Zur Startseite          
         
    Weitere Informationen

Menüpunkt Die Carstens-Stiftung
 
Menüpunkt 'Wissenschaft und Forschung'
 
 
Menüpunkt Nachwuchsförderung
 
Menüpunkt Service/Presse

Logo "Blickpunkt Buch"
In unserer Rubrik «Blickpunkt Buch» stellen wir Ihnen aktuelle wissenschaftliche Bücher aus dem Themenkreis Homöopathie und Naturheilkunde vor.
 
Gesund ohne Pillen. Was kann die Alternativmedizin
— vom 17.03.2009 —
Simon Singh ist ein Physiker, der es versteht, komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge leicht und verständlich auch Laien zugänglich zu machen, insbesondere verzückt seine Art, wissenschaftliche Gedanken um kleine Anekdoten zu bereichern. Ich zum Beispiel bin von seinen Büchern Fermats letzter Satz und Geheime Botschaften begeistert.

Edzard Ernst ist Mediziner mit einer Professur für Komplementärmedizin in Exeter (GB), dessen Hauptverdienst es ist, immer wieder wissenschaftliche Prinzipien aus der evidenzbasierten Medizin auch für die Komplementärmedizin einzufordern. Auch Herrn Ernst habe ich als glänzenden Rhetoriker kennengelernt, der mit Witz und Esprit über schwer zu verdauende Kost sprach.

Also habe ich mich darauf gefreut, als im vorigen Jahr das Buch Trick or Treatment angekündigt wurde, ein gemeinsames Buch von Simon Singh und Edzard Ernst, ein Buch, das nun in der deutschen Übersetzung unter dem Titel Gesund ohne Pillen erschienen ist. Und tatsächlich liest sich das Buch (die englische und die deutsche Version) leicht und locker, die Anzahl der vergnüglichen Anekdoten ist erstaunlich.

Inhaltlich ist das Buch dagegen eher enttäuschend. Zum einen, weil es neben Anekdoten und Bonmots nichts Neues bringt. Alle Einschätzungen und Bewertungen, ob und welche komplementärmedizinische Therapie denn nun nach wissenschaftlichen Kriterien als wirksam erklärt oder als Scharlatanerie entlarvt werden kann, hat man schon in den bisherigen Büchern von Edzard Ernst gelesen, z.B. im Desktop Guide to Complementary and Alternative Medicine (deutsch: Praxis Naturheilverfahren – Evidenzbasierte Komplementärmedizin), oder das von der Stiftung Warentest herausgegebene Die andere Medizin (hier wird er nicht als Autor, sondern als verantwortlicher Mediziner und Forscher geführt). Mit anderen Worten: Das neue Buch ist im Wesentlichen nur der dritte oder vierte Aufguss bereits bekannter Positionen, nur eben etwas vergnüglicher zu lesen.

Was in diesem Buch vor allem negativ auffällt ist die mangelnde Fähigkeit der Autoren, sich selbst kritisch zu hinterfragen, eine Eigenschaft, die doch gerade Wissenschaftlern zu eigen sein sollte. Es fehlen die kritischen Worte zur evidenzbasierten Medizin, ein Konzept, das sich in der konventionellen Medizin durchgesetzt hat, aber weder dort unwidersprochen geblieben ist (so sprach zum Beispiel kürzlich Sir Michael D. Rawlins, der Vorsitzende des Nationalen Instituts für Gesundheit und klinische Exzellenz in Großbritannien, von der Ansicht, dass sich Evidenz in Hierarchien gießen ließe illusorisch sei. "Hierarchien stellen die randomisierte Therapiestudie auf einen unverdienten Sockel [...], obwohl diese Technik nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile hat. Ebenso haben reine Beobachtungsstudien Fehler, aber eben auch Vorzüge.“) noch in der restriktiven Form, in der Edzard Ernst sie anwendet, von den Erfindern gedacht wurde.

Zudem ist wissenschaftlich derzeit sehr umstritten, ob sich bestimmte Techniken der evidenzbasierten Medizin (z.B. Verwendung von Indizes, in denen nur doppelt verblindete Studien eine hohe methodische Qualität zugesprochen bekommen, oder die Schätzung allgemeiner Therapieeffekte aus Meta-Analysen hochheterogene Studien) auf die Bedürfnisse der Komplementärmedizin übertragen lassen. Hier hätte man den beiden Autoren also ein wenig mehr Demut gewünscht.

Nichts ist so alt wie die Nachricht von gestern, sagen Zeitungsleute, und für die Wissenschaft gilt Ähnliches. Hier vor allem deswegen, weil neue Erkenntnisse neue Schlussfolgerungen nahe legen. Nun basiert die deutsche Ausgabe des Buches auf der schon vor einem Jahr publizierten englischen Ausgabe, dementsprechend sind natürlich auch die wissenschaftlichen Ergebnisse schon bei Drucklegung veraltet.

Dieses wird besonders am Beispiel der Blutegel deutlich: Schon 2008 galt Singhs und Ernsts Satz nicht mehr, dass es lediglich aus einer deutschen Forschergruppe Studien gibt, die die Wirksamkeit der Blutegeltherapie bei Arthrose untersuchen. 2009 stimmt dieser Satz schon gar nicht, mittlerweile ist die eingeforderte unabhängige Wiederholung der Ergebnisse erfolgt, von den Autoren nicht bemerkt bzw. nicht redigiert.

Ähnliches gilt für die Alexander-Technik: 2008 fand eine methodisch hochwertige Studie deutliche Effekte, die für eine Wirksamkeit der Therapie bei Rückenschmerzen sprechen.

Oder Akupunktur: 2009 zeigte eine von der von Singh und Ernst so gepriesenen Cochrane-Collaboration publizierte Übersichtsarbeit, dass eine „echte“ Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen geringe, aber statistisch signifikante Effekte im Vergleich zu einer Scheinakupunktur hat. Dieses lässt die bei Singh und Ernst immer wieder durchscheinende Grundhypothese (wenn auch in dieser Allgemeinheit nicht explizit formuliert), dass Akupunktur eine reine Placebotherapie sei, in einem neuen Licht erscheinen. Auch deswegen, weil vor kurzem eine amerikanische Arbeitsgruppe zeigte, dass selbst bei gleich großen klinischen Effekten (d.h. Schmerzlinderungen) die Verarbeitung der Signale im Gehirn bei „echter“ und „Sham“ Akupunktur sehr unterschiedlich sind.

Ärgerlich auch: Edzard Ernst (bzw. beide Autoren, aber ich vermute, dass an dieser Stelle Herr Ernst federführend war) hat die klare Tendenz, eigene Forschungsergebnisse in diesem Buch besonders herauszustellen, die Ergebnisse anderer dagegen eher zu ignorieren. Wenn er z.B. Meta-Analysen zur Homöopathie zitiert, dann belegt er seine Meinung mit einer Analyse aus seiner eigenen Arbeitsgruppe (z.B. zu Migräne und Kopfschmerz), und verzichtet darauf, die positiven Gegenbeispiele zu benennen (z.B. zu kindlicher Diarrhoe).

Ähnlich bei einer Übersichtsarbeit zu homöopathischer Arnica montana: zitiert wird die Schlussfolgerung aus Ernsts Analyse von 1998, die umfassendere und neuere Arbeit aus dem Jahr 2005 bleibt unerwähnt (was mich als den Hauptautor dieser neueren Studie natürlich besonders ärgert). An mangelndem Selbstbewusstsein gebricht es Herrn Ernst jedenfalls nicht. Bislang wurde die Erfindung von Teleskopnadeln, die in der Akupunkturforschung als Kontrollsystem gegenüber wirklich die Haut durchdringenden Nadeln eingesetzt werden, den Forschern K. Streitberger und J. Park zugeschrieben, nach denen die jeweiligen Nadeln auch benannt sind. Herr Ernst reklamiert die Grundidee nun für sich, nicht ohne sich dabei als „starken Kopf” (in der englischen Version: "great mind") darzustellen.

In den Überschriften zu den einzelnen Kapiteln versprechen Simon Singh und Edzard Ernst die „Wahrheit über“ Homöopathie, Akupunktur, Chiropraktik und pflanzliche Medizin. Dieser etwas vermessene Ansatz ist nach meiner Meinung gescheitert. Nicht nur, weil es so etwas wie Wahrheit in diesem Zusammenhang wohl gar nicht gibt, sondern auch weil das gesamte Buch gar nicht darauf abzielt, sich der Wahrheit zu nähern. Hier werden Vorurteile bedient, gehegt und gepflegt, und da ist es dann auch opportun, sich über mehrere Seiten darüber auszulassen, dass die Ergebnisse eines Wissenschaftlers (J. Benveniste) von einem Zauberer nicht reproduzierbar waren (Achtung: ich polemisiere). Singh und Ernst haben sich eine Meinung gebildet, die für nahezu alle komplementärmedizinischen Verfahren lautet: Scharlatanerie. Das kann man so tun, sie haben gute Gründe dafür. Aber es gibt auch viele Argumente, die dieser Meinung entgegenstehen. Das Buch daher als das definitive Buch zur Alternativmedizin herauszustellen, wie es der englische Klappentext verspricht, ist albern.

Und so bleibt eine ernüchternde Erkenntnis: letztendlich lohnt sich die Lektüre dieses Buches nicht wirklich. Ich hoffe, die von mir begeistert gelesenen Bücher von Simon Singh sind nicht ähnlich vorurteilsbehaftet wie Gesund ohne Pillen. Wenn nicht, dann lege ich Ihnen die Bücher ans Herz.

S. Singh, E. Ernst: Gesund ohne Pillen. Was kann die Alternativmedizin. München: Hanser, 2009.
Behandeln ist etwas anderes als Heilen
— vom 28.07.2008 —
Ganz ehrlich: Hat Ihnen bei dem letzten Arztbesuch der Arzt wirklich zugehört, ist er während des Gesprächs auf Sie eingegangen, hat Gegenfragen gestellt, versucht, mal „hinter die Fassade“ zu schauen? Wenn Ihr Arzt Homöopath ist, ist es wohl wahrscheinlich, dass Sie diese Frage mit „Ja“ beantworten können. Vielleicht haben Sie auch das Glück, an einen „guten“ Arzt geraten zu sein. In diesen Zeiten, in denen zunehmend mehr Patienten ihren Unmut über zu kurze Konsultationszeiten beim Arzt äußern, über Abspeisung mit den üblichen Verdächtigen Kortison, Antibiotika und Co. klagen sowie das Gefühl haben, nicht als „Ganzes“ wahrgenommen zu werden, regt das vorliegende Buch zum Nachdenken über die Arzt-Patienten-Beziehung in der Schulmedizin an.

Zuhören, Hineinhören in die Seele des Patienten, ihn respektvoll als menschliches Wesen wahrnehmen – diesen Anspruch erhebt der Autor Bernard Lown an seine Kollegen, jedoch nicht dogmatisch, sondern behutsam erzieherisch, aus seinem eigenen Erfahrungsschatz von 50 Jahren ärztlicher Praxis schöpfend. Bernard Lown, Kardiologe von Weltrang und Friedensnobelpreisträger, fordert in seinem sehr humoristisch und kurzweilig verfassten Buch die Reformierung der ärztlichen Anamnese zugunsten des Patienten, aber im Rückkehrschluss auch zugunsten des Arztes, bildet sich doch so manche Lösung eines medizinischen Problems nur dann heraus, wenn die Gesamtheit des Menschen, Körper und Seele, Symptomatik und Lebensgeschichte betrachtet wird. Die Kunst des Zuhörens, der sinnlichen Wahrnehmung und der (sprachlichen) Auseinandersetzung mit dem Menschen, dem es zu helfen gilt, bilden für den Autor wichtige Eckpfeiler einer würdigen Arzt-Patienten-Kommunikation. Wie weise formuliert es der Autor selbst: „Je älter ich werde, desto mehr Zeit lasse ich mir mit meinen Urteilen: je weniger ich mich beeile, desto älter werden meine Patienten.“

Obgleich skeptisch gegenüber den komplementärmedizinischen Verfahren, erscheinen doch des Autors Gedanken mit dem Heilprinzip der Komplementärmedizin eng verwandt, was sich in der folgenden Bemerkung Lowns zeigt: „Medikamente können zwar vorübergehend einige der vorhandenen Symptome verbessern, aber die zugrundeliegende Krankheit wird dadurch nicht geheilt.“ Letztendlich hat Lown, der sich gegenüber der Akupunktur zuvor eher ablehnend verhielt, eigene positive Erfahrungen mit diesem komplementärmedizinischen Verfahren gemacht, sowohl als Patient als auch als staunender Wissenschaftler, der sich vermutlich niemals hätte vorstellen können, dass so etwas wie eine Akupunktur-Narkose auch nur annähernd funktioniert. Natürlich betont der Autor wiederholt, dass die Möglichkeiten der modernen Medizin faszinierend und dementsprechend – aber in der richtigen Dosierung – auszuschöpfen seien. Die Essenz beim Lesen dieses Buches aber bleibt: „Behandeln ist etwas anderes als Heilen. Ersteres bezieht sich auf ein schlecht funktionierendes Organsystem. Letzteres auf ein leidendes menschliches Wesen.“ (B. Lown)

S. Singh, E. Ernst: Die verlorene Kunst des Heilens. Anleitung zum Umdenken. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2004.
Trick Or Treatment
— vom 02.03.2009 —
Ganz ehrlich: Hat Ihnen bei dem letzten Arztbesuch der Arzt wirklich zugehört, ist er während des Gesprächs auf Sie eingegangen, hat Gegenfragen gestellt, versucht, mal „hinter die Fassade“ zu schauen? Wenn Ihr Arzt Homöopath ist, ist es wohl wahrscheinlich, dass Sie diese Frage mit „Ja“ beantworten können. Vielleicht haben Sie auch das Glück, an einen „guten“ Arzt geraten zu sein. In diesen Zeiten, in denen zunehmend mehr Patienten ihren Unmut über zu kurze Konsultationszeiten beim Arzt äußern, über Abspeisung mit den üblichen Verdächtigen Kortison, Antibiotika und Co. klagen sowie das Gefühl haben, nicht als „Ganzes“ wahrgenommen zu werden, regt das vorliegende Buch zum Nachdenken über die Arzt-Patienten-Beziehung in der Schulmedizin an.

Zuhören, Hineinhören in die Seele des Patienten, ihn respektvoll als menschliches Wesen wahrnehmen – diesen Anspruch erhebt der Autor Bernard Lown an seine Kollegen, jedoch nicht dogmatisch, sondern behutsam erzieherisch, aus seinem eigenen Erfahrungsschatz von 50 Jahren ärztlicher Praxis schöpfend. Bernard Lown, Kardiologe von Weltrang und Friedensnobelpreisträger, fordert in seinem sehr humoristisch und kurzweilig verfassten Buch die Reformierung der ärztlichen Anamnese zugunsten des Patienten, aber im Rückkehrschluss auch zugunsten des Arztes, bildet sich doch so manche Lösung eines medizinischen Problems nur dann heraus, wenn die Gesamtheit des Menschen, Körper und Seele, Symptomatik und Lebensgeschichte betrachtet wird. Die Kunst des Zuhörens, der sinnlichen Wahrnehmung und der (sprachlichen) Auseinandersetzung mit dem Menschen, dem es zu helfen gilt, bilden für den Autor wichtige Eckpfeiler einer würdigen Arzt-Patienten-Kommunikation. Wie weise formuliert es der Autor selbst: „Je älter ich werde, desto mehr Zeit lasse ich mir mit meinen Urteilen: je weniger ich mich beeile, desto älter werden meine Patienten.“

Obgleich skeptisch gegenüber den komplementärmedizinischen Verfahren, erscheinen doch des Autors Gedanken mit dem Heilprinzip der Komplementärmedizin eng verwandt, was sich in der folgenden Bemerkung Lowns zeigt: „Medikamente können zwar vorübergehend einige der vorhandenen Symptome verbessern, aber die zugrundeliegende Krankheit wird dadurch nicht geheilt.“ Letztendlich hat Lown, der sich gegenüber der Akupunktur zuvor eher ablehnend verhielt, eigene positive Erfahrungen mit diesem komplementärmedizinischen Verfahren gemacht, sowohl als Patient als auch als staunender Wissenschaftler, der sich vermutlich niemals hätte vorstellen können, dass so etwas wie eine Akupunktur-Narkose auch nur annähernd funktioniert. Natürlich betont der Autor wiederholt, dass die Möglichkeiten der modernen Medizin faszinierend und dementsprechend – aber in der richtigen Dosierung – auszuschöpfen seien. Die Essenz beim Lesen dieses Buches aber bleibt: „Behandeln ist etwas anderes als Heilen. Ersteres bezieht sich auf ein schlecht funktionierendes Organsystem. Letzteres auf ein leidendes menschliches Wesen.“ (B. Lown)

B. Lown: Die verlorene Kunst des Heilens. Anleitung zum Umdenken. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2004.
Ein Blick hinter die Kulissen: Buch zur Forschungsmethodologie von Edzard Ernst
— vom 26.05.2008 —
In dieser Publikation begegnet uns erstaunlicherweise ein geradezu versöhnlicher Prof. Edzard Ernst, der mit diesem kompakten Werk erstmals ein Manual für die „Basics“ der medizinischen Forschungsmethodologie im Hinblick auf Fragestellungen der Komplementär- und Alternativmedizin verfasst hat. Des Autors stellenweise vernichtende Kritiken, in welchen er die klinische Evidenz einzelner Methoden und Verfahren genauestens analysiert, um dann ein gnadenloses Urteil zu fällen, sind in Forscherkreisen hinreichend bekannt (und gefürchtet?).

Das vorliegende Buch richtet sich nun an jene, die laut Prof. Ernst einen dringenden Nachholbedarf in punkto Forschung haben: Therapeuten, Krankenschwestern und andere, die im Rahmen ihrer Ausbildung kein oder nur unzureichendes Wissen über medizinische Forschungsmethoden aufzuweisen haben. Neben grundlegenden Erklärungsansätzen, einem sehr umfangreichen alphabetischen Glossar, einer Auflistung typischer Fragestellungen und einer exemplarischen Bewertung zweier Studien zeigt Ernst aber anhand von beispielhaften Studien auch typische Merkmale in der Qualität klinischer Studien auf, die die Stärke oder Schwäche der Aussagekraft dieser Studien ausmachen – und gewährt somit ein wenig Einblick in die eigenen Strategien und Attitüden. Qualitative Merkmale zu erkennen und somit eine Studie als gut oder schlecht beurteilen zu können, soll dieses Buch dem noch Ungeübten vermitteln.

Warum nun also hier von einem versöhnlichen Prof. Edzard Ernst die Rede ist, wird vielleicht nun etwas deutlicher: Allein das Zugeständnis, etwas aus ihrer Urteilsfähigkeit zu machen, die er den im Gesundheitswesen Beschäftigten zutraut, und den Mut, den er jenen zusprechen möchte, die, wie er selbst einmal feststellte, ein bisschen schüchtern und vielleicht ein ganz klein wenig furchtsam mit Forschung umgehen, sind Zeugnis genug, dass auch ein Kritiker, der durch seine Arbeiten den der Komplementärmedizin abgeneigten Instanzen immer wieder Kanonenfutter liefert, sich auch einmal hinab begibt, um die Methodik offen zu legen, mit der dies geschieht.

Ernst E: Understanding research in complementary and alternative medicine. A guide to reading and analysing research in healthcare. Holistic Therapy Books 2007.
Neue Publikation zur Forschungsmethodologie in der Akupunktur
— vom 28.03.2008 —
Die Bedeutung der Akupunktur in der westlichen Welt ist in den letzten beiden Jahrzehnten rapide gewachsen und mittlerweile hinsichtlich einiger Indikationen sogar bei den Krankenkassen anerkannt.

Im Aufbau vergleichbar mit der in der komplementärmedizinischen Fachwelt mittlerweile etablierten Publikation „Clinical Research in Complementary Therapies“, bei der George Lewith ebenfalls als Herausgeber auftritt, fokussiert die aktuelle Erscheinung nun Strategien und Besonderheiten der Akupunktur-Forschung.

Durch Textboxen und übersichtliche Tabellen werden wichtige Fragestellungen hervorgehoben, wie z.B. die Darstellung diverser Forschungsstrategien und -begrifflichkeiten, aber auch beispielhafte Aufarbeitungen konkreter Akupunktur-Studien. Der Leser kann sich durch ein übersichtliches Glossar schnell mit den wichtigsten Begriffen auf dem Gebiet „Klinische Forschung“ und dem allgemeinen Fachvokabular anfreunden.

Wie wichtig jedoch den Herausgebern und Autoren die praktischen Erfahrungswerte des Therapeuten sind, die ihrer Meinung nach eine bedeutende Rolle in der evidenzbasierten Betrachtung der Akupunktur spielen, wird an der praxisnahen Aufarbeitung des Themas in den betreffenden Kapiteln deutlich. Als ebenso wichtig für die Entwicklung von Forschungsstrategien wird die Sicht des Patienten erachtet, wie sie beispielsweise in patientenzentrierten Fragebogenerhebungen konkretisiert werden kann.

Alles in allem ist dies eine Publikation, die den interessierten Arzt, Wissenschaftler, Studenten oder Therapeuten zu einer Auseinandersetzung mit einer evidenzbasierten Akupunktur bewegen möchte, die externe Evidenz, klinische Expertise und Patientenentscheidung gleichermaßen berücksichtigt und somit laut Herausgeber Hugh MacPherson eher ein „Evidenzmosaik“ als eine „Evidenzhierarchie“ propagiert.

MacPherson H, Hammerschlag R, Lewith G, Schnyer R: Acupuncture Research. Strategies for Establishing an Evidence Base. Edinburgh [u.a.]: Churchill Livingstone (Elsevier), 2008.
Nichtmedikamentöse Schmerztherapie. Komplementäre Methoden in der Praxis
— vom 28.11.2007 —
Viele Menschen stehen Schmerzen, insbesondere chronischen Schmerzen, hilflos gegenüber und wissen oftmals gar nicht, dass außer der medikamentösen Behandlung, wie sie sie in der schulmedizinischen Praxis erfahren, noch andere, ganzheitliche Therapien existieren, die nicht nur Physiologie, sondern auch Psychologie, Spiritualität und die soziale Einbindung des Schmerzpatienten berücksichtigen. Mehr als 30 nichtmedikamentöse Verfahren werden vorgestellt, wobei – wo möglich – nach den Ansprüchen der evidenzbasierten Medizin auf die Studienlage hingewiesen wird oder aber Beispiele aus der (klinischen) Praxis genannt werden.

Neben bekannten komplementären Heilmethoden wie Akupunktur und Entspannungsverfahren oder Phytotherapie und Homöopathie werden aber auch unbekannte Ansätze wie z.B. die "Altorientalische Musiktherapie" oder Erfahrungen mit der "Klangwiege" in der Musiktherapie geschildert. Existieren zu einer Therapie nur Anwendungsbeobachtungen, so werden Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu dieser Therapie aufgeführt. Auch wenn diese Publikation kein ideales Arbeitsbuch für den Bereich der Schmerztherapie darstellt, so liefert sie doch zahlreiche Anregungen und praxisrelevante Informationen, wie mit den verschiedenen Formen des Schmerzes im Rahmen eines integrativen Therapiekonzepts umgegangen werden kann.

Bernatzky G, Likar R, Wendtner F, Wenzel G, Ausserwinkler M, Sittl R: Nichtmedikamentöse Schmerztherapie. Komplementäre Methoden in der Praxis. Wien; New York: Springer; 2007.
Complementary Therapies for Pain Management. An Evidence-Based Approach
— vom 17.10.2007 —
Erneut hat Edzard Ernst, Inhaber des Laing-Lehrstuhls für Alternativmedizin an der Universität Exeter, eine Publikation zur geprüften Evidenz unkonventioneller Therapiemethoden herausgebracht – diesmal mit dem Schwerpunkt "Schmerz". Ein älteres, von ihm publiziertes Handbuch, "The Desktop Guide to Complementary and Alternative Medicine" dürfte mittlerweile als Standardwerk evidenzbasierter Komplementärmedizin bekannt sein. In der aktuellen, ähnlich aufgebauten Publikation geht es um die Behandlung von Schmerz-Symptomen, wie sie mit zahlreichen Erkrankungen einhergehen. Immerhin leidet fast jeder fünfte Erwachsene in Europa unter Schmerzen von zumindest mittlerer Intensität, wie eine kürzlich erschienene europäische Umfrage ergibt. Auch in dieser Publikation nehmen die Herausgeber für sich in Anspruch, aktuelle, verlässliche und relevante Informationen auf der Basis einer systematisch durchgeführten Recherche in kurzgefasster, übersichtlicher Form zu liefern. Auch nicht zuletzt wegen der sorgfältig recherchierten Informationen und der Beweisführung durch Auflistung der genannten Studien, Meta-Analysen und systematischen Übersichtsarbeiten dient dieses Handbuch als hilfreiches Nachschlagewerk für den behandelnden Arzt, der Schmerzpatienten auf der Basis klinisch geprüfter Wirksamkeit therapieren möchte.

Ernst E, Pittler MH, Wider B: Complementary Therapies for Pain Management. An Evidence-Based Approach. Edinburgh, London, New York [a.o.]: Elsevier (Mosby); 2007.
Homöopathie in der Intensiv- und Notfallmedizin
— vom 21.08.2007 —
Auf den ersten Blick mutet die Vorstellung, Homöopathie in der klinischen Intensiv- und Notfallmedizin einzusetzen, ungewöhnlich an, denkt man doch beim Besuch einer Intensivstation eher an Apparaturen und Schläuche als an eine Behandlung mit sanften Mitteln. Umso überraschter ist man dann, wie sensibel die Herausgeber Michael Frass und Martin Bündner mit diesem doch heiklen Einsatzgebiet - geht es hier doch so oft um Leben oder Tod - umgehen. Der integrative Aspekt, also der Dialog zwischen konventioneller und ganzheitlicher Medizin sowie deren Annäherung steht hier im Vordergrund. In den meisten Fällen unumgänglich ist der Einsatz konventioneller Therapie, wobei die homöopathische Therapie überwiegend eine begleitende Funktion einnimmt.

Von der in Kliniken allseits gefürchteten Sepsis über Vergiftungen bis zu Infarktsituationen wird, differenziert nach konventioneller und homöopathischer Therapie, ausführlich auf die einzelnen Ereignisse, wie sie in der Intensiv- und Notfallmedizin zu beobachten sind, eingegangen. Interessant sind hierbei die dezidierte Aufführung kasuistischer Details inklusive Repertorisation, die Mitteldifferenzierung sowie die Beurteilung und Kritik zum Fall. In einigen Fällen wird die Repertorisation, wie beispielsweise bei der homöopathischen Therapie von Herzrhythmusstörungen, sehr differenziert aufgefächert.

Gleichzeitig bleibt der therapeutische Teil aber äußerst übersichtlich, so dass auch die praktische Handhabung der auf hohem wissenschaftlichen Niveau angesiedelten Informationen dieser Publikation gewährleistet ist. Veranschaulicht werden die homöopathischen Therapieempfehlungen durch Fallberichte aus der Praxis der Intensiv- und Notfallmedizin. Empfohlen sei dies Buch nicht nur Homöopathen, sondern auch Ärzten, die auf dem betreffenden klinischen Gebiet tätig sind und sich bisher nur auf die Methoden der konventionellen Medizin verlassen haben.

Frass M, Bündner MH: Homöopathie in der Intensiv- und Notfallmedizin. München: Elsevier; 2007.
Homöopathie bei akuten Krankheiten und Notfällen
— vom 21.08.2007 —
Die Publikation zur Selbstbehandlung akuter Erkrankungen des Alltags vermittelt dem Laien nicht nur grundlegendes Wissen über die klassische Homöopathie, sondern sagt ihm auch, was man bei der Arzneimittelgabe zu beachten und wie man bei der Fallaufnahme einer betroffenen Person vorzugehen hat. Für alle, die die Fallaufnahme ganz genau gestalten möchten, befindet sich am Ende des methodischen Teils ein Fragebogen für akute Fälle, den man sich kopieren und verwenden kann.

Im Hauptteil findet der Leser eine Auflistung verschiedener akuter Krankheitsbilder, von Durchfall und Erbrechen über Verletzungen und Insektenstiche bis zur Reisekrankheit. Nach dem Repertorium für die jeweilige Erkrankung sind bewährte Arzneimittel aufgeführt, die in diesem Zusammenhang je nach Symptomatik in Frage kämen und sehr ausführlich dargestellt sind. Insofern unterscheidet sich dieses Nachschlagewerk von anderen praktischen Ratgebern, die teilweise nur sporadische Informationen zur genauen Symptomatik eines Arzneimittels liefern.

Wer lieber vorher noch einmal üben möchte, der hat die Möglichkeit, einige Fallbeispiele zu bearbeiten oder sein Wissen mittels eines Tests abzufragen. Ohne Homöopathie-Vorkenntnisse ist diese Publikation allerdings kein einfach zu bewältigendes Nachschlagewerk, um akute Erkrankungen und Notfälle mit Hilfe der homöopathischen Hausapotheke zu behandeln. Schließlich muss er, was die Auseinandersetzung mit der klassischen Homöopathie betrifft, sehr ambitioniert sein, denn hier geht es um die Behandlung des individuellen Krankheitsfalls und nicht um eine Generalisierung der Erkrankung.

Pettenkofer G: Homöopathie bei akuten Krankheiten und Notfällen. München [u.a.]: Pflaum; 2007.
Tibetische Medizin. Eine Einführung in Geschichte, Philosophie, Heilpraxis und Arzneimittelkunde.
— vom 11.07.2007 —
Der tibetische Originaltitel "Klare Nektarstrahlen — eine Erklärung der innersten Bedeutung der tibetischen medizinischen Wissenschaften" würde die potentiellen Leser dieses Buches sicher etwas neugieriger auf den Inhalt werden lassen als die deutsche, förmliche Titelübersetzung. Sobald man aber das Buch aufschlägt und darin zu lesen beginnt — so ungewöhnlich dies auch für ein Theorie- und Praxislehrbuch klingen mag, das man ja weniger von vorn bis hinten mit Genuss liest, sondern studiert — trifft man auf eine faszinierende Übersicht über die Geschichte, Prinzipien und praktische Anwendung der tibetischen Medizin.

Auf den Prinzipien des Buddhismus und einer Jahrtausende alten Tradition basierend, wirkt das tibetische Medizinsystem ein wenig wie ein Anachronismus: jeder zukünftige Praktizierende muss die Schriften, vor allem die vier Tantras, erlernen. Zum Studium der tibetischen Medizin gehört aber auch das Lehrprinizip der "geflüsterten Linie der mündlichen Überlieferung", d.h. die Übermittlung nicht verschriftlichten Wissens an die nächste Generation von Ärzten. Dies und weitere Inhalte des Studiums zeigt, wie vielschichtig der Weg zum gut ausgebildeten tibetischen Arzt sein muss. So kann das vorliegende Buch nur eine geraffte, dafür aber umso interessanter gestaltete Einführung in das tibetische Medizinsystem geben, die für Ärzte wie Laien gleichermaßen geeignet ist, um einen ersten, aber fesselnden Einblick in die tibetische Heiltradition zu erhalten.

Besonders erfreulich ist die Untermalung des Geschriebenen durch die hochqualitativen Arbeiten des begnadeten Fotografen Stephan Köllikers, ohne die das Buch des Dalai Lama-Schülers Khenrab Gyamtso sicherlich um einiges farbloser ausgefallen wäre. Letztendlich erfährt die Publikation natürlich noch eine Aufwertung durch das Vorwort des Dalai Lama. Unabhängig davon sei dieser Titel allen empfohlen, die etwas über das tibetische Medizinsystem lernen wollen: dem Studierenden, um mehr über das "angemessene Verhalten des tibetischen Arztes" zu erfahren, wie auch dem Laien, um sich vielleicht die ein oder andere Verhaltensweise zur Erhaltung der Gesundheit oder Behandlung einer Krankheit anzueignen.

Gyamtso K, Kölliker S: Tibetische Medizin. Eine Einführung in Geschichte, Philosophie, Heilpraxis und Arzneimittelkunde. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2007.
Homöopathie bei Multipler Sklerose. Ein gesamtmedizinisches Therapiekonzept mit neurologischem Repertorium.
— vom 22.06.2007 —
Mit diesem Buch gibt es nun endlich ein umfangreiches Manual zur homöopathischen Behandlung der Multiplen Sklerose (MS). In Zusammenarbeit mit dem Neurologen und Homöopathen Thomas Lorz trug die Ärztin Christa von der Planitz ihre Erfahrungen aus 25jähriger Behandlungspraxis mit an MS erkrankten Patienten, davon 10 Jahre in der klinischen Praxis, zusammen und formte daraus ein für Ärzte, aber auch für Patienten, die sich über alternative Behandlungsformen der MS informieren möchten, ein detailliertes und gleichzeitig praktikables Arbeitsbuch.

In seiner Struktur schlüssig, liefert dieses Lehr- und Praxisbuch eine abgerundete Übersicht über aktuelle schulmedizinische Behandlungsmethoden, Grundlagen und Strategien der homöopathischen Behandlung von MS, Methodik der Fallaufnahme, ein umfangreiches Repertorium, zugeschnitten auf den neurologischen Fachbereich sowie Anregungen zu begleitenden Maßnahmen, in denen der Leser mehr über die Möglichkeiten einer Ernährungsumstellung, aber auch über rehabilitative Maßnahmen wie z.B. die Hippotherapie erfährt. Hervorzuheben ist vor allem das umfangreiche zwölfte Kapitel, in dem die Autorin zwölf ausgewählte Kasuistiken unterschiedlicher Symptomatik in ausführlichster Form auf über 130 Seiten darstellt, wie die Autorin betont, um die "Vielfalt der homöopathischen Schachzüge" in der Behandlung dieser Erkrankung deutlich zu machen. Zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dürften auch die Erkenntnisse, die die Autorin aus den Wiener Seminaren des kanadischen Arztes André Saine zur klassisch-homöopathischen Therapie neurologischer und psychiatrischer Krankheitsbilder mitgenommen hat, in dieses Werk eingeflossen sein.

Für alle Fachleute und Laien mit dem Interesse an der MS-Thematik, die von den langjährigen Erfahrungen der Autorin mit der homöopathischen Behandlung von MS-Patienten profitieren wollen, stellt diese Publikation ein unverzichtbares Werk dar.

Von der Planitz C, Lorz T: Homöopathie bei Multipler Sklerose. Ein gesamtmedizinisches Therapiekonzept mit neurologischem Repertorium. München, Jena: Urban & Fischer (Elsevier); 2007.
Researching Complementary and Alternative Medicine
— vom 21.03.2007 —
In diesem handlichen Buch beschäftigen sich verschiedene Autoren in insgesamt neun Kapiteln mit Strategien der komplementärmedizinischen Forschung. Autoren mit einem gewissen Bekanntheitsgrad in der wissenschaftlich orientierten, internationalen Gemeinschaft der Komplementär- und Alternativmedizin wie Eric Manheimer, Jeannette Ezzo, Maria J. Verhoef oder aber Aslak Steinsbekk veranschaulichen Grundlagen und Spezifika evidenzbasierter Medizin aus dem speziellen Blickwinkel der Komplementärmedizin. Das Buch soll helfen, qualitative und quantitative Methoden der klinischen Forschung hinsichtlich ihrer Anwendung auf Fragestellungen der unkonventionellen Medizin verstehbar zu machen; auch neue, auf Gegebenheiten der komplementären und alternativen Verfahren zugeschnittene Modelle werden vorgestellt, wie z.B. die Kombination qualitativer Studiendesigns, die sich auf die Interaktion "Therapeut – Patient" stützen und quantitativer Studiendesigns, die wie beim randomisierten Versuch auf rein statistischen Verfahren beruhen.

Ebenso werden Problematiken mancher Forschungsmodelle wie der "Randomisierten Kontrollierten Studie" diskutiert, so z.B. Schwierigkeiten der Übertragbarkeit diverser Verblindungsmodelle auf die Situation verschiedener Verfahren der Komplementärmedizin. Besonders hilfreich sind auch die von den Autoren angeführten Beispiele der jeweils praktizierten Forschungsprojekte in ihren Heimatländern, so dass auch die Praktikabilität einzelner Strategien deutlich wird.

Das Buch ist Wissenschaftlern und Studenten, aber auch Ärzten, die sich über Forschungsmodelle in der Komplementärmedizin informieren möchten oder sich Anregungen für die eigene Forschungstätigkeit erhoffen, wärmstens zu empfehlen.

Adams J (ed.): Researching Complementary and Alternative Medicine. London, New York: Routlegde; 2007.