|
17.08.2011
Die Mistel als Immunmodulator
Studie an der Ambulanz für Naturheilverfahren und Umweltmedizin in Freiburg
Zur Sache
Mistelpraparate werden seit Jahrzehnten in der Tumortherapie eingesetzt. In zahlreichen Versuchen konnte gezeigt werden, dass Mistelpraparate immunmodulierende Eigenschaften haben. Eine wesentliche Wirkung wird hier den Mistellektinen zugeschrieben, die in den anthroposophischen Präparaten unterschiedlich dosiert sind. Wie die Mistellektine bzw. der Gesamtextrakt nun genau auf das Immunsystem wirken, war jedoch bislang noch nicht klar, da auch immer der direkte Effekt der Lektine auf die Krebszellen berucksichtigt werden musste. Zudem war das Patientenkollektiv der verschiedenen Studien aufgrund unterschiedlicher Krebserkrankungen in unterschiedlichen Stadien haufig inhomogen. Eine Studie an Gesunden gab es bislang uberhaupt nicht. Zur Studie "Wir wollten untersuchen, ob sich die immunmodulatorischen Eigenschaften der Mistelpraparate auf die Anfalligkeit gegenuber grippalen Infekten auswirken", so einfach, klar und deutlich ist das Ziel der Studie formuliert, die von einem Team mehrerer Arzte unterschiedlicher Einrichtungen durchgefuhrt wurde. Im Rahmen einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie wurden zwischen Januar 1999 und Juni 1999 jeweils 16 Testpersonen – Studenten, Krankenschwestern und Ärzten der Universitatsklinik Freiburg – ein lektinarmes Mistelpraparat, ein lektinreiches Mistelpraparat oder Placebo (physiologische Kochsalz-Lösung) über einen Zeitraum von 12 Wochen 2-mal pro Woche in aufsteigender, vergleichsweise hoher Dosierung unter die Haut gespritzt. Wöchentlich während der Wochen 1-12 sowie abschließend nach 26 Wochen wurden die Probanden ausfuhrlich befragt, ob sie sich erkältet hatten bzw. an einem grippalen Infekt litten, an Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Ohrenschmerzen, Fieber, Gliederschmerzen oder Kopfschmerzen. Ergebnisse Während der 12 Injektionswochen erkrankten die Teilnehmer der Placebo-Gruppe im Durchschnitt 1,5-mal an einem grippalen Infekt, die Teilnehmer der "lektinarmen" Gruppe 1,4-mal und in der "lektinreichen" Gruppe 1,1-mal. Auch im Hinblick auf die Dauer der grippalen Infekte gab es Unterschiede: Bei der Placebo-Gruppe dauerte der grippale Infekt im Mittel 2,3 Wochen, in der "lektinarmen" Gruppe 1,9 Wochen und in der "lektinreichen" Gruppe nur 1,4 Wochen. Auch danach, im Beobachtungszeitraum von 26 Wochen, hielten die Unterschiede der drei Gruppen an. Ein weiteres Ergebnis war, dass alle Probanden der beiden Verumgruppen Antikörper gegen eine Gruppe der Viscotoxine bildeten, alle Probanden der "lektinreichen" Gruppe und 40% der "lektinarmen" Gruppe zudem Antikörper gegen das Mistellektin 1. Bei allen Probanden, die Mistelpraparate erhielten, traten dosisabhängig Lokalreaktionen auf, die unter dem lektinreichen Präparat aus der Eichenmistel stärker waren als unter dem lektinarmen Präparat. Juckreiz an der Injektionsstelle trat fast ausschließlich unter dem lektinreichen Präparat auf. Wegen der zum Teil ausgeprägten Lokalreaktionen wurde die Verträglichkeit der Verumpräparate schlechter als Placebo eingeschatzt. Ernsthafte Nebenwirkungen waren jedoch nicht zu beobachten. Es konnte zudem nachgewiesen werden, dass – was bislang neu war – die Mistelpräparate nicht nur auf das unspezifische Immunsystem aktivierend wirken, sondern auch auf eine Untergruppe der T-Lymphozyten, den so genannten T-Helfer-2- Zellen. Dies äußert sich am Anstieg bestimmter Botenstoffe (Zytokine) und einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen, den eosinophilen Granulozyten. Fazit Die Untersuchung zeigte einen Trend zu einer verringerten Häufigkeit und verkürzten Dauer grippaler Infekte unter dem lektinreichen Präparat und die Ergebnisse lassen die Misteltherapie fur Erkrankungen, bei denen das spezifische Immunsystem derart verschoben ist, dass zu wenig T-Helfer-2-Zellaktivität vorliegt, moglicherweise interessant werden. Hinweis für Patienten Wenn auch die Mistelpräparate eine immunmodulierende Wirkung aufwiesen, so ist dennoch vor einer Selbstbehandlung in Eigenregie abzuraten. |