28.01.2016

Unendlich viel Erfahrung und etliches an Wissenschaft

Homöopathie heute
Über 1.000 Studien mit homöopathischen Arzneimitteln liegen heute vor. Gleichzeitig belegen Umfragen, dass immer mehr Menschen Homöopathie kennen und einsetzen. Und überwiegend zufrieden sind mit ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit. Trotzdem stellen Kritiker ungerührt die Homöopathie infrage. Was läuft da falsch?

Die Diskussion über die Homöopathie entstammt der Zeit Samuel Hahnemanns, ihres Begründers. Er hatte sich viele Feinde unter den ärztlichen Kollegen gemacht, denen er "verderbliche Verfahren" vorwarf. Vor über 200 Jahren nicht ohne Grund, machten doch die bevorzugten Behandlungen wie Aderlass, Brech- und Abführkuren oft kränker statt zu heilen. Die Gefährlichkeit dieser Methoden war ein führendes Motiv für Hahnemann, seine neue, unschädliche Medizin zu propagieren.

Hahnemanns Homöopathie musste zudem einen sehr wissenschaftlich anmutenden Ansatz erfüllen: Sie musste nach festen Regeln einsetzbar sein, die sich aus den Symptomen der Patienten ableiteten. Und sie sollte lehr- und lernbar sein, um von allen Ärzten gleichermaßen eingesetzt werden zu können. Die Homöopathie fußt damit auf einer viel moderneren Basis, als viele glauben.

Ohne Zufall: evidenzbasierte Studien
Die Medizin verlangt heute von Studien feste Standards, die nach evidenzbasierten Methoden durchgeführt werden. Um das zu gewährleisten, werden die Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip auf zwei Prüfgruppen verteilt (randomisiert). Eine Gruppe bekommt das zu prüfende Arzneimittel, die andere ein Scheinmedikament (Placebo). Damit keiner zwischen Medikament und Placebo unterscheiden kann, wird beides in Form, Größe und Geschmack angeglichen. So weiß niemand, auch die Prüfärzte nicht, wer eigentlich was bekommt. Das nennt man Verblindung.

Eine dem "Goldstandard" der evidenzbasierten Medizin entsprechende Studie ist also randomisiert, placebokontrolliert und verblindet. Liegt die Wirksamkeit des untersuchten Arzneimittels statistisch klar über der des Placebos, gilt dies als hinreichender Beleg. Seit Jahren werden Studien, die diesem Goldstandard entsprechen, auch zur Homöopathie durchgeführt. Etwa 300 dieser Studien liegen heute vor, über die Hälfte davon ist positiv, hat also ein signifikantes Ergebnis mit klarem Beleg für die Wirksamkeit. Das gilt z. B. für Erkrankungen wie Heuschnupfen, Durchfall bei Kindern, Weichteilrheuma oder Atemwegsinfektionen.

Zweierlei Maß für die Homöopathie
Doch auch die Einhaltung wissenschaftlicher Standards genügt einigen Kritikern offenbar nicht mehr. Jens Behnke von der Karl und Veronica Carstens-Stiftung, die sich der Erforschung alternativer oder richtiger "komplementärer", also ergänzender Medizin widmet, erkennt darin ein Messen mit zweierlei Maß: "Insgesamt lässt sich die Tendenz feststellen, dass die Qualitätsstandards der klinischen Forschung in den Augen einiger Forscher für die Homöopathie nicht in gleicher Weise wie für andere Therapieverfahren gelten. Dies ist häufig dann der Fall, wenn der Homöopathie eigentlich eine über Placebo-Effekte hinausgehende Wirkung bescheinigt werden müsste."

Was Behnke meint, zeigte z. B. eine sogenannte Meta-Analyse von 2005, die großes Aufsehen erregte, weil sie zunächst ein negatives Ergebnis hatte. Eine spätere Überprüfung brachte jedoch zutage, dass hier fraglich vorgegangen worden war. Eine Meta-Analyse aus 2014 belegt dagegen eine sehr eindeutige, sprich signifikante, Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo. Jens Behnke: "Diese Meta-Analyse bewertet 32 placebokontrollierte Studien auf Basis der aktuell höchsten Standards der evidenzbasierten Medizin. Für die auswertbaren Studien ergibt sich ein signifikant positives Ergebnis zugunsten der Homöopathie."

Passend für die Medizin: Beobachtungsstudien
Sich bei der Bewertung einer Behandlungsmethode nur auf randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien zu verlassen, ist nicht immer sinnvoll. Sie zeigen nämlich häufig, ob ein Medikament statistisch besser als Placebo wirkt, aber nicht unbedingt, was Patienten unter AIItagsbedingungen wirklich hilft. Hierfür sind laut Behnke Beobachtungsstudien geeigneter, die untersuchen, was eine Therapie in der Praxis leistet. Solche Beobachtungsstudien zeigen deutlich, dass Patienten von einer homöopathischen Behandlung profitieren: "Bei 4000 Patienten, die fast alle seit Jahren chronisch krank und mit konventionellen Präparaten vorbehandelt waren, zeigte sich nach drei Monaten homöopathischer Therapie eine durchschnittliche Besserung der Beschwerden um 50 Prozent. Ein Viertel der Patienten war nach zwei Jahren sogar vollständig geheilt. Je schwerer die Erkrankung zu Beginn der Studie war, desto größer war die Besserung; Kinder profitierten mehr als Erwachsene von der homöopathischen Behandlung."

Behnke folgert daraus: "Man könnte jedem chronisch Kranken raten, sich bei einem homöopathischen Arzt in Behandlung zu begeben. Die Erfolgsaussichten sind gut, und das Risiko ist gering."

"Outcome-Studie" aussagekräftiger
Die Wirkung der Homöopathie in der Praxis der Krankenversorgung lässt sich besser mit sogenannten Outcome-Studien als mit Placebo-Studien überprüfen. Dabei werden die Gesundheitsänderungen bei Patienten unter Alltagsbedingungen bewertet. In diesen Studien berichten zwischen 55 Prozent und 71 Prozent aller Patienten von starken oder deutlichen Verbesserungen ihres Gesundheitszustandes.
 
Literatur
  1. Homöopathie heute: unendlich viel Erfahrung und etliches an Wissenschaft. In: gesund durch Homöopathie und Schüßler-Salze, Ausgabe 1/2016, S.22f. > Abstract
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Jens Behnke
Dr. Jens Behnke
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