24.09.2014

Die Datenbank CORE-Hom

Klinische Forschung in der Homöopathie
Kürzlich ist eine neue Veröffentlichung der Karl und Veronica Carstens-Stiftung in der internationalen Fachzeitschrift Homeopathy (zum Open Access-Artikel) erschienen (1,12). Die Veröffentlichung stellt die Datenbank CORE-Hom vor und erklärt ihre Bedienung.

In CORE-Hom werden Informationen aus klinischen Studien in der Homöopathie gesammelt. Die Datenbank ist in ihren Grundzügen noch von Rainer Lüdtke, lange Jahre Statistiker der Karl und Veronica Carstens-Stiftung, entwickelt worden und wurde 2013, in Zusammenarbeit mit dem Homeopathy Research Institute aus Großbritannien, für alle Interessierten über das Internet frei (nach kostenloser Registrierung) zugänglich gemacht.

CORE-Hom steht dabei für "Clinical Outcome REsearch in Homeopathy". Der Name soll darauf hinweisen, dass neben kontrollierten, randomisierten und verblindeten klinischen Studien auch Beobachtungsstudien und Fallserien in die Datenbank Eingang finden. Insgesamt umfasste die Datenbank 1048 Einträge im Mai 2014, aber wöchentlich kommen neue Studien hinzu oder alte, bisher unbekannte, Studien werden in der Literatur gefunden und nachträglich eingepflegt. Ende August 2014 enthielt die Datenbank daher bereits 1070 Einträge.

Die Benutzeroberfläche
Die Datenbank-Einträge können nach verschiedensten Kriterien gefiltert werden. Diese Suchkriterien umfassen die untersuchte Erkrankung (z.B. Schuppenflechte oder Migräne) oder eine gröbere Einteilung nach Krankheitsfeldern wie Hautkrankheiten, neurologische Erkrankungen etc. Weitere Suchkriterien sind beispielsweise, welche Substanzen verwendet wurden und welche Autoren (und in welchem Jahr) an der Veröffentlichung der Studien beteiligt waren. Insgesamt gibt es 19 verschiedene Suchkriterien.

In den Suchergebnissen werden neben den filterbaren Kriterien zusätzliche Informationen bereitgestellt. So wird zu jeder Studie das Hauptergebnis zusammengefasst und eventuell werden Besonderheiten oder kritische Anmerkungen zur Studie angegeben. Außerdem lassen sich Informationen finden, wie viele Patienten an der Studie teilnahmen, welche Potenzen verwendet wurden und welche weiteren Veröffentlichungen die Autoren zum Thema geschrieben haben. Die Ergebnisse können entweder als Tabelle oder als Dateikarte dargestellt und können in der Dateikartenansicht auch ausgedruckt werden.

In Abbildung 1 ist die Benutzeroberfläche der Datenbank dargestellt. Im Kasten A sind diejenigen Suchkriterien zusammengefasst, die sich mit den Details der Studie beschäftigen (Indikation, Arzneimittel, Verteilung der Patienten usw.). Mit den Filtern in Kasten C kann hingegen nach bibliographischen Details wie Autor und Veröffentlichungsjahr gesucht werden. Der Kasten E legt die Art der Darstellung der Suchergebnisse (Tabelle, Dateikarte) fest. Da viele Studien mehrfach (z.B. in Form einer Doktorarbeit, als Kurzzusammenfassung oder als Übersetzung in eine andere Sprache) veröffentlicht werden, ermöglicht die Aktivierung des Kästchens B, diese Zweitveröffentlichungen herauszufiltern.

Schließlich fasst der Kasten D die Ergebnisse verschiedener Meta-Analysen zusammen. Eine Meta-Analyse ist eine zusammenfassende Analyse von Ergebnissen aus mehreren Studien zu einem Thema. Durch die größere Anzahl an eingeschlossenen Patienten ist das zusammengefasste Ergebnis zuverlässiger als die Einzelergebnisse, was Größe der zu erwartenden Effekte und Richtung der Effekte angeht. Prominente Meta-Analysen in der Homöopathie wurden von Dean (2), Linde (3) und Shang (4) veröffentlicht. Die Ergebnisse dieser Meta-Analysen sind in die CORE-Hom Datenbank eingepflegt worden. Ein übliches Maß für den Vergleich von zwei Behandlungen, von der einen oder anderen Behandlung zu profitieren, ist die Berechnung des Chancenverhältnisses (englisch Odds Ratio, abgekürzt OR). Werden die grünen Kontrollkästchen per Mausklick aktiviert, werden die Einträge in der CORE-Hom Datenbank nach denjenigen Studien gefiltert, die in der Meta-Analyse von Linde (89 Studien) und Shang (108 Studien) analysiert worden sind (vom besten bis zum schlechtesten Chancenverhältnis). Darüber hinaus können die Datensätze nach anderen Qualitätskriterien über die gelben Filter sortiert werden. Die Grenzen der Qualitätsfilter lassen sich stets mit den Reglern (gekennzeichnet mit einem roten X) variieren oder können über die Tastatur eingegeben werden.



Abbildung 1: Die Benutzeroberfläche von CORE-Hom

Zahlen und Fakten
Ende August waren in der CORE-Hom Datenbank 1070 Einträge hinterlegt, darunter 471 Erstveröffentlichungen. 313 dieser Einträge repräsentierten randomisierte oder quasi-randomisierte Studien, die in der evidenzbasierten Medizin eine besondere Rolle spielen. Von diesen wurde die Mehrzahl (n = 201) in Zeitschriften mit unabhängigem Gutachtersystem veröffentlicht (englisch peer reviewed). Hinzu kamen 90 Beobachtungsstudien. Das am häufigsten untersuchte Arzneimittel war Arnica (93 Einträge) und die am häufigsten Untersuchte Krankheit waren Infektionen der oberen Atemwege (126 Einträge).
 
Die CORE-Hom Datenbank wird laufend aktualisiert. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung ist dabei für die Mitarbeit der Datenbank-Nutzer sehr dankbar und nimmt Hinweise auf fehlerhafte oder fehlende Einträge gerne entgegen. Bei Interesse an zusätzlichen Informationen über CORE-Hom und weitere Datenbanken der Karl und Veronica Carstens-Stiftung stehen verschiedene weitere Publikationen zur Verfügung (5-11).
 
Literatur
  1. J. Clausen, S. Moss, A. Tournier, R. Lüdtke, and H. Albrecht (2014) CORE-Hom: A powerful and exhaustive database of clinical trials in homeopathy. Homeopathy 103(4):219-23. > Abstract
  2. M. E. Dean (2004) The Trials of Homeopathy, KVC-Verlag, Essen, Germany. > Abstract
  3. K. Linde, N. Clausius, G. Ramirez, D. Melchart, F. Eitel, L. V. Hedges, and W. B. Jonas (1997) Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Lancet 350(9081), pp. 834-843. > Abstract
  4. A. Shang, K. Huwiler-Muntener, L. Nartey, P. Juni, S. Dorig, J. A. Sterne, D. Pewsner, and M. Egger (2005) Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet 366(9487), pp. 726-732. > Abstract
  5. J. Clausen and H. Albrecht (2013) Die Datenbanken der Karl und Veronica Carstens-Stiftung. Reckeweg Journal 8(1), pp. 21-23.
  6. Clausen, J. and Albrecht, H. (2013) Spezialdatenbanken der Karl und Veronica Carstens-Stiftung (H. Albrecht and M. Frühwald [eds.]), pp.103-110, Essen, Germany. > Abstract
  7. J. Clausen, R. T. Mathie, and H. Albrecht (2013) Homöopathie: Stand der klinischen Forschung. Gudjons aktuell 15(3), pp. 4-19. > Abstract
  8. J. Clausen, H. Albrecht, and R. T. Mathie (2013) Veterinary Clinical Research Database for Homeopathy: Placebo-Controlled Trials. Complementary Therapies in Medicine 21(2), pp. 115-120. > Abstract
  9. J. Clausen and H. Albrecht (2013) Specialised databases of the Karl and Veronica Carstens-Stiftung. Research Updates-Homeopathy 2(6-8), pp. 48-55. > Abstract
  10. J. Clausen and H. Albrecht (2010) Database on veterinary clinical research in homeopathy. Homeopathy 99(3), pp. 189-191. > Abstract
  11. Clausen, J. (2010) Veterinary Clinical Research Database for Homeopathy. > Abstract
  12. Rutten AL. Knowing what we are talking about: The CORE-Hom database on clinical research in homeopathy is an important advance. Homeopathy. 2014 Oct;103(4):217-218. > Abstract
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Dr. Jürgen Clausen
Fachbereich Wissenschaftliche Recherche und Forschung
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