Bild fehlt:/media/banner/543x134_globuli.jpg

Homöopathie: Stand der klinischen Forschung

Eine Stellungnahme der Carstens-Stiftung
Die ausführliche Version dieses Berichts finden Sie unter: Stand der Forschung

Warum dieser Bericht?

Schon  seit über 200 Jahren wird der wissenschaftliche Streit, ob die Homöopathie eine wirksame Therapie ist, die Patienten helfen und heilen kann, erbittert und zum Teil unversöhnlich geführt. Gerade in letzter Zeit flammt dieser Streit erneut auf.  Dieser Bericht soll die bisherige klinische  Forschung,  die  zur  Frage  der Wirksamkeit der Homöopathie betrieben wurde, aus der Sicht der  Karl und Veronica Carstens-Stiftung, dem deutschlandweit größten  Forschungsförderer zur Homöopathie, zusammenfassen und bewerten.
Herausgeber:
Vorstand der Carstens-Stiftung
Am Deimelsberg 36
45276 Essen
Tel.: (0201) 56305 – 0
Fax: (0201) 56305 – 30
www.carstens-stiftung.de

Redaktion:
Dipl.-Stat. Rainer Lüdtke,
ab 2012: Dr. Jürgen Clausen

Stand: 2012

Homöopathie und Forschung – das Problem!
Die Homöopathie ist – entgegen der landläufigen Meinung – ein durchaus heterogenes Therapiesystem: Herstellungsweise und  Anwendung  der Arzneimittel variieren ebenso wie die Vorgehensweise, die  richtige  Arznei  zu finden.  Innerhalb  der  Homöopathie gibt es eine Vielzahl von Schulen und Richtungen  mit einer starken Regionalisierung. Dieser Umstand spiegelt sich auch in der Forschung wider: Klinische Studien und Experimente  der Grundlagenforschung  entstammen  sehr verschiedenen Vorgehensweisen bzw. Richtungen.

Die Homöopathie im praxisrelevanten Kontext
In der Forschung gelten randomisierte  placebokontrollierte  Doppelblindstudien als goldener Standard zur Bewertung  therapeutischer  Interventionen. Komplexe Interventionen, wie z. B. die Homöopathie, werden dabei oft  in  verschiedene Einzelbestandteile zerlegt, deren Wirksamkeit isoliert voneinander geprüft wird.  Neben dieser Studienform haben sich in der klinischen  Forschung  auch sogenannte Outcome-Studien etabliert, deren Ziel die Erfassung gesundheitlicher Veränderungen  unter einer homöopathischen Behandlung ist. Outcome-Studien haben den Vorteil, das  therapeutische Vorgehen in der Homöopathie als Ganzes bewerten zu können. In diesen Studien berichten jeweils weit über 50% aller homöopathisch behandelten  Patienten von relevanten Verbesserungen ihres Gesundheitszustands [1-5]. In der bisher größten Studie dieser Art an 4.000 Patienten aus den Praxen von 100 homöopathischen Ärzten wurde gezeigt, dass es bei schweren chronischen Krankheiten unter homöopathischer Behandlung zu einer  deutlichen Abnahme der Beschwerden kommt; die Lebensqualität der Patienten  nimmt  zu  und der Verbrauch an schulmedizinischen Medikamenten ebenso  deutlich  ab.  Die Besserung hält über den gesamten Beobachtungszeitraum von zwei Jahren an [5].  

Wirken die homöopathischen Arzneimittel?
Zur  Frage, ob das homöopathische Arzneimittel isoliert betrachtet wirksam ist (also  unabhängig  vom Gesamtzusammenhang, in dem die Arzneimittelgabe stattfindet), können ungefähr 220 placebokontrollierte  Studien  identifiziert werden. Davon zeigen etwa zwei Drittel ein für  die  Homöopathie  positivesErgebnis. Verschiedene systematische Übersichtsarbeiten kommen daher zu der Schlussfolgerung,  dass die Effekte der homöopathischen Arzneimittel nicht auf reine Placeboeffekte zurückzuführen seien [6-9]. Dabei muss aber berücksichtigt werden,  dass  ein Großteil der dort bewerteten Studien, wie in allen anderen Bereichen der Medizin auch, den heutigen methodischen Ansprüchen nicht mehr genügt, so dass das Gesamtbild für die Homöopathie zu positiv gezeichnet sein könnte [10]. Die neuesten Analysen sprechen daher davon, dass die Wirksamkeit der Homöopathie nicht mehr generell angenommen werden kann [11].

Bei welchen Erkrankungen der Wirksamkeitsnachweis gelang!
Nach dem derzeitigen Stand kann die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel unterstellt werden bei Heuschnupfen [12, 13],  lebensbedrohlichem Durchfall bei Kindern [14], Weichteilrheuma [15-17], Darmlähmung nach Operation [18] und Atemwegsinfektionen [19]. Dagegen muss angenommen werden, dass bei der Behandlung von Muskelkater [20],  Warzen  [21-23]  und Spannungskopfschmerzen oder Migräne [24] der Arzneimitteleffekt nicht über einen Placeboeffekt hinausgeht. Für die allermeisten Erkrankungen ist der heutige Wissensstand aus wissenschaftlicher Sicht nicht ausreichend, um eine Beurteilung abgeben zu können.

Fazit
Insgesamt steht  die Erforschung der Homöopathie sicher erst am Anfang. Sie befindet sich in einem Stadium der Machbarkeitsprüfung, da zum Teil erst noch die  geeigneten  Methoden gefunden bzw. entwickelt werden müssen. Was die Zukunft der klinischen Forschung angeht, erscheinen  Studien, in denen die homöopathische mit der konventionellen Therapie  verglichen  wird,  besonders sinnvoll  und  Erfolg  versprechender als randomisierte Doppelblindstudien zum isolierten Arzneieffekt. Für eine systematische Erforschung der Homöopathie fehlen allerdings bis heute die wichtigsten Voraussetzungen: die Bereitschaft der Universitäten,  die Homöopathie in ihre Forschung einzubeziehen,  die  Bereitschaft  der homöopathischen  Ärzte, an harter Forschung mitzuwirken, und nicht zuletzt: ausreichend finanzielle Mittel [25].
 
Literatur
  1. Steinsbekk A, Lüdtke R: Patients’ assessments of the effectiveness of homeopathic care in Norway: A prospective observational multicentre outcome study. Homeopathy 2005;94:10-16.
  2. Sevar R: Audit of outcome in 829 consecutive patients treated with homeopathic medicines. Brit Hom J 2000;89(4):178-187.
  3. Clover A: Patient benefit survey: Turnbridge Wells Homoeopathic Hospital. Brit Hom J 2000;89(2):68-72.
  4. Riley D, Fischer M, Singh B, Haidvogel M, Heger M: Homeopathy and Conventional Medicine - An Outcomes Study Comparing Effectiveness in a Primary Care Setting. J Alternat Complement Med 2001;7(2):149-159.
  5. Witt CM, Lüdtke R, Baur R, Willich SN: Homeopathic medical practice: Long-term results of a cohort study with 3981 patients. BMC Public Health 2005;5:115.
  6. Kleijnen J, Knipschild P, ter Riet G: Clinical trials of homeopathy. BMJ 1991;302:316-323
  7. Linde K, Clausius N, Ramirez G, Melchart D, Eitel F, Hedges L, Jonas WB: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? - A meta-analysis of placebo-controlled trials. Lancet 1997;350:834- 843.
  8. Cucherat M, Haugh MC, Gooch M, Boissel J: Evidence of clinical efficacy of homeopathy - A meta- analysis of clinical trials. Eur J Clin Pharmacol 2000;56:27-33.
  9. Mathie RT: The research evidence base for homeopathy - A fresh assessment of the literature. Homeopathy 2003;92(2):84-91.
  10. Sterne JAC, Egger M, Smith GD: Systematic reviews in health care: Investigating and dealing with publication and other biases in meta-analysis. BMJ 2001;323:101-105.
  11. Shang A, Huwiler-Muntener K, Nartey L, Juni P, Dorig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet 2005;366(9487):726-32.
  12. Taylor MA, Reilly D, Llewellyn-Jones RH, McSharry C, Aitchison TC: Randomised controlled trials of homoeopathy versus placebo in perennial allergic rhinitis with overview of four trial series. BMJ 2000;321:471-476
  13. Lüdtke R, Wiesenauer M: A metaanalysis on the pollinosis treatment with homeopathic preparations of Galphimia glauca. Wien Med Wochenschr 1997;147:323-327.
  14. Jacobs J, Jonas WB, Jimenez-Perez M, Crothers D: Homeopathy for childhood diarrhea: combined results and metaanalysis from three randomized, controlled clinical trials. Pediatr Infect Dis J 2003;22(3):229-234.
  15. Fisher P: An Experimental Double-blind Clinical Trial Method in Homoeopathy - Use of a Limited Range of Remedies to Treat Fibrositis. Brit Hom J 1986;75(3):142-147. .
  16. Fisher P, Greenwood A, Huskisson EC, Turner B, Belon P: Effect of Homoeopathic Treatment on Fibrositis (Primary Fibromyalgia). BMJ 1989;299:365-366.
  17. Bell IR, Lewis DA, Brooks AJ, Schwartz GE, Lewis SE, Walsh BT, Baldwin CM: Improved clinical status in fibromyalgia patients trated with individualized homeopathic remedies versus placebo. Rheumatology 2004;43:577-582.
  18. Barnes J, Resch KL, Ernst E: Homeopathy for Postoperative Ileus? - A Meta-Analysis. J Clin Gastroenterol 1997;25(4):628-633
  19. Vickers AJ, Smith C: Homoeopathic Oscillococcinum for preventing and treating influenza and influenza-like syndroms. Cochrane Library 2000;1
  20. Ernst E, Barnes J: Are homoeopathic remedies effective for delayed-onset muscle soreness? - A systematic review of Placebo-controlled trials. Perfusion 1998;11(1):4-8
  21. Khan MT, Rawal RS. Comparative treatments of verruca plantaris. In: Proceedings of 31th Congress of LMHI; 1976; Athens, Greece; 1976
  22. Labrecque M, Audet D, Latulippe L, Drouin J: Homeopathic treatment of plantar warts. Can Med Assoc, J 1992;146(10):1749-1753
  23. Kainz JT, Kozel G, Haidvogl M, Smolle J: Homoeopathic versus Placebo Therapy of Children with Warts on the Hands - A Randomized, Double-Blind Clinical Trial. J Derm 1996;193:318-320.
  24. Ernst E: Homeopathic prophylaxis of headaches and migraine? A systematic review. J Pain Symptom Management 1999;18(5):353-357
  25. House of Lords Select Committee on Science and Technology. 6th report: complementary and alternative medicine. London: Stationery Office; 2000
Diese Seite
per Email versenden
drucken
share on facebook
 
Dr. Jürgen Clausen
Fachbereich Wissenschaftliche Recherche und Forschung
Telefon
Email
▶ umfangreichste Datenbank Europas
▶ Schnellsuche & Expertenrecherche
▶ für Wissenschaftler, Politiker, Journalisten
▶ vier unterstützte Sprachen [mehr]
Download (PDF, 387 KB) des Infoflyers der
Carstens-Stiftung : Natur und Medizin.
Sie benötigen die Flyer nicht virtuell, sondern beispielsweise als Auslage für Ihre Praxis oder Apotheke? 
Kein Problem! Bestellen Sie kostenfrei unter: 0201-56305-0. [mehr]
 
© 2011-2014 Karl und Veronica Carstens-Stiftung | Im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft | Am Deimelsberg 36 | 45276 Essen | Telefon: +49 0201 563050 | Telefax: +49 0201 56305 30