskralle
bei Rheuma oder den KoKo spezial: Rheuma.
Innerhalb dieser «Notizen aus der Wissenschaft»
finden Sie zahlreiche weitere Beiträge zum Thema Arthrose.
Sie können über die Suchleiste auf Carstens-Stiftung.de
recherchieren oder, wenn Sie nur diese Seite durchsuchen möchten,
[Strg + F] drücken und den gewünschten Suchbegriff «Arthrose»
eingeben. |
Magneten bei Arthrose nutzlos vom 08.02.2010 |
| Es ist eine in der Komplementärmedizin
nicht selten gehörte Behauptung: Magnetfelder sind in der Lage,
Arthroseschmerzen zu lindern. Englische Forscher haben diese
These nun nicht bestätigen können (Richmond
et al. Compl Ther Med 2009). Sie baten insgesamt 45 Arthrosepatienten
(Knie, Hüfte oder Handgelenke) in einer randomisierten doppelblinden,
Cross-Over-Studie nacheinander 4 verschiedene, unterschiedlich
stark magnetisierte Armbänder über jeweils 4 Wochen zu tragen.
Nach dem jeweiligen Ende der Behandlungszeit wurden Schmerzen,
Steifheit und Funktionsfähigkeit der Gelenke abgefragt. Statistisch
signifikante Unterschiede zwischen den Armbändern konnten in
den meisten Parametern nicht nachgewiesen werden, lediglich
in der Schmerzsensibilität gab es Unterschiede. Aufgrund der
vielen gemessenen Zielgrößen wurde das aber als Zufallsabweichung
und nicht als tatsächlicher Effekt gewertet. |
Hagebutte hilft bei Rheuma ein bisschen vom 08.02.2010 |
| Standardisierte Hagebuttenextrakte
sind in der Lage, die Krankheitsaktivität einer rheumatoiden
Arthritis zu senken und Einschränkungen im täglichen Leben zu
mindern. Dieses haben deutsche und dänische Wissenschaftler
in einer randomisierten, placebo-kontrollierten Doppelblindstudie
an 89 Patienten gezeigt (Willich
et al. Phytomedicine 2010). Die Patienten erhielten täglich
2×5 Kapseln eines in Dänemark erhältlichen Präparats (Litozin/i-flex)
oder ein Placebo über einen Zeitraum von 6 Monaten. Obwohl statistisch
signifikant, waren die Gruppenunterschiede allerdings relativ
klein, so dass die klinische Relevanz der Effekte fraglich ist.
Zumal sich bei den Schmerzen leider kein Effekt nachweisen ließ. |
Ist Ingwer in der Schwangerschaft gefährlich? vom 08.02.2010 |
| Ingwer ist ein potentes Mittel,
um Übelkeit und Erbrechen zu bekämpfen, z.B. nach Operationen
oder in der Schwangerschaft. Finnische Behörden haben jetzt
aber vor der Einnahme von Ingwertees oder ingwerhaltigen Medikamenten
während der Schwangerschaft gewarnt, weil in-vitro Daten darauf
hinweisen, dass einige Inhaltsstoffe toxisch sein könnten. Natural
Medicines, eine wissenschaftsorientierte Datenbank zur Komplementärmedizin,
rät Schwangeren, nicht mehr als 1 Gramm Ingwer täglich zu konsumieren
und evtl. auf Vitamin B6 auszuweichen. |
Moxibustion dreht keine Embryos vom 08.02.2010 |
Es gehört eigentlich zum Standardrepertoire
einer jeden Hebamme: Falls sich das ungeborene Kind kurz vor
dem errechneten Geburtstermin in einer Beckenendlage befindet,
so kann man es durch Moxibustion noch drehen und so eine “normale”
Geburt herbeiführen. Schweizer Forscher haben dieses “Wissen”
nun infrage gestellt (Guittier
et al. Obstet Gynecol 2009). In einer randomisierten Therapiestudie
behandelten sie 212 Frauen der 34. bis 36. Schwangerschaftswoche
entweder zweimal täglich über zwei Wochen mit einer Moxibustion
am Akupunkturpunkt BL67 oder einer Routinebehandlung. Tatsächlich
drehten sich nach der Moxibustion 18% aller Kinder noch vor
der Geburt, in der Kontrollgruppe waren es mit 16% allerdings
nur geringfügig weniger. Die Zahl der Kaiserschnitte war in
der Moxibusitionsgruppe sogar höher als in der Verlgeichsgruppe.
Die Carstens-Stiftung hat verschiedene Projekte im Bereich TCM/Akupunktur
gefördert. Eine Übersicht und Details zu den Studienergebnissen
finden Sie hier. |
Seekieferborken-Extrakt lindert Hämorrhoidenleiden vom 08.02.2010 |
| Akuten Beschwerden, die mit der
Volkskrankheit Hämorrhoiden einhergehen, wie z.B. Blutungen
und Schmerzen im Dammbereich, soll laut einer aktuellen Studie
(Belcaro
et al., Phytother Res, doi: 10.1002/ptr.3021) mit Hilfe
eines Extrakts aus der Borke der an der Atlantikküste Frankreichs
beheimateten Seekiefer (Pinus maritima) mit dem Namen Pycnogenol
der Garaus gemacht werden. In der randomisierten Studie (Patientenzahl
= 84) profitierten die Patienten, die den Seekieferborken-Extrakt
entweder innerlich (in Tablettenform) bzw. innerlich plus äußerlich
(in Salbenform) anwenden mussten, deutlich gegenüber den Patienten
der Placebo-Gruppe, die im Gegensatz zu der Verum-Gruppe in
der zwei Wochen andauernden Nachbeobachtungszeit noch Blutungen
aufwiesen. Die Schmerzen ließen sich am besten durch die Kombination
Tabletten und Salbe lindern. |
Hibiskus senkt den Blutdruck
vom 08.02.2010 |
Es gibt keine wissenschaftlich
zuverlässigen Daten, die be- oder widerlegen könnten, dass Extrakte
aus Hibiskus sabdariffa (Roselle, Afrikanische Malve) Blutdruck
senkend wirken. Das haben arabische Wissenschaftler aus einer
Übersichtsarbeit über 4 randomisierte Therapiestudien geschlossen
(Wahabi
et al. Phytomedicine 2010).
Zwei dieser Studien konnten zeigen, dass die Wirkungen der Hibiskusextrakte
über die eines schwarzen Tees hinausgehen, zwei andere befanden,
dass die Blutdrucksenkung geringer ausfalle als bei konventioneller
Standardmedikation. Alle Studien litten allerdings unter zum
Teil gravierenden Mängeln, so dass diese Ergebnisse als nicht
zuverlässig eingestuft wurden. Hinzu kommt, dass in den Einzelstudien
jeweils völlig unterschiedliche Konzentrationen, Dosierungen
und Zubereitungen verwendet wurden.
Zu dem Themenkomplex Bluthochdruck finden Sie wertvolle Informationen
in dem Kompass Komplementärmedizin (KoKo
16: Bluthochdruck). |
Cystus-Extrakt vs. Grüntee: Was hilft besser bei Infektionen der oberen Atemwege?
vom 01.02.2010 |
War bislang der grüne Tee für seinen
hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen wie z.B.
Polyphenolen bekannt, so bekommt er nun Konkurrenz durch das
(wiederentdeckte) Kraut Cystus incanus (Zistrose). In einer
aktuellen Studie (Kalus
et al., Phytother Res 24 (2010): 96-100) wurde der Effekt
beider Kräuter - Cystus-Extrakt gegen Grüntee-Aufguss - bei
277 Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege miteinander
verglichen. Die Patienten, die Cystuskrautextrakt in Form von
CYSTUS 052 einnahmen, profitierten deutlich gegenüber der Grüntee-Gruppe
bzgl. der Besserung ihrer Beschwerden und der Gesamtlänge der
Erkrankung. Die Autoren vermuten hinter diesem Phänomen Unterschiede
in Konzentration und Zusammensetzung der aktiven phenolischen
Komponenten in beiden Auszügen. Eine klare Aussage ließe sich
aber nur nach weiteren Studien dieser Art machen, so die Autoren.
Der Kompass Komplementärmedizin (KoKo,
Nr. 62) widmet sich zur Gänze dem Thema Zistrose. |
Polyphenole aus dem Granatapfel sind antiviral
vom 28.01.2010 |
| Polyphenolgemische, zum Beispiel
Extrakte aus Zistrose oder grünem Tee, könnten sich zu einer
echten naturheilkundlichen Alternative bei Viruserkrankungen
entwickeln. Amerikanische Forscher haben nun auch bei einem
polyphenolhaltigem Extrakt aus Granatäpfeln antivirale Effekte
gefunden (Haidari
et al. Phytomedicine 2009): In verschiedenen Labormodellen
hemmen diese die Virusreplikation von Influenza-A-Viren und
könnten können sogar die Wirkungen von Tamiflu (R) verstärken.
Als für die Wirkung hauptverantwortlich wurde das Polyphenol
Punicalagin identifiziert. |
Beugt grüner Tee Mundkrebs vor?
vom 22.12.2009 |
Das Risiko auf einen bösartigen
Tumor im Mundraum sinkt deutlich mit der getrunkenen Menge an
grünem Tee. Das berichten amerikanische Forscher (Tsao
et al. Cancer Prev Res 2009), die 39 Hochrisikopatienten
in einer randomisierten Studie über 12 Wochen drei verschiedene
Dosierungen eines Grünteeextrakts oder Placebo gegeben hatten.
Es zeigte sich ein klarer Dosis-Wirkungseffekt, so dass bei
mehr als 50% aller Patienten, die die höchsten Dosierungen einnahmen,
positive Ergebnisse gefunden wurden, unter Placebo aber nur
bei unter 20%. Gemessen wurde allerdings nur die Veränderung
bestimmter Biomarker und nicht das tatsächliche Auftreten von
Tumoren.
Auf der Homepage
unseres Fördervereins finden Sie in der Rubrik «Naturheilkunde
auf dem Prüfstand» den Artikel: Prävention mit grünem Tee. |
Mittelmeerdiät schützt vor Depressionen
vom 22.12.2009 |
Wer sich eng an die Gewohnheiten
einer mediterranen Ernährung hält, trägt ein deutlich reduziertes
Risiko, an einer Depression zu erkranken. Dieses berichten spanische
Forscher aus einer Kohortenstudie an über 10.000 zunächst gesunden
Probanden, die mittlerweile bis zu 10 Jahre beobachtet wurden
(Sanchez-Villegeas
et al. Arch Gen Psychiatry 2009). Im Vergleich zu Probanden,
die den entsprechenden Ernährungsempfehlungen nicht folgen,
haben Probanden, die sich in aller Regel mediterran ernähren,
nur ein etwa halb so großes Risiko, eine Depression zu entwickeln.
Bei Probanden, die sich nicht ganz so strikt an die Regeln halten,
ist das Risiko immer noch um ein Viertel bis ein Drittel erniedrigt.
Zu diesem Thema ist ein Kompass Komplementärmedizin (KoKo,
Nr. 15) erschienen.
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Yoga verbessert die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen
vom 22.12.2009 |
Frauen mit Mammakarzinom erhöhen
ihre Lebensqualität, wenn sie zusätzlich zu ihrer Bestrahlungstherapie
Yogastunden bekommen. Das schließen indische Forscher aus einer
randomisierten Studie mit 88 Brutskrebspatientinnen, von denen
die Hälfte über 6 Wochen mindestens dreimal wöchentlich eine
Yoga-Therapie bekamen (Vadiraja
et al. Complem Ther Med 2009). Die Pateintinnen der Kontrollgruppe
erhielten dagegen nur wenige allgemeine Beratungsgespräche.
Nach 6 Wochen erzielten die Yoga-Patientinnen in fast allen
Parametern der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der emotionalen
Affektivität bessere Werte.
Getrübt werden diese Ergebnisse nur durch die etwas schlampige Berichterstattung in dem Artikel: es wird nicht ganz klar, wie viele Patientinnen eigentlich eingeschlossen wurden und ob sich alle berichteten Effekte tatsächlich auf den Vergleich zwischen beiden Behandlungsgruppen und nicht auf Veränderungen innerhalb der Yoga-Gruppe beziehen.
Mehr zum Thema Krebsbehandlung finden Sie in dem Tageber aus
dem KVC Verlag: Was
tun bei Nebenwirkungen einer Krebstherapie.
Mehr zum Thema Yoga finden Sie in der Ratgeberreihe Kompass
Komplementärmedizin (KoKo
Nr. 38) unseres Fördervereins Natur und Medizin. |
Schokolade oder Wasser? Beide sind erfolgreiche Analgetika!
vom 22.12.2009 |
| Eigentlich haben wir es schon immer
gewusst: Schokolade kann nur gut sein, nicht nur für die Seele,
sondern auch, wie ein aktuelles Laborexperiment mit Ratten nun
zeigt, um die Schmerzwahrnehmung positiv zu verändern (Foo
2009, J Neuroscience, 29(41); 13053-13062). Überraschend
war aber auch die Erkenntnis, dass Wasser den gleichen Effekt
hat. Im Rahmen des Experiments wurden Ratten in einem Käfig,
während sie mit dem Verzehr von Schokolade, einer Zuckerlösung
oder Wasser beschäftigt waren, mit einem sich erhitzenden Käfigboden
unter ihren Füßen konfrontiert. Es zeigte sich, dass die Tiere,
die die Schokolade oder das Wasser verzehrten, eine verzögerte
Schmerzreaktion zeigten, gleich, ob sie hungrig oder satt waren.
Die Forscher nehmen an, dass dieser Mechanismus in der Tierwelt
den Sinn hat, die Aufnahme von Nahrung möglichst ungestört ablaufen
zu lassen, um genügend Energie aufnehmen zu können. Heutzutage
ist diese inhibitorische Funktion bezüglich des Schmerzempfindens
in Verbindung mit köstlichem Essen allerdings ein zweischneidiges
Schwert: Zum einen erklärt sie das Unvermögen, mit dem Essen
aufzuhören, wenn es mal besonders gut schmeckt, zum anderen
dürfte diese ja unfreiwillige Maßlosikeit in heutigen Zeiten
eher auf die Hüften gehen, anstatt uns vor dem Hungertod zu
retten. Unklar bleibt, ob diese Ergebnisse auf den
Menschen übertragbar sind. |
Mit Tai-Chi gegen den Schmerz im Knie
vom 15.12.2009 |
Gerade übergewichtige Arthrose-Patienten
haben Probleme, starken Gelenkschmerzen vorzubeugen und somit
die Beweglichkeit ihrer Gelenke zu erhalten. Bostoner Forscher
untersuchten nun in einer randomisierten Studie (Wang
2009, Arthr Care Res, DOI 10.02/art.24832), inwiefern meditative
Bewegungstherapien wie die chinesische Form des Schattenboxens
Tai-Chi für Patienten mit Knie-Arthrose von Vorteil sein könnten.
Nach 12-wöchigem Training unter Anleitung, an dem die Probanden
zweimal wöchentlich teilnahmen, konnte eine signifikante Besserung
von 2,15cm, gemessen auf der VAS, gegenüber der Kontrollgruppe,
die lediglich Ratschläge für eine gesündere Lebensweise sowie
Diätberatung erhielten, festgestellt werden. Die Forscher konstatieren,
dass Tai-Chi Knie-Arthrose-Betroffenen zur Schmerzlinderung
und somit zu verbesserter Beweglichkeit, erhöhter Lebensqualität
und weniger depressiven Verstimmungen verhelfen kann.
Weitere Informationen zur Behandlung von Arthrose finden Sie
im KoKo
33 Blutegel sowie im KoKo
60 Teuefelskralle. |
Opiumentzug mit Johanniskraut
vom 15.12.2009 |
Opiumabhängige Ratten entwickeln
weniger Entzugssymptome, wenn sie mit Hypericum perforatum (Johanniskraut)
behandelt werden (Feily
et al. Phythother Res 2009). Geringe Dosierungen (0,4ml
je 200g Körpergewicht) von Johanniskraut waren dabei einer Standardbehandlung
mit Clonidin unterlegen, hohen Dosen (1,2ml) aber überlegen.
Sie finden auf dieser Seite zahlreiche weitere Artikel zu dem Thema Johanniskraut. Suchtipp: Steuerung + F drücken und das Browserfenster nach «Johanniskraut» durchsuchen lassen. |
Muschelproteine unterstützen Chemotherapie
vom 15.12.2009 |
Haishengsu, ein proteinreicher
Extrakt aus der Malayischen Herzmuschel, hat sich in zwei randomisierten
Pilotstudien derselben chinesischen Arbeitsgruppe als vielversprechende
Krebsbehandlung erwiesen. Wenn Haishengsu zusätzlich zu einer
konventionellen Chemotherapie gegeben wurde, dann stieg die
Erfolgsrate dieser Chemotherapie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem
Lungenkarzinom von 39% auf 62% an (Li
et al. Complement Ther Med 2009). Ähnliche Ergebnisse fanden
sich bei fortgeschrittenem Nierenkarzinom: hier betrugen die
Erfolgsraten unter Haishengsu 52%, in der Kontrollgruppe aber
nur 21% (Liu
et al. j Altern Complement Med 2009).
Insgesamt allerdings ist der Pilotcharakter der Studien zu betonen.
Denn beide wurden mit relativ wenigen Patienten durchgeführt.
Auch lassen die vorliegenden Artikel aus wissenschaftlicher
Sicht noch viele Fragen ungeklärt, z.B., ob eventuell zusätzliche
Interventionen vorgenommen wurden, oder ob die erhobenen Zielparameter
mit der notwendigen Genauigkeit und Unvoreingenommenheit erhoben
wurden.
Zur Buchempfehlung
aus dem KVC-Verlag: Was tun bei Nebenwirkungen einer Krebstherapie. |
Störfelder in neuem Gewand
vom 15.12.2009 |
| Die Universtität Halle-Wittenberg
hat eine Studie begonnen, die einen Zusammenhang zwischen Zahn-
und Herzerkrankungen nachweisen will (zur
Pressemitteilung). Gesucht wird zwar vor allem nach chronischen
Infektionen im Mundraum und Zahnhalteapparat und nicht nach
Narben, Plomben oder gezogenen Nerven, dennoch drängt sich natürlich
eine Assoziation auf: Hier kommt die alte naturheilkundliche
Hypothese der Störfelder ins Spiel und erscheint in neuem Gewand.
Die Ergebnisse der Studie werden erst in ein paar Jahren erwartet,
da 1000 herzkranke Patienten eingeschlossen und über zwei Jahre
nachverfolgt werden sollen. |
Potenzierte Substanzen strahlen anders
vom 15.12.2009 |
Schweizer Forscher haben in einem
randomisierten, verblindeten Experiment gezeigt, dass mittlere
Potenzen (C11 bis C30) von Kupfersulfat weniger UV-Licht abstrahlen
als entsprechende Verdünnungen, die in einem einzigen Schritt
erstellt und nicht verschüttelt wurden (Wolf
et al. eCAM 2009). Für Siliziumoxid (C11-C30) und Sulfur
(D11-D30) waren die Ergebnisse ähnlich, erreichten aber nicht
die statistische Signifikanzgrenze. Der mittlere Effekt war
allerdings sehr klein: bei CuSO4 wurde durchschnittlich 0,0544%
weniger Licht emittiert als in der Kontrolle. Zudem wurde unter
den potenzierten Substanzen eine deutlich erhöhte Variabilität
der Messwerte festgestellt.
Solche Experimente sagen natürlich nichts über die Wirksamkeit
einer potenzierten Substanz aus (und schon gar nicht einer homöopathischen
Arznei). Sie können aber Ideen dazu liefern, wie homöopathische
Arzneien grundsätzlich wirken könnten, also den Wirkmechanismus
aufklären. Außerdem helfen sie bei der Beantwortung der Frage,
ob hochverdünnte, potenzierte Substanzen beschreibbare Eigenschaften
besitzen, die sie von reinen Verdünnungen oder reinem Wasser
unterscheiden.
Ein ausführliches Werk zum Thema finden Sie in
dem Shop des KVC-Verlags: Physikalische Untersuchung homöopathischer
Hochpotenzen. |
Bei Hepatitis C: Kaffee statt Alkohol
vom 07.12.2009 |
Patienten, die unter einer fortgeschrittenen
Hepatitis C leiden, sollten vermehrt Kaffee trinken. Dieses
legen Daten einer unkontrollierten Kohortenstudie an 766 Patienten
nahe (Freedman
et al. Hepatology 2009). Demnach sinkt das Risiko einer
deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands um den Faktor
0,70 bei einem Kaffeekonsum von 1-2 Tassen pro Tag. Bei drei
oder mehr Tassen beträgt das Risiko sogar nur noch 0,47, ist
also etwa halbiert.
Die Daten sind auch deshalb glaubwürdig, weil epidemiologische
Forschung gezeigt hat, dass das Risiko, ein Leberzellkarzinom
zu entwickeln, mit dem Kaffeekonsum sinkt (Bravi
et al. Hepatology 2007). |
Chinesische Giftpflanze wirksam bei rheumatoider Arthritis?
vom 07.12.2009 |
Eine hochgradig giftige Pflanze,
die sich als wirksam in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis
erweist? Zunächst klingt es nach einem schlechten Witz, aber
genau diese Feststellung wurde in einer randomisierten Studie
an Patienten mit rheumatoider Arthritis gemacht. Allerdings
sei hinzugefügt, dass die hier erprobte Pflanze, Tripterygium
wilfordii Hook F (Wilfords Dreiflügelfrucht), in geringer Dosierung
zum Einsatz kam; deshalb vorab die Warnung: Auf keinen Fall
sollte diese Pflanze verzehrt und auch nicht als Tee getrunken
werden! An der vorliegenden Studie (Goldbach-Mansky
R., Ann Intern Med 2009; 151: 229-240) nahmen 121 Probanden
teil. Diese nahmen die in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendete
Heilpflanze über einen Zeitraum von 24 Wochen dreimal täglich
als Extrakt oder aber einmal täglich das Standardmedikament
Sulfasalazin ein. Am Ende profitierten 65% der Patienten,
die den Pflanzenextrakt einnahmen, deutlich gegenüber der Sulfasalazin-Gruppe
(33%), indem sie eine Verbesserung ihrer Beschwerden um mindestens
20% erreichten. Gemessen wurde unter Verwendung der Kriterien
des American College of Rheumatology (ACR 20).
Bei Natur und Medizin finden Sie zu dem Thema Rheuma unter anderem
einen Patientenratgeber
oder auch einen KoKo-Spezial. |
Akupressur könnte Diabetesentwicklung verlangsamen
vom 07.12.2009 |
Chinesische Forscher haben in einer
randomisierten Studie an 80 Typ-2-Diabetikern nachgewiesen,
dass eine Akupressurtherapie langfristig die Progression der
Erkrankung hemmen kann (Chen
et al. J Altern Complement Med 2009). Der Aufwand hierfür
ist allerdings recht hoch: die Patienten wurden 6mal pro Woche
über jeweils 1 1/2 Stunden akupressiert, und zwar über einen
Zeitraum von 3 Jahren. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe,
die lediglich die übliche Routinebehandlung bekam, waren bei
den Akupressurpatienten sowohl die Parameter des Lipidstoffwechsels
verbessert als auch Nervenleitgeschwindigkeit erhöht.
Drei Fakten lassen den Leser allerdings stutzen: 1.) nach 3 Jahren wurden nur noch 64 Patienten ausgewertet, die Studie folgte also nicht dem intention-to-treat-Prinzip, 2.) es werden keine Ergebnisse zu den eigentlichen Diabetesparametern, etwa HbA1c, berichtet, 3.) es ist unklar, welche Begleitinterventionen die Patienten außerhalb des Protokolls erhalten haben.
Weitere Informationen finden Sie in dem KoKo Nr. 9, «Diabetische Neuropathie».
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Placebo-Schmerzverarbeitung beginnt schon im Rückenmark
vom 07.12.2009 |
Es ist seit längerem bekannt, dass
Schmerzen durchaus auch mit Placebos gut bekämpft werden können.
Die Signalverarbeitung von Placebosignalen entspricht im Großhirn
dabei weitgehend derjenigen von pharmakologisch definierten
Analgetika. Hamburger Forscher gehen nun einen Schritt weiter
und behaupten, dass die analgetische Wirkung von Placebo bereits
im Rückenmark ablesbar sei (Eippert
et al. Science 2009), also in einer extrem frühen Phase
der Schmerzverarbeitung. Dieses zeigten Auswertungen von hochauflösenden
Kernspinaufnahmen, in denen die Aktivität bestimmter Rückenmarksneuronen
deutlich gemindert sei.
Brauchen wir ein neues Placebo? Lesen Sie bitte hier
eine Stellungnahme der Carstens-Stiftung zur Placebo-Forschung.
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Senkt die weiße Maulbeere den Blutzuckerspiegel?
vom 07.12.2009 |
Die Experten der Natural
Medicine Datenbank haben ihre Bewertung der weißen Maulbeere
heraufgesetzt. Sie stufen Extrakte aus Blättern des weißen Maulbeerbaums
nun als vielversprechend (”promising”) zur Behandlung von Diabetes
ein, insbesondere zur Senkung von Blutzuckerspitzen. Allerdings mahnen sie auch weitere Forschungen zur Langzeiteffektivität und Arzneimittelsicherheit an.
Auf der Homepage unserer Fördergemeinschaft Natur und Medizin finden Sie in der Rubrik «Naturheilkunde
auf dem Prüfstand» weitere Artikel zu diesem Thema, beispielsweise "Die Behandlung koronarer Herzkrankheiten (KHK) durch Yoga-Therapie". |
Neurodermitis-Wundermittel
vom 16.11.2009 |
Vor noch nicht einmal einem Monat lief im Fernsehen eine Reportage über das Präparat Regividerm, eine aus Avocadoöl und Vitamin B12 hergestellte Creme, die bei Neurodermitis und Psoriasis wahre Wunder bewirken soll. Von der Pharmaindustrie wurde sie aber aus kommerziellem Interesse zurückgehalten. Das Arzneitelegramm (11/09) warnt nun: derzeit lägen lediglich drei randomisierte Studien mittlerer Qualität mit geringen Fallzahlen vor. Weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit seien damit belegt. Zudem erscheine die Vermarktung der Creme als Medizinprodukt unzulässig, da eindeutig ein pharmakologischer Wirkmechanismus angenommen werden müsse.
Weitere Informationen zu therapie von Neurodermitits entnehmen Sie bitte dem KoKo Nr. 17, «Neurodermitis
bei Kindern» sowie dem KoKo Nr. 48, «Psoriasis - Schuppenflechte». |
Echinacea kann Männern helfen
vom 16.11.2009 |
Echinacea-Extrakte werden vor allem
bei Erkältungen eingesetzt, hier ist ihre Wirksamkeit auch weitestgehend
bewiesen (Wölkart
et al. Planta Med 2008). Litauische Forscher sind nun weiteren
Wirkungen des Sonnenhuts auf der Spur. Im Rattenmodell konnten
sie zeigen, dass Echinacea-Extrakte die Entwicklung einer benignen
Prostatahyperplasie verhindern (Skaudickas
et al. Phytother Res 2009).
Weitere Informationen lesen Sie bitte nach in dem KoKo Nr. 27, «Prostata». |
Rizinusöl führt auch Schmerzen ab
vom 16.11.2009 |
Wer über 4 Wochen dreimal täglich
eine Kapsel Rizinusöl (0,9 ml) einnimmt, kann seine Gonarthrose-Schmerzen
genauso gut lindern wie mit Diclofenac (50mg). Das zeigt eine
indische Studie an 100 Patienten, von denen jeweils die Hälfte
randomisiert eine der beiden Therapien erhielt (Medhi
et al. Phytother Res 2009).
Die Arthrose des Kniegelenks scheint grundsätzlich eine Indikation
zu sein, die auf verschiedene komplementärmedizinische Schmerztherapien
gut anspricht, unter anderem auf Akupunktur (Witt
et al. Lancet 2005), Elektroakupunktur (Ahsin
et al. Pain 2009), Teufelskralle (Vlachojannis
et al. Phytother Res 2008) oder auch Blutegel (Michalsen
et al. Ann Int Medicine 2003).
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Berichterstattung
über unser Förderprojekt «Traditionelle
Heilverfahren bei Gelenkarthrosen und chronifizierten Schmerzsyndromen
- Ausleitende Verfahren in der klinischen Medizin: Evaluation
der Wirksamkeit». |
Verblüffende Effekte der Elektroakupunktur bei Kniegelenksarthrose
vom 16.11.2009 |
Die Schmerzen einer Kniegelenksarthrose
lassen sich äußerst effektiv mit einer Elektroakupunkturbehandlung
lindern. Dieses folgern pakistanische Forscher aus den Ergebnissen
einer kontrollierten Studie an 84 randomisierten Patienten,
die entweder eine 10-tägige Elektroakupunkturbehandlung an definierten
Akupunkturpunkten des Knies oder eine Sham-Akupunktur bekamen
(Ahsin
et al. Pain 2009). Demnach verbesserten sich ausnahmslos
alle Elektroakupunkturpatienten, wobei die Schmerzen im Median
um 75% zurückgingen. Die Schmerzreduktion ging mit einem Anstieg
der ß-Endorphin- und einem Abfall der Cortisol-Konzentration
einher. In der Kontrollgruppe waren nahezu keine Effekte erkennbar.
Wirklich glaubhaft sind die Ergebnisse aber nicht, was an einer Reihe von Unklarheiten, Ungereimtheiten und Fehlern der Autoren liegt. Hierzu zählen u.a.: Die Studie wird zwar an einigen Textstellen als randomisiert bezeichnet, ist sie aber gemäß Methodik-Teil nicht; es wurden extrem viele Patienten aus der Auswertung ausgeschlossen; die berichteten Patientenzahlen sind widersprüchlich, ebenso die Ergebnisse (der Anstieg der ß-Endorphine wird z.B. mit 1,7%, 70% und 170% angegeben); die Schmerzen zu Baseline waren wesentlich höher als bei vergleichbaren Studien (z.B. mit Akupunktur oder Blutegeln); Angaben zu konventionellen Begleitmedikation fehlen völlig. |
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Erhöhtes Diabetes-Risiko durch Vitaminpräparate
vom 16.11.2009 |
Wie bereits in früheren Beiträgen
(Vitaminpillen in den Müll?
und Vitamine - die Enttäuschungen reißen nicht ab) nachzulesen
ist, verfehlen die Vitamine in Pillenform immer mehr ihr Ziel,
durch ihre Einnahme Schutz vor Erkrankungen zu gewähren. Im
Gegenteil, die Einnahme unter bestimmten Bedingungen erhöht
sogar das Risiko, an bestimmten Leiden zu erkranken, so eine
aktuelle Studie (Ristow
M et al., Proc Natl Acad Sci 2009; 106(21): 8665–8670) der
Universität Jena. Die Ernährungswissenschaftler untersuchten
die Auswirkung der Einnahme von Vitamin E- und Vitamin C-Präparaten
auf Männer, die ein tägliches Bewegungstraining an 5 Tagen pro
Woche über 4 Wochen absolvierten, welches den Zuckerstoffwechsel
positiv beeinflussen soll und somit vor Diabetes schützen kann.
Leider wurden die Erwartungen der Wissenschaftler sogar widerlegt,
denn die Probanden, die zusätzlich zum Training die Vitaminsupplemente
nahmen, entwickelten eine geringere Insulinsensivität, was möglicherweise
das Risiko, an Diabetes zu erkranken erhöht, zumal die Einnahme
der Vitaminpräparate sich auf die günstigen Wirkungen des Trainings
eher negativ auswirkte.
Weitere Informationen über den (Un)sinn
von Vitaminpräparaten kann man im
KoKo 58, «Vitaminüberdosierung» nachlesen. |
Olivenöl als Mittel gegen Alzheimer?
vom 05.11.2009 |
Olivenöl ist ein wahres Universaltalent:
Die in hochwertigem Olivenöl enthaltenen Substanzen weisen wohl
nicht nur cholesterin- und blutdrucksenkende Eigenschaften sowie
eine krebsvorbeugende Wirkung auf. Einer der Inhaltsstoffe des
Olivenöls, das sogenannte Oleocanthal, soll laut einer aktuellen
Studie (Pitt
J et al., Toxicol Appl Pharmacol 2009; 240: 189-197) sogar
den Prozess der Alzheimer-Erkrankung aufhalten. Wie die Wissenschaftler
in dem Laborversuch feststellten, zeigte Oleocanthal gleich
zweifache positive Wirkung: Die Substanz verändert zum einen
jene Proteinfragmente, die für den Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung
verantwortlich sind, so dass sie nicht mehr an Kontaktstellen
zwischen den Nervenzellen andocken können. Zum anderen verbessert
Oleocanthal die Immunreaktion der Zellen, indem sie die alzheimerversursachenden
Molekülstrukturen besser aufspürt, so dass diese dann von Antikörpern
beseitigt werden können.
Weitere Experimente
und Studien stehen allerdings noch aus, um dieses Ergebnis zu
bestätigen. |
Komplementär oder alternativ? Egal!
vom 05.11.2009 |
| Australische Forscher haben in
einer Fragebogenaktion untersucht, ob es einen Unterschied macht,
von Komplementär- oder Alternativmedizin zu sprechen (Wilkinson.
J Compl Integr Med 2009). Ihr (beruhigendes) Ergebnis: es
macht keinen Unterschied, die Angaben zum Gebrauch von und zur
Einstellung zu CAM sind unabhängig von der Wortwahl. |
Homöopathisch orientierte Eltern impfen ihre Kinder später gegen Masern
vom 12.10.2009 |
Nur etwa die Hälfte aller Kinder
in Deutschland erhält die Masernimpfung bis zum empfohlenen
Impfalter von 15 Monaten. Das berichten Epidemiologen von der
LMU München (Schönberger
et al. Bundesgesundheitsblatt 2009) anhand einer Kohorte
von über 2000 Kindern. Folgende Faktoren führen demnach dazu,
dass die Kindern verspätet oder gar nicht geimpft werden: die
generelle Einschätzung der Eltern, dass die Masernimpfung unwichtig
sei, Zweit- oder später Geborene, Alter des Vaters über 33 oder
unter 28, sowie Eltern, die vor allem Rat bei einem Heilpraktiker,
Naturheilkundler oder Homöopathen suchen.
Diese Daten passen zu denen von P. Lehrke, der gefördert
von der Carstens-Stiftung in seiner
Dissertation zeigen konnte, dass homöopathische Ärzte zwar
nicht generell impfkritischer sind als konventionelle, bei einzelnen
Imfpungen aber doch deutlich zurückhaltender sind, unter anderem
bei der Masernimpfung. Leider sind diese Erkenntnisse schon
mehr als 10 Jahre alt. Neue Daten sind aber zu erwarten, und
zwar aus
der Dissertation von J. Schmidt, die ebenfalls von der Carstens-Stiftung
gefördert wurde.
Lesen Sie zu diesem Thema bitte auch den Patientenratgeber Nr.
16: «Impfen
im Kindes- und Erwachsenenalter». |
Zum Schlaf gedrückt
vom 12.10.2009 |
Akupressur ist eine wirksame Methode,
Schlafstörungen zu beheben. Dieses schließen iranische Wissenschaftler
aus einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie an 77
älteren Patienten (Reza
et al. Complem Ther Clin Pract 2009). Diese wurden in drei
Gruppen randomisiert: Die Verumgruppe erhielt über vier Wochen
dreimal die Woche eine Akupressur an 6 definierten Akupunkturpunkten,
die Sham-Akupressurgruppe wurde stattdessen an Nicht-Akupressurpunkten
behandelt, die Kontrollgruppe blieb unbehandelt. Während die
Schlafqualität in der Kontrollgruppe auf dem Anfangsniveau verharrte,
stieg sie in der Akupressurgruppe stetig und deutlich an, der
Unterschied zur Kontrollgruppe war statistisch signifikant.
In der Sham-Akupressurgruppe war ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen,
der aber etwas geringer als in der Verumgruppe ausfiel und sich
nicht signifikant von der Kontrollgruppe abhob, aber auch nicht
signifikant schlechter als in der Verumgruppe war. Es bleibt
also dabei: die Wahl der Kontrollgruppe in Akupunktur- oder
Akupressurstudien ist schwierig. Augenscheinlich hat jede Sham-Behandlung
durchaus nachweisbare Effekte, die erst bei wirklich großen
Fallzahlen von den Effekten an den “wahren” Akupunkturpunkten
getrennt werden kann.
PS: Neben dem Ergebnis hat mir auch gefallen,
dass zur Auswertung der “willkakson sign-rank test” verwendet
wurde, eine iranische Version des Wilxocon signed-rank Tests?
Hier gelangen Sie zur
Übersicht der von der Carstens-Stiftung geförderten Projekte
im Bereich Akupunktur und TCM. |
Eigenbluttherapie nicht so erfolgreich wie erhofft
vom 12.10.2009 |
| Viele Komplementärmediziner in
Deutschland schwören auf die Eigenbluttherapie zur Behandlung
von Infektionskrankheiten. Allein, wissenschaftlich gesichterte
Daten hierzu gibt es nicht. Gefördert von der Carstens-Stiftung
haben daher Forscher vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität
Frankfurt die Wirksamkeit von 3 Injektionen Eigenblut pro Woche
bei einer normalen Erkältung untersucht und im Rahmen einer
doppelblinden randomisierten Studie mit einem Placebo verglichen
(Hensler
et al. Compl Ther Med 2009). Es fand sich kein Unterschied
zwischen beiden Therapien, die Erkältung dauerte durchschnittlich
7 Tage, egal ob unter Eigenblut oder unter Placebo. Die Studiendurchführung
gestaltete sich allerdings weitaus schwieriger als gedacht:
von 1400 gefragten Patienten waren nur 139 bereit, sich randomisieren
zu lassen, von diesen brachen noch einmal 25 die Studie vorzeitig
ab. |
Eine neue Indikation fürs Heilfasten?
vom 05.10.2009 |
Labormäuse der Linie MMTV-TGF-alpha,
die sich ungebremst sattessen können, entwickeln zu 71% ein
Mammakarzinom. Setzt man sie dauerhaft auf eine kalorienreduzierte
Diät, so halbiert sich diese Rate auf 35,4%. Richtig erfolreich
ist es aber (für die Mäuse), im 3-Wochen-Rhythmus abwechselnd
wenig und dann wieder normal zu essen. In diesem Fall bekommen
nur 9,1% einen Tumor (Rogozina
et al. Cancer Prev Res 2009). Naturheilkundler könnten darin
einen Ansatz sehen, auch Mammakarzinompatientinnen in regelmäßigen
Abständen eine Heilfastenkur zu verordnen.
«Diagnose und Therapie von Krebs», hier
geht es zu dem Patientenratgeber von Natur und Medizin. |
Zweifel beseitigt: Flohsamen hilft bei Reizdarm
vom 05.10.2009 |
Wer unter einem Reizdarmsyndrom
leidet, sollte unbedingt sein morgendliches Frühstücksmüsli
mit indischem Flohsamen anreichern. Das legen die Ergebnisse
einer holländischen Studie nahe (Bijkerk
et al. BMJ 2009), in der 275 Reizdarmpatienten randomisiert
mit Flohsamen, Kleie oder einem Placebo behandelt wurden. Die
Patienten mussten dazu über 12 Wochen täglich zweimal 5g indischen
Flohsamen unter einen Joghurt rühren und verspeisen. Nach einmonatiger
Behandlung wurden 57% der Flohsamenpatienten als deutlich gebessert
eingestuft, wesentlich mehr als in der Placebogruppe (35%) und
in der Kleiegruppe (40%). Die Wirksamkeit des indischen Flohsamens
bei Reizdarm kann damit als bewiesen angesehen werden. Irritierend
an den Ergebnissen ist lediglich, dass die Erfolgsraten in der
Flohsamengruppe langsam zurückgingen (auf 46% nach drei Monaten),
während sie in der Kleiegruppe anstiegen (57%).
In der kompakten Ratgeberreihe «Was tun bei...», erschienen
im KVC Verlag, widmet sich die Ausgabe «Was
tun bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn» den chronisch-entzündlichen
Darmerkrankungen. |
Sollen schwarze Frauen mehr Sport treiben als weiße Männer?
vom 05.10.2009 |
Dass Sport gesund ist, weiß mittlerweile
jeder. Augenscheinlich ist er aber nicht gleich gesund für alle.
Amerikanische Epidemiologen haben anhand von fast 9.000 Patienten
in einer prospektiven Studie untersucht, welche Einflussfaktoren
eine Rolle spielen, wenn durch moderaten Sport die Cholesterin-
und Triglyceridwerte beeinflusst werden sollen (Monda
et al. J Lipid Res 2009).
Grundsätzlich erhöhte schon eine Stunde leichten wöchentlichen Trainings den HDL-Cholesterinspiegel. Zu einer gleichzeitigen Senkung des LDL-Cholesterinspiegels kam es aber nur bei Frauen. Wenn diese dann auch noch schwarzhäutig waren, sank auch der Gesamtspiegel. Bei Weißen (Männer und Frauen) wurde außerdem noch eine Senkung des Triglyceridspiegels beobachtet.
Und was sagt uns das nun? Nun, eigentlich nicht viel, da die
Untersuchung an zwei wesentlichen Merkmalen krankt:
1.) Die
Erfassung, wer wann wie viel Sport getrieben hat, war relativ
ungenau, es ist daher möglich, dass die Effekte nur Artefakte
aufgrund unterschiedlichen Antwortverhaltens der Studienteilnehmer
sind.
2.) Eine Senkung oder Erhöhung von Blutfettwerten beantwortet
leider nicht die Frage, ob es auch unterschiedlich häufig zu
Arteriosklerose oder gar zu Herzinfarkten gekommen ist.
|
Wer vollwertig isst, senkt den Blutdruck
vom 24.09.2009 |
Vollwerternährung ist blutdrucksenkend.
Das wurde erneut in einer großen amerikanischen Studie bestätigt
(Flint
et al. Am J Clin Nutr 2009). In dieser Studie, der Health
Professionals Follow-Up Study, wurden über 50.000 Männer seit
1986 regelmäßig nach ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrer
Gesundheit befragt. Bei denen, die besonders viele Vollkornprodukte
zu sich nahmen, war das Risiko, eine Hypertonie zu entwickeln,
um ein Fünftel gegenüber denjenigen gesenkt, die sich nur selten
vollwertig ernährten. Diese Ergebnisse sind natürlich um andere
Risikofaktoren bereinigt. Verantwortlich für den Effekt sind
vermutlich unverdauliche Ballaststoffe.
Jüngst als Patientenratgeber bei Natur und Medizin ist erschienen:
«Vegetarisch
vollwertig kochen». |
Mit Mistelpräparaten zu mehr Lebensqualität
vom 24.09.2009 |
Supportiv verabreichte Mistelpräparate
erhöhen vermutlich die Lebensqualität von Krebspatienten. Zu
diesem Schluss kommen Schweizer Forscher in einer systematischen
Übersichtsarbeit über 18 vergleichende (nicht notwendigerweise
randomisierte) Therapiestudien (Melzer
et al. Forsch Komplementärmed 2009). Die Autoren betonen
jedoch, dass die Qualität der einzelnen Studie in aller Regel
eher mäßig war und sich die Ergebnisse von Studie zu Studie
sehr unterschieden. Sie mahnen daher weitere randomisierte placebokontrollierte
Studien an.
Gespannt darf man sein, ob diese Schlussfolgerung auch von deutschen Autoren geteilt wird, die eine ähnliche Übersichtsarbeit angekündigt haben, sich aber auf ein einzelnes Mistelpräparat beschränkten. Eine Veröffentlichung steht unmittelbar bevor.
Seit
mittlerweile 15 Jahren fördert die Carstens-Stiftung die
Erforschung der Mistel und deren Bedeutung für die Tumortherapie. |
Vitaminpillen
in den Müll?
vom 24.09.2009 |
Unser Körper braucht Vitamine.
Die bekommt man, indem man viel Obst und Gemüse ist, oder indem
man zu Vitamintabletten greift. Letzteres ist eigentlich viel
praktischer, dummerweise auch viel weniger hilfreich. Dieses
behauptet zumindest eine französische Arbeitsgruppe auf der
Basis einer randomisierten Therapiestudie (Czernichow
et al. Am J Clin Nutr 2009), in der über 5.000 Patienten
entweder Nahrungsergänzungsmittel (Vitamine C und E, Beta-Carotin,
Selen, Zink) oder ein Placebo einnahmen. Nach über 7 Jahren
Behandlung hatten beide Gruppen ein nahezu identisches Risiko,
ein metabolisches Syndrom (also eine Kombination aus Diabetes,
Übergewicht und Bluthochdruck) zu entwickeln. Auf der anderen
Seite aber gab es durchaus Faktoren, die dieses Risiko senkten,
unter ihnen hohe Blutkonzentrationen an Antioxidantien zu Studienbeginn.
Die Autoren vermuten, dass diese Blutkonzentrationen die Ernährungsgewohnheiten
der Patienten widerspiegeln, hohe Antioxidantienkonzentrationen
also für einen hohen Obst- und Gemüseverzehr sprechen. Was dann
nichts anderes hieße, als dass Vitamine in Pillen nicht helfen,
eine vitaminreiche Ernährung aber schon.
Erfahren Sie zu diesem Thema mehr in dem Kompass
Komplementärmedizin (Koko, Nr. 58), Titel: «Vitaminüberdosierung». |
Cholesterin senken mit Walnüssen - ohne Gewichtszunahme
vom 17.09.2009 |
Die Tatsache, dass Walnüsse gut
für die Herzgesundheit sind, dürfte nichts Neues sein. Die Widerlegung
der allgemein herrschenden Annahme, Walnüsse führten bei regelmäßigem
Verzehr zur Gewichtszunahme, dürfte allerdings erfreulich sein.
Eine aktuelle Meta-Analyse (Banel,
D.K. et al, Am J Clin Nutr 90: 56-63, 2009) zeigt unter
Berücksichtigung von 13 Studien mit insgesamt 365 Probanden
auf, dass zumindest innerhalb Diäten von kurzer Dauer (zwischen
4-24 Wochen) Walnüsse signifikant das “böse” LDL-Cholesterin
senken, aber nicht zur Gewichtzunahme führen. Langzeitstudien
wären jedoch wünschenswert, um dieses Phänomen zu konsolidieren.
Wer mehr zur herzgesunden Ernährung und therapeutischen Ansätzen
bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wissen möchte, dem sei das im
KVC Verlag erscheinende Buch Natürlich herzgesund
ans Herz gelegt. Außerdem erhält man im KoKo
52 Nüsse - besser als ihr Ruf ausführliche Informationen
über Nüsse als gesunde Knabberei. |
Ölziehen reduziert plaque-induzierte Zahnfleischentzündungen
vom 17.09.2009 |
Die Praxis des Ölziehens, seit
1991 dank eines Artikels aus der Feder von Frau Dr. Carstens
einem breiten Publikum bekannt, wird in der ayurvedischen Volksmedizin
seit langer Zeit zur Hygiene von Rachen und Mundraum angewandt
- allerdings unter ausschließlicher Verwendung des Sesamöls.
In einer randomisierten Studie (Asokan
et al., Indian J Dent Res. 2009;20(1):47-51) praktizierten
die 10 an Gingivitis erkrankten Probanden in der Verumgruppe
einmal am Tag das Ölziehen mit Sesamöl, während die Kontrollgruppe
mit einer Chlorhexidin-haltigen Standardlösung spülten. Nach
zehn Tagen ergaben die Messungen hinsichtlich des Plaque-Indexes
und Gingivitis-Scores, dass die Ölzieh-Gruppe eindeutig von
dieser Behandlung profitierte. Dieses Ergebnis lässt hoffen,
dass Wissenschaftler ermutigt werden, auch für andere Anwendungsgebiete
des Ölziehens Untersuchungen durchzuführen.
Tipps zur praktischen Anwendung des Ölziehens bietet der
Natur und Medizin-Patientenratgeber Nr. 14 Sonnenblumenöl.
Wer mehr über die gesundheitsfördernden Wirkungen von anderen
Ölsorten wissen möchte, sollte in :
den KoKo Nr. 44 Heilsame Öle hineinschauen. |
Neue Allensbach-Studie belegt Beliebtheit homöopathischer Arzneimittel
vom 17.09.2009 |
Neun Jahre nach der letzten Erhebung
zur Bekanntheit und Verwendung von Naturheilmitteln wurde nun
eine neue Umfrage vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt,
die sich ausschließlich mit der Bekanntheit, Verwendung und
dem Image von homöopathischen Arzneimitteln in der Bevölkerung
beschäftigt (Dokumente
zur Allensbachstudie 2009). Demnach hat die Mehrheit der
gesamten BRD-Bevölkerung schon von homöopathischen Arzneimitteln
gehört, wobei die Zahl für den Westen Deutschlands geringfügig
höher ist als für den Osten (West: 94%, Ost: 85%). Seit 1975,
als 76% aller Befragten die Existenz homöopathischer Arzneimittel
bezeugten, hat sich der Bekanntheitsgrad um 18 Prozentpunkte
gesteigert - ein beträchtliche Steigerung über einen Zeitraum
von 34 Jahren. Mehr als die Hälfte der Deutschen (53%) hat schon
einmal homöopathische Medikamente eingenommen, offen bleibt
jedoch die Frage, welchen Anteil homöopathische Kombinationsmittel
dabei einnehmen.
Weitere interessante Aspekte dieser Umfrage sind zum einen, dass explizit die Homöopathie herausgegriffen wurde, zum anderen, dass die ärztliche Verschreibung bzw. Konsultation im Hinblick auf die Einnahme homöopathischer Arzneimittel nur eine geringe Rolle spielt, denn nur gut ein Viertel der Befragten (26%) erachtet eine Verschreibung durch einen Arzt oder Heilpraktiker als notwendig. Im Gegenteil, hier scheint die “Mund-zu-Mund-Propaganda” eine bedeutende Rolle zu spielen, da mehr als die Hälfte der Bevölkerung (54%) auf Empfehlung von Bekannten mit homöopathischen Medikamenten in Berührung kam. Die Verordnung durch ihren Arzt haben nur 22% aller Befragten in Anspruch genommen. Erstaunlich bleibt jedoch die Unwissenheit über homöopathische Arzneimittel, denn 65% glauben, dass Homöopathika keine Nebenwirkungen hätten. Festzuhalten bleibt allerdings: Der Trend zugunsten der Homöopathie geht eindeutig nach oben! |
Auch Akupunktur wirkt antidepressiv
vom 31.08.2009 |
| Nicht nur die klassische Homöopathie
(siehe vorherigen Eintrag), auch eine Akupunkturbehandlung
hat antidepressive Wirkungen. Dieses zeigt eine randomisierte
chinesische Studie (Zhang
et al. J Alt Compl Med 2009) an 80 depressiven Pateinten,
die entweder eine hohe Dosis des Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmers
Fluoxetin und eine Scheinakupunktur erhielten oder eine niedrige
Fluoxetin-Dosis und eine Verumakupunktur (5 Sitzungen pro Woche
über 6 Wochen). Nach Ende der Behandlungszeit waren die Erfolgsraten
in beiden Gruppen nahezu identisch (80.0% und 77.5%), was die
Autoren zu der Schlussfolgerung veranlasste, dass bereits eine
niedrige Flouxetin-Dosis zur Behandlung einer Depression ausreicht,
wenn man diese durch eine Akupunkturbehandlung unterstützt. |
Klassische Homöopathie ist antidepressiv
vom 31.08.2009 |
| Eine klassisch homöopathische Behandlung
mit aufsteigenden Q-Potenzen ist zur Behandlung mittelschwerer
Depressionen nicht schlechter als eine Therapie mit Flouxetin,
einem Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Das berichten
brasilianische Forscher, die beide Therapien in einer randomisierten
Studie miteinander verglichen haben (Adler
et al. eCAM 2009). In beiden Therapiegruppen ging die Schwere
der Depression deutlich zurück, in der Homöopathiegruppe sogar
noch etwas stärker. Eine ausführliche kritische Bewertung der
Studie lesen Sie bitte demnächst in «Forschung kommentiert». |
Homöopathie bei Aphten erfolgreich
vom 31.08.2009 |
| Aphten sind schmerzhafte Veränderungen
der Mundschleimhaut (weiße Flecken mit rotem Rand), an denen
jeder Fünfte mehr oder weniger häufig leidet. Iranische Wissenschaftler
haben jetzt gezeigt, dass eine individuelle homöopathische Behandlung
(eimalige Gabe einer C6) in der Behandlung der Aphten wirksam
ist (Mousavi
et al. Homeopathy 2009). Im Vergleich mit einer Placebobehandlung
verringerten sich sowohl die Größe der Aphten als auch die empfundenen
Schmerzen. Eine detaillierte kritische Bewertung der Studie
wird demnächst in «Forschung aktuell» erscheinen.
|
Warum Yoga schlank hält!
vom 31.08.2009 |
Wer regelmäßig Yoga betreibt,
dem fällt es leichter sein Gewicht zu halten. Das haben amerikanische
Wissenschaftler bereits vor vier Jahren aus den Ergebnissen
einer Kohortenstudie mit über 15.000 Erwachsenen geschlossen
(Kristal
et al. Alt Ther Health Med 2005). Demnach nehmen Normalgewichtige,
die über 4 Jahre regelmäßig Yoga praktizieren, in diesem Zeitraum
nur um durchschnittlich 4,3 kg zu, 1,2 kg weniger als Personen,
die ohne Yoga auskamen. Bei Übergewichtigen ging das Gewicht
der Yoga-Betreibenden sogar um 2,3 kg zurück, während es bei
den Kontrollpersonen um 6,1 kg stieg.
Die Erklärung erschien zunächst einfach: wer sich mehr bewegt,
hat auch weniger Gewichtsprobleme. Die neuesten Erkenntnisse
der amerikanischen Forscher legen eine andere Interpretation
nahe: wer Yoga betreibt, entwickelt ein anderes Körpergefühl
und nimmt seinen Körper auch bewusster wahr, insbesondere auch
Hunger- und Sättigungsgefühle. Das führt dazu, dass Yoga-Betreibende
bewusster essen und daher seltener mit einer Gewichtszunahme
zu kämpfen haben. In der aktuellen Studie, einer Querschnittsbefragung
von 300 Patienten, war der BMI umso geringer, je bewusster eine
Person aß. Die Bewusstheit des Essens wiederum war mit der Häufigkeit
von Yoga-Übungen korreliert, nicht aber mit der Häufigkeit von
Spaziergängen oder sportlichen Aktivitäten (Framson
et al. J Am Diet Assoc 2009). |
Alkohol gegen das Vergessen
vom 31.08.2009 |
| Was für Herz und Kreislauf gilt,
gilt vermutlich auch für das Gehirn: Wer mäßig Wein (bzw. überhaupt
Alkohol trinkt), ist gesünder. Das ist das Fazit von Prof. Sink
aus den USA, die kürzlich auf einer internationalen Tagung neue
Daten zu den Risikofaktoren für Alzheimer-Demenz vorstellte
(siehe
den veröffentlichten Bericht des NIH). Demnach konnte in
einer prospektiven Kohortenstudie an über 3000 Männern und Frauen
nachgewiesen werden, dass ein regelmäßiger Alkoholkonsum von
1 bis 2 Gläsern täglich das Risiko, an Alzheimer zu erkranken,
um etwa ein Drittel (37%) senkt. Wer bereits an Alzheimer leidet,
sollte dagegen auf Alkohol verzichten: Prof. Sink zufolge nehmen
die kognitiven Fähigkeiten umso stärker ab, je mehr Alkohol
getrunken wird. |
Phyto-Östrogene gegen Prostatakrebs?
vom 23.07.2009 |
Die Deutsche Krebshilfe hat in
einer Pressemitteilung
auf Göttinger Forscher aufmerksam gemacht, die einen pflanzlichen
Wirkstoff auf seine Wirksamkeit gegen Prostatakrebs untersuchen.
Bei dem Wirkstoff handelt es sich um das Isoflavon (Phyto-Östrogen)
Tectorigenin, das aus dem Belamcanda chinensis gewonnen wird
- einem aus der TCM bekannten Liliengewächs.
Zwei Dinge fallen
auf: zum einen verweist die Deutsche Krebshilfe nicht auf wissenschaftliche
Publikationen, sondern lediglich auf Aussagen der Forscher,
dass sie in mehreren Laborexperimenten schon gute Erfolge erzielt
hätten. PubMed gelistete Publikationen dieser Forschergruppe
zum Thema gibt es (nach einer zugegebenermaßen nur oberflächlichen
Recherche) lediglich zwei, beide sind nicht besonders neu. Es ist
demnach nicht auszuschließen, dass es sich hierbei um eine der
vielen üblichen Presseerklärungen handelt, die in der Onkologie
immer wieder gestreut werden, um den Durchbruch in der Onkologie
zu verkünden und weitere Forschungsgelder zu requirieren. Zum
anderen ist nicht genau klar, ob es sich bei dem Pflanzenwirkstoff
um einen Extrakt oder um eine Monosubstanz handelt (was wahrscheinlicher
ist). Letzteres hätte dann nur relativ wenig mit der ursprünglichen
Phytotherapie zu tun.
Dass Phyto-Östrogene sowohl bei der Entstehung von Brust- als
auch bei Prostatakrebs eine entscheidende Rolle spielen, scheint
mittlerweile wissenschaftlich akzeptiert. Erst vor zwei Wochen
sprachen Forscher aus dem AKH Wien von den nachgewiesenen protektiven
Wirkungen einer isoflavonreichen Ernährung in Asien (vor allem
Sojaprodukte). |
Strümpfe aus
vom 23.07.2009 |
Bettlägerige Patienten müssen in
Krankenhäusern Kompressionsstrümpfe tragen, um Thrombosen und
Lungenembolien vorzubeugen. Besonders groß ist diese Gefahr
bei Schlaganfallpatienten mit einer halbseitigen Lähmung, da
hier die regelmäßigen Muskelkontraktionen fehlen, die den Blutfluss
in Schwung halten. Eine jetzt veröffentlichte internationale
Studie hat nun aber ergeben, dass gerade bei Schlaganfallpatienten
die Kompressionsstrümpfe nicht helfen: die Komplikationsraten
waren mit und ohne Strumpf nahezu identisch (Dennis
et al. Lancet 2009). Vor dem Hintergrund, dass auch Kompressionsstrümpfe
Nebenwirkungen haben können - Hautabschürfungen, Druckgeschwüre
- empfehlen Mediziner, die Therapie jetzt neu zu überdenken,
insbesondere nach Schlaganfällen. Neben der medizinischen Lehre
sind zwei Dinge interessant: 1. Nicht immer bestätigt sich die
Wirksamkeit einer für jedermann logisch klingenden Therapieoption
in Studien - was gerade auch Erfahrungsmedizinern zu denken
geben sollte, 2. augenscheinlich werden manchmal auch dann Studien
ernst genommen, wenn sie nicht doppelblind durchgeführt werden
(konnten). |
Niederschmetterndes Urteil für Bachblüten
vom 23.07.2009 |
Studien zur Wirksamkeit der Bachblütentherapie
haben ein hohes Bias-Risiko und in keinem einzelnen Fall positive
Ergebnisse erbracht. Dieses ist das niederschmetternde Urteil
österreichischer Forscher, die insgesamt 4 randomisierte Therapiestudien
und 2 kontrollierte Kohortenstudien in einem systematischen
Review zusammengefasst haben (Thaler
et al. BMC Compl Altern Medic 2009). Die meisten Studien
behandelten die Frage, ob Rescue-Tropfen bei Prüfungsangst helfen.
Die Gruppenunterschiede in den Studien verfehlten dabei nicht
nur das Signifikanzkriterium, sie waren auch in keinem Fall
klinisch relevant. Das hohe Bias-Risiko begründete sich in hohen
Drop-Out-Raten oder fehlerhaften Randomisierungen.
Ganz frei von Bias-Risiko ist allerdings auch die Studie selbst nicht (es ist allerdings gering): Augenscheinlich wurden einige Studien ausgeschlossen, weil sie die “falschen” Zielkriterien wählten, nur als Abstract publiziert waren, oder nicht genügend Daten für die Qualitätsbeurteilung vorlagen. |
Magnettherapie: den zweiten Schritt zuerst gemacht
vom 23.07.2009 |
| Amerikanische Forscher bemängeln,
dass die derzeit vorgelegten klinischen Studien zur (statischen)
Magnettherapie viel zu früh in Angriff genommen worden sind
(Colbert
et al. eCAM 2009). Statt zunächst einmal sich intensiv damit
zu beschäftigen, welche Dosis (d.h. Feldstärke) an welchem Ort
wie lange in welchem Abstand zum Gewebe mit welcher Häufigkeit
appliziert werden sollte, um optimale Ergebnisse zu erreichen,
habe man den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. Dieses
sei ein möglicher Erklärungsversuch, warum so viele Studien
zum Thema negativ ausgingen. |
Neurofeedback bei ADHS evidenzbasiert
vom 23.07.2009 |
Die Diagnose “Aufmerksamkeits-
und Hyperaktivitätssyndrom” (ADHS) wird heutzutage immer häufiger
gestellt, die Behandlung beschränkt sich meist neben einer psychologisch/pädagogischen
Betreuung auf eine medikamentöse Therapie mit Ritalin, das nicht
nur in komplementärmedizinischen Kreisen aber eher als Teufelsdroge
denn als Heilsbringer betrachtet wird. Zu Ritalin sind eine
Reihe naturheilkundlicher Alternativen vorgeschlagen worden,
unter anderem eine homöopathische Einzelmittelbehandlung, die
sich in einer randomierten Therapiestudie einem Placebo überlegen
erwiesen hat (Frei
et al. Eur J Pediatr 2005).
Auch Neurofeedbackverfahren werden verschiedentlich, aber nicht
immer, der Komplementärmedzin zugeordnet. Ziel des Neurofeedbacks
ist, Patienten lernen zu lassen, wie sie bestimmte Aktivitäten
ihres Gehirns unterdrücken oder initiieren können, die mit der
Pathophysiologie ihrer Erkrankung einhergehen. Hierzu wird ihnen
in Echtzeit die mit einem EEG (oder anderen Verfahren) gemessene
Hirnaktivität rückgemeldet. Die Patienten können dann beobachten,
wie sich bestimmte Verhaltensweisen auf das EEG auswirken und
lernen so, schädliches Verhalten zu unterdrücken und nützliches
einzusetzen.
Holländische Wissenschaflter haben nun in einer Meta-Analyse
über nicht-randomiserte und randomisierte Therapiestudien nachweisen
können, dass Neurofeedback bei ADHS wirksam ist. Die Autoren
sprechen sogar von einer spezifischen Wirksamkeit mit großem
Effekt auf Unaufmerksamkeit und Impulsivität (Arns
et al. J Clin EEG & Neuroscience 2009). |
Liste der Ernährungsrisiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
vom 21.07.2009 |
Es ist ja schon lange bekannt:
Wer sich gesund ernährt, trägt ein geringeres Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung
zu erleiden. Kanadische Forscher haben jetzt so etwas wie eine
wissenschaftliche Hitliste erstellt, für welche Risikofaktoren
es die beste Evidenz für einen Zusammenhang mit einer koronaren
Herzerkrankung gibt (Mente
et al. Arch Intern Med 2009). Sie lautet:
1. (sehr starke Beweislast): Mittelmeerdiät (verringert das KHK-Risiko)
2. (starke Beweislast): Gemüse, Nüsse, einfach ungesättigte Fettsäuren (verringert jeweils das KHK-Risiko), trans-Fettsäuren, Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index (erhöht jeweils das KHK-Risiko)
3. (gute Beweislast): Fisch, Omega-3-Fettsäuren, Folsäure, Vollkornprodukte, natürliches Vitamin E und C, natürliches Beta-Karotin (verringert jeweils das KHK-Risiko)
4. (mäßige Beweislast): Vitamin E und C - Nahrungsergänzungsmittel, mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit Ausnahme von Alpha-Linolensäure, Milch (verringert jeweils das KHK-Risiko), Alpha-Linolensäure, Fleisch, Eier, gesättigte Fettsäuren, Produkte mit hohem Gesamtfettgehalt (erhöht jeweils das KHK-Risiko)
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Bei Mittelohrentzündung auf Antibiotika verzichten
vom 16.07.2009 |
Dass Antibiotika bei einer Otitis
media oft nur relativ geringe klinische Effekte haben und daher
vorsichtig eingesetzt werden sollten, ist seit mehreren Jahren
bekannt (Damoiseaux
et al. BMJ 2000). Holländische Wissenschaflter konnten jetzt
zeigen: auf lange Sicht ist der Antibiotikaeinsatz sogar kontraproduktiv
(Bezakova
et al. BMJ 2009). Die Wissenschaftler befragten 168 Kinder
drei Jahre nachdem diese an einer placebokontrollierten randomisierten
Therapiestudie zur Behandlug der akuten Mittelohrentzündung
mit Amoxicillin teilgenommen hatten. In dieser Zeit bekamen
63% der mit Antibiotika, aber nur 43% der mit Placebo behandelten
Kinder erneut eine Mittelohrentzündung. Korrigiert man diese
Werte bezüglich etwas unterschiedlicher Ausgangsbedingungen,
so ergibt das ein etwa 2 ½-fach erhöhtes Risiko, nach einer
Amocillinbehandlung ein Rezidiv zu erleiden.
Ganz stimmig sind die Daten der holländischen Studie aber leider nicht: die Zahl der Kinder, die wegen ihrer Mittelohrentzündung erneut einen Arzt aufgesucht haben, ist in beiden Gruppen identisch, die Zahl der HNO-Operationen war in der Amocillingruppe sogar etwas geringer.
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Verschweigen ist Silber...
vom 16.07.2009 |
| Drei von fünf Schwangeren in England
verwenden pflanzliche Medikamente und Produkte (in erster Linie
Ingwer, Cranberry und Himbeerblätter) während der Schwangerschaft,
aber nur jede vierte spricht darüber auch mit ihrem
Gynäkologen oder ihrer Hebamme (Holst
et al. J Altern Complem Ther Med 2009). Englische und norwegische
Wissenschaftler schließen darus, dass Wechselwirkungen mit ärztlich
verordneten Medikamenten eine potenzielle Gefahr darstellen,
der sich die Mediziner und Hebammen zunehmend stellen sollten.
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Hoher Blutdruck: Schokolade, Tomaten oder keines von beidem?
vom 16.07.2009 |
Zartbitterschokolade mit ihrem
hohen Anteil and Flavanolen oder Lycopen-reiche Tomaten genießen
den Ruf, blutdrucksenkend zu wirken. Australische Wissenschaftler
haben nun beide Ernährungstherapien miteinander verglichen,
mit ernüchterndem Ergebnis: keine der beiden Therapien hat bei
den 36 Patienten eine signifikante Blutdrucksenkung bewirkt
(Ried
et al. BMC Complem Altern Med 2009). Es wurden allerdings
auch nur Patienten mit sehr milder Hypertonie von durchschnittlich
etwa 135/85 mmHg eingeschlossen, so dass sich die Frage stellt:
war da überhaupt etwas zu therapieren?
Den meisten Probanden fiel es übrigens sehr schwer, täglich 50g dunkler Schokolade zu essen.
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Kein Zufall
vom 16.07.2009 |
| In China ist nicht überall, wo
“Randomisation” draufsteht, auch tatsächlich Randomisation drin.
Das ist umgangssprachlich die erschütternde Erkenntnis chinesischer
Forscher (Wu
et al. 16. Cochrane Collaboration Kolloqium 2008). Diese
hatten ihre Landsleute zu etwa 3000 randomisierten Therapiestudien
interviewt und genau nachgefragt, wie sie die Zuteilung zu den
Therapiegruppen vorgenommen hatten. Letztendlich waren nur 207 Studien (das ist weniger als jede zehnte) tatsächlich
randomisiert. Unterschiede zwischen Studien zur TCM oder westlicher
Medizin gab es dabei nicht. Die Autoren schließen, dass viele
chinesische Forscher nicht wirklich wissen, was Randomisation
eigentlich bedeutet, insbesondere wenn die Studien an nicht-universitären
Kliniken durchgeführt wurden. |
Lakritze zur Prävention postoperativer Rachenentzündung
vom 14.07.2009 |
| Sollten diese schwarzen Leckereien
etwa auch noch gesundheitliche Vorteile haben? Dies haben nun
indische Anästhesiologen in einer randomisierten Studie (Agarwal,
A. et al., Anesth Analg 2009; 109:77-81) beweisen können.
20 der 40 Patienten, die sich einer Operation unterziehen sollten,
wurden kurz vor der Intubationsnarkose gebeten, fünf Minuten
lang mit einer Lakritzlösung zu gurgeln. Die andere Gruppe gurgelte
lediglich mit einer Wasserlösung. Tatsächlich traten in den
ersten 24 Stunden nach der OP in der Lakritzgruppe weniger bzw.
milder verlaufende Rachenentzündungen auf als in der Kontrollgruppe.
Leider konnte die Studie wegen des verräterischen Lakritzgeruchs
der Patienten nach dem Gurgeln nicht doppelblind durchgeführt
werden. |
Ein Traum: Im Schlaf abnehmen
vom 14.07.2009 |
| Wie wichtig genügend Schlaf ist,
haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche Studien bewiesen
(siehe u. a.: Ausreichend Schlaf
ist wichtig für das Immunsystem). Was uns “Schlank im Schlaf”
und andere Diäten schon immer suggerierten, wurde nun wissenschaftlich
untermauert. In einer australischen Studie (unpubl.
Bericht vom SLEEP 2009, the 23rd Annual Meeting of the Associated
Professional Sleep Societies) reduzierte ein Mangel an Schlaf
bei den 100 Probanden zwar den Appetit und ließ sie weniger
essen, führte jedoch nach elf Tagen reduzierten Schlafes zu
einer Erhöhung des Körpergewichts von durchschnittlich 1,30
Kilogramm. Wer also ernsthaft abnehmen möchte, sollte gesunde
Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf kombinieren. |
Was macht die Mittelmeerdiät so gesund?
vom 07.07.2009 |
| Wer sich mediterran ernährt, lebt
gesund und länger, das ist allgemein bekannt. Was aber genau
an dieser Ernährungsform ist verantwortlich für diesen Effekt?
Dieser Frage haben sich griechische Forscher gestellt und in
einer Langzeit-Kohortenstudie herausgefunden (Trichopoulou
et al. BMJ 2009), dass es vor allem der moderate Alkoholgenuss
(macht 23% des Effekts aus), der geringe Verzehr von Fleisch-
und Wurstwaren (17%), der hohe Anteil an Gemüse (16%), Früchten/Nüssen
(11%) oder einfach gesättigten Fettsäuren (11%) und die vielen
Hülsenfrüchte (10%) sind, denen die Griechen ihre hohe Gesundheit
verdanken. Demnach tragen Getreideprodukte, Fisch und Meeresfrüchte
kaum oder gar nicht zu einer Lebensverlängerung bei. |
Antibiotischer Honig
vom 07.07.2009 |
Medizinischer Honig vom Teebaum
konnte im Laborversuch erstaunliche antibiotische Wirkungen
entfalten. Australische Forscher berichten, der Honig töte acht
verschiedene Keime zuverlässig ab, die typischerweise in oberflächlichen
Wunden zu finden sind; unter ihnen auch Stämme, die bereits
eine hohe Antibiotikaresistenz entwickelt haben (Blair
et al. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2009).
Der Wirkmechanismus des Honigs scheint sich deutlich von dem
chemischer Antibiotika zu unterscheiden. Die Forscher empfehlen
den Honig (nach weiteren Versuchen) zur Behandlung oberflächlicher
Wunden. Ganz neu sind die Erkenntnisse nicht, die antibiotische
Wirkung von Honig ist schon mehrfach erforscht worden, sowohl
bei der Wundheilung als auch bei bakteriellen
Erkrankungen wie chronischer Sinusitis. |
Was lässt wirklich die Pfunde purzeln?
vom 07.07.2009 |
Komplementär- und alternativmedizinische
Therapiemethoden zur Gewichtsreduktion im Vergleich: Mitarbeiter
der Medical University of South Carolina haben die Ergebnisse
verschiedener Studien zusammengetragen, in denen die Wirksamkeit
der gängigsten Mittel und Therapien zum Abnehmen untersucht
wurde (Steyer
et al. Prim Care 2009).
Als wirksame Nahrungsergänzungsmittel haben sich erwiesen: Koffein/Ephedrin/Ephedrin-Alkaloid
(nicht empfehlenswert bei Patienten mit chronischen kardiovaskulären
oder psychiatrischen Erkrankungen aufgrund möglicher Nebenwirkungen),
Chrom (auch hier wurden jedoch Nebenwirkungen wie Nierenfunktionsstörungen
beobachtet), Diacylglycerol und Fettblocker wie der Gartenbohnenextrakt.
An alternativmedizinischen Behandlungsmethoden wurden Akupunktur, Homöopathie und Hypnose untersucht, hier konnten nur Akupunktur und Hypnose eindeutig positive Ergebnisse liefern. |
Leberentzündung durch Traubensilberkerze
vom 09.06.2009 |
| Auch wenn eine italienische Kohortenstudie
kürzlich ein positives Gesamtfazit gezogen hat (Firenzuoli
et al. eCAM 2008), die Warnung der EMEA (European Medicines
Agency) vor möglicher Lebertoxizität von Extrakten der Traubensilberkerze
(Cimicifuga racemosa) besteht weiter und wird durch einen neuen
Fall bestätigt: italienische Mediziner berichten von einer ansonsten
völlig gesunden 37-jährigen Frau, die nach langfristiger Einnahme
von Cimicifuga-Präparaten über Übelkeit und unerträgliches Jucken
am ganzen Körper klagte (Vannacci
et al. Altern Ther Health Medicine 2009). Als Ursache stellte
sich eine Leberentzündung heraus, virale und andere Ursachen
konnten ausgeschlossen werden. Nach Absetzen des Cimicifugaextrakts
erholte die Patientin sich recht schnell. |
Schmerzheilung aus der Ferne
vom 09.06.2009 |
| Japanische Forscher haben in einer
randomisierten Studie belegt, dass ein japanischer Wunderheiler
die Schmerzen amerikanischer Patienten per Fernheilung lindern
kann (Tsubono
et al. Alt Ther Health Medicine 2009). Hierzu bekam der
Wunderheiler zunächst einmal alle 16 chronischen Schmerzpatienten
zu Gesicht und ging dann zurück nach Japan. Dort versuchte er
die eine Hälfte der Patienten zu heilen, was ihm zum Teil gelang:
die Schmerzen gingen stärker zurück als in der Kontrollgruppe.
Allerdings konnte dieser Behandlungserfolg (aufgrund der geringen
Fallzahl?) nicht in allen Zielkriterien statistisch abgesichert
werden. |
Homöopathie
und Fibromyalgie - eine Erfolgsstory
vom 18.05.2009 |
In der Homöopathieforschung sind
bisher nur wenige Krankheiten mehrmals Gegenstand randomisierter
Therapiestudien gewesen und wenn, dann oft mit wechselndem Erfolg
oder gar sich widersprechenden Ergebnissen. Doch Ausnahmen bestätigen
die Regel. Eine dieser Ausnahmen ist die Fibromyalgie, die sich
bereits dreimal in sehr unterschiedlichen Studien als einem
Placebo überlegen gezeigt hat. In der neuesten Studie zum Thema
haben englische Forscher eine zusätzliche homöopathische Einzelmittelbehandlung
mit einer ausschließlich konventionellen Routineversorgung
verglichen (Relton
et al. Homeopathy 2009).
Die Studie war randomisiert und naturgemäß nicht verblindet. 47 Patienten wurden eingeschlossen und behandelt. 22 Wochen nach Therapiebeginn hatten die Schmerzen, der Behinderungsgrad und die Fatigue-Symptomatik in der Homöopathiegruppe signifikant stärker abgenommen als in der Kontrollgruppe.
Die Autoren fordern nun eine konfirmative Studie ein, die neben der Effektivität der homöopathischen Behandlung auch das Kosten/Nutzen-Verhältnis untersuchen sollte.
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Placebo-Responder
identifiziert
vom 18.05.2009 |
Wenn man vorhersagen könnte, wer auf Placebogabe besonders stark und wer überhaupt nicht reagiert, dann würden klinische Forscher ihre Studien völlig anders planen und nur noch solche Patienten einschließen, von denen keine Placeboresponse zu erwarten ist. Bisher gab es aber keinerlei Hinweise, dass eine solche Gruppe von Placeboresistenten existiert.
Kanadische Wissenschaftler haben nun erstmals Persönlichkeitsmerkmale
eines Patienten mit seiner Placeboantwort auf Schmerzreize in
Verbindung setzen können (Schweinhardt
et al. J Neurosci. 2009). Bei Risikofreudigen wirkt eine
Placebocreme deutlich schmerzlindernder als bei Feiglingen.
Gleiches gilt für Personen mit viel grauer Hirnsubstanz in verschiedenen
Regionen. Erklärt wird das über das körpereigene Belohnungssystem,
das mit der Ausbildung von Hirnsubstanz und der Ausschüttung
von Dopamin korreliert. |
Yoga-Studie
gescheitert - war´s die Rekrutierung?
vom 18.05.2009 |
Englische Forscher um die renommierte
EBM-Autorin T. Greenalgh sind bei dem Versuch gescheitert, die
Wirksamkeit einer Yoga-Therapie bei Typ-II-Diabetes nachzuweisen
(Skoro-Kondza
et al. BMC Complement Altern Medicine 2009).
Schon bei der Rekrutierung gab es erhebliche Schwierigkeiten: von 60 angefragten Praxen nahmen nur 12 teil, und nur 3 erreichten relevante Patientenzahlen. Zwei Drittel aller angesprochenen Patienten erfüllten nicht die Ein- und Ausschlusskriterien, und vom letzten Drittel waren 90% nicht bereit, an einer randomisierten Studie teilzunehmen. Es blieben noch 29 Yoga-Patienten (und gleich viele Kontrollpatienten), die allerdings recht unregelmäßig zu den Yogastunden erschienen (die Teilnahmerate lag bei 50%). Kein einziger Teilnehmer übte auch zu Hause.
Die Schlussfolgerung: eine Aussage über die Wirksamkeit von Yoga bei Diabetes lässt sich nicht treffen, es ist aber stark zu bezweifeln, dass Yoga überhaupt für den Großteil westlicher Diabetes-Patienten als reale Therapieoption in Frage kommen kann.
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Akupunktur
lindert chronische Rhinitis
vom 18.05.2009 |
| In einer randomisierten placebokontrollierten
Studie haben deutsche Forscher gezeigt, dass eine Nadelakupunktur
einer Placeboakupunktur (mit deaktiviertem Softlaser) bei der
Behandlung der chronischen, nicht-allergischen Rhinitis überlegen
ist (Fleckenstein
et al. J Altern Complement Medicine 2009). In der Akupunkturgruppe
ging die Schwere der Erkrankung um mehr als 50% zurück, in der
Kontrollgruppe nur um gut 30%. |
Hände
weg vom Handy
vom 18.05.2009 |
| Australische Epidemiologen halten
es mittlerweile für erwiesen, dass häufiges Telefonieren mit
dem Handy zu Hirntumoren führen kann (Hardell
et al. Surg Neurol 2009). Die Forscher haben insgesamt 11
epidemiologische Langzeituntersuchungen neu bewertet und sind
in einer Meta-Analyse zu dem Schluss gekommen, dass Personen,
die seit mehr als 10 Jahren mit dem Handy telefonieren, ein
doppelt so hohes Risiko haben, einen Hirntumor zu bekommen,
wie solche, die nicht mobil telefonieren. |
Zwei
Wege, den Antibiotikakonsum bei Husten zu beschränken
vom 18.05.2009 |
Holländische Forscher haben in
einer randomisierten Therapiestudie verschiedene Strategien
miteinander verglichen, wie man die meist unnütze Verschreibung
von Antibiotika bei Erkältungen reduzieren kann (Cals
et al. BMJ 2009). Zwei Strategien erwiesen sich als erfolgreich.
Zum einen ein spezielles Kommunikationstraining für Ärzte, zum
anderen der Einsatz eines Labortests (auf C-reaktives Protein),
der als guter prognostischer Faktor gilt, ob eine Lungenentzündung
wahrscheinlich ist oder nicht.
Mit beiden Strategien konnte die Häufigkeit von Antibiotikaverschreibungen fast halbiert werden (von über 50% aller Patienten auf etwa 30%). Eine Kombination beider Strategien senkte diesen Wert tendenziell noch etwas weiter. Auf die Schwere der Erkrankung hatte das keinen Einfluss, sie klang in allen Gruppen gleich schnell ab. |
Wein
lindert Bestrahlungsschäden
vom 18.05.2009 |
| Brustkrebspatientinnen mit einem
moderaten Alkoholkonsum erleiden seltener Hautschäden nach einer
Bestrahlungstherapie. Das ist das überraschende Nebenergebnis
einer italienischen Studie zu Bestrahlungsschäden einer Radiotherapie
(Morganti
et al. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2009). Es stellte sich
nämlich heraus, dass 38,4% aller Alkohol abstinenten Frauen
Hautprobleme hatten. Tranken Sie dagegen Alkohol in geringen
Mengen (etwa ein halbes Glas Wein am Tag), so fiel die Rate auf
31,8%, bei einem Glas Wein täglich sogar auf 13,6%. Höhere Alkoholmengen
bieten dagegen keinen Schutz, denn schon bei zwei Gläsern Wein täglich
liegt die Schädigungsrate wieder bei 35,0%. Die Forscher fordern
nun Studien, ob Wein tatsächlich teure Medikamente zum Schutz
vor Bestrahlungsschäden ersetzen kann. |
Tai
Chi verbessert den Gleichgewichtssinn nach einem Schlaganfall
vom 18.05.2009 |
Tai Chi verhilft Patienten mit
Schlaganfall zu einem besseren Gleichgewichtsgefühl, so berichten
chinesische Forscher (Au-Yeung
et al. Neurorehabi Neural Repair 2009). Nachdem vorangegangene
Studien gezeigt hatten, dass Tai Chi das Standgleichgewicht
gesunder Senioren verbessert, wurde nun untersucht, ob dies
auch für Schlaganfallpatienten zutrifft.
Die 136 Studienteilnehmer hatten vor über 6 Monaten einen Schlaganfall
erlitten. Die Versuchsgruppe, die regelmäßig unter Anleitung
und auch selbstständig Tai Chi in einer Kurzform praktizierte,
erzielte nach 12 Wochen deutlich bessere Ergebnisse als die
Kontrollgruppe, die allgemein übliche Bewegungsübungen praktizierte.
Beurteilt wurden unter anderem das dynamische Standgleichgewicht
sowie das Standgleichgewicht in sensorisch anspruchsvollen Stellungen.
|
Mariendistel
bewährt sich bei akuter Hepatitis
vom 18.05.2009 |
| Ein Mariendistelextrakt ist, wenn
er in der empfohlenen Dosierung verabreicht wird, sicher und
möglicherweise wirksam bei der Behandlung einer akuten Hepatitis.
Dieses schließen amerikanische und ägyptische Forscher aus einer
randomisierten Doppelblindstudie an 105 Patienten (El-Kamary
et al. Phytomedicine 2009). Diese erhielten entweder 3×140mg
Mariendistel oder ein Vitaminpräparat über einen Zeitraum von
4 Wochen. Nach der Behandlung nahm die Funktionsfähigkeit der
Leber in der Mariendistelgruppe stärker zu, die Indikatoren
für die Stärke der Leberschädigung unterschieden sich nicht.
Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. |
Homöopathie
zur Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie
vom 28.04.2009 |
| Homöopathische Medikamente haben
das Potenzial, die Nebenwirkungen einer onkologischen Radio-
oder Chemotherapie zu lindern. Das ist die Schlussfolgerung
englischer Forscher aus einer systematischen Übersichtsarbeit
über 7 placebokontrollierte, randomisierten klinischen Studien
(Kassab
et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009). Als
erfolgversprechend wird vor allem die Therapie einer Entzündung
der Mund- und Rachenschleimhaut mit dem Kombinationspräparat
Traumeel S® eingestuft, die besonders nach Chemotherapien häufig
auftritt; außerdem die vorbeugende Behandlung von durch Bestrahlung
hervorgerufenen Hautekzemen und –entzündungen mit einer Calendula
haltigen Pflegesalbe. Durchgeführt wurde die Arbeit nach den
Richtlinien der Cochrane-Collaboration, also dem höchsten Standard
in diesem Bereich. Formal ist die Studie daher methodisch als
hochwertig einzustufen, inhaltlich gibt es aber erhebliche Zweifel:
aus der Originalveröffentlichung der Calendula-Studie ist nämlich
nicht zu entnehmen, dass es sich hierbei um ein homöopathisches
Arzneimittel handelt, die Salbe ist wohl eher der Phytotherapie
zuzurechnen. |
Musik
ist gut für’s Herz, aber nicht für die (depressive) Seele
vom 21.04.2009 |
| Musik als Stimmungsmacher, Musik,
die aufwühlt oder beruhigt: zweifellos beeinflussen musikalische
Klänge unser Befinden. Dies behaupten zumindest Forscher von
der Temple University in Philadelphia, die im Rahmen einer systematischen
Übersichtsarbeit (Bradt
J et al. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 2, 2009)
23 Studien mit insgesamt 1461 Probanden zum Thema “Psychologische
und physiologische Effekte des Musikhörens auf Patienten mit
koronaren Herzerkrankungen” auswerteten. Allerdings geht es
in dieser Arbeit mehr um die beruhigenden Auswirkungen des Musikhörens
auf das Angst- und Stressempfinden, denn negativer Stress stellt
einen besonders entscheidenden Risiko-Parameter für Herzpatienten
dar. Die untersuchten Studien zeichnen sich aber nicht durch
durchschlagende Resultate aus, wie die Forscher herausgefunden
haben. Auf der psychologischen Ebene sind moderate Effekte auf
das Angstempfinden bei Patienten mit koronaren Herzerkrankungen
und Myokardinfarkpatienten zu verzeichnen. Auch die Ergebnisse
zur Beeinflussung des Stressempfindens durch Musikhören der
4 vorliegenden Studien bewegen sich eher im nicht-signifikanten
Bereich. Keine Auswirkungen wurden in Studien zur Beeinflussung
von Depressionen festgestellt. Auf der physiologischen Ebene
konnten signifikante Effekte des Musikhörens auf Blutdruck und
Schmerzempfinden der Patienten beobachtet werden. Die Studienergebnisse
zur Beeinflussung der Herzrate bleiben für die Forscher eher
inkonsistent, da sich die 14 untersuchten Studien darin unterscheiden,
dass zum Teil Musik gehört worden ist, die von den Patienten
selbst ausgewählt wurde, während zum Teil aber auch von
den Therapeuten ausgewählte Musik angehört worden ist. Die Autoren
weisen darauf hin, dass “sedative” Musik schwierig zu definieren
ist und es daher unklar bleiben muss, welche Art von Musik sich
nun für die oben untersuchten Zwecke eignet. In zukünftigen
Studien, so die Forscher, sollten diese Aspekte mehr berücksichtigt
werden. |
Zu
heiß
vom 07.04.2009 |
| Wer seinen schwarzen Tee sehr heiß
trinkt, der muss mit einem erhöhten Risiko leben, an Speiseröhrenkrebs
zu erkranken. Das haben jetzt iranische Forscher herausgefunden
(Islami
et al. BMJ 2009). Demzufolge ist das Krebsrisiko von Heißteetrinkern
(über 65°C) gegenüber Lauwarmtrinkern (unter 60°C) um den Faktor
8 erhöht, auch Teetemperaturen von 60-65°C erhöhen das Risiko
schon um den Faktor 2. Unklar ist noch, ob die Ergebnisse auch
auf andere Heißgetränke übertragbar sind. |
Was
verstehen Laien unter CAM?
vom 07.04.2009 |
| Wer weiß schon, was Komplementärmedizin
ist? Oder welche Therapieverfahren dazu gehören? Wahrscheinlich
kann jeder, der beruflich mit CAM zu tun hat, Geschichten darüber
erzählen, wie Laien Homöopathie und Phytotherapie verwechseln,
Kinesiologie als Schulmedizin begreifen oder neue Chemotherapien
zur Komplementärmedizin zählen. Amerikanische Forscher haben
nun 109 Studenten nach ihrer Definition von CAM gefragt (Fennell
et al. Compl Ther Medicine 2009). 16 von Ihnen antworteten,
noch nie etwas davon gehört zu haben, weitere 33 beantworteten
die Frage gar nicht. 39 Studenten definierten CAM darüber, außerhalb
der Norm bzw. des Mainstreams zu liegen, z. B. von Laienheilern
verordnet zu werden (12), ohne Medikamente auszukommen (10),
wissenschaftlich nicht geprüft zu sein (3), oder nicht „westlich“
zu sein (2). Nur wenige begriffen CAM als Entität: 2 Studenten
definierten CAM über die Tradition, 2 verwendeten den Begriff
der „Ganzheitlichkeit“ und 13 versuchten, CAM positiv über die
Gesunderhaltung (im Gegensatz zur Krankheitsheilung der Schulmedizin)
zu beschreiben. Interessant ist auch, welche Verfahren in freier
Nennung zur Komplementärmedizin gezählt wurden. Die ersten Plätze
belegten Akupunktur (35%), Kräuter (28%), Massagen (19%) und
Yoga (14%), Vitamine landen mit nur 7% auf Platz 5. Das bedeutet,
dass selbst klassische CAM-Verfahren eher selten mit dem Begriff
frei assoziiert wurden. Und: Homöopathie, Mineralien und Osteopathie
wurden so selten genannt, dass sie gar nicht aufgeführt wurden. |
Naturheilmittel
bei Rheuma meist ohne Wirkung?
vom 31.03.2009 |
In einem aktuellen Bericht
der Arthritis Research Campaign, der die wissenschaftliche
Evidenz sowie die Sicherheit einzelner komplementärmedizinischer
Präparate (zur oralen Einnahme oder zum Auftragen auf die Haut)
bei rheumatischen Erkrankungen wie Arthritis, Arthrose und Fibromyalgie
aufzeigt, werden Präparate von A wie Anthocyanidine bis W wie
Weidenrinde hinsichtlich ihrer klinisch geprüften Wirksamkeit
beurteilt. Unter den untersuchten Präparaten sind Substanzen
und Mittel wie Leinsamenöl, Grünlippmuschelextrakt, Brennessel,
Teufelskralle, Hagebuttenextrakt, Capsaicin, Weihrauch, Fischöl,
Glukosamin und verschiedene Kräutermischungen wie Reumalex und
Phytodolor zu finden. Zwei Drittel dieser natürlichen Heilmittel
sind laut Beurteilung durch die Autoren entweder gar nicht oder
nur geringfügig wirksam. Auch homöopathische Arzneimittel gehören
in diese Kategorie; obwohl die Autoren einräumen, dass hinsichtlich
der homöopathischen Behandlung der Fibromyalgie positive Ergebnisse
dokumentiert sind, reichen die vorliegenden Daten zu anderen
rheumatischen Erkrankungen wie Arthritis und Arthrose nicht
für eine annähernd positive Bewertung hinsichtlich der Wirksamkeit.
Für Präparate und Substanzen wie Aloe vera, Artrosilium, Basilikum,
Emu-Öl und weitere mehr konnte keine den von den Autoren vorgegebenen
Maßstäben entsprechende kontrollierte Studie aufgefunden werden.
In ihrem nächsten Bericht beabsichtigen die Wissenschaftler
der Forschungsgruppe komplementäre Methoden wie Akupunktur,
Massage und andere im Rahmen dieser Berichtreihe zu bewerten. |
Regelschmerzen?
- Ingwer!
vom 24.03.2009 |
Frauen mit Regelschmerzen können,
statt nach Ibuprofen zu greifen, auch Ingwerextrakte einnehmen.
Das folgern iranische Wissenschaftler aus den Ergebnissen einer
randomisierten Doppelblindstudie an 150 Studentinnen (Ozgoli
et al. J Complem Altern Medicine 2009). Diese wurden in
drei Gruppen eingeteilt: 4×3 Kapseln mit 250mg Ingwerextrakt,
4×3 Kapseln mit 400mg Ibuprofen und 4×3 Kapseln mit Mefenaminsäure
(ist in Deutschland nicht zugelassen). Nach drei Monaten war
die Schmerzlinderung in allen drei Gruppen statistisch nicht
voneinander zu unterscheiden.
Man beachte aber: Dass sich drei Gruppen statistisch nicht voneinander
unterscheiden, heißt nicht, dass sie tatsächlich therapeutisch
äquivalent sind statistisch sind das zwei völlig verschiedene
Aussagen. |
Medizinstudierende
aus Gießen und Ärzte aus Norddeutschland haben wenig Ahnung
von Komplementärmedizin (CAM)
vom 24.03.2009 |
Gießener Medizinstudenten des 7.
Semesters wurden zu ihrer Einstellung und ihren Kenntnissen
über komplementärmedizinische Verfahren befragt (Münstedt
et al. eCAM 2008). Parallel dazu erhielten Allgemeinärzte
und Gynäkologen aus sieben Städten in Norddeutschland einen
Fragebogen. Insgesamt wurden 550 Bögen ausgeteilt: davon konnten
219 (von 280) von Ärzten und 217 (von 270) von Studierenden
ausgewertet werden. Das Spannende an den Ergebnissen ist, dass
sich immerhin fast drei Viertel (73,8%) der Ärzte und knapp
die Hälfte der Studierenden (40%) mit CAM beschäftigten, aber
beide Gruppen nicht wirklich das Gefühl haben, sich mit den
Verfahren auszukennen. Dabei geben die Ärzte an, am ehesten
noch etwas mit den Themen Ernährung, Autogenes Training und
Misteltherapie anfangen zu können. Die Studierenden führen an,
sich ebenfalls mit autogenem Training beschäftigt zu haben,
aber auch mit Hypnose und der Homöopathie! Irisdiagnostik, Dunkelfeldmikroskopie,
Geopathie und das Heilerwesen gehörten dagegen zu den Verfahren,
von denen beide Gruppen eher nichts wissen wollten. Ärzte halten
den Einsatz der Komplementärmedizin für am sinnvollsten in der
Allgemeinmedizin, Onkologie, Pädiatrie, Dermatologie und Rheumatologie
(zur Erinnerung: die befragten Ärzte arbeiteten auch in diesem
Bereich). Die Studierenden hingegen gaben neben Allgemeinmedizin
vor allem Dermatologie, Psychiatrie und Rheumatologie als sinnvolle
Bereiche an. Die meisten Ärzte (70,5%) und Studierenden (66,2%),
die geantwortet haben, wollen sich bereits im Studium mit der
Komplementärmedizin auseinander setzen. Dabei ging die Meinung
über die Bedeutung dieser Lehre für die spätere Praxis in beiden
Gruppen aber weit auseinander. Während über die Hälfte der Ärzte
(62,6%) der Meinung waren, dass dieses Studium den Arzt besser
auf seine Aufgaben in der Praxis vorbereiten, glaubt dieses
nur einer von vier Studierenden (25,9%).
Aber sowohl Studierende als auch Ärzte waren sich einig, dass die Arbeit der Ärzte letztendlich stark von der pharmazeutischen Industrie beeinflusst wird.
Ob die Ergebnisse allerdings generell auf deutsche Verhältnisse übertragen werden können, ist fraglich. |
Yoga
ist gut in allen Lebenslagen
vom 12.03.2009 |
| Ob in der adjuvanten Krebstherapie,
als begleitende Maßnahme bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder
einfach nur zur Entspannung im Alltag, Yoga ist in aller Munde,
zumal es eine Maßnahme ist, die man selbst auch einfach zu Hause
durchführen kann. Aktuell wird dies durch zwei Studien bestätigt,
in denen die jeweiligen Probanden zusätzlich zur Basistherapie
regelmäßig Yogaübungen absolvierten. In der einen Studie, der
Vorstudie zu einer größeren Untersuchung (Badsha,
H. et al., Rheumatol Int, publ. online 31. Jan. 2009), profitierten
26 Patienten mit Rheumatoider Arthritis deutlich von den zwei
Mal wöchentlich über einen Zeitraum von sechs Wochen durchgeführten
Übungen - dies machte sich insbesondere in der Besserung der
Alltagsfunktionen bemerkbar. Die Wissenschaftler erwarten jedoch
noch eindeutigere Ergebnisse durch die Erweiterung des Übungszeitraums.
Auch bei Brustkrebspatientinnen in der anderen Studie (Raghavendra,
R.M. et al. Integr Cancer Ther 2009, 8(1);37-46), die im
Gegensatz zu den Kontrollpatienten begleitend zur Strahlentherapie
ein Yoga-Programm absolvierten, konnten psychische Faktoren
wie Angst, Depression und Stresswahrnehmung sowie der Kortisolspiegel
(erhöhter Kortisolspiegel = Stress) positiv beeinflusst werden.
Eine detaillierte Übersicht über die Studienlage und das Indikationsspektrum
bietet das
Koko “Yoga” (Nr. 38). |
Zwei
Meta-Analysen - zwei Meinungen
vom 02.03.2009 |
Folsäure ist ein Vitamin (B9) mit
nachgewiesenen Effekten auf die Endothelfunktion. Das dies nicht
unbedingt eine Risikoreduktion bedeutet, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen
zu erkranken oder zu sterben, hat eine Meta-Analyse über 12
Studien gezeigt (Bazzano
et al. JAMA 2006), in denen eine tägliche Folsäure-Nahrungsergänzung
mit einem Placebo verglichen wurde.
Dieser Meinung widerspricht nun eine andere Arbeit, wiederum eine Meta-Analyse placebokontrollierter Studien (MCRae et al. J Chiropractic Med 2009). In dieser wurde gezeigt, dass sich mit einer Folsäuresupplementaton der Blutdruck zwar nur leicht senken lässt, die Endothelfunktion sich aber deutlich verbessert. Der Autor rechnet hoch, dass sich damit etwa 5 bis 10% aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern lassen dürften...
Man sieht wieder einmal, Forschung in der Medizin ist bei weitem nicht eindeutig. Die Meta-Analyse gilt als schärfstes Mittel des Erkenntnisgewinns in der therapeutischen Forschung. Dennoch gilt: nur ein kleiner Wechsel des Blickwinkels führt zu komplett konträren Ergebnissen.
Im Übrigen gibt es natürlich auch Erklärungsversuche für die widersprüchlichen Ergebnisse. Der Autor der neuesten Studie nimmt an, dass sich die gesundheitsrelevanten Effekte der Folsäuresupplementation erst bei hohen Dosierungen einstellen (über 5.000 µg/Tag). Vielleicht sind aber auch die Modelle, anhand derer von der Endothelfunktion auf die Mortalitätsrate hochgerechnet wird, falsch. |
Süßholz
gegen Sucht
vom 02.03.2009 |
| Südkoreanische Wissenschaftler
haben erfolgreich versucht, die Kokainsucht von Ratten mit
einem Naturstoff zu bekämpfen (Jeon
et al. J Proteome Research 2009) - und zwar mit Isoliquiritigenin,
einem Bestandteil von Glycyrrhiza glabra, die im Volksmund unter
Lakritze bzw. Süßholz bekannt ist. Die Ratten, die Isoliquiritigenin
gespritzt bekamen, zeigten nach einer Kokaininjektion deutlich
weniger Verhaltensauffälligkeiten (Unruhezustände) als diejenigen,
die lediglich ein Placebo bekamen. Die Unterschiede zwischen
den Gruppen ließen sich auch im Eiweißstoffwechsel des Gehirns
nachweisen. |
Eine
neue Chance für Kava-Kava?
vom 02.03.2009 |
Kava-Kava (oft auch nur kurz Kava) ist eine Pfefferart, deren
Extrakte angstlösend wirken. Sie musste allerdings vor 7 Jahren
vom Markt genommen werden, nachdem eine Reihe von Fällen mit
starken Leberschädigungen (incl. Todesfällen) nach Kava-Kava-Einnahme
bekannt geworden waren. Die Entscheidung des BfArM stieß damals
auf heftigen Widerspruch bekannter Phytotherapeuten und Wissenschaftler,
die die Entscheidung als überzogen und nicht durch Fakten belegt
ansahen.
Australische Wissenschaflter wollen dennoch einen neuen
Anlauf wagen und die Wirksamkeit und Sicherheit von Kava-Kava
bei Angst und Depressionen belegen (Sarris et al. Compl Ther
Medicine 2009). Und zwar mit dem expliziten Ziel einer Wiedereinführung
der Produkte in Europa, Großbritannien (ja, die Australier scheinen
da zu unterscheiden) und den USA.
Die Australier führen damit
ein Forschungsprojekt fort, in dem sie bereits bewiesen haben,
dass eine Kombination von Kava-Kava und Johanniskraut bei Depressionen
wirksam ist (Sarris
et al. Hum Psychopharmacol 2009). Auf die Ergebnisse der
jetzt angekündigten Studie kann man gespannt sein. |
Positive
CAM-Einführung in Nordirland
vom 23.02.2009 |
Ein Pilotprojekt der nordirischen
Gesundheitsbehörden zur Einführung von CAM in die Regelversorgung
ist durchgängig positiv verlaufen (McDade
2008). In zwei Bezirken Nordirlands war es den Hausärzten
möglich, Patienten mit orthopädischen oder psychiatrischen Erkrankungen
an komplementärmedizinisch arbeitende Therapeuten zu überweisen.
Insgesamt 713 Patienten nahmen diese zusätzliche Hilfe in Anspruch.
80% von ihnen berichteten von Verbesserungen im Gesundheitszustand,
die Rate der Patienten, die regelmäßig Medikamente einnahmen,
sank von 75% auf 61%.
Die überweisenden Hausärzte bestätigten Gesundheitsverbesserungen bei 65% aller Patienten, ihre Einstellung zur Komplementärmedizin wurde deutlich positiv verändert, so dass sie in nahezu allen Fällen entsprechende Überweisungen noch einmal vornehmen würden. |
Schmerzlinderung
durch Meditationstraining
vom 19.02.2009 |
| Wer regelmäßig meditiert, empfindet
Schmerzen weniger stark. Zu diesem Resultat kommt eine aktuelle
Studie an der Universität Montreal (Grant
J et al., Psychosomatic Med 71(2009): 106-114). 13 erfahrene,
gesunde Zen-Lehrer, die sich regelmäßig in der Zen-Meditation
üben, einer Meditationsform, in der Atemtechniken eine wichtige
Rolle spielen, wurden Schmerzreizen durch Hitze ausgesetzt,
genau wie die Probanden einer gleich großen Gruppe ohne Meditationserfahrung.
Die in der Meditation erfahrenen Probanden ertrugen anstandslos
bis zu 49,9 °C an der Wade mit einem Heizgerät appliziert, während
in der Kontrollgruppe schon bei niedrigeren Temperaturen (höchstens
48,2 °C) Laute des Schmerzes zu vernehmen waren. Die Forscher
vermuten, dass durch die Meditation eine Stressreduzierung erfolgt,
mit der eine Verminderung des Schmerzempfindens einhergeht.
Weitere Untersuchungen müssen jedoch noch durchgeführt werden,
um diese Annahme wissenschaftlich untermauern zu können. |
Jede
15. Kalorie aus Omega-6-Fettsäuren
vom 19.02.2009 |
| Eine Expertenkommission der Amerikanischen
Herzgesellschaft hat neue Empfehlungen zum Verzehr mehrfach
ungesättigter Omega-6-Fettsäuren veröffentlicht (Harris
et al. J Americ Heart Assoz 2009). Demnach sollten 5% bis
10% des Gesamtenergiebedarfs durch ebendiese Fettsäuren gedeckt
werden. Dieses verspricht ein deutlich reduziertes Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
zu entwickeln. Omega-6-Fettsäuren finden sich vor allem in Pflanzenölen
und Nüssen. (Siehe dazu auch das
Koko Nüsse.) |
Salbei
und Tragant gegen chronische Erschöpfung
vom 19.02.2009 |
Südkoreanische Wissenschaftler haben in einer randomisierten placebokontrollierten Studie an 36 Patienten nachgewiesen, dass pflanzliche Extrakte aus Salbei (radix salviae) und Tragant (radix astragali) die Symptome eines chronischen Erschöpfungssyndroms lindern können (Cho et al. Complement Ther Medicine 2009): Während die Symptomatik in der Placebogruppe nur um etwa 10% zurückging, betrug die Linderung in den beiden Verumgruppen (verschiedene Dosierungen des Extrakts) etwa 30%. Eine entsprechende Veränderung in relevanten Laborparametern (Zytokine) konnte nicht beobachtet werden.
Tragant und Salbei werden in der TCM traditionell zur Tonisierung (Qi-Stärkung) gegeben.
|
Sham-Akupunktur
wirkt wie echte Akpunktur, nur der Weg ist ein anderer
vom 12.02.2009 |
Akupunktur ist schmerzlindernd,
Sham-Akupunktur auch, soviel ist bekannt. Bekannt ist auch,
dass die schmerzlindernde Wirkung gesteigert werden kann, wenn
man die Erwartungen an die Wirksamkeit der (Sham-)Akupunktur
möglichst hoch hält. Eine neue Studie legt jedoch die Vermutung
nahe, dass sich der Wirkmechanismus der echten Akupunktur von
dem der Sham-Akupunktur unterscheidet, selbst wenn hohe Erwartungen
an die Wirksamkeit der Therapie geweckt werden: Im fMRI zeigten
die relevanten Gehirnregionen eine jeweils unterschiedliche
Aktivität (Kong
et al. Neuroimage 2008).
Die Carstens-Stiftung hat sich schon vor vielen Jahren erstmals
damit beschäftigt, ob die sich Wirkungen der Akupunktur im fMRI
nachweisen lassen, Isabel
Gareus war Stipendiatin der Stiftung und gilt heute als
eine der Expertinnen schlechthin auf diesem Gebiet. Gleiches
gilt für Frauke Musial, Forschungsleiterin der Klinik für
Integrative Medizin und Naturheilkunde in Essen und bereits
seit vielen Jahren von der Carstens-Stiftung gefördert. |
Vitamine
- die Enttäuschungen reißen nicht ab
vom 12.02.2009 |
Eine tägliche Nahrungsergänzung
mit Multivitaminpillen hat keine relevanten gesundheitlichen
Effekte. Dieses ist die ernüchternde Nachricht einer aktuellen
Publikation aus den Studien der Womens Health Initiative (Neuhouser
et al. Ann Int Medicine 2009). Hierbei handelt es sich um
randomisierte und beobachtende Studien an insgesamt über 160.000
Frauen. Demnach bleibt das Risiko, Krebs zu bekommen, völlig
unbeeinflusst davon, ob die Frauen Multivitaminpräparate eingenommen
haben oder nicht. Auch vor einzelnen Krebsarten schützen die
Vitamine offenbar nicht (Brustkrebs, Magen-Darm-Krebs, Leberkrebs).
Gleichzeitig war auch nicht nachzuweisen, dass Multivitaminpräparate
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose)
vorbeugen können. Die Gesamtsterblichkeit war bei Frauen, die
Vitaminpräparate einnahmen, um den Faktor 1,02 höher als bei
denen, die dieses nicht taten, war also quasi identisch.
Die Ergebnisse kommen gerade zu dem Zeitpunkt, da das
neue Koko zum Thema “Vitaminüberdosierungen” bereits geschrieben,
aber noch nicht gedruckt ist. Hintergrund für das Koko waren
Meta-Analysen aus dem letzten Jahr, die ebenfalls keinerlei
positiven Effekte von vitaminreichen Nahrungsergänzungen auf
Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen gefunden haben, ja tendenziell
sogar eher von negativen Effekten sprachen. |
Auf
den Vergleich kommt es an
vom 05.02.2009 |
Hilft die Akupunktur bei Schmerzsyndromen?
Das ist die Frage, die in der Komplementärmedizin derzeit wissenschaftlich
am heftigsten diskutiert wird. Die Antwort darauf hängt überwiegend
vom Blickwinkel ab. Eine Arbeitsgruppe um K. Linde (München)
kommt z.B. in einer Meta-Analyse der Cochrane-Collaboration
zu der Auffassung, dass die Akupunktur eine wertvolle nicht-pharmakologische
Intervention bei der Behandlung häufiger oder chronischer Spannungskopfschmerzen
sein könne (Linde
et al. Cochrane Database Syst Rev 2009). Und zwar deswegen,
weil sich die Akupunktur gegenüber einem Routinevorgehen ohne
Akupunktur als effektiv erwiesen habe, obwohl die Vorteile gegenüber
einer Scheinakupunktur nur gering (wenn auch signifikant) seien.
Die Arbeitsgruppe um M. Madsen vom Nordischen Cochrane-Zentrum
in Kopenhagen dagegen spricht der Akupunktur dagegen in ihrer
Meta-Analyse eine klinisch relevante Wirkung bei Schmerzsyndromen
ab, und zwar deswegen, weil sich gegenüber einer Scheinakupunktur
nur geringe Vorteile (wenn auch signifikant) ergeben, obwohl
moderate Effekte gegenüber der Routinebehandlung nachzuweisen
waren (Madsen
et al. BMJ 2009).
Man sieht: es kommt allein auf den Blickwinkel an. Und so lange
das von Walach propagierte “Wirksamkeitsparadoxon” der Komplementärmedizin
(Walach.
Forsch Komplementärmed 2001) nicht adäquat beforscht wird
(werden kann), wird sich die Frage nach der Wirksamkeit der
Akupunktur nicht lösen lassen und sich die Diskussion im Kreise
drehen. Was sie seit Jahren tut! |
Hibiscustee
hilft, den Blutdruck zu senken
vom 05.02.2009 |
| Gleich zwei aktuelle Doppelblind-Studien
bestätigen die blutdrucksenkende Wirkung eines Tees aus Blüten
der Malvenart Hibiscus sabdariffa (Roselle). Der Tee ist besonders
im Nordosten und Westen Afrikas unter dem Namen Karkadeh oder
Bissap bekannt und gilt zumindest im Senegal als Nationalgetränk.
Auch in westlichen Ländern genossene Früchtetees enthalten Blüten
dieser Malvenart. In der US-amerikanischen Studie (McKay
D. et al., Circulation 2008; 18:1123), die an der Tufts-Universität
Boston durchgeführt wurde, konnten die systolischen Blutdruckwerte
der Patienten durch das Trinken von drei Tassen Hibiscus-Tee
über einen Zeitraum von sechs Wochen um durchschnittlich 7,2
mmHg gesenkt werden, während die Placebo-Kontrolle lediglich
eine Senkung um 1,3 mmHg bewirkte. Ein ähnlich positives Ergebnis
wurde In einer kürzlich publizierten iranischen Studie erzielt
(Mozaffari-Khosravi
H et al., J Human Hypertension 2009, 23:48-54), in der 60
Patienten mit Diabetes Typ II über einen Monat entweder zwei
Tassen Hibiscus- oder schwarzen Tee pro Tag tranken. Auch in
dieser Studie profitierte die Verumgruppe (Hibiscustee) deutlich
von den blutdrucksenkenden Eigenschaften dieser Pflanze. Ähnlich
wie Rotwein oder schwarzer bzw. grüner Tee enthält Hibiscusblütenextrakt
Anthocyane, die die Gefäße schützen, und andere Antioxidantien,
die sich positiv auf die Cholesterinwerte auswirken. Er könnte
daher in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von
Bedeutung sein. |
Gegen
Erkältungssymptome helfen Heißgetränke besser
vom 26.01.2009 |
| Winterzeit, Erkältungszeit: Schon
die Beachtung einfacher Grundregeln kann den Verlauf der Erkältung
positiv beeinflussen. So bestätigt eine aktuelle Studie, was
eigentlich schon viele von ihrer Großmutter wissen: Ein heißer
Tee oder ein anderes heißes Erkältungsgetränk beseitigt die
ungeliebten Symptome schneller und anhaltender als ein kalt
zu sich genommenes Getränk. In der Untersuchung (Sanu
et al. 46; 2008: 271-275) bekamen 30 an grippalem Infekt
erkrankte Probanden Apfel-Johannisbeer-Saft entweder in zimmerwarmer
oder heißer Form verabreicht. Objektive Messungen des Effekts
auf die Nasenatmung ergaben keinen großen Unterschied zwischen
beiden Verabreichungsformen, die Patienten selbst berichteten
jedoch von einer deutlichen Besserung hinsichtlich solcher Symptome
wie laufender Nase, Husten, Niesen, Halsschmerz, Frösteln und
Abgeschlagenheit. Möglicherweise - so die Autoren - seien Placebo-Effekte
oder aber physiologische Effekte auf Speichelfluss und Sekretbildung
verantwortlich für dieses Ergebnis |
Ausreichend
Schlaf ist wichtig für das Immunsystem
vom 15.01.2009 |
| Gute Nachricht für Schlafmützen:
Menschen, die nachts regelmäßig sieben oder mehr Stunden schlafen,
leiden seltener an Erkältungen. Insgesamt 153 gesunde Männer
und Frauen wurden im Rahmen einer aktuellen Studie
über einen Zeitraum von 2 Wochen bezüglich ihres Schlafverhaltens
beobachtet. Anschließend wurden sie vorübergehend isoliert,
mit einem Rhinovirus infiziert und für den Zeitraum von 5 Tagen
auf Entwicklung einer Erkältung überprüft. Die Wahrscheinlichkeit,
dass Probanden mit weniger als 7 Stunden Schlaf eine Erkältung
bekamen, war knapp drei Mal höher als bei Probanden, die 8 Stunden
oder mehr geschlafen hatten. Unruhig Schlafende profitieren
wahrscheinlich eher nicht, da auch die Schlafqualität für den
Faktor “Immunstatus” entscheidend ist. |
Scheideninfektionen
mit pflanzlichen Mitteln behandeln
vom 15.01.2009 |
| Infektionen der Scheide mit verschiedenen
Bakterienstämmen können zu erhöhten Abortraten führen. Sie werden
daher standardmäßig mit dem Breitbandantibiotikum Metronidazol
(als Gel) behandelt. Iranische Forscher haben nun in einer randomisierten
Studie gezeigt, dass Extrakte aus Zataria multiflora, einer
im Iran beheimateten Thymianart, vergleichbare Effekte haben
(Simbar
et al. Phytomedicine 2008): Die Erfolgsraten beider Substanzen
waren ähnlich gut (93% bzw. 95%). Während es bei Metronidazol
häufiger zu vaginalem Brennen und Jucken kam, gab es beim pflanzlichen
Präparat etwas häufiger Schwindel- und Übelkeitssymptome. |
CAM-Nutzung
in den USA ungebrochen hoch
vom 12.01.2009 |
| 38% aller erwachsenen US-Amerikaner
und 12% aller Kinder in den USA haben 2007 komplementärmedizinische
Verfahren genutzt (Barnes
et al. NIH 2008). Das ist ein etwas höherer Anteil als 2002
und ein deutlich höherer Anteil als 1993. Besonders häufig genutzt
wurden “natural products”, also frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel
und pflanzliche Medikamente (Omega-3-Fettsäuren, Glucosamine,
Echinacea, Leinsamen), gefolgt von definierten Atemtechniken
(”Deep Breathing”), Meditationen und Chiropraktik/Osteo-pathie.
Akupunktur ist nicht unter den TOP 10-Therapien zu finden, die
Homöopathie ist mit einer Nutzungshäufigkeit von 1,8% ebenfalls
nicht auf den vorderen Plätzen. Yoga gehört zu den Maßnahmen
mit den höchsten Zuwachsraten. |
Analgetische
Wirkung des Schröpfen bestätigt
vom 12.01.2009 |
| Blutiges Schröpfen hilft, die
Schmerzen bei chronischen Schmerzsyndromen zu reduzieren. Das
haben iranische Wissenschaftler jetzt am Beispiel der chronischen
Rückenschmerzen in einer randomisierten Therapiestudie belegen
können (Farhadi
et al. Complement Ther Medicine 2009). Die Schröpftherapie
(3-maliges blutiges Schröpfen innerhalb einer Woche) führte
im Vergleich zur Routinebehandlung zu verringerten Schmerzen,
verbesserter Funktionalität und geringerem Schmerzmittelkonsum.
Diese Studie bestätigt indirekt auch Ergebnisse einer randomisierten
Studie zum blutigen Schröpfen bei nächtlicher Brachialgie (Lüdtke
et al. Complement Ther Medicine 2006), die von der Carstens-Stiftung
gefördert wurde. |
Äufwärmen
beugt Verletzungen vor
vom 12.01.2009 |
Alle, die in ihrer Jugend Sport betrieben haben, lernten auch, dass man sich lang und ausgiebig aufwärmen muss. In den letzten Jahren ist das Aufwärmen allerdings ein wenig aus der Mode gekommen. Von verschiedenen Seiten wurde die Vermutung geäußert, dass Muskelfaserrisse völlig unabhängig davon entstehen, ob und welche Übungen vor dem eigentlichen Sport praktiziert wurden. Mit diesem Vorurteil hat nun eine große norwegische Studie aufgeräumt (Soligard
et al. BMJ 2008). Fußballerinnen, die sich vor Spielbeginn einem angeleiteten und umfassenden Aufwärmprogramm unterzogen, verletzten sich seltener als solche, die sich nach Belieben aufwärmten (oder auch nicht). Insbesondere das Risiko für schwere Verletzungen reduzierte sich deutlich, und zwar um fast 50%.
Unklar ist - zumindest aus wissenschaftlicher Sicht - ob das auch für männliche Fußballer gilt. |
Weihrauch
getestet und für gut befunden
vom 12.01.2009 |
Indischer Weihrauch (Boswellia
serrata) ist als entzündungs-hemmendes Mittel bekannt, das insbesondere
bei chronischen Entzündungen eingesetzt wird. Eine kürzlich
von E. Ernst veröffentlichte Übersichtsarbeit (Ernst.
BMJ 2008) hat nun die Evidenz zum Weihrauch aus sieben kontrollierten
randomisierten Studien zusammengetragen (u.a. bei Asthma, rheumatoider
Arthritis und M. Crohn). Sie schloss mit den Worten: die Evidenz
zur Wirksamkeit ist vielversprechend, aber nicht überwältigend.
Eine Wortwahl, die Herr Ernst nicht gerade oft bemüht. Vielleicht
liegt es daran, dass dieser Artikel in der Weihnachtsausgabe
des BMJ erschienen ist…
Wer mehr über indischen Weihrauch lesen will, sollte in den
KoKo
von Natur und Medizin (Nr. 4) schauen.
|
Tai
chi und Qigong hilfreich für Demenzpatienten?
vom 15.12.2008 |
| Eine aktuelle randomisierte Untersuchung
(Burgener,
Am J Alzh Dis 23, 2008) an insgesamt 43 Probanden mit beginnender
Demenz zeigt, dass der physische und psychische Zustand der
Patienten durch den multimodalen Behandlungsansatz, bestehend
aus kognitiver Verhaltenstherapie sowie Tai chi- und Qigongübungen,
verbessert und der mentale Abbau verzögert werden kann. Die
Gruppe der 24 Patienten, die das Kombinationsprogramm über den
gesamten Zeitraum von 40 Wochen durchführten, profitierte deutlich
gegenüber der Kontrollgruppe (19 Patienten), die an diesen Maßnahmen
nur die letzten 20 Wochen teilnahmen. Neben der Besserung motorischer
Fähigkeiten waren unter den Einzelresultaten besonders auch
gesteigertes Selbstbewusstsein und vermehrtes Glücksempfinden
bei den Patienten zu verzeichnen. Ein weiteres Einsatzgebiet
der Qigong-Therapie sollte im Rahmen einer von der Carstens-Stiftung
geförderten Studie (Wiedemann,
Forsch Komplementärmed 15, 2008) gefunden werden. Leider
ergab die Studie, dass ältere Patienten mit Beschwerden der
Halswirbelsäule gegenüber der Kontrolle (Wartelistengruppe)
weder von der Qigong- noch von der physiotherapeutischen Standardtherapie
(Nackenübungen) profitierten. |
Helfen
Cistus-Bonbons bei der Abwehr von Infekten?
vom 15.12.2008 |
| Die Zistrose (Cistus incanus)
wurde schon in der Antike zur Bekämpfung von Magen- und Darmerkrankungen
eingesetzt. Die im Mittelmeerraum heimische Pflanze, die reich
an Polyphenolen ist, steht nun auch im Verdacht, das Immunsystem
zu stärken und so vor Infekten zu schützen. Bisher wurde die
Zistrose nur experimentell erforscht. Nun steht die Publikation
einer an der Charité Berlin unter der Leitung von Herrn Dr.
Dr. Kiesewetter durchgeführten Studie bevor, die die Wirkung
von Cystus052 Infektblocker® Tabletten bei Atemwegsinfekten
untersucht. Leider sind derzeit noch keine Ergebnisse für die
Öffentlichkeit abrufbar. In einer im Jahr 2002 publizierten
Studie untersuchte Herr Dr. Dr. Kiesewetter bereits den Effekt
eines Suds aus der Zistrose bei Tonsillopharyngitis, bei der
eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erreicht werden
konnte (Kiesewetter H, Cystus Sud zur lokalen Behandlung der
Tonsillopharyngitis. Erfahrunsheilk 51(11), 2002: 792-793).
Weitere Infos unter www.multimedvision.de. |
Ein
Deja Vu?
vom 04.12.2008 |
Die Krankheiten ändern sich, die Ergebnisse sind erstaunlich konstant: in Studien zeigt sich immer wieder, dass es Patienten massiv besser geht, wenn sie akupunktiert werden. In der Regel ist der Effekt der Akupunktur wesentlich größer als man unter den derzeit besten schulmedizinischen Therapien erwarten kann, hebt sich aber nicht von einer internen Vergleichsgruppe, also einer Placeboakupunktur (Akupunktur an anderen Punkten, Verwendung einer Placebonadel, u.s.w.) ab.
Die neueste Replikation dieser Ergebnisse gelang jetzt einer schwedischen Arbeitsgruppe. Diese untersuchten 215 Krebspatienten, die aufgrund einer Strahlenbehandlung an Übelkeit litten. Bei 95% aller Patienten konnte diese gelindert werden, ein Wert, der auch von einer Placebobehandlung mit einer Streitberger-Nadel (diese sticht nicht, sondern schiebt sich teleskopartig zusammen) erzielt wurde. Eigentlich müsste man dieses Ergebnis als Negativergebnis verbuchen, wäre da nicht die Tatsache, dass konventionelle Medikamente die Übelkeit nur in etwa 25% aller Fälle wirksam ist.
So sagt es zumindest die vor wenigen Tagen verbreitete Pressemeldung
aus Linköping, Schweden, die unter anderem von der Ärzte Zeitung
aufgenommen wurde (”Akupunktur
wirkt auch ohne Zustechen gegen Übelkeit nach Bestrahlung”).
Irritierend dabei ist, dass es eine ähnliche Meldung bereits
vor einem Jahr gab (“Acupuncture
Does Not Reduce Radiotherapy-induced Nausea, But Patients Believe
It Does”), mit den gleichen Patientenzahlen aber anderen
Erfolgsquoten. Vielleicht sollte man die wissenschaftliche Veröffentlichung
abwarten... |
Tai
Chi bei M. Bechterew erfolgreich
vom 04.12.2008 |
| Koreanische Forscher haben in einer
kontrollierten Studie festgestellt, dass Tai Chi die Krankeitsaktivität
bei Patienten mit Spondylitis ancylosans (M. Bechterew) verringern
und die Beweglichkeit des Rückens (beim Rumpfbeugen) verbessern
kann (Lee
et al. eCAM 2008). Die Depressivität konnte dagegen nicht
signifikant beeinflusst werden. An der Studie nahmen insgesamt
20 Patienten über 2 Monate zweimal wöchentlich an angeleiteten
Tai-Chi Stunden teil und wiederholten das Gelernte täglich.
Gleichzeitig erhielten sie, wie die 20 Patienten der Wartelisten-Kontrollguppe
auch, ihre Standardmedikation über den gesamten Studienzeitraum
weiter. Das Problem: Die Studie war nicht randomisiert und augenscheinlich
wählten vor allem schwerer Erkrankte die Tai-Chi Behandlung,
Auch wenn die Unterschiede zur Kontrollgruppe (wegen der
kleinen Fallzahl) nicht signifikant waren, waren sowohl Krankheitsaktivität
als auch Steifheit und Depressivität in der Tai-Chi Gruppe deutlich
erhöht. Nach Therapieende zeigten sich beide Gruppen dann etwa
gleich stark betroffen, was letztendlich bedeutet, dass die
bebachteten Effekte reine Normalisierungseffekte sein können,
die keinerlei Bezug zur Therapie haben. |
Akupunktur
bei Kinderwunsch - neue Verwirrungen
vom 04.12.2008 |
| Bislang galt es als gesicherterte
Erkenntnis, dass eine Akupunkturbehandlung In-vitro-Fertilisationen
(IVF) wirkungsvoll unterstützen kann und zu deutlich erhöhten
Schwangerschaftsraten führt. Diese auf zwei Meta-Analysen basierende
Erkenntnis (Ng
et al. Fertil Steril 2008; Manheimer
et al. Brit Medic J 2008) muss möglicherweise revidiert
werden: In einer randomisierten chinesischen Studie zeigten
sich statistisch signifikant erhöhte Schwangerschaftsraten unter
einer Placeboakupunktur (mit einer Streitberger-Nadel) im Vergleich
zu einer Verumakupunktur an den gleichen Punkten (So
et al. Human Reprod 2008). Während in der Verumakupunktur
“nur” 44% aller 185 Patientinnen schwanger wurden, waren es
unter Placebo stolze 55%. Das Spannende: alle Erfahrungen mit
IVF belegen relativ stabile Schwangerschaftsraten von 20-25%.
Was nichts anderes heißt, als dass auch die schlechtere der
beiden Akupunkturgruppen eine fast doppelt so hohe Erfolgsquote
aufwies als bei einer unwirksamen Behandlung zu erwarten wäre. |
Meta-Analyse
zur Homöopathie in Frage gestellt
vom 20.11.2008 |
| Es ist etwa drei Jahre her, dass
Schweizerische Forscher in einer Meta-Analyse über randomisierte
placebokontrollierte Studien keinen Vorteil homöopatischer Arzneimittel
über Placebo entdecken konnten (Shang
et al. Lancet 2005). Ein Ergebnis, das als das “Ende der
Homöopathie” interpretiert wurde. Ein deutsch-niederländisches
Wissenschaftlerteam hat diese Interpretation nun in Frage gestellt
und die Daten einer Reanalyse unterzogen (Lüdtke
et al. J Clin Epidemiol 2008). Demnach hängt die Beantwortung
der Frage, ob homöopathische Arzneimittel mehr als ein Placebo
sind oder nicht, massiv davon ab, welche Studien letztendlich
analysiert werden. Analysiert man nur große, hochqualitative
Studien, dann gibt es keinen Unterschied. Nimmt man allerdings
mittelgroße, hochqualitative Studien hinzu, dann schon.
Außerdem kommt es darauf an, ob man Studien zur Prävention von
Krankheiten (Erkältungen, Muskelkater) oder nur solche zur Therapie
berücksichtigt. |
Durch
Akupunktur zum Nichtraucher
vom 14.11.2008 |
| Noch vor Kurzem haben wir an dieser
Stelle über eine Studie berichtet, in der eine Ohrakupunktur
keine über Placebo hinausgehenden Erfolge bei der Raucherentwöhnung
zeigen konnte (Wu
et al. J Chin Med Assoc 2007). Eine kanadische Studie kommt
nun zu einer gegenteiligen Auffassung (Collet
et al. J Compl Integrat Medic 2008). In dieser Studie wurden
210 Raucher mit einer Laserakupunktur behandelt, nach einem
Jahr betrug der Anteil der Nichtraucher immerhin noch 40%, lag
also deutlich über dem, was man in anderen Studien beobachten
konnte. Da es in dieser Studie keine Kontrollgruppe gab, sollten
die Schlussfolgerungen allerdings sehr vorsichtig ausfallen. |
Joghurt,
Dickmilch und Co. zur Vorbeugung von Blasenkrebs
vom 06.11.2008 |
| Wer regelmäßig Produkte mit Milchsäurebakterien
wie Joghurt, Dickmilch, Kefir oder Buttermilch verzehrt, erkrankt
möglicherweise nicht nur seltener an Infekten, sondern kann
nach einer aktuellen Studie sogar dem Blasenkrebs vorbeugen
(Larsson
et al., Am J Clin Nutr, 88(4); 2008). In einer prospektiven
Studie wurde bei einer Population von 82002 schwedischen Frauen
und Männern zuerst eine Untersuchung auf Erkrankung an Blasenkrebs
durchgeführt, die jedoch bei keinem der Studienteilnehmer diagnostiziert
worden ist, um nach einem Follow-up von 9,4 Jahren festzustellen,
dass bei 485 Patienten der Population eine Neuerkrankung an
Blasenkarzinom aufgetreten war. Je mehr Portionen Joghurt oder
andere milchsäurehaltige (fermentierte) Produkte die Studienteilnehmer
zu sich genommen hatten, desto niedriger war das Risiko, an
Blasenkrebs zu erkranken. Dieses signifikante Ergebnis konnte
allerdings für nicht milchsäurebakterienhaltige Produkte wie
Milch oder Käse hinsichtlich der Vorbeugung dieser Krebsart
nicht festgestellt werden. |
Akupunktur
hat nur selten Nebenwirkungen
vom 29.10.2008 |
| Zu den Nebenwirkungen einer Therapie lässt sich oft nur wenig sagen, gerade seltene Ereignisse werden in Studien zur Wirksamkeit oft übersehen. Das liegt vor allem daran, dass in der Regel riesige Patientenzahlen notwendig sind, um eine tatsächliche Nebenwirkung vom Grundrauschen zu unterscheiden.
Für die Akupunktur ist es daher ein Glücksfall, dass die Krankenkassen vor einigen Jahren große Forschungsprogramme (Modellvorhaben) aufsetzen mussten, um Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens zu beurteilen: Hier sind nämlich riesige Datenmengen angefallen, deren Ergebnisse jetzt nach und nach veröffentlicht werden.
Im Modellvorhaben der Ersatzkassen (Barmer, DAK und mehrere andere) wurden insgesamt eine halbe Million Patienten in fast 8 Millionen Sitzungen mit Akupunktur behandelt (Weidenhammer, Deutsch Ztschr Akupunkt 2008). Bei etwa 6% aller Behandelten kam es zu unerwünschten Wirkungen, die in der Regel die Patienten aber nicht wesentlich beeinträchtigten. Nur 0,5% aller Patienten sprachen von wesentlichen Beeinträchtigungen, die zum Teil auch die therapeutische Wirksamkeit überwogen.
Die häufigsten Nebenwirkungen waren Blutungen, Nadelschmerz und Hämatome an den Einstichstellen. Allergische Reaktionen (0,01%), Angstzustände (0,02%), Kopfschmerzen (0,03%) und Kreislaufprobleme (0,41%) traten nur selten auf. Bei 17 Patienten kam es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, inklusive 5 Pneumothoraces und 6 schweren Kreislaufstörungen. |
Besonders
krebskranke Kinder mit schlechter Prognose verwenden CAM
vom 24.10.2008 |
| Etwa jedes dritte Kind mit einer Krebserkrankung (genauer gesagt 35%) wird in Deutschland zusätzlich mit komplementären Bethoden behandelt, vor allem mit Homöopathie, Vitaminen und Mineralstoffen, Mistel und Ernährungsumstellungen. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Studie an über 1000 betroffenen Familien (Längler et al. Eur J Cancer 2008). Dabei wurde um so häufiger auf CAM-Methoden zurückgegriffen, je schlechter die Prognose war. Falls die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit über 70% lag, nutzten 30% der Kinder komplementäre Verfahren, bei unter 70% waren es 47%.
Bei der Nutzung der CAM-Methoden wurden die Eltern von den betreuenden Allgemeinmedizinern überwiegend unterstützt, während die Pädiater eher indifferent waren und die Onkologen auch öfter abrieten. |
Fisch
ist gesund – auch für Säuglinge
vom 24.10.2008 |
| Säuglinge, denen schon bald nach
dem Abstillen Fisch gefüttert wird, haben ein um 25% verringertes
Risiko, innerhalb des ersten Lebensjahres eine Neurodermitits
zu entwickeln. Das ist die Hauptschlussfolgerung einer jetzt
veröffentlichten großen schwedischen Kohortenstudie (Alm
et al. Arch Dis Child 2008). Als Hauptrisikofaktoren wurde
eine familiäre Belastung (Geschwister, Mutter) identifiziert.
Dagegen machte es keinen Unterschied, ob die Kinder über einen
langen oder kurzen Zeitraum gestillt wurden, oder ob sie mit
Milch oder Eiern gefüttert wurden. Es gibt übrigens einen weiteren
Faktor, der das Neurodermitisrisiko vermindert (und zwar sogar
um zwei Drittel): einen Vogel als Haustier zu haben. Es muss
allerdings ein Vogel sein, Katzen und Hunde helfen nicht. |
Hühnchenschenkel
zur Senkung von Bluthochdruck?
vom 15.10.2008 |
| Ein altes Hausmittel, die Hühnersuppe,
könnte auch für Bluthochdruckpatienten an Bedeutung gewinnen.
So fand ein japanisches Forscherteam in einem kürzlich publizierten
Tierexperiment (Saiga
et al. 2008, J Agricul Food Chem) heraus, dass in Hühnchenfleisch
enthaltene kollagenartige Eiweiße eine ähnliche Wirkung wie
die blutdrucksenkenden ACE-Hemmer entfalten. Sechs Stunden,
nachdem die Versuchsratten ein Kollagenextrakt aus den Hühnerbeinen,
die besonders reich an Proteinen sind, erhalten hatten, konnten
die Wissenschaftler eine signifikante Senkung des Blutdrucks
bei den Tieren beobachten. Allerdings sind die Ergebnisse dieses
Experiments mit Vorsicht zu genießen, denn Ai Saga, der federführende
Wissenschaftler, führte diese Untersuchung im Auftrag eines
japanischen Lebensmittelkonzerns durch, der unter anderem auch
„Functional Food“ herstellt. Außerdem müssen klinische Untersuchungen
an Menschen erst noch beweisen, ob der regelmäßige Verzehr von
Hühnersuppe aus den Beinen des Federviehs wirklich eine blutdrucksenkende
Wirkung zeigt oder nur ein synthetisches, hochkonzentriertes
Produkt, das nichts mehr mit dem Hausmittel Hühnersuppe zu tun
hat, vermarktet werden soll. |
Empfinden
religiöse Menschen weniger Schmerz?
vom 08.10.2008 |
| Um es vorweg zu sagen: Um religiöse
Selbstkasteiung bzw. Geißelung, wie an dieser Stelle vielleicht
vermutet, geht es hier nicht, obwohl die Forscher der Studie,
die aktuell in der Zeitschrift Pain erschienen ist, nicht minder
grausame Methoden zur Schmerzverursachung anwenden. In diesem
Experiment wurden je 12 Katholiken und Atheisten Elektroschocks
gleicher Intensität ausgesetzt, während sie ein Bild der Jungfrau
Maria und ein nicht mit Religion assoziiertes, aber in seiner
Ästhetik ähnliches Gemälde von Leonardo da Vinci betrachteten.
Währenddessen wurden die Hirnfunktionen der Teilnehmer mittels
einer funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRI) gemessen.
In der religiösen Gruppe bezeugten die befragten Probanden im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich geringere Schmerzen
und favorisierten das Marienbild, während die Nicht-Gläubigen
da Vincis Gemälde bevorzugten. Ausgehend von diesen Ergebnissen
vermuten die Forscher, dass der religiöse Glaube eine direkte
Auswirkung auf Hirnareale habe, die für die Schmerztoleranz
zuständig sind. Offensichtlich stimuliert hier das religiöse
Motiv mehr noch als ein nicht-religiöses die Tendenz zur sogenannten
„kognitiven Neubewertung“ von (Schmerz-)Stimuli (Aktivierung
eines Hirnareals, das zur Reduktion von negativen Empfindungen
führt). Weitere Forschung – so die Forscher – vielleicht auch
im Hinblick auf andere Kulturen oder Religionen, sei zur Untermalung
der erzielten Resultate allerdings vonnöten. |
Süße
Medizin: Honig wirksam bei chronischer Sinusitis
vom 30.09.2008 |
| Klebrig, süß und offenbar ein vielseitiges
Heilmittel: Die antibiotische Wirkung des leckeren Bienenprodukts
scheint sich nicht nur in der Wundheilung zu bewähren. Nun zeigt
eine auf dem kürzlich in Ottawa abgehaltenen Kongress amerikanischer
HNO-Spezialisten vorgestellte Studie (Science
Daily, 23.09.08), dass Honig die Anzahl jener Bakterien
(Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa) reduzieren
kann, die eine chronische Rhinosinusitis verursachen können.
Im Vergleich mit dem Naturprodukt konnten Antibiotika, die als
Kontrolle eingesetzt wurden, wesentlich weniger Bakterien dieser
Art eliminieren. Die Frage ist, ob die Herkunft des Honigs in
diesem Kontext nicht auch eine Rolle spielen könnte. Zum Einsatz
kamen Honigsorten, die aus dem in Neuseeland beheimateten Manuka-
und dem Sidr-Strauch gewonnen worden waren. Ein Wermutstropfen
bleibt: Nicht zur innerlichen, aber zur äußerlichen Anwendung
soll der Honig verwendet werden. |
Hülsenfrüchte
helfen Schlaganfallpatienten bei der Genesung
vom 28.09.2008 |
| Wie eine jüngst publizierte Studie
(Tse
et al. 2008) offenbart, haben die besonders in Kichererbsen
und Sojabohnen enthaltenen Isoflavone durch ihre entzündungshemmende
Wirkung einen positiven Einfluss auf die Funktionsweise der
Endothelzellen von Schlaganfallpatienten. Über einen Zeitraum
von zwölf Wochen erhielt eine Gruppe von 50 Probanden, die einen
Schlaganfall erlitten hatten, 80 mg Isoflavonoide in Form eines
Nahrungsergänzungsmittels. Den 52 Patienten in der Kontrollgruppe
wurde ein Placebo verabreicht. Die Patienten in der Verumgruppe
profitierten deutlich von der Therapie, was sich im Rückgang
der CRP-Serumspiegel äußerte. Allerdings ist eine ausgewogene
Ernährung, reich an Isoflavonoiden, der Zuführung hochdosierter
Ergänzungsmittel vorzuziehen, zumal noch keine Erkenntnisse
aus Langzeitbeobachtungen zum Wirkmechanismus von Isoflavonoiden
vorliegen. |
Raucherentwöhnung
mit Ohrakupunktur – kaum Erfolge
vom 17.09.2008 |
Akupunktur wird als eine der Wundermethoden
vermarktet, die Rauchern die Nikotinabhängigkeit austreiben
soll. Wissenschaftlich ist das umstritten, ein systematischer
Review listet positive und negative Studien (White
et al. Cochrane Database 2006).
Auch eine randomisierte taiwanesische Studie, in der 131 Raucher
mit echter oder scheinbarer Ohrkupunktur behandelt wurden, brachte
keine Klarheit (Wu
et al. J Chin Med Assoc 2007). Nach 8-wöchiger Therapie
griffen 27% der Akupunktur- und 20% der Kontrollpatienten nicht
mehr zum Glimmstängel. 6 Monate später fielen diese Raten auf
17% und 12%. Statistisch signifikant waren die Unterschiede
zu keinem Zeitpunkt, die Schlussfolgerung der Autoren fiel demzufolge eher negativ aus. |
Yoga,
das AUM-Mantra und die Herzfrequenz-variabilität
vom 11.09.2008 |
Yoga löst Stress, das ist bekannt,
unter anderem auch durch die Forschung von PD Dr. A. Michalsen,
die mit Unterstützung der Carstens-Stiftung durchgeführt wurde
(Michalsen
et al. Med Sci Monit 2005). Die neuesten Yoga-Forschungen
versuchen sich den Mechanismen zu nähern, wie es zu der
Stressreduktion kommt. Indische Forscher haben nun in einer
kleinen Studie untersucht, ob Yoga (genauer gesagt Praktiken
des IshaYoga) die Herzfrequenz-variabilität positiv beeinflussen
kann. Letztere ist ein Indikator für Gesundheit und wird derzeit
sogar als ein Maß geführt, mit dem sich die Lebenszeit eines
Menschen prognostizieren lässt.
Und tatsächlich verändert sich die Herzfrequenzvariabilität
zum Positiven, nicht nur während der Yoga-Übungen, sondern auch
während des begleitenden Absingens des AUM (nicht OHM)-Mantras
(Selvaraj
et al. J Complem Integr Medic 2008). Klarzustellen ist allerdings,
dass es sich dabei nur um Kurzzeiteffekte handelt, zu welchen
langfristigen Veränderungen es kommen kann, wurde nicht untersucht. |
Mönchspfeffer
lindert Brustschmerzen
vom 08.09.2008 |
| Mehr als die Hälfte aller Frauen
kennt zyklusunabhängige Brustschmerzen. Eine Möglichkeit, sie
zu bekämpfen, sind Extrakte aus Vitex Agnus castus, dem Mönchspfeffer.
Englische Forscher haben die Wirksamkeit des Mönchspfeffers
bei Brustschmerzen in einer Übersichtsarbeit erneut betont (Carmichael.
ECAM 2008). In zwei Kohortenstudien und drei randomisierten
Therapiestudien (zwei gegen Placebo, eine gegen Standardmedikation)
konnte eine durchschnittliche Schmerzreduktion von etwa 60%
erzielt werden. Nebenwirkungen wurden bei 1 bis 10% aller Patientinnen
beobachtet. |
Ayurveda-Medikamente
schwermetallbelastet
vom 08.09.2008 |
| Medikamente aus der Ayurvedischen
Medizin sind zum Teil hochgradig mit Schwermetallen wie Blei,
Quecksilber und Arsen belastet. Amerikanische Forscher haben
230 ayurvedische Medikamente im Internet gekauft und bei jedem
5. Medikament Schwermetalle nachweisen können (Saper
et al. JAMA 2008). Bei jedem 10. Medikament überstiegen
die Konzentrationen die empfohlenen Grenzwerte. |
Auch
Osteopathie hilft bei Nackenschmerzen
vom 02.09.2008 |
| Nackenschmerzen haben oft chronische
Verläufe und sind schwer behandelbar. Komplementärmedizinische
Methoden haben bei Nackenschmerzen schon öfter ihren Wert bewiesen,
auch in kontrollierten, randomisierten Studien. Nun auch die
Osteopathie (Schwerla
et al. Forsch Komplementärmedizin 2008): 41 Patienten erhielten
über 10 Wochen lang wöchentlich eine Ultraschallbehandlung,
24 von ihnen wurden zusätzlich individuell osteopathisch behandelt.
Bei letztgenannten Patienten besserten sich die Schmerzen um
mehr als 50%, und damit signifikant (p=0,02) mehr als in der
Kotrollgruppe (17% Besserung). |
CAM
bei Reizdarmpatienten beliebt, bei Herzpatienten nicht
vom 02.09.2008 |
| Komplementärmedizinische Verfahren
– vor allem Ingwer, Massage und Yoga – sind bei amerikanischen
Patienten mit einem Reizdarmsyndrom recht beliebt: etwa jeder
dritte berichtete davon, mindestens eines dieser Verfahren in
Anspruch zu nehmen (van
Tilburg et al. BMC Complem Altern Medic 2008). Amerikanische
Patienten mit koronaren Herzkrankheiten greifen dagegen nur
selten auf CAM-Verfahren zurück. Zwar berichteten 9% davon,
CAM einzusetzen, in der Regel aber für andere Erkrankungen (Greenfield
et al. BMC Complem Altern Medic 2008). |
Neues,
Altbekanntes zu Johanniskraut
vom 29.08.2008 |
Johanniskraut ist ein Paradebeispiel
der Phytotherapie, denn lange Zeit galt seine Wirksamkeit bei milden
und mittelschweren Depression als belegt. Erst nachdem die Wirksamkeit
konventioneller Medikamente (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
SSRI) durch englische Forscher (Kirsch
et al. PloS Medicine 2008) in Frage gestellt wurde, ist
auch die Diskussion um Johanniskraut entfacht.
In der neuesten
Studie konnte die Wirksamkeit eines Johanniskrautextrakts nun
erneut nachgewiesen werden (Gastpar
et al. Pharmacopsychiatry 2006). Der Extrakt erwies sich
bei mittelschweren Depressionen als nahezu exakt gleich wirksam
wie Citalopram (auch ein SSRI) und deutlich wirksamer als ein
Placebo. Die Responderraten betrugen 54% unter Johanniskraut,
56% unter Citalopram und 39% unter Placebo. |
Vorbeugender
Cranberry-Saft
vom 26.08.2008 |
| Deutsche Forscher haben in einem
Übersichtsartikel den hohen Wert von Cranberry-Saft (2×200 ml
täglich) zur Prophylaxe von Harnblasen- oder Harnwegsinfektionen
betont (Nowack
und Schmitt. Phytomedicine 2008). Es gebe nicht nur eine
positive Evidenz aus klinischen Studien, sondern auch gut belegte
Daten aus der Grundlagenforschung zum Wirkmechanismus. Überdies
sei die Intervention sicher und habe möglicherweise sogar erwünschte
Nebenwirkungen, wie die Senkung des Cholesterinspiegels. |
Regelmäßig
Fisch auf dem Tisch erhält die Gesundheit
vom 19.08.2008 |
Gleich in mehreren klinischen Studien
wurden die protektiven Eigenschaften fetten Fischs bestätigt.
So schützen die in hohem Maße besonders in Fischsorten wie Lachs,
Makrelen, Hering, Sardinen, Sardellen und Thunfisch enthaltenen
Omega-3-Fettsäuren nicht nur die Gefäße, sondern spielen auch
bei der Prävention von Schlaganfällen und Gedächtnisverlust
eine Rolle. Die 3.660 Probanden einer finnischen Studie (Virtanen
et al. 2008, Neurology) aßen durchschnittlich dreimal pro
Woche Fisch. Gegenüber den übrigen Probanden hatten sie ein
25 Prozent niedrigeres Risiko, stumme Hirnläsionen zu entwickeln.
Auch vor feuchter altersbedingter Makuladegeneration (AMD) schützt
der regelmäßige Konsum fettreicher Fischarten (Augood
et al. 2008, Am J Clin Nutrition). Personen, die häufiger
Omega-3-Fettsäuren über ihren Fischkonsum aufnahmen, hatten
ein proportional niedrigeres Risiko, an einer AMD zu erkranken
als solche mit niedrigem oder gar keinem Fischkonsum.
Offensichtlich spielt jedoch die Zubereitungsart des Fisches
eine Rolle: Die beobachteten protektiven Effekte waren nur in
Verbindung mit gebackenem, aber nicht mit gebratenem oder gegrilltem
Fisch festzustellen. Vermutlich werden die Omega-3-Fettsäuren
bei höheren Temperaturen zerstört. |
Akupunktur
und Osteopathie vielleicht auch bei Karpaltunnelsyndrom hilfreich
vom 19.08.2008 |
Amerikanische Forscher haben 17
Patienten mit Karpaltunnelsyndrom mit einer standardisierten
Akupunktur behandelt (Punkte Pe6, Pe7, 3e5, Baxie1 und 2) und
berichten bei 12 von ihnen von guten Ergebnissen, d.h. einem deutlichen
oder vollständigen Rückgang der Symptome (Schulman
et al. Med Acupunct 2008). Eine Kontrollgruppe wurde nicht
mitgeführt. Außerdem erhielten fast alle Patienten zusätzlich
eine osteopathische Behandlung, so dass nicht klar wurde, welche
Behandlung zum Therapieerfolg geführt hat.
Zur Erinnerung:
In einer randomisierten Therapiestudie konnte U. Albrecht, ein
Doktorand der Carstens-Stiftung, zeigen, dass blutiges Schröpfen
die Symptome einer Brachialgie (Zeichen eines Karpaltunnelsyndroms)
lindert (veröffentlicht
von Lüdtke et al., Compl Ther Med 2006). |
Johanniskraut
und ADHS – das passt nicht
vom 15.08.2008 |
Johanniskrautextrakte sind nicht
besser als ein Placebo bei der Behandlung hyperaktiver Kinder
(ADH Syndrom). Dieses ist das Fazit einer randomisierten Doppelblindstudie
aus Amerika, in der 54 Kinder dreimal täglich über 8 Wochen
behandelt wurden (Weber
et al. JAMA 2008). Unter Placebo waren die Ergebnisse sogar
leicht besser.
Die Studie reiht sich damit nahtlos in eine ganze Phalanx von negativen Studien zur Phytotherapie ein. Augenscheinlich wirken Pflanzen in Amerika nicht... |
Sollte
man hochdosiertes Vitamin C doch noch nicht abschreiben?
vom 15.08.2008 |
| Nobelpreisträger Linus Pauling
war davon überzeugt: Hochdosierte Vitamine (insbesondere Vitamin
C) verhindern und bekämpfen Krebs. In Deutschland wirbt Matthias
Rath für Hochdosis-Vitamintherapien, insbesondere auch im naturheilkundlichen
Umfeld. Überzeugende wissenschaftliche Ergebnisse hierzu hat
er allerdings nie vorlegen können, die Vitamin-Hypothese galt
als unbelegt, wenn nicht als falsch. Im Mausexperiment haben
jetzt aber amerikanische Forscher einen Effekt von Vitamin C
auf Tumorzellen (Ovarialkarzinom, Pankreaskarzinom, Glioblastom)
zeigen können: das Tumorwachstum verlangsamte sich signifikant
um bis zu 50% (Chen
et al. PNAS 2008). Die Forscher betonen, dass hierzu eine
intravenöse Gabe notwendig sei, Vitamintabletten hälfen nicht. |
Artischocken
senken den Cholesterinspiegel – aber ist das relevant?
vom 15.08.2008 |
| Wenn man über zwölf Wochen einen
handelsüblichen Artischocken(blätter)extrakt einnimmt, dann
kann man den Cholesterinspiegel um etwa 5% senken. Darauf haben
englische Forscher hingewiesen (Bundy
et al. Phytomedicine 2008), die den Pflanzenextrakt mit
einem Placebo verglichen (hier stieg der Cholesterinspiegel
um 2%). Das Problem: eine Cholesterinsenkung um 5% ist nicht
besonders groß, zumal der positive Effekt der Artischockenblätter
nur für das Gesamtcholesterin nachgewiesen werden konnte, nicht
aber für LDL- oder HDL-Cholesterin. |
Ein
Pflanzenmix bei Reizmagen
vom 15.08.2008 |
| Ein pflanzliches Kombinationspräparat
aus Bitterer Schlefenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten,
Kümmel, Schöllkraut, Mariendistel, Melisse, Süßholz und Pfefferminze
ist einer Placebobehandlung bei funktioneller Dyspepsie (Reizmagen)
überlegen. Das haben deutsche Wissenschaftler in einer randomisierten
doppelblinden Multizenterstudie bei 315 Patienten gezeigt (von
Arnim et al. Am J Gastroenterol 2007). Die Behandlungsdauer
betrug 8 Wochen, erste Effekte waren aber schon nach zwei Wochen
zu sehen. |
Neues
zur Sägepalme
vom 15.08.2008 |
Lange Zeit galten die Früchte der
Sägepalme (Saball serrulata bzw. Sernoa repens) als ein Beispiel aus der Phytotherapie schlechthin, denn für sie war eine Wirksamkeit wissenschaftlich eindeutig belegt (für die benigne
Prostatahyperplasie BPH), bis eine große amerikanische Studie
das Gegenteil behauptete (Bent
et al. NEJM 2006).
Eine türkische Studie (n=60) hat nun gezeigt, dass Sägepalmenfrüchte
bei der symptomatischen Behandlung der BPH nicht schlechter
sind als die Standardmedikation Tamsulosin (Hizli
et al. Int Urol Nephrol 2007). Eine Kombination beider Medikamente
brachte allerdings keinen Zusatznutzen. |
Weihrauch
bei Darmentzündungen
vom 15.08.2008 |
| Extrakte aus Weihrauch (Boswellia
serrata) sind seit etwa 15 Jahren in Deutschland ein Geheimtipp
zur Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.
Den Schritt zur etablierten Therapie haben sie aber wegen fehlender
oder mangelhafter Studien nie wirklich geschafft. Auch die neueste
Studie zur Behandlung der kollagenen Colitis mit Weihrauch (Madisch
et al. Int J Colorectal Dis 2007) ist relativ klein (31
randomisierte, 26 ausgewertete Patienten) und fand signifikante
Ergebnisse nur in der per-protocol-, nicht aber in der intention-to-treat-Analyse.
Immerhin waren in der Weihrauchgruppe 44%, in der Placebogruppe
aber nur 27% der Patienten nach 6-wöchiger Behandlung in Remission. |
Haben
Kaffeetrinker ein gesünderes Herz?
vom 23.07.2008 |
Kürzlich durften wir erfahren,
dass Kaffee das Brustkrebsrisiko bei Frauen nicht erhöht (siehe Beitrag
vom 24.06.2008). Mehr noch, das
Kaffeetrinken eignet sich offensichtlich sogar zur Prävention
von Gicht, da Kaffee erwiesenermaßen den Harnsäurespiegel
senkt (Choi
et al. Arthritis Rheum 2007). Es ließen sich noch einige
weitere Beispiele zur positiven Wirkung des Kaffees auf die
Gesundheit aufzählen.
In zwei großangelegten Kohortenstudien
(Lopez-Garcia
et al. Ann Intern Med 2008) wurde nun über einen Zeitraum
von 18 (männliche Probanden) bzw. 24 Jahren (weibliche Probanden)
an einer Patientenpopulation von fast 90.000 Frauen und 40.000
Männern die gesundheitliche Beeinflussung durch regelmäßigen
Kaffeegenuss untersucht. Unter anderem konnte ein leicht positiver
Effekt hinsichtlich der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen
durch regelmäßigen Kaffeekonsum (sechs oder mehr Tassen pro
Tag) beobachtet werden – die Endothelfunktion werde verbessert.
Das vermutlich eher schädliche Koffein sei jedoch nicht die
Ursache für dieses Ergebnis, sondern eher die im Kaffee enthaltenen
Inhaltsstoffe. Fazit: Koffeinfreier Kaffee tut es offensichtlich
auch. |
Kaffee
trinken ohne Krebsrisiko
vom 24.06.2008 |
| Immer wieder wurde gemutmaßt, dass
ein erhöhter Kaffeekonsum mit einem erhöhten Risiko einhergehen
könnte, an Brustkrebs zu erkranken. Eine Reanalyse der Daten
aus der Nurses Health Study gibt jetzt Entwarnung: auch mehr
als 4 Tassen Kaffee pro Tag führen nicht zu vermehrtem Brustkrebs
(Ganmaa
et al. Int J Cancer 2008). Das Risiko der Kaffeetrinkerinnen
lag sogar leicht unter dem der Nicht-Trinkerinnen (RR=0.92). |
Mit
viel Eiweiß gegen Übelkeit
vom 23.06.2008 |
| Ingwer ist ein bekanntes und potentes Antiemetikum, kann also Übelkeit vorbeugen, z.B. bei Seekrankheit. Bei chemotherapiebedingter Übelkeit ist Ingwer ebenfalls eine mögliche Therapieoption, vor allem wenn er mit einer stark eiweißhaltigen Kost kombiniert wird. Das haben amerikanische Forscher in einer randomisierten Therapiestudie zeigen können, obwohl die Fallzahlen (n=28 in drei Gruppen) extrem klein waren (Levine et al, J Altern Complem Med 2008). |
Heilschlamm
wirkt nicht nur durch Wärme
vom 23.06.2008 |
| Die positiven Wirkungen
einer Schlammpackung bei Kniegelenksarthrose sind nicht nur
auf Wärmeeinwirkungen zurückzuführen, sondern werden auch chemisch
durch die Inhaltsstoffe des Schlamms vermittelt. Dieses ist
die Schlussfolgerung einer türkischen Studie, in der eine direkt
auf die Haut aufgetragene Schlammpackung verglichen wurde mit
einer, die in eine Plastiktüte eingewickelt war. (Odabasi
et al. J Altern Complem Med 2008). |
Akupunktur
bei Depressionen – schlechte Daten, gute Ergebnisse
vom 23.06.2008 |
| Eine chinesische Meta-Analyse
aller 8 bekannten kontrollierten Studien hat die Wirksamkeit
der Akupunktur zur Behandlung depressiver Störungen gezeigt.
Die Forscher schränken allerdings ein, dass die einzelnen Studien
von relativ schlechter Qualität seien und nur wenige Patienten
eingeschlossen wurden (Wang
et al. J Affect Disord 2008). |
Wirksamkeit
von Blutegeln bestätigt
vom 14.06.2008 |
| Aachener Forscher haben vor kurzem
in einer randomisierten Studie bestätigt, dass eine einmalige
Blutegelbehandlung bei Gonarthrose die Schmerzen über mittelfristige
Zeiträume (1/2 Jahr) senken und die Funktionsfähigkeit des Knies
erhöhen kann (Andereya
et al. Acta Orthop 2008). Die Effekte waren zwar nicht so
stark wie in der von der Carstens-Stiftung geförderten ersten
Studie zum Thema (Michalsen
et al. Ann Intern Med 2003), konnten aber gesteigert werden,
wenn nach 4 Wochen eine zweite Blutegelbehandlung folgte. |
Sägepalme
– eine sichere, aber wirkungslose Arznei?
vom 09.06.2008 |
| Die wissenschaftliche
Evidenz zur Wirksamkeit von Sägepalmextrakten bei benigner Prostatahyperplasie
ist äußerst unklar. Die meisten randomisierten Studien zeigen
über Placebo hinausgehende Effekte, die größte Studie scheiterte
allerdings. Die Autoren der letztgenannten Studie haben jetzt
die Daten aus ihrer Studie zur Arzneimittelsicherheit veröffentlicht
und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen oder relevante Veränderungen
von Laborwerten feststellen können (Avins
et al. Complem Ther Med 2008). |
Homöopathie
ja, Akupunktur nein
vom 09.06.2008 |
| Postoperativer Ileus, also eine
(vorübergehende) Darmlähmung nach einer OP, ist eine der wenigen
Erkrankungen, in der es eine positive Meta-Analyse zur Wirksamkeit
homöopathischer Medikamente gibt (eingesetzt werden vor allem
Raphanus und Opium). Erste Versuche, die Wirksamkeit einer Akupunkturbehandlung
bei dieser Indikation nachzuweisen, sind jetzt gescheitert.
Wie amerikanische Forscher berichteten, betrug die Zeit von
der OP bis zu den ersten nachweisbaren Darmbewegungen durchschnittlich
59 Stunden, egal ob die Patienten akupunktiert wurden oder nicht
(Garcia
et al. Med Acupunct 2008). |
Life-Style-Änderungen:
jetzt gibt es Zahlen
vom 05.06.2008 |
| Es ist schon lange bekannt: Wer
sich mindestens eine halbe Stunde am Tag bewegt, nicht raucht,
täglich mindestens fünfmal Obst oder Gemüse isst, und mäßig
Alkohol trinkt (mindestens 1 aber maximal 14 Gläser Wein, Bier
o.ä. pro Woche) lebt gesünder. Neu ist: jetzt kann man die Gesundheit
auch in genauen Zahlen fassen. Wenn man eines dieser obigen
Merkmale erfüllt, dann sinkt das Sterberisiko um 20 bis 40%.
Und die Risiken addieren sich: Menschen, die alle vier Merkmale
erfüllen, tragen ein um 75% reduziertes Risiko. Oder mit anderen
Worten: wer im obigen Sinne gesund lebt, hat eine vierfache
Chance, die nächsten Jahre zu überleben. Das gilt für beide
Geschlechter und alle sozialen Klassen (Khaw
et al. PLoS Medicine 2008). |
Mit
Akupunktur gegen Spannungskopfschmerzen
vom 03.06.2008 |
| Eine (halb-)individualisierte
Akupunkturbehandlung hilft Patienten mit Spannungskopfschmerzen
besser als eine Scheinakupunktur, zumindest wenn man den mittelfristigen
Therapieerfolg bewertet. Das konnten amerikanische Forscher
in einer systematischen Übersichtsarbeit über 5 randomisierte
Studien zeigen. Demnach können akupunktierte Patienten 5 Monate
nach der Behandlung mit fast 2 Kopfschmerztagen pro Monat weniger
rechnen als scheinakupunktierte Patienten (Davis et al. J Pain 2008). |
Herzgesünder
nach 8 Wochen Yoga
vom 03.06.2008 |
| Herzkranke Patienten (NYHA I-III),
die neben der Standardmedikation einen 8-wöchigen Yoga-Kurs
belegen, zeigen deutlich bessere Laborwerte und eine erhöhte
Leistungsfähigkeit als standard-therapierte Patienten. Dieses
zeigt eine kleine (N=17) randomisierte Studie aus Amerika (Pullen
et al. J Card Fail 2008). |
Vitamin
C hilft ein wenig das Cholesterin zu senken
vom 03.06.2008 |
| Es ist bekannt, dass eine tägliche Einnahme von Vitamin C (500 mg/Tag) den Cholesterinspiegel senkt. Amerikanische Forscher haben jetzt in einer Übersichtsarbeit über 13 Studien genauer hingeschaut: Tägliches Vitamin C senkt den LDL-Cholesterinwert bei Hyperchol-esterinämie-Patienten um etwa 8 mg/dl, erhöht den HDL-Wert aber kaum (1 mg/dl, nicht signifikant). Triglyzeride können um 20 mg/dl gesenkt werden (McRae. J Chiropract Med 2008). |
Neues
zur südafrikanischen Kapland-Pelargonie
vom 26.05.2008 |
| Wikipedia, heutzutage das Nachschlagewerk
schlechthin, um schnell an aktuelle Informationen zu kommen,
formuliert es so: „Verlässliche Studien, die eine medizinische
Wirksamkeit beim Menschen belegen, existieren nicht“. Gemeint
sind Pelargonienwurzelextrakte, die unter dem Namen Umckaloabo
vermarktet werden. Nun muss dieser Text wohl umgeschrieben werden.
Die neuste Ausgabe von Phytomedicine veröffentlichte eine systematische
Übersichtsarbeit, in der Umckaloabo eine „vielversprechende
Evidenz“ und hochsignifikante Überlegenheit gegenüber Placebo
bei der Behandlung der akuten Bronchitis zugesprochen wird (Agbabiaka
et al. Phythomedicine 2008). Ob Umckaloabo auch bei akuter
Tonsillitis oder Sinusitis hilft, wurde nicht untersucht. |
Warum
Komplementärmedizin?
vom 16.05.2008 |
| Warum zieht es Patienten zur
Komplementärmedizin? Weil sie so effektiv und menschennah
ist? Weil die Schulmedizin so ineffektiv und nebenwirkungsreich
ist? Kanadische Forscher glauben einen Wechsel in der Motivation
festgestellt zu haben (Sirois.
BMC Altern Compl Med 2008): in den letzten 10 Jahren seien
mehr und mehr Gründe in den Vordergrund getreten,
die auf der Attraktivität der Komplementärmedizin
beruhen (anziehende Faktoren). Die Unattraktivität der
konventionellen Medizin (abschreckende Faktoren) spiele eine
immer geringere Rolle. |
Doch
lieber Schäfchen zählen?
vom 16.05.2008 |
| Wer unter Schlaflosigkeit litt,
hat bisher gern zu Baldrian gegriffen. Eine neue amerikanische
Studie zieht jetzt die Wirksamkeit dieses uralten Hausmittels
in Zweifel. Die Schlafqualität von 16 älteren Patientinnen besserte
sich nicht nur unter Baldrian, sondern auch unter Placebo, der
Unterschied zwischen beiden war statistisch nicht signifikant
(Tabi
et al. Sleep Med 2008). |
Diabetiker:
bewegt Euch!
vom 16.05.2008 |
| Vor einer medikamentösen Behandlung
eines Typ II Diabetes sollte immer eine Veränderung der Lebensgewohnheiten
stehen. Jamaikanische Forscher haben gerade wieder bestätigt,
dass ein angeleitetes sportliches Training die Blutzuckerwerte
um mehr als 25% verringern kann, und das bei Patienten, die
bereits ihre Ernährung umgestellt hatten. Gleichzeitig wurden
weitere Blutwerte (Fettwerte, oxidativer Stress) verbessert.
Doch es muss nicht immer Joggen oder Aerobic sein: nahezu identische
Effekte wurden mit Hatha-Yoga erzielt, also einer von körperlichen
Übungen geprägten Form des Yoga (Gordon et al. BMC Complement Altern Med 2008). |
Akupunktur
bei Heuschnupfen – die Situation ist ungeklärt
vom 02.05.2008 |
| Sieben Studien zur Wirksamkeit
der Akupunktur bei Heuschnupfen gibt es, doch eine befriedigende
Antwort darauf, ob diese nun hilft oder nicht, können sie noch
nicht geben. Das ist das Fazit einer britischen Forschergruppe,
die neue, besser geplante, Studien anmahnen (Roberts
et al. BMC Complement Alternat Med 2008). Eine solche wird
derzeit von der DFG gefördert und läuft gerade in Berlin an.
Erste Ergebnisse sind allerdings erst in drei Jahren zu erwarten. |
Viel
Placebo kostet viel
vom 02.05.2008 |
| Wer den Placeboeffekt seiner
Behandlung noch ein wenig optimieren will, der muss seinen Patienten
nur sagen, dass diese viel kostet. Das ist, sehr vereinfacht
gesagt, das Ergebnis einer amerikanischen Studie an 82 gesunden
Probanden (Waber
et al. JAMA 2008). Diese wurden in zwei Gruppen aufgeteilt,
von der die eine ein „neues Opiodid“ bekam, das nach Angaben
der Studienleiter 2,50 $ kostete, während der anderen Gruppe
ein Preis von 0,10 $ genannt wurde. In Wahrheit erhielten alle
ein Placebo. Doch das „teure“ Placebo wirkte bei 85% der Probanden,
das „billige“ nur bei 61%. |
Kaffee
in der Schwangerschaft
vom 24.04.2008 |
| Die meisten Ärzte empfehlen Frauen,
auf Kaffee oder schwarzen Tee während der Schwangerschaft zu
verzichten. Neueste Studien zeigen jetzt ein differenziertes
Bild: maximal zwei Tassen Kaffee bzw. schwarzer Tee (gilt übrigens
auch für grünen Tee) haben keine nachweisbaren Nebenwirkungen.
Wer darüber hinaus Coffein zu sich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko
für Fehlgeburten (Savitz, Epidemiology 2008; Weng Am J Obstet Gynecol 2008). |
Akupunktur
bei unerfülltem Kinderwunsch - die Geschichte geht weiter
vom 01.04.2008 |
| Kaum hat eine Meta-Analyse die
Wirksamkeit einer ergänzenden Akupunktur zur In-vitro-Fertilisation
bei unerfülltem Kinderwunsch im Wesentlichen nachgewiesen (Manheimer
et al. BMJ 2008), so müssen diese Ergebnisse auch schon
wieder bezweifelt werden. Die neueste Studie konnte keine Unterschiede
zwischen einer begleitenden Akupunkturbehandlung und Nichtstun
festellen, weder in der Zahl der erfolgreichen Schwangerschaften
noch in der Zahl der Lebendgeburten (Domar
et al. Ferility and Sterility 2008). |
Sind
Europäer Homöopathie-Muffel? Laut einer weltweiten Umfrage schon
vom 01.04.2008 |
| In einer aktuellen, weltweiten
Befragung - durchgeführt von einem international operierenden
Marktforschungsinstitut - wurde das Verhältnis von Menschen
in 13 Ländern zur Homöopathie untersucht (kompletter
Bericht). In Indien vertrauen 62% aller Befragten der homöopathischen
Behandlungsweise. Die Homöopathie ist fest im Gesundheitssystem
Indiens verankert, somit ist das Ergebnis nicht überraschend.
Auch in Brasilien, Saudi-Arabien und Chile scheint sich ein
hoher Anteil der Bevölkerung der homöopathischen Medizin anzuvertrauen
bzw. anvertrauen zu wollen. Während also auf anderen Kontinenten
Homöopathie noch ein relativ hohes Ansehen in der Bevölkerung
genießt, spielt sie in den meisten europäischen Ländern (Ausnahme:
Frankreich) laut Befragungsergebnis keine große Rolle mehr.
Noch nicht einmal ein Drittel der Deutschen und lediglich 15%
der Briten, das Schlusslicht in der Befragung, können sich vorstellen,
dass ihnen Homöopathie hilft. Leider war dem Bericht nicht zu
entnehmen, wie hoch die Gesamtzahl der Befragten war. |
Mit
Akupunktur gegen Kinderlosigkeit
vom 31.03.2008 |
| Mittlerweile ist in der westlichen
Welt jedes 10. Paar von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen.
Eine in-vitro-Fertilisation ist oft der letzte Ausweg, die Erfolgsraten
sind allerdings nur mäßig, können mit einer zusätzlichen Akupunkturbehandlung
aber gesteigert werden. Amerikanische Forscher schätzen, dass
man 9 Frauen mit Akupunktur behandeln muss, um ein zusätzliches
Baby auf die Welt zu bringen (Manheimer et al. BMJ 2008). |
Blutdrucksenkende
Wirkung von nitratreichen Nahrungsmitteln
vom 28.03.2008 |
| Nach Umwandlung in Stickoxid
soll Nitrat aus Nahrungsmitteln Hypertoniepatienten helfen,
den Blutdruck zu senken. Lebensmittel, die große Mengen Nitrat
enthalten, sind z. B. Rote Beete, Salat, Spinat, Rettich usw.
In einer Studie (Hypertension.
2008;51:784-790) konnte beobachtet werden, dass schon drei
Stunden nach Genuss eines halben Liters Rote Beete-Saft bei
gesunden Probanden der systolische Blutdruck um 10,4 mm Hg und
der diastolische Blutdruck um 8 mm Hg gesunken war. Auch zur
Gefäßerweiterung (Vasodilatation) kann der Konsum von Nahrungsmitteln
mit hohem Nitratgehalt beitragen. Allerdings funktioniert die
Umwandlung von Nitrat in Stickoxid nur unter Beteiligung des
körpereigenen Speichels; bei den Probanden, die den Speichel
nicht herunter schluckten, war keine blutdrucksenkende Wirkung
des Rote Beete-Safts festzustellen. |
Zimt
ist wieder in der Diskussion
vom 28.02.2008 |
| Bisher galt es als gesichertes
Wissen, dass Zimt den Blutzucker senken kann. Diese Haltung
muss eventuell wieder überdacht werden: nach einer Meta-Analyse
amerikanischer Forscher senken Zimt-Produkte weder den Blutzuckerspiegel
noch ändert sich etwas am Lipidhaushalt (Baker
et al.). |
Sind
CAM-Patienten Impfgegner?
vom 28.02.2008 |
| Das Vorurteil hält sich hartnäckig,
obwohl es zumindest in Teilen schon lange widerlegt ist: Menschen,
die sich komplementärmedizinisch behandeln lassen, sind überwiegend
Impfgegner. Für E. Ernst ist das sogar eines der Hauptargumente
gegen die Homöopathie (weil dann der Besuch beim Homöopathen
nicht nur nichts nützt, sondern sogar schadet). US-amerikanische
Forscher haben jetzt eine völlig neue Note in die Diskussion
eingebracht. Nach ihren Untersuchungen sind erwachsene CAM-Patienten (es geht nicht um Kinder) sogar signifikant häufiger gegen Grippe,
Pneumokokken und Hepatitis B geimpft als konventionelle Patienten
(Stokley
et al.). Der Rat der Forscher: Um die Durchimpfungsraten
zu steigern, sollte man darüber nachdenken mit CAM-Ärzten zusammen
zu arbeiten... |
Honig
lässt hustengeplagte Kinder schlafen
vom 25.01.2008 |
Kinder mit Husten profitieren von einem Löffel Honig
vor dem Schlafengehen ebenso sehr, wie wenn sie ein konventionelles
hustenstillendes Mittel mit dem Wirkstoff Dextromethorphan nehmen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Schlafqualität von 105
Kindern mit akutem Husten und deren durch die nächtlichen Störungen
ebenso betroffenen Eltern überprüfte. In der Studie wurde den Kindern
vor der Bettruhe nach dem Randomisierungsverfahren entweder ein Löffel
Buchweizenhonig oder aber eine Dosis Dextromethorphanhaltiges Hustenmittel
mit Honiggeschmack verabreicht. Auch wenn die Studie keinen signifikanten
Unterschied zwischen beiden Interventionen zeigte: Sollte sich dieses
Ergebnis in der Praxis bewähren, könnte man mit einem einfachen Hausmittel
den gleichen Effekt erzielen wie mit einem Hustenlöser. Dessen Substanz
Dextrometorphan kann bei Missbrauch suchtartige Zustände erzeugen
– was weder bei Erwachsenen noch bei Kindern wünschenswert wäre. Achtung:
Honig ist wegen der Gefahr bakterieller Kontaminierung nicht für Kleinkinder
und Säuglinge geeignet!
Paul IM, Beiler J, McMonagle A, Shaffer ML, Duda L, Berlin CM, Jr.: Effect of honey, dextromethorphan, and no treatment on nocturnal cough and sleep quality for coughing children and their parents. Arch Pediatr Adolesc Med 2007;161(12):1140-1146. |
Gewichtsreduktion
mit Medikamenten
vom 07.12.2007 |
Langandauernde (mind. 1 Jahr) medikamentöse Behandlungen reduzieren das Gewicht von Übergewichtigen und können außerdem zur Senkung des Blutdrucks oder Cholesterins beitragen. Als Nebenwirkungen wurden gehäuft Magen- und Darmbeschwerden und Stimmungsschwankungen, aber auch Blutdrucksteigerungen beobachtet. Leider berichten die kanadischen Forscher nicht, ob man das Gewicht nicht auch genauso erfolgreich durch eine Ernährungsumstellung und Veränderungen des Lebensstils (Bewegung) reduzieren könnte.
Rucker D, Padwal R, Li SK, Curioni C, Lau DC: Long term pharmacotherapy for obesity and overweight: updated meta-analysis. Bmj 2007. |
Galphimia
glauca kann Angst-Patienten helfen
vom 02.10.2007 |
Die Pflanze Galphimia glauca wurde schon in der traditionellen mexikanischen Medizin als Beruhigungsmittel eingesetzt. Bisher brachte man sie nur mit der Behandlung von Heuschnupfen in Verbindung. Nun zeigt eine randomisierte Studie mit 152 Patienten an einer Klinik in Mexiko, dass Galphimia glauca in die Reihe der pflanzlichen Psychopharmaka (Kava kava sowie die als Baldrian bekannte Pflanze Valeriana officinalis) aufgenommen werden könnte. Der Galphimia-Extrakt hat bei den an Angsterkrankungen leidenden Patienten einen ebenso guten Effekt wie der konventionell eingesetzte Wirkstoff Lorazepam. Im Gegensatz zu diesem wirkt der Pflanzenextrakt jedoch bereits in der ersten Woche und nicht erst - wie bei Lorazepam - ab der dritten oder vierten Woche. Zudem spricht für Galphimia die gute Verträglichkeit über längere Zeit der Einnahme.
Herrera-Arellano A, Jimenez-Ferrer E, Zamilpa A, Morales-Valdez M, Garcia-Valencia CE, Tortoriello J: Efficacy and tolerability of a standardized herbal product from Galphimia glauca on generalized anxiety disorder. A randomized, double-blind clinical trial controlled with lorazepam. Planta Med 2007;73(8):713-717. |
Handarthrose:
Arnika-Gel ist nicht-steroidalen Rheumamitteln ebenbürtig
vom 06.08.2007 |
Arnica montana (Bergwohlverleih) ist schon seit längerer
Zeit als wirksame Pflanze in der Behandlung traumatischer Verletzungen
bekannt. Nun wurde eine randomisierte, doppelblinde Studie in einer
Schweizerischen Rheumaklinik durchgeführt, die den Effekt eines
Gels aus der Arnika-Pflanze auf Schmerz und Bewegungsfunktionen bei
Patienten mit Handarthrose testen soll. Insgesamt 204 Patienten wurden
nach dem Zufallsprinzip über einen Zeitraum von drei Wochen entweder
mit Arnika-Gel oder aber einer häufig verschriebenen nicht-steroidalen
Rheumasalbe behandelt. Zumindest für eine Kurzzeitbehandlung
bis zu höchstens drei Wochen wäre das Arnika-Gel ebenso
wirksam in der Schmerzreduktion und Verbesserung der Bewegungsfunktionen
wie die in der Studie verwendete nicht-steroidale Rheumasalbe. Hinsichtlich
des chronischen Verlaufs arthrotischer Erkrankungen ist ein Wirksamkeitstest
des Arnika-Gels über einen längeren Zeitraum sicherlich
von Interesse.
Widrig R, Suter A, Saller R, Melzer J: Choosing between NSAID and arnica for topical treatment of hand osteoarthritis in a randomised, double-blind study. Rheumatol Int 2007;27(6):585-591. |
Kann
der Ginkgo-Extrakt zukünftig zur Prävention der Arteriosklerose
eingesetzt werden?
vom 26.07.2007 |
In Zukunft könnten Medikamente, die den Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 enthalten, nicht nur bei Demenzerkrankungen und Durchblutungsstörungen eingesetzt, sondern auch zur Prävention von Arteriosklerose und somit von zahlreichen Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verwendet werden. In einer Pilotstudie mit 9 Patienten am Institut für Physiologie der Charité Berlin konnten die Wissenschaftler beobachten, dass eine tägliche Einnahme von 2 x 120 mg eines Ginkgo-Präparats über einen Zeitraum von zwei Monaten eine Reduzierung der Plaque-Neubildung bewirkt. Allen Patienten wurde nach einer Bypass-Operation am Herzen neben den üblichen blutdrucksenkenden Medikamenten sowie Acetylsalicylsäure zur Gerinnungshemmung statt der normalerweise zusätzlichen Gabe von Statinen das Ginkgo-Präparat verabreicht. Der Studienleiter Günter Siegel erklärt die Wirkungsweise des Pflanzen-Extrakts dadurch, dass die im Extrakt nachweisbaren sekundären Pflanzenstoffe (z.B. Flavonoide) maßgeblich zur Anti-Oxidation der Blutfette beitragen. Inwiefern auch eine präventive Wirkung des Ginkgo-Extrakts auf die Arteriosklerose-Entwicklung bei gesunden Patienten zu erwarten ist, müsste laut Aussage der Studiengruppe mit Hilfe weiterer, größerer Studien geklärt werden.
Rodriguez M, Ringstad L, Schafer P, Just S, Hofer HW, Malmsten M, Siegel G: Reduction of atherosclerotic nanoplaque formation and size by Ginkgo biloba (EGb 761) in cardiovascular high-risk patients. Atherosclerosis 2007;192(2):438-444. |
Akupunktur
hilft bei Bluthochdruck
vom 20.06.2007 |
Eine kürzlich publizierte randomisierte Studie mit insgesamt 160 Bluthochdruck-Patienten konnte zeigen, dass Akupunktur nach der Traditionellen Chinesischen Medizin erhöhten Blutdruck deutlich senken kann. Alle Patienten wurden von Experten aus China behandelt, die in Kooperation mit den Initiatoren der Studie, einer Forschergruppe aus Erlangen, handelten. Gegenüber der Kontrollgruppe, deren Teilnehmer mit Scheinakupunktur behandelt worden waren, konnte der Blutdruck per ambulanter 24-Stunden-Blutdruckmessung über einen Behandlungszeitraum von 6 Wochen um 6,4 mm Hg und 3,7 mm Hg, allerdings unter begleitender Einnahme von Antihypertensiva, gesenkt werden. Die erneuten Messungen in der Follow-up-Phase nach drei und sechs Monaten zeigten einen Rückgang des positiven Effekts auf den Ursprungsstatus.
Flachskampf FA, Gallasch J, Gefeller O, Gan J, Mao J, Pfahlberg AB, Wortmann A, Klinghammer L, Pflederer W, Daniel WG: Randomized trial of acupuncture to lower blood pressure. Circulation 2007;115(24):3121-3129. |
Der
Einfluss von Amaranthöl auf den Cholesterinspiegel
vom 04.05.2007 |
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie konnten an 125 Patienten, die an Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit leiden, positive Effekte vorangegangener Tierversuche auf den Cholesterinspiegel bestätigt werden. Im Rahmen einer salzarmen und anti-atherogenen Diät wurden den Patienten nach dem Zufallsprinzip entweder Amaranthöl (in unterschiedlich hoher Dosierung) oder aber ein Placebo (hier in Form von Sonnenblumenöl) verabreicht. In der Verumgruppe konnte eine Senkung des Gesamtcholesterinspiegels um 14% (niedrige Dosierung), 17% (mittlere Dosierung) und 20% (höchste Dosierung) gegenüber 12% in der Placebogruppe beobachtet werden. Die Studie ergibt, dass eine Tagesdosis von 18 ml Amaranthöl das beste Ergebnis in der Cholesterinsenkung erzielt.
Martirosyan DM, Miroshnichenko LA, Kulakova SN, Pogojeva AV, Zoloedov VI: Amaranth oil application for coronary heart disease and hypertension. Lipids Health Dis 2007; 6:1. |
Probiotika
entgiften
vom 04.04.2007 |
Nahrungsmittelvergiftungen mit Salmonellen können erfolgreich mit Probiotika, also mit gesundheitsfördernden Mikroorganismen wie z.B. Milchsäurebakterien, bekämpft werden. Dieses gilt zumindest bei Schweinen: In einer irischen Studie nahmen Schweine, die an einer Salmonellenvergiftung litten, deutlich mehr an Gewicht zu und bekamen seltener und weniger schwere Durchfälle, wenn sie mit Probiotika statt mit Magermilch behandelt wurden.
Casey PG, Gardiner GE, Casey G, Bradshaw B, Lawlor PG, Lynch PB, Leonard FC, Stanton C, Ross RP, Fitzgerald GF, Hill C: A five-strain probiotic combination reduces pathogen shedding and alleviates disease signs in pigs challenged with Salmonella enterica Serovar Typhimurium. Appl Environ Microbiol 2007;73(6):1858-1863. |
Grüner Tee einfach gesund!
vom 26.03.2007 |
Australische Forscher haben jetzt eine einfache und klare Schlussfolgerung aus ihren umfassenden Recherchen gezogen: Grüner Tee ist günstig, nebenwirkungsarm und hat das Potenzial, Schlaganfälle vermeiden zu helfen.
Gardner CD, Kiazand A, Alhassan S, Kim S, Stafford RS, Balise RR, Kraemer HC, King AC: Comparison of the Atkins, Zone, Ornish, and LEARN diets for change in weight and related risk factors among overweight premenopausal women: the A TO Z Weight Loss Study: a randomized trial. JAMA 2007;297(9):969-977. |
Diät Welche ist die beste?
vom 26.03.2007 |
Die Atkins-Diät hat sich in einer randomisierten Studie bei übergewichtigen amerikanischen Frauen als diejenige herausgestellt, die am ehesten einen nachhaltigen Gewichtsverlust erreichen kann. Die Diät zeichnet sich durch einen hohen Fettanteil, aber wenige Kohlenhydrate aus. Nach einer 12-monatigen Atkins-Diät wogen die Frauen fast 5 Kilogramm weniger als zu Beginn.
Gardner CD, Kiazand A, Alhassan S, Kim S, Stafford RS, Balise RR, Kraemer HC, King AC: Comparison of the Atkins, Zone, Ornish, and LEARN diets for change in weight and related risk factors among overweight premenopausal women: the A TO Z Weight Loss Study: a randomized trial. JAMA 2007;297(9):969-977. |
Ist Knoblauch wirklich so gesund wie bisher gedacht?
vom 26.03.2007 |
Knoblauch gilt als das pflanzliche Arzneimittel schlechthin,
um erhöhte Cholesterinwerte zu senken (und damit auch das Herzinfarktrisiko).
Diese Auffassung muss nach den neuesten Erkenntnissen amerikanischer
Forscher bezweifelt werden: weder roher Knoblauch noch zwei in Amerika
erhältliche Knoblauchpräparate konnten die Konzentrationen von LDL-
oder HDL-Cholesterinen bzw. Triglyzeriden wesentlich beeinflussen.
Gardner CD, Lawson LD, Block E, Chatterjee LM, Kiazand A, Balise RR, Kraemer HC: Effect of raw garlic vs commercial garlic supplements on plasma lipid concentrations in adults with moderate hypercholesterolemia: a randomized clinical trial. Arch Intern Med 2007;167(4):346-353. |
Omega-3-Fettsäuren vertreiben die Schmerzen
vom 26.03.2007 |
Mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren sind schmerzlindernd, und zwar bei so unterschiedlichen Erkrankungen wie rheumabedingten Gelenkentzündungen, entzündlichen Darmerkrankungen oder Menstruationsschmerzen. Dieses haben amerikanische Forscher in einer Arbeit bestätigt, in der sie alle bisherigen Studien zu diesem Thema systematisch zusammengetragen haben.
Goldberg RJ, Katz J: A meta-analysis of the analgesic effects of omega-3 polyunsaturated fatty acid supplementation for inflammatory joint pain. Pain 2007. |
Bei Erkältungskrankheiten ist die Homöopathie eine echte Alternative
vom 26.03.2007 |
Patienten mit Halsschmerzen, laufenden Nasen, Ohrenschmerzen oder Husten werden homöopathisch genauso gut behandelt wie konventionell. Wie eine internationale Studie zeigen konnte, waren die Heilungsraten nach zwei Wochen Behandlung nahezu identisch, nach einer einwöchigen Behandlung zeigten sich sogar leichte Vorteile für die homöopathisch behandelten Patienten. Nebenwirkungen gab es häufiger in der schulmedizinisch behandelten Gruppe.
Haidvogl M, Riley DS, Heger M, Brien S, Jong M, Fischer M, Lewith GT, Jansen G, Thurneysen AE: Homeopathic and conventional treatment for acute respiratory and ear complaints: A comparative study on outcome in the primary care setting. BMC Complement Altern Med 2007;7:7. |
Sibirischer Rhabarber könnte Hormone ersetzen
vom 21.03.2007 |
Von der Hormonersatztherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden
ist bekannt, dass sie zu einem erhöhten Risiko führt, an Brustkrebs
zu erkranken. Die Suche nach alternativen Behandlungsformen ist daher
in vollem Gang. Deutsche und ukrainische Forscher bringen nun den
sibirischen Rhabarber ins Spiel. In einer Studie konnten sie nachweisen,
dass die Beschwerden unter einem Rhabarberextrakt deutlich besser
zurückgingen als unter Placebo.
Heger M, Ventskovskiy BM, Borzenko I, Kneis KC, Rettenberger R, Kaszkin-Bettag M, Heger PW: Efficacy and safety of a special extract of Rheum rhaponticum (ERr 731) in perimenopausal women with climacteric complaints: a 12-week randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Menopause 2006;13(5):744-759. |
Durchfall besser mit individueller Homöopathie behandeln
vom 21.03.2007 |
Aus mehreren Studien der amerikanischen Forscherin J. Jacobs ist bekannt, dass eine individuelle homöopathische Therapie Kindern mit Durchfall besser hilft als ein Placebo. In ihrer neuesten Studie konnte sie diese positiven Ergebnisse nicht bestätigen, wenn statt der individuellen Homöopathie ein homöopathisches Komplexmittel verabreicht wird. Das dämpft die Hoffnungen, ein einfaches, billiges und wirksames homöopathisches Medikament entwickeln zu können, das auch in weniger entwickelten Ländern einsetzbar ist.
Jacobs J, Guthrie BL, Montes GA, Jacobs LE, Mickey-Colman N, Wilson AR, DiGiacomo R: Homeopathic combination remedy in the treatment of acute childhood diarrhea in Honduras. J Altern Complement Med 2006;12(8):723-732. |
Ein
Kaktus als Appetitzügler
vom 20.03.2007 |
Caralluma fimbriata ist ein Kaktus, dessen Extrakte in Indien genutzt werden, um Hungergefühle zu unterdrücken. Er ist möglicherweise auch als Arzneimittel zur Gewichtsreduktion einsetzbar: Einer indischen Studie zufolge gelang es dem Caralluma-Extrakt, den Appetit stärker zu zügeln, bei Übergewichtigen die Gewichtsabnahme zu beschleunigen und den Bauchumfang stärker zu reduzieren als ein Placebo, doch überzeugten die Ergebnisse aus statistischer Sicht nicht vollständig.
Kuriyan R, Raj T, Srinivas SK, Vaz M, Rajendran R, Kurpad AV: Effect of Caralluma Fimbriata extract on appetite, food intake and anthropometry in adult Indian men and women. Appetite 2006. |
Diabetiker
können auf Mariendistel hoffen
vom 07.03.2007 |
Extrakte der Mariendistel haben sich in einer iranischen Studie als wirksam erwiesen, die Blutzuckerwerte (inklusive HbA1c) bei Diabetikern zu senken. Im Vergleich mit einer Placebogruppe wurden auch die Blutfettwerte durch die 4-monatige Einnahme des Mariendistelextrakts positiv beeinflusst.
Huseini HF, Larijani B, Heshmat R, Fakhrzadeh H, Radjabipour B, Toliat T, Raza M: The efficacy of Silybum marianum (L.) Gaertn. (silymarin) in the treatment of type II diabetes: a randomized, double-blind, placebo-controlled, clinical trial. Phytother Res 2006;20(12):1036-1039. |
Salbei
lindert Halsschmerzen
vom 07.03.2007 |
Ein Spray aus Salbeiextrakten hilft, die Schmerzen einer viral bedingten Rachenentzündung zu lindern. Der Effekt tritt bereits 2 Stunden nach der ersten Behandlung ein. Allerdings scheint die richtige Dosierung problematisch zu sein: in einer von deutschen Forschern publizierten Studie an fast 300 Patienten war nicht das Spray mit der höchsten, sondern das mit der zweithöchsten Dosierung am wirksamsten.
Hubbert M, Sievers H, Lehnfeld R, Kehrl W: Efficacy and tolerability of a spray with Salvia officinalis in the treatment of acute pharyngitis - a randomised, double-blind, placebo-controlled study with adaptive design and interim analysis. Eur J Med Res 2006;11(1):20-26. |
Capsicum
wirkt besonders an Akupunkturpunkten
vom 06.03.2007 |
Frauen, denen ein capsaicinhaltiges (Capsaicin = Wirkstoff
der Pfefferschote und der Paprika) Pflaster am Akupunkturpunkt Ma36
(ZuSanLi, neben dem Schienbein unterhalb des Knies) aufgelegt wurde,
benötigten nach einer Hysterektomie deutlich weniger Schmerzmittel
als solche, die ein Placebo oder ein Capsaicinpflaster auf Nicht-Akupunkturpunkten
bekamen. Gleichzeitig wurde die Rate an postoperativen Komplikationen
deutlich gesenkt. Damit bestätigen koreanische Forscher ähnliche Ergebnisse
ihrer Arbeitsgruppe, in denen ein Capsaicinpflaster bei Kindern nach
einer Leistenbruch-OP ebenfalls besonders wirksam war, wenn es bei
Ma36 aufgeklebt wurde.
Kim KS, Nam YM: The analgesic effects of capsicum plaster at the Zusanli point after abdominal hysterectomy. Anesth Analg 2006;103(3):709-713. |
Tomatensauce
bei Prostatakrebs unwirksam?
vom 02.03.2007 |
Der rote Farbstoff in Tomaten, Lycopin, hat sich in mehreren Studien als Erfolg versprechend in der Behandlung des Prostatakrebses gezeigt. Die Hoffnungen, mit der Tomate eine naturheilkundliche Alternative zu (oft wenig wirksamen) Chemotherapien bei fortgeschrittenem (angrogenunabhängigem) Prostatakarzinom anbieten zu können, haben nun einen Dämpfer erhalten. Amerikanische Forscher "behandelten" 46 Patienten mit Tomatensaft oder Tomatensauce: der Erfolg war mäßig. Die Forscher betonen allerdings, dass diese Ergebnisse keine Rückschlüsse auf die Behandlung anderer Prostatakarzinome oder gar auf die Möglichkeit der Prävention zuließen.
Jatoi A, Burch P, Hillman D, Vanyo JM, Dakhil S, Nikcevich D, Rowland K, Morton R, Flynn PJ, Young C, Tan W: A tomato-based, lycopene-containing intervention for androgen-independent prostate cancer: results of a Phase II study from the North Central Cancer Treatment Group. Urology 2007;69(2):289-294. |
Lieber
frisches Obst und Gemüse als Vitamine in Pillenform
vom 02.03.2007 |
Die Vermutung, dass Werbeversprechen von Herstellern
diverser Vitaminpräparate zuweilen nicht nur leere Phrasen, sondern
auch manchmal (lebens-)gefährlich sein können, zeigt nun
eine dänische Meta-Analyse zu den gesundheitlichen Auswirkungen
von Vitaminpräparaten, insbesondere den Vitaminen A, E, C und
Betacaroten sowie dem Spurenelement Selen. Auf der Grundlage qualitativ
hochwertiger Studien fanden die Wissenschaftler heraus, dass die regelmäßige,
hochdosierte Einnahme von Betacaroten, Vitamin A und Vitamin E mit
einem höheren Sterberisiko verbunden ist und auch Vitamin C als
gepriesenes Mittel zur Vorbeugung verschiedener Krankheiten mehr Schaden
als Nutzen anrichten kann. Welche Auswirkung Vitamin C und auch Selen
aber nun genau auf die Sterblichkeit hat, müsse in weiteren Studien
geklärt werden, so die Autoren. Sie nehmen an, dass statt den
menschlichen Organismus vor antioxidativen Schäden und damit
schweren Erkrankungen zu schützen die zusätzliche
Einnahme von Vitaminen den natürlichen Abwehrmechanismus des
Körpers sogar stört. Fazit: Wer sich ohnehin schon ausgewogen
ernährt, muss sich um seinen Vitaminhaushalt keine Gedanken machen
und kann viel Geld sparen.
Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C: Mortality in Randomized Trials of Antioxidant Supplements for Primary and Secondary Prevention: Systematic Review and Meta-analysis. Jama 2007;297(8):842-857. |
Warnung
vor unangemessener Antibiotikaverschreibung durch Studienergebnisse
bestätigt
vom 26.02.2007 |
Erstmals wurde ein direkter Zusammenhang zwischen Antibiotikaresistenz und -einnahme in einer Doppelblindstudie in einem Universitätskrankenhaus in Antwerpen an gesunden Studienteilnehmern nachgewiesen. In der Studie konnte gezeigt werden, dass die beiden Makrolidantibiotika Clarithromycin und Azimythromycin, die von Ärzten häufig bei Atemwegserkrankungen verschrieben werden, die Anzahl der resistenten Streptokokken erhöhten und somit im Fall einer möglicherweise gefährlichen Infektion den eindringenden Keimen nahezu freie Bahn gewährten. Auf Basis dieser Ergebnisse fordern die Autoren im Interesse der Patienten eine umsichtigere Verordnung von Antibiotika.
Malhotra-Kumar S, Lammens C, Coenen S, Van Herck K, Goossens H: Effect of azithromycin and clarithromycin therapy on pharyngeal carriage of macrolide-resistant streptococci in healthy volunteers: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Lancet 2007;369(9560):482-490. |
Schwangere
müssen nicht auf den täglichen Kaffee verzichten
vom 23.02.2007 |
Wie eine dänische Studie zeigt, verändert sich das Geburtsgewicht der Säuglinge nicht oder nur minimal, wenn die werdenden Mütter in der zweiten Schwangerschaftshälfte statt koffeinhaltigen entkoffeinierten Kaffee trinken.
Bech BH, Obel C, Henriksen TB, Olsen J: Effect of reducing caffeine intake on birth weight and length of gestation: randomised controlled trial. Bmj 2007. |
Aderlass in der Diskussion
vom 22.02.2007 |
Eine randomisierte Therapiestudie zur Wirksamkeit des
Aderlasses bei Patienten mit peripherer Verschlusskrankheit wird derzeit
äußerst kontrovers diskutiert. Ein Teil der Diskutanden verweist darauf,
dass es zwischen der Aderlass- und der Kontrollgruppe keine statistisch
signifikanten Unterschiede in der Sterblichkeit gebe. Damit sei die
"Rückkehr einer mittelalterlichen Therapie" ausgeschlossen (Ärztezeitung).
Die Gegenseite zitiert eine Untergruppe von unter 61-jährigen Aderlass-Patienten,
in der eine geringere Rate an schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen statistisch nachweisbar war. Damit scheine der Aderlass zu "einer verbesserten Gefäßgesundheit beizutragen" (der Autor der Studie
in einem Interview mit Reuters).
Zacharski LR, Chow BK, Howes PS, Shamayeva G, Baron JA, Dalman RL, Malenka DJ, Ozaki CK, Lavori PW: Reduction of iron stores and cardiovascular outcomes in patients with peripheral arterial disease: a randomized controlled trial. Jama 2007;297(6):603-610. |
Gibt
es eine Grundlage für die Irisdiagnostik?
vom 21.02.2007 |
Irisdiagnostik gilt aus wissenschaftlicher Sicht bisher als ungeprüftes, esoterisches Verfahren. Schwedische Wissenschaftler haben nun erstmals einen direkten Bezug zwischen Verhaltensmerkmalen eines Patienten (positive Einstellung, Vertrauensfähigkeit, Impulsivität) und seiner Iris (Krypten, Furchen) hergestellt. Zurückgeführt wird diese Assoziation auf das Gen Pax6, das Gewebeveränderungen in der Iris und der Hirnrinde verursacht.
Larsson M, Pedersen NL, Stattin H: Associations between iris characteristics and personality in adulthood. Biological Psychology 2007:doi:10.1016/j.biopsycho.2007.1001.1007. |
Tierexperimentelle
Ergebnisse sind nicht immer auf den Menschen übertragbar
vom 20.02.2007 |
Die Wirksamkeit eines Medikaments lässt sich in der
Regel nicht unbedingt aus Tierversuchen ableiten. Es gibt Medikamente,
die im Tierversuch wirksam und beim Menschen unwirksam sind (z.B.
Kortikosteroide bei Kopfverletzungen). Andererseits gibt es auch Medikamente,
die beim Menschen eindeutig hilfreich sind, obwohl die tierexperimentellen
Daten keine eindeutige Wirksamkeit vermuten lassen (z.B. Antifibrinolytica
bei Blutungen). Die britischen Forscher vermuten, dass viele Tiermodelle
die Gegebenheiten beim Menschen nicht hinreichend genau widerspiegeln.
Perel P, Roberts I, Sena E, Wheble P, Briscoe C, Sandercock P, Macleod M, Mignini LE, Jayaram P, Khan KS: Comparison of treatment effects between animal experiments and clinical trials: systematic review. Bmj 2007;334(7586):197. |
Hohe
Erwartungen an die Akupunktur lindern den Schmerz
vom 20.02.2007 |
Deutsche Forscher haben erneut eindrucksvoll bestätigt, dass Patienten, die mit hohen positiven Erwartungen eine Schmerzbehandlung mit Akupunktur beginnen, auch deutlich bessere Therapieerfolge haben als solche, die der Akupunktur und ihrer Wirksamkeit eher skeptisch gegenüber eingestellt sind. Diese Effekte sind besonders ausgeprägt, wenn es sich um eine umfassende Akupunkturbehandlung handelt, und weniger stark, wenn nur eine Minimalakupunktur angeboten wird.
Linde K, Witt CM, Streng A, Weidenhammer W, Wagenpfeil S, Brinkhaus B, Willich SN, Melchart D: The impact of patient expectations on outcomes in four randomized controlled trials of acupuncture in patients with chronic pain. Pain 2007:doi:10.1016/j.pain.2006.1012.1006. |
Ergebnisse
aus Therapiestudien zur Akupunktur sind verallgemeinerbar
vom 20.02.2007 |
Deutsche Forscher haben zeigen können, dass sich die
Therapieerfolge der Akupunktur bei Migränepatienten nicht unterscheiden,
ja nachdem ob die Patienten im Rahmen einer Routinebehandlung oder
einer randomisierten Therapiestudie behandelt wurden. Dieses zeigt
zum einen, dass die Ergebnisse randomisierter Therapiestudien auch
auf die Routineversorgung übertragen werden können, legt aber auch
die Schlussfolgerung nahe, dass Routinedaten in einigen Bereichen
durchaus für die Beurteilung der Wirksamkeit von Therapien herangezogen
werden können.
Linde K, Streng A, Hoppe A, Weidenhammer W, Wagenpfeil S, Melchart D: Randomized trial vs. observational study of acupuncture for migraine found that patient characteristics differed but outcomes were similar. J Clin Epidemiol 2007;60(3):280-287. |
Nahrungsergänzung mit Folsäure
vom 19.02.2007 |
Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren, die ihren täglichen Bedarf an Folsäure nicht über die Nahrung decken, sollten diese ergänzend zu sich nehmen. Niederländische Wissenschaftler fanden in einer randomisierten, placebokontrollierten Therapiestudie heraus, dass die Nahrungsergänzung mit Folsäure (800 µg pro Tag) das altersbedingte Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten deutlich verbessert.
Durga J, van Boxtel MP, Schouten EG, Kok FJ, Jolles J, Katan MB, Verhoef P: Effect of 3-year folic acid supplementation on cognitive function in older adults in the FACIT trial: a randomised, double blind, controlled trial. Lancet 2007;369(9557):208-216. |
Ein
Verzicht auf Antidiabetika kann sinnvoll sein
vom 13.02.2007 |
Patienten, die unter einer Glukoseintoleranz leiden,
sollten primär ihren Lebensstil ändern (also die Ernährung
umstellen und mehr Sport treiben), um die Entwicklung eines manifesten
Diabetes zu vermeiden oder zu verzögern. Britische Forscher haben
in einer systematischen Übersichtsarbeit herausgefunden, dass
Änderungen des Lebensstils mindestens ebenso wirksam sind wie
die Behandlung mit handelsüblichen Medikamenten und vermutlich
weniger Nebenwirkungen haben.
Gillies CL, Abrams KR, Lambert PC, Cooper NJ, Sutton AJ, Hsu RT, Khunti K: Pharmacological and lifestyle interventions to prevent or delay type 2 diabetes in people with impaired glucose tolerance: systematic review and meta-analysis. BMJ 2007;334(7588):299. |
Olivenöl
ist ein potentes Antibiotikum
vom 12.02.2007 |
Italienische Forscher haben
in Laborexperimenten gezeigt, dass natives Olivenöl antibakterielle
Eigenschaften hat, insbesondere gegen verschiedene Stämme von
Helicobakter pylori, einem Bakterium, das mit Magengeschwüren
und Magenkrebs in Verbindung gebracht wird. Die Forscher betonten
weiterhin, dass die Inhaltsstoffe des Olivenöls die sauren Magenbedingungen
über mehrere Stunden unbeschadet überstehen.
Romero C, Medina E, Vargas J, Brenes M, Castro AD: In Vitro Activity of Olive Oil Polyphenols against Helicobacter pylori. J Agric Food Chem 2007;55(3):680-686. |
Blutdruck
ohne Medikamente senken
vom 09.02.2007 |
Amerikanische Forscher haben noch einmal betont, dass
die ersten Maßnahmen bei moderatem Bluthochdruck nicht in Medikamenten
liegen sollten, sondern in einer Änderung des Lebensstils. Eine Gewichtsabnahme
um 5 kg, eine an Obst und Gemüse reiche Ernährung, eine Einschränkung
des Salzkonsums, viermal die Woche ein halbstündiges Training und der
Verzicht auf mehr als zwei Gläser Alkohol am Tag können den Blutdruck
erheblich senken. Gleichzeitig betonen sie allerdings, dass es keine
gesicherten Erkenntnisse gibt, ob diese Blutdrucksenkungen auch zu
einem verringerten Risiko führen, an Herzinfarkt oder Schlaganfall
zu sterben.
Wexler R: Nonpharmacologic Strategies for Managing Hypertension. Am J Physician 2007;73(11):1953-1956. |
Akupunktur
und Hypnose erleichtern die Geburt
vom 09.02.2007 |
In einer systematischen Übersichtsarbeit haben australische
Forscher festgestellt, dass Akupunktur und vor allem Hypnose die Schmerzen
bei der Geburt senken bzw. die notwendigen Schmerzmedikamente verringern
können. Nach Ansicht der Autoren lassen die wenigen verfügbaren Studien
allerdings noch keine definitiven Schlüsse zu. Aromatherapie und Musiktherapie
konnten bisher ihre Wirksamkeit nicht beweisen.
Smith CA, Collins CT, Cyna AM, Crowther CA: Complementary and alternative therapies for pain management in labour. Cochrane Database Syst Rev 2006(4):CD003521. |
Ist
die Photosensitivität von Johanniskraut eine Mär?
vom 09.02.2007 |
Immer wieder wird davor gewarnt, dass Patienten, die
mit Johanniskrautextrakten behandelt werden, überempfindlich auf Licht
reagieren könnten (Photosensitivität). Weder Freiburger noch Bad Schwartauer
Forscher konnten dieses belegen, eine generell erhöhte Photosensibilität
besteht augenscheinlich nicht (siehe
auch). Was allerdings nicht zwingend
heißt, dass nicht einzelne Patienten genau solch eine Nebenwirkung
doch erleiden.
Schulz HU, Schurer M, Bassler D, Weiser D: Investigation of the effect on photosensitivity following multiple oral dosing of two different hypericum extracts in healthy men. Arzneimittelforschung 2006;56(3):212-221. |
Haben
Kaffeetrinker seltener Krebs?
vom 09.02.2007 |
Verschiedene Studien haben bisher vermuten lassen, dass Kaffeekonsum das Risiko verringert, an Darmkrebs zu erkranken. Zumindest für japanische Frauen und Männer konnte dieses jetzt nicht bestätigt werden: Nach über 10 Jahren erkrankten etwa gleich viele Kaffeetrinker und -abstinenzler.
Naganuma T, Kuriyama S, Akhter M, Kakizaki M, Nakaya N, Matsuda-Ohmori K, Shimazu T, Fukao A, Tsuji I: Coffee consumption and the risk of colorectal cancer: A prospective cohort study in Japan. Int J Cancer 2007;120(7):1542-1547. |
Gute
Nacht!
vom 08.12.2006 |
Baldrian ist im mitteleuropäischen Sprachraum das vielleicht meist angewandte Naturheilverfahren überhaupt. Baldrian gilt in Deutschland als das Einschlafmittel schlechthin. Amerikanische Forscher haben seine Wirksamkeit bei Einschlafstörungen nun im Wesentlichen bestätigt. In einer systematischen Übersichtsarbeit über 16 Therapiestudien fanden sie einen signifikanten Effekt. Dennoch formulierten die Wissenschaftler ihre Schlussfolgerungen vorsichtig: die Wirkung des Baldrians sei aufgrund vieler methodischer Mängel der Studien nicht eindeutig.
Bent S, Padula A, Moore D, Patterson M, Mehling W. Valerian for Sleep:
A Systematic Review and Meta-Analysis. The American Journal of Medicine
2006; 119(12):1005-1012. |
Sonnenhut,
Wind und Kälte
vom 23.10.2006 |
Nachdem im letzten Jahr eine große randomisierte Studie nicht die Wirksamkeit von Extrakten des roten Sonnenhuts (Echinacea) bei Erkältungen nachweisen konnte, ziehen nun deutsche Forscher in einer Übersichtsarbeit ein gemischtes Fazit aus der bisherigen Forschung: eine vorbeugende Wirkung von Echinacea konnte bisher nicht gezeigt werden, bei der Behandlung der Erkältung scheinen insbesondere die oberirdischen Teile der Species Echinacea purpurea Erfolg versprechend.
Turner RB, Bauer R, Woelkart K, Hulsey TC, Gangemi JD. An evaluation of Echinacea angustifolia in experimental rhinovirus infections. N Engl J Med 2005. 353(4):341-348.
Linde K, Barrett B, Wolkart K, Bauer R, Melchart D. Echinacea for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2006. |
Es
lohnt sich, mit dem Rauchen aufzuhören
vom 23.10.2006 |
Raucher haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Personen, die das Rauchen aufgeben, können dieses Risiko deutlich verringern. Wie italienische Forscher in einer Arbeit zum Stand der Forschung berichten, müssen sie aber selbst zehn Jahre danach mit einem doppelt so hohen Risiko leben wie Personen, die niemals geraucht haben.
Bosetti C, Gallus S, Garavello W,La Vecchia C. Smoking cessation and the risk of oesophageal cancer: An overview of published studies. Oral Oncology 2006. 42(10):957-964. |
Fieberdiskussion
neu entfacht
vom 16.10.2006 |
Ein amerikanischer Forscher hat nun eine alte, naturheilkundlichen Beobachtungen entsprungene These erneut zur Diskussion gestellt. Nach seinen Überlegungen ist es durchaus wahrscheinlich, dass mehrfache Virus- und bakterielle Infektionen dem Körper dabei helfen, gezielter und effizienter gegen Krebszellen vorzugehen und so einen natürlichen Schutz zu bieten.
A. Post. Environmental exposure to bacteria and viruses may provide oncolytic protection against cancers, and declining exposure to infections may contribute to a rising incidence of cancer. Medical Hypotheses 2006; doi:10.1016/j.mehy.2006.02.058 |
Lieber
nicht Abwarten!
vom 12.10.2006 |
In einer großen Studie haben deutsche Forscher nachweisen
können, dass es sich nicht lohnt, bei Nackenschmerzen abzuwarten und
zu hoffen, dass die Schmerzen vorübergehen. Stattdessen ist eine dreimonatige
Akupunkturbehandlung anzuraten: sie mindert die Schmerzen und ist
auch aus Kosten-Nutzen-Überlegungen sinnvoll.
Witt C et al. Acupuncture for patients with chronic neck pain Pain 2006; 125(1-2):98-106.
Willich SN et al. Cost-effectiveness of acupuncture treatment in patients with chronic neck pain. Pain 2006; 125(1-2):107-113.
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Depressionen
durch Fettsäuren lindern
vom 28.09.2006 |
Amerikanische Forscher haben kürzlich den Forschungsstand zur Behandlung von Depressionen mit Omega-3-Fettsäuren zusammengefasst. Ihr Urteil ist vorsichtig positiv: die Ergebnisse seien vielversprechend, für eine endgültige positive Bewertung fehlten aber insbesondere noch Studien, die die wirksamste Dosis herausfilterten.
Williams AL et al. Do essential fatty acids have a role in the treatment of depression? Journal of Affective Disorders 2006;9(1-3);117-123.
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Mit
Akupressur gegen die Wurzel allen Übels?
vom 25.09.2006 |
Die Frage, ob man durch gezielte Akupressur Übelkeit vorbeugen kann, ist nicht so leicht zu beantworten. Während chinesische Forscher vermuten, dass die bisherigen Ergebnisse zur Wirksamkeit der Akupressur nach Operationen möglicherweise überoptimistisch sind, empfehlen amerikanische Wissenschaftler die Akupressur zur Vorbeugung von Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen.
Helmreich RJ, Shiao SPK, Dune LS. Meta-analysis of Acustimulation Effects on Nausea and Vomiting in Pregnant Women. Explore 2006; 2(5):412-421.
Lee A et al. Publication bias affected the estimate of postoperative nausea in an acupoint stimulation systematic review. J Clin Epidem 2006;59(9):980-983.
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Granatapfel
für Männer
vom 20.09.2006 |
Die Erkenntnis ist noch schwach und auch nicht bestätigt,
aber es gibt jetzt erste Hinweise, dass ein Saft aus Granatäpfeln
den Verlauf eines Prostatakrebses verlangsamen kann. Amerikanische
Forscher behandelten jetzt 7 Patienten mit etwa einem Viertel Liter
Granatapfelsaft täglich und beobachteten ein deutlich verzögertes
Ansteigen des Tumormarkers PSA.
Pantuck AJ et al. Phase II study of pomegranate juice for men with rising prostate-specific antigen following surgery or radiation for prostate cancer. Clin Cancer Res 2006;12:4018-26. |
Geistig
rege auch ohne Vitamine
vom 14.09.2006 |
Neuseeländische Forscher haben keinen Beleg dafür
gefunden, dass die tägliche Gabe von Vitaminen (B6, B12 und Folsäure)
helfen kann, die geistigen (kognitiven) Fähigkeiten von alten
Menschen länger als üblich zu erhalten. Dieser Befund wird
von niederländischen Forschern bestätigt.
McMahon JA et al. A controlled trial of homocysteine lowering and cognitive performance.N Engl J Med 2006;354(26):2764-72.
Eussen SJ et al. Effect of oral vitamin B-12 with or without folic acid on cognitive function in older people with mild vitamin B-12 deficiency: a randomized, placebo-controlled trial. Am J Clin Nutr 2006;84(2):361-70.
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Doch
wieder Sonnenbaden?
vom 05.09.2006 |
Sonnenbaden ist in den letzten Jahren immer wieder
verdammt worden, vor allem weil das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken,
mit jedem Sonnenbad steigt. In einer Neuanalyse bisheriger Studien
haben holländische Forscher jetzt aber gezeigt, dass viel Sonnenlicht
bei anderen Krebsarten (Prostata-, Brust-, Gebärmutter- und Darmkrebs)
eher vorbeugend wirkt. Vorsichtiges Sonnenbaden (ohne Sonnenbrand)
scheint also nicht nur angenehm, sondern auch gesundheitsfördernd
zu sein.
Quelle: van der Rhee HJ, de Vries E, Coebergh
JWW. Does sunlight prevent cancer? A systematic review. Eur J Cancer
2006; 42(14): 2222-2232. |
Vitamin
K festigt die Knochen
vom 01.09.2006 |
Osteoporosepatienten leiden oft an einem Vitamin K-Mangel.
Englische Forscher haben nun bestätigt, dass eine tägliche
(sehr hohe) Gabe von Vitamin K(2) die Knochendichte erhöhen und
das Risiko von Knochenbrüchen verringern kann.
Quelle: Cockayne S et al. Vitamin K and the
prevention of fractures: systematic review and meta-analysis of randomized
controlled trials. Arch Intern Med 2006;166(12):1256-61. |
Bier
und Wein - sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel
vom 30.08.2006 |
Nachdem in den letzten Jahrzehnten mehrfach bestätigt
worden ist, dass Rotwein (ein Gläschen täglich) vor Herzinfarkten
bewahren kann, rückt nun das Bier in den Mittelpunkt der Forschung.
Untersucht wird die Hypothese, ob die im Bier enthaltenen Hopfenextrakte
vor Prostatakrebs schützen können. Erste Daten hierzu sind
ermutigend.
Quelle: Colgate EC et al. Xanthohumol, a prenylflavonoid
derived from hops induces apoptosis and inhibits NF-kappaB activation
in prostate epithelial cells. Cancer Lett 2006. [Epub] |
Tabak
ist schädlich - egal in welcher Form
vom 25.08.2006 |
Dass Raucher ein erhöhtes Risiko tragen, einen
Herzinfarkt zu erleiden, ist seit langem bekannt. Kanadische Forscher
haben jetzt ein weit verbreitetes Vorurteil auf diesem Gebiet ausgeräumt:
Das Risiko eines Herzinfarktes trägt jeder, der Tabak genießt,
egal ob als Zigarette oder Zigarre, als Kautabak oder mit einer Wasserpfeife.
Quelle: Teo KK et al. Tobacco use and risk
of myocardial infarction in 52 countries in the INTERHEART study:
a case-control study. Lancet. 2006;368(9536):647-58. |
Zimt
und Zucker
vom 22.08.2006 |
Deutsche Forscher weisen darauf hin, dass die regelmäßige
Einnahme eines wässrigen Zimtextrakts helfen kann, den Blutzuckerspiegel
bei Zuckerkranken (Altersdiabetes) zu senken. Sie widersprechen dabei
holländischen Forschern, denen ein entsprechender Nachweis nicht gelungen
war. Daher ist derzeit auch unklar, ob jeder Zimtextrakt bei Diabetes
hilfreich ist, oder ob spezielle Extrakte wirksamer sind als andere.
Mang B et al., Effects of a cinnamon extract on plasma glucose, HbA1c, and serum lipids in diabetes mellitus type 2. Eur J Clin Invest 2006. 36: 340-344.
Vanschoonbeek K et al., Cinnamon supplementation does not improve glycemic control in postmenopausal type 2 diabetes patients. J Nutr. 2006; 136:977-980.
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Schokolade
weitet die Gefäße
vom 16.08.2006 |
Amerikanische und deutsche Forscher haben die Schokolade ins Visier ihrer Forschungen genommen. Sie konnten zeigen, dass der Verzehr von Kakaoprodukten die Gefäßfunktionen positiv beeinflusst und z.B. die Durchblutung des Gehirns verstärkt. Die Schokolade muss reich an sog. Flavanolen sein. Die Effekte sind besonders bei älteren Menschen zu beobachten, auch Raucher profitieren.
Quelle: Fisher ND, Hollenberg NK. Aging and vascular responses to flavanol-rich cocoa. Hypertens 2006;24(8):1575-1580.
Heiss C et al. Acute consumption of flavanol-rich cocoa and the reversal of endothelial dysfunction in smokers. J Am Coll Cardiol 2005;46(7):1276-83.
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Mit
Achtsamkeit gegen Stress
vom 08.08.2006 |
Chronisch Kranke und stressgeplagte Mitbürger können ihre Lebensqualität und Gesundheit verbessern, indem sie eine besondere Form der Meditation betreiben, die sog. Achtsamkeitsmeditation. Wie norwegische Forscher berichten, hilft bereits ein achtwöchiger Kurs.
Quelle: de Vibe M, Moum T. [Training in mindfulness for patients with stress and chronic illness]. Tidsskr Nor Laegeforen 2006;126(15):1898-902. |
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