26.07.2011

Homöopathie bei weiblichen Fruchtbarkeitsstörungen

Vergleich zwischen homöopathischer Behandlung und konventioneller Hormontherapie
Projekt
Mehrere Studien in der Ambulanz für Naturheilkunde an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg zum Thema "Homöopathie bei weiblichen Fruchtbarkeitsstörungen".

Ausgangspunkt
Jedes fünfte Paar - davon geht man heutzutage aus - ist ungewollt kinderlos. Ein Zustand, der sich auch in der Ambulanz für Naturheilkunde an der Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg widerspiegelte, welche die Carstens-Stiftung von 1993-1998 unterstützte. Besonders häufig kamen Frauen mit hormonellen Regulationsstörungen in die Sprechstunden. Bei diesen Störungen zeigt sich die Bilanz einer konventionellen Hormontherapie wenig erfolgversprechend: Nur etwa 50% aller behandelten Frauen werden schwanger und in 90% aller durch Medikamente erzielten Schwangerschaften treten Komplikationen auf. Besonders belastend für die Frauen: Selbst wenn eine Schwangerschaft erreicht wird, so stellt doch eine erfolgreiche Einnistung eine weitere Hürde dar, die leider viel zu oft nicht gemeistert werden kann. Nur etwa 20% der auf schulmedizinischem Wege erreichten Schwangerschaften führen auch zur Geburt.

Forschungsschwerpunkt und Ziele
Die ernüchternde Bilanz der Hormontherapie bei Fertilitätsstörungen diente als Ausgangspunkt für mehrere Heidelberger Studien mit dem Ziel, wirksame Alternativen zu finden. Dabei stand vor allem die sogenannte "Baby-take-home-Rate", also die erfolgreiche Geburt als Primärziel, im Mittelpunkt. Großes Augenmerk wurde ebenfalls auf die Verträglichkeit und eventuelle Nebenwirkungen gelegt. Die Homöopathie kristallisierte sich schließlich als erfolgreiche Behandlungsmethode heraus.

Design
Ausgewählt wurden Probandinnen zwischen 20 und 40 Jahren, die sich seit mehr als 2 Jahren ein Baby wünschten, unter hormonellen Störungen litten und mindestens einen durchgängigen Eileiter hatten. Bei den Partnern wurden ein normales Spermiogramm und weitere positive Testergebnisse vorausgesetzt.

Anschließend wurde bei den Probandinnen eine umfangreiche Sterilitätsdiagnostik durchgeführt (u.a. wiederholte Hormon-Messungen, Bestimmung des Eisprungs, Bestimmung der Spermienbeweglichkeit im Muttermundschleim und Untersuchung der Eileiterdurchlässigkeit). Daraufhin wurden die Frauen in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Homöopathie-Gruppe und eine Hormontherapie-Gruppe. Alle Teilnehmerinnen wurden jeweils individuell behandelt.

Am Anfang jeder Behandlung stand eine ausführliche Anamnese, die weit über die gynäkologische Problematik hinausging. Sie erfasste die verschiedensten Beschwerden und Symptome, die psychische Verfassung, die Interaktion mit dem sozialen Umfeld, Vorlieben, Abneigungen und vieles mehr. All diese Daten wurden gesammelt und ausgewertet, um ein möglichst vollständiges Bild vom ganzen Menschen zu erhalten. In der Homöopathie-Gruppe wurde auf dieser Grundlage dann dasjenige homöopathische Arzneimittel ausgewählt, welches der Gesamtheit der Symptome am ehesten entsprach.

Dort fanden alle 4-6 Wochen ambulante Kontrollen statt, bei der Beschwerdelisten von den Teilnehmerinnen ausgefüllt und statistisch ausgewertet wurden. Nach 3 und 6 Monaten wurde das Hormon-Aufkommen kontrolliert. In der Zyklusmitte wurde eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt und die Spermienbeweglichkeit erneut getestet. Wenn nach 6-12 Monaten keine Schwangerschaft eingetreten war, wurde die Behandlung zunächst abgebrochen und den Patientinnen empfohlen, sich mit den üblichen Medikamenten behandeln zu lassen.

Zwischenergebnis
Die Studien ergaben zunächst, welche Faktoren eine Schwangerschaft - unabhängig von der Therapieform - begünstigen oder erschweren. So waren die erfolgreich behandelten Frauen deutlich jünger, als die erfolglos therapierten. Auffallend war ebenfalls, dass mit wachsender Dauer des Kinderwunsches eine Schwangerschaft immer unwahrscheinlicher wurde. Zudem trägt eine gesunde, ausgeglichene Lebensweise zum Erfolg bei, wogegen sich eine belastende Lebensweise (z.B. Stress, schlechte Ernährung, zu wenig Schlaf) negativ auswirkt. Schließlich konnten Untersuchungen zeigen, dass die Belastung mit Schwermetallen (Cadmium, Blei, Quecksilber, Arsen und Kupfer) einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat.

Ergebnis
In den Studien gab es bei beiden Behandlungsformen etwa gleich hohe Schwangerschaftsraten, wobei es in der Hormontherapie-Gruppe weitaus mehr Fehlgeburten gab. Die Baby-take-home-Rate lag hier also deutlich niedriger.

In der Homöopathie-Gruppe hingegen traten nicht nur keine Nebenwirkungen auf - bei mehr als der Hälfte der Frauen verbesserten sich außerdem die Hormonwerte deutlich, bei über 2/3 der Frauen nahmen auch andere Beschwerden ab, über die sie zu Beginn der Behandlung geklagt hatten.

Für Patientinnen in der Homöopathie-Gruppe waren weniger Kontrollen nötig, häufigere Arztbesuche und lange Wartezeiten entfielen. Mit höchstmöglichen Kosten von etwa 500€ ist die homöopathische Therapie etwa um den Faktor 10 billiger als die Hormon-Therapie.

Auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse erscheint es unverantwortlich, Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch eine homöopathische Therapie vorzuenthalten. Ein Therapieversuch hat die gleichen Chancen auf Erfolg wie die konventionellen Therapien, ist jedoch nebenwirkungsärmer, weniger belastend und zudem können erhebliche Kosten eingespart werden.

Projektleitung:
> Prof. Dr. Ingrid Gerhard

Forschungsschwerpunkt:
> Homöopathie

Förderzeitraum:
> 1993-1998
 
Literatur
  1. I. Gerhard. G. Reimers, C. Keller, M. Schmück: Weibliche Fertilitätsstörungen. Vergleich homöopathischer Einzelmittel- mit konventioneller Hormontherapie. therapeutikon 7 (7/8) 309-315, Juli 1993. > Abstract
 
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